Emma Thompson und Lindsay Doran arbeiten seit 1990 als ein Team im Bereich Drehbuch und Filmproduktion zusammen; kennen gelernt haben sie sich bei der Produktion von „Schatten der Vergangenheit“, in dem Thompson die Hauptrolle spielte und Doran als Produzentin verantwortlich zeichnete. Damals suchte Doran bereits seit zehn Jahren nach jemandem, der Jane Austens „Sinn und Sinnlichkeit“ für die Kinoleinwand adaptieren sollte. Als sie dann einige Episoden der TV-Comedy-Serie aus der Feder von Thompson – und die passenderweise den Titel „Thompson“ trug – sah, war Doran überzeugt, die richtige Autorin für diese Leinwandadaption gefunden zu haben, obwohl Emma Thompson noch nie zuvor ein Kinodrehbuch geschrieben hatte.
Als große Bewunderin der Werke von Jane Austen übernahm Thompson den Auftrag kurz vor Abschluss der Dreharbeiten zu „Schatten der Vergangenheit“; fünf Jahre später kam „Sinn und Sinnlichkeit“ in die Kinos. Der Film wurde sowohl unter den Kritikern als auch an den Kinokassen zu einem großen Erfolg und erhielt sieben Oscar-Nominierungen, darunter auch in der Kategorie Bester Film; Emma Thompson wurde für die Beste Drehbuchadaption ausgezeichnet. Der Film gewann auch den Golden Globe Award in der Kategorie Best Picture/Drama sowie einen BAFTA als Bester Film.
„Emma ist eine außergewöhnliche Autorin“, erzählt Doran. „Sie hat ein wunderbares Gespür für komödiantisches und dramatisches Tempo, und ihre Arbeit kann herzzerreißend emotional sein, ohne jemals ins Sentimentale abzugleiten. Außerdem verfügt sie über die bemerkenswerte Fähigkeit, historische Sprache auf eine Weise darzustellen, die völlig epochengetreu und trotzdem für das moderne Ohr leicht zugänglich ist. Sogar ihre Regieanweisungen sind wunderbar zu lesen. Jedes Wort ist durchdacht und präzise gewählt.“
Nach der Erfahrung mit „Sinn und Sinnlichkeit“ suchten Thompson und Doran nach einem weiteren gemeinsamen Projekt, dem sie sich mit ebensoviel Leidenschaft widmen konnten. Doch obwohl sie oft über mögliche Ideen sprachen, war lange nicht das Richtige dabei – bis Thompson dann während eines Mittagessens im Jahre 1997 Doran von der englischen Kinderbuchreihe Nurse Mathilda erzählte. „Ich hatte noch nie davon gehört“, erinnert sich Doran, die damals Präsidentin von United Artists Pictures war. „Ich glaubte, das würde nur mir so gehen, doch später wurde mir klar, dass sogar in England nur wenige Menschen diese Bücher kennen.“
Emma Thompson erinnert sich: „Die Bücher fand ich bei mir im Regal. Es war nicht meine Lieblingslektüre, doch ich mochte sie sehr und fand die Illustrationen toll. Sie sind geistreich, voller trockenem und schwarzem Humor, aber gleichzeitig sehr zartfühlend und süß. Der erste Band fiel mir vor ungefähr sieben Jahren wieder in die Hände und ich fand, es hat etwas Interessantes an sich.“
„Während jenes Mittagessens erzählte mir Emma den Grundriss der Geschichte“, berichtet Doran. „Und ohne weitere Details zu hören, ohne die Bücher gelesen zu haben, ohne weitere Informationen als diejenigen, die sie mir gegeben hatte, fand ich die Idee für einen Film einfach fantastisch. In den folgenden Tagen reifte das Konzept in mir heran; ständig dachte ich darüber nach, wie dieses oder jenes funktionieren könnte, wie lustig und wie emotional aufwühlend es realisiert werden könnte. Das ist für mich der beste Weg, mit der Entwicklung eines Projekts zu beginnen – in einem Zustand der positiven Anspannung und Begeisterung.“
Nachdem Doran die drei Bände (Nurse Matilda, Nurse Matilda Goes to Town und Nurse Matilda Goes to Hospital), die nicht mehr verlegt wurden, in einer Stadtbücherei aufgestöbert hatte, sicherte sie sich die Rechte für eine Drehbuchadaption durch Thompson und die Entwicklung von „Eine zauberhafte Nanny“ begann.
