| Die ledige Tante, die Witwe, die Bestatter und die
Mr. Browns schreckliches Dilemma wird von den Forderungen der herrischen Großtante Adelaide Stitch noch verschärft. Gespielt wird diese Figur von der renommierten Darstellerin Angela Lansbury, die hier ihre erste Kinorolle seit 20 Jahren übernimmt. „Tante Adelaide ist wie die böse Hexe aus dem Zauberer von Oz“, beschreibt Lansbury ihre Rolle. „Eigentlich ist sie der Erzfeind, verpackt dies jedoch in Sätze wie ‚Ich breche niemals mein Wort’. Man beobachtet sie voller Erstaunen, denn man sieht ihre unglaubliche Nase, so wie die von Lord Nelson, und ihren kleinen roten Mund – der bösartigste Mund, den man jemals im Leben gesehen hat. Diese Rolle zu spielen bereitet mir sehr viel Vergnügen, denn es ist wie eine Rückkehr zu den Figuren, die ich seit langem nicht mehr verkörpert hatte.“
Lansbury ist besonders als Jessica Fletcher aus der langlebigen TV-Serie „Mord ist ihr Hobby“ weltweit bekannt und wird von Millionen Fans verehrt; dieser Ruhm macht manchmal sogar ihre legendäre Karriere als Grande Dame des Theaters und des Kinos vergessen: Sie ist viermalige Tony-Preisträgerin - ausgezeichnet für ihre Broadway-Auftritte in „Gypsy“, „Dear World“ und „Sweeney Todd“ – und wurde drei Mal für einen Oscar nominiert, und zwar für „Das Haus der Lady Alquist“, „Das Bildnis des Dorian Gray“ und in der Rolle als manipulative Mutter in „Botschafter der Angst“.
„Selbstverständlich küsse ich den Boden, über den sie wandelt, und bin mit ihren Filmen aufgewachsen“, sagt Thompson. „Wir haben nicht wirklich daran geglaubt, dass wir sie engagieren würden können. Aber sie wollte Tante Adelaide unbedingt spielen, denn sie wusste, dass sie dann diese furchteinflößende, schreckliche Frau würde verkörpern können, und das hat sie angespornt. Sie ist eine fantastische Frau und eine großartige Künstlerin.“ Firth stimmt zu: „Sie hat unglaublich viel Sinn für Humor, sehr viel Erfahrung und keine Angst, sich selbst zum Affen zu machen. Als Tante Adelaide hat sie mir wirklich Angst eingejagt, besonders mit dieser