Donnerstag | 31. Mai 2012 | 10:33 Uhr
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  • Eine zauberhafte Nanny

    Familie, Komödie | Großbritannien 2005
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      • | Das Baby fressen

      • Als Doran davon hörte, dass Kirk Jones sie bezüglich der Regiearbeit für „Eine zauberhafte Nanny“ treffen wollte, erwartete sie einen viel älteren Mann. Jones war Drehbuchautor und Regisseur von „Lang lebe Ned Devine!“ (1998), hatte jedoch seitdem keinen weiteren Kinofilm gedreht. „Viele dachten, Kirk Jones sei ein 90jähriger irischer Gentleman“, erzählt Doran. „Das machte Sinn: Er hatte diesen Film über irische Greise realisiert und danach hatte niemand in Amerika je wieder von ihm gehört – also nahm man irgendwie an, er sei wohl gestorben, der arme alte Kerl. Es war ein riesiger Schock für mich als ich entdeckte, dass Kirk Jones 36 und noch nicht einmal Ire ist.“

        „Lang lebe Ned Devine!“ ist eine gefühlvolle Komödie, die weltweit das Kinopublikum begeisterte; sie handelt von einem alten Mann, der vor Schreck stirbt als er erfährt, dass er im Lotto gewonnen hat – und wie das gesamte kleine irische Dorf zusammenhält, um den Gewinn zu kassieren.

        „Dieser großartige Film wurde mit einem winzigen Budget gedreht“, meint Emma Thompson, „hat dann aber an den Kassen so viel eingespielt, weil Kirk damit ein universelles Thema entwickelt hat. Und bezeichnenderweise hat er darin genau den richtigen Ton getroffen, nach dem auch wir suchten, obwohl „Lang lebe Ned Devine!“ vom Tod handelt – aber auch in „Eine zauberhafte Nanny“ basieren viele der emotionalen Szenen auf dem Thema der verstorbenen Mutter, und viele der komödiantischen Szenen auf Mr. Browns Job beim Bestattungsinstitut.“

        Genau diese Fähigkeit, in düsteren Situationen die lustige Seite aufzuspüren und Gefühle und Menschlichkeit in ein verrückt-witziges Szenario einzubringen, war es, die Jones für Doran interessant machte. „Der Humor in ‚Lang lebe Ned Devine!’ lässt einen lauthals auflachen“, erzählt sie. „Man lächelt nicht bloß, sondern bricht in schallendes Gelächter aus, und das ist mir sehr wichtig. Die Zuschauer haben diesen Film geliebt, er war weltweit ein großer Erfolg, denn die Geschichte funktioniert überall. Genau nach dieser universellen Gültigkeit strebten wir auch mit „Eine zauberhafte Nanny“ – und es war eindeutig, dass Kirk instinktiv genau das gewährleisten konnte.“

        Jones ist ein erfolgreicher und preisgekrönter Werbespotregisseur, der u.a. 1996 mit dem Silbernen Löwen in Cannes ausgezeichnet wurde; seit „Lang lebe Ned Devine“ war er auf der Suche nach einem Projekt, an das er glaubte. „Nach der Regie an meinem ersten Film fiel es mir sehr schwer, mich für ein weiteres Projekt zu begeistern“, erklärt er. „Ein Drehbuch zu finden ist wie ein Haus zu kaufen – es kann Jahre dauern, bis man das Richtige findet, die Entscheidung kann Verwirrung stiften, doch wenn man es betritt, fühlt man sich sofort wie zuhause.“

        Jones reagierte auf Thompsons Drehbuch genau wie Thompson und Doran auf „Lang lebe Ned Devine“ reagiert hatten. Das Gefühl der Erleichterung, das richtige Drehbuch gefunden zu haben, war unglaublich groß. „Als ich „Eine zauberhafte Nanny“ las, wusste ich sofort, dass dies ein Film war, bei dem ich wirklich gerne Regie führen wollte“, meint Jones. „Das Drehbuch steckte voller Sinn für Theatralisches, voller Magie, Charme, Humor und Gefühl – doch vor allem war es offensichtlich, dass dieses Script so kunstvoll gefertigt und gepflegt worden war, sodass es schon wie ein Klassiker wirkte.“

        „Dies ist das perfekte Einsatzgebiet für Kirk“, sagt Glynis Murray, die seit über einem Jahrzehnt Jones Mitarbeiterin in der Produktion ist und für „Eine zauberhafte Nanny“ als Ko-Produzentin fungierte. „Kirk porträtiert Menschen auf sehr unverfälschte Weise; er besitzt die Fähigkeit, die gesamte Figur zu erfassen, nicht nur die übertriebensten Charakterzüge.“