Die Kinderbücher schrieb Christianna Brand Anfang der 1960er Jahre und erzählen die Legende eines merkwürdig aussehenden, magischen Kindermädchens, das eine Großfamilie mit sehr ungezogenen Kindern zähmt. Diese Nanny setzt Zauberei ein, um den Kindern wichtige Lektionen zu erteilen – und wenn die Kinder eine Lektion lernen, verändert sich scheinbar auch das Aussehen des Kindermädchens. Die Geschichten von Nurse Matilda wurden über Generationen hinweg in der Familie der Autorin durch Erzählungen weitergegeben. Christianna Brand war das Pseudonym von Mary Christianna Lewis, einer preisgekrönten Mystery-Autorin; sie erwähnte die Protagonistin Nurse Matilda zum ersten Mal in ihrer Anthologie Naughty Children, für die ihr Cousin, der berühmte Kinderbuchillustrator Edward Ardizzone, die Illustrationen anfertigte, und nahm diese Figur dann in drei weiteren Büchern wieder auf.
Diese Bücher sind eine sprudelnde, reiche Quelle für Material, das Thompson und Doran überzeugte; beide hatten das Gefühl, dass die Figuren, Situationen und Beziehungen von zeitloser Gültigkeit sind. „Welche Eltern hätten nicht gerne jemanden im Haus, der ihre Kinder mit einem Wink des Zauberstabes zu guten Kindern macht?“, fragt Doran. „Wer würde das nicht wollen? Und welches Kind hätte nicht gerne jemanden zuhause, der zaubern kann – auch wenn das Kind selbst erst einmal zum Opfer dieser Zauberei wird? Es macht einfach Spaß, jemanden um sich zu haben, der mit dem Zauberstab wedelt und einen Esel zum Tanzen bringt. Jedermann kann sich die Erfüllung eines solchen Wunsches gut vorstellen.“
Die Arbeit an der Adaption von Brands Büchern kostete jedoch weit mehr „Blut, Schweiß und Tränen“ als das Drehbuch zu „Sinn und Sinnlichkeit“, denn bei der Textvorlage von Jane Austen übernahm Thompson zunächst alles, um es dann zu einer Essenz zu kondensieren. Doch „Eine zauberhafte Nanny“, erzählt sie, „war eher eine Eigenschöpfung, denn die Nurse Matilda-Bücher haben keinen Plot. Und sie umfassen so viele Genres – Drama, Komödie, Slapstick, Farce, Gespenstisches... Der gesamte Vorgang war aufgrund dieser Vielschichtigkeit viel anstrengender als alles, was ich zuvor geschrieben hatte.“
Während Thompson das Material zu einer Geschichte verwob, wandte sie sich oft hilfe- und trostsuchend an Doran, genau wie während der Arbeit an „Sinn und Sinnlichkeit“. Thompson erzählt: „Lindsay verkörpert den Begriff ‚Produzentin‘ in Vollendung. Ich habe mit sonst niemandem zusammengearbeitet, der diese Qualitäten besitzt – denn sie ist auch eine großartige Lektorin. Meine Drehbücher wären ohne sie nicht das, was sie sind. Besonders da ich mit „Sinn und Sinnlichkeit“ noch am Anfang stand – und ich hätte es ohne ihre Formgebung und Formulierungen niemals fertiggebracht. Sie ist außergewöhnlich.“
Schon sehr bald einigten sich Thompson und Doran darauf, den Namen der Nanny zu ändern. Zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, war die Bezeichnung ‚Nurse’ ein Synonym für ‚Nanny‘. „Doch nachdem mich etliche Leute nach meinem ‚Nurse-Projekt‘ mit Emma Thompson gefragt hatten, war klar, dass wir diese Bezeichnung abändern mussten“, erinnert sich Doran. Außerdem gab es das Buch von Roald Dahl und die Filmadaption unter dem Titel „Matilda“, ein weiterer Grund für die Namensänderung. „Wir haben einige Möglichkeiten in Betracht gezogen und uns irgendwann für - im Original - „Nanny McPhee“ entschieden“, erzählt Doran. „Es war Emmas Mutter, die Schauspielerin Phyllida Law, die auf ‚McPhee‘ kam, und es klang sofort überzeugend.“ Phyllida Law ist es auch, die im Originalfilm jene Worte spricht, die Mr. Brown zu Beginn etliche Male hört: „Die Person, die du brauchst, ist Nanny McPhee.“
2002 waren die fünf Jahre andauernden Schreibarbeiten für das Drehbuch abgeschlossen und man machte sich auf die Suche nach einem Regisseur.