Nach der Fertigstellung des Drehbuchs inklusive der Einarbeitung von Jones Änderungen war Thompsons Arbeit an „Eine zauberhafte Nanny“ jedoch erst halb getan. „Sie hatte von Beginn an gesagt, dass sie die zauberhafte Nanny spielen will“, erinnert sich Doran. „Diese Rolle machte ihr großen Spaß.“
Für eine Schauspielerin, die in ihrer gesamten Karriere auf der Bühne und auf der Leinwand für prägnante, komödiantische und sehr menschliche Porträts bekannt ist, bedeutet die Darstellung dieser „zauberhaften Nanny“ einmal etwas ganz anderes. Thompson vergleicht diese Figur mit einem fernöstlichen Zen-Meister: Von dem Augenblick an, als Nanny McPhee vor der Tür steht, interagiert sie mit dem chaotischen Familienleben, indem sie auf ihre absolute innere Gelassenheit zurückgreift. „Sie ist eine Art Chimäre, verfügt jedoch über eine starke Präsenz“, beschreibt Thompson. „Ein Zen-Meister zu sein bedeutet nicht, dass man ein Vakuum darstellt, sondern eine Atmosphäre erzeugt, in der nichts verurteilt wird. Dadurch erlangt man ungeheuer großen Einfluss, denn die Menschen gewinnen einen Freiraum, in dem sie sich selbst erkennen und spüren – so, wie sie es unter normalen Umständen niemals können.“
Thompson betont, dass diese Nanny den Browns nie sagt, was sie tun sollen; vielmehr verwendet sie ihre außergewöhnlichen Methoden, um der Familie die Richtung zu weisen und wieder Vertrauen zu geben, damit sie selbst den richtigen Weg finden. „Bei einem Zen-Meister dreht sich alles um die Auflösung des Egos“, sagt sie. „Nanny McPhee hat überhaupt kein Ego. Da ist keine Person, so wie wir uns eine Person vorstellen, sondern von Beginn an ausschließlich eine immerwährende Quelle der Ruhe, des Friedens und der selbstlosen Liebe.“
Im Drehbuch hielt sich Thompson sehr genau an Christianna Brands Beschreibung der Hauptfigur sowie an die schlichten und doch so präzisen Illustrationen von Edward Ardizzone. Dieser besonderen Figur neues Leben einzuhauchen, sollte jedoch für alle eine Herausforderung werden. Vom ersten Konzept bis hin zur Produktion dauerte diese Reise schon sieben Jahre – nun endlich konnte sich Emma Thompson in der Kostümprobe zum ersten Mal vollständig in die Nanny verwandeln, inklusive der großen Ohren, haarigen Warzen, dem buschigen Augenbrauenbalken und dem, was Christianna Brand als „eine Knollennase wie zwei Kartoffeln und ein Zahn wie ein Grabstein“ beschrieb. Verantwortlich für diese Verwandlung war der Oscar-preisgekrönte Make-Up-Artist Peter King. Die Schauspielerin trug unter der Kleidung noch Körperpolster, darüber ein dramatisches und gleichzeitig sonderbar ausgefallenes Kostüm, das von Nick Ede entworfen wurde.
„Zwei Tage vor Beginn der Dreharbeiten tauchte plötzlich diese völlig fremde Person auf und stellte sich als Nanny McPhee vor“, erinnert sich Jones.
Alle Schauspieler und der gesamte Stab sahen mit eigenen Augen, wie die Figur zum Leben erwachte. „Als sie das Set betrat, waren wir gerührt“, erinnert sich Doran. „Die Figur entstand bereits durch den Look. Sie sprach, klang, bewegte sich und neigte den Kopf eben genau wie Nanny McPhee. Sie blinzelt nicht. Sie schaut die Menschen an, als hätte sie niemals zuvor einen Menschen gesehen, beobachtet einen mit diesem übernatürlichen, außerirdischen Blick. All das war zuvor, während der Proben mit den Kindern, noch nicht greifbar gewesen.“
„Wir sahen diese breite, fette Kreatur im schwarzen Kostüm, mit zwei Warzen und einer Nase wie eine zerquetschte Tomate, und Holly und Sam meinten nur: ‚Huch, wer ist denn das?’“, erinnert sich die zwölfjährige Eliza Bennett, die Tora spielt. „Und diese Dame meinte dann: ‚Hallo, ich bin Nanny McPhee.’“
Jones fügt hinzu: „Das war einfach nicht Emma. Die meisten Schauspieler, auch wenn sie in ihrer Darstellung absolut überzeugend sind, kann man unter der jeweiligen Oberfläche immer identifizieren. Aber als ich die Nanny sah, wirkte sie so echt, dass ich darin keinesfalls Emma Thompson erkennen konnte. Am Set war ein ganz anderer Mensch, jemand, den ich noch nie zuvor getroffen hatte... und ich war mir nicht sicher, ob ich sie mögen sollte.“
„Sie hat so getan, als hätte sie Emma Thompson ermordet“, erinnert sich Daykin lachend. „Also sagten alle Kinder nur: ‚Ach, die zauberhafte Nanny ist am Set.’“