        Doran erkannte diese Tugenden in Jones bereits bei ihrem allerersten Treffen, als er erzählte, eine seiner Lieblingsfiguren in diesem Drehbuch sei Mr. Browns Stuhl. „Kirk sprach mit unglaublicher Leidenschaft von diesem Möbelstück“, erzählt Doran. „Er sagte, dass, wenn er seinen Job richtig macht, dieser Stuhl eine Nominierung als Bester Nebendarsteller bekommen würde. Er verstand eindeutig die Gefühle, die damit zusammenhingen, und wusste ganz genau, warum es zugleich lustig und ergreifend ist, wenn Nanny McPhee sich vor dem Stuhl verneigt, als sitze dort jemand.“

        „Das war ein Detail an diesem Drehbuch, das mich total faszinierte“, erklärt Jones. „Mr. Brown saß abends immer gerne vor dem Kaminfeuer und unterhielt sich mit seiner Frau. Und obwohl sie bereits vor einem Jahr verstorben ist, tut er genau das auch weiterhin, indem er sich mit dem kleinen rosafarbenen Stuhl unterhält, in dem sie üblicherweise saß. Meiner Meinung nach hat es Emma geschafft, ein lebloses Objekt zu einer der wichtigsten, ergreifendsten und unvergesslichsten Figuren des gesamten Films zu machen.“ Jones’ Sorge um Mrs. Browns Stuhl setzte sich auch während der Dreharbeiten fort, besonders als dieser Stuhl bei einem Sturz ‚verletzt’ wurde. „Colin fiel während der Tee-Szene darauf, und eines der Beine brach ab“, erinnert er sich. „Der Tischler bohrte in den Stuhl hinein, um das Bein wieder zu befestigen; ich stand dahinter und wich dem Stuhl während der gesamten Operation nicht von der Seite.“

        Jones’ großes Einfühlungsvermögen in die Materie verlieh dem Projekt eine neue Perspektive und Tiefe, wie sie Thompson selbst nicht vermutet hätte: „Man schreibt kein Drehbuch, um es zu konservieren, sondern versucht, es so gut wie möglich aufzubauen, damit der Regisseur dann eingreifen und es verändern kann, die Essenz jedoch erhalten bleibt, wobei sich das ursprüngliche Script aber verbessert. Es geht darum, für die Regiearbeit jemanden zu finden, der die eigene Vision und Empfindungen ergänzt.“

        „Außerdem“, fügt sie hinzu, „stammt die wunderbare Idee, die Kinder vorgeben zu lassen, dass sie das Baby fressen, von Kirk. Er fand in einem der Nurse Matilda-Bücher eine Szene, in der die Kinder so tun, als würden sie einen Jungen verspeisen, und wollte so etwas unbedingt auch in den Film einbauen.“

        Die Ungezogenheit der Kinder auf die Spitze zu treiben, war für Jones ein besonderer Genuss. „Statt die Türklinken mit Klebstoff zu bestreichen, haben wir die Klinken mit Elektrokabeln unter Strom gesetzt“, berichtet er. „Es war mir auch wichtig, dass Mrs. Quickly beim Teetrinken diesen Wurm nicht nur zum Mund führt, sondern auch wirklich hineinbeißt. (Celia Imrie nahm während der Dreharbeiten tatsächlich einen Wurm in den Mund.) Da ich selbst zwei Söhne habe weiß ich, dass Kinder auf echt fiese Dinge sehr positiv reagieren.“

        Vom ersten Tag an machte Thompson klar, dass sie zwar als Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin stark in das Projekt involviert war, dies jedoch Jones’ Film sein sollte. „Ich hatte keinerlei Bedenken, sie im Verlauf der Dreharbeiten auch auf Veränderungen anzusprechen“, erzählt der Regisseur. „Sie arbeitet sehr hart daran, das bestmögliche Drehbuch zu verfassen, doch nach Beginn der Dreharbeiten kann sich herausstellen, dass etwas geändert werden muss, eine bestimmte Szene nicht wie erwartet funktioniert oder ein Dialog umgeschrieben werden muss – und sie hat sich der Dinge angenommen. Sie empfindet die Worte nicht als in Stein gemeißelt und verändert auch mal etwas, wenn das eine Verbesserung bedeutet. Ich sagte zum Beispiel: ‚Emma, wir brauchen vier weitere Zeilen Text‘, sie schrieb das - und es war brillant. Kein Grübeln, kein Nachschlagen, keine Diskussion. Sie war perfekt eingestimmt auf jede einzelne der von ihr geschaffenen Figuren.“

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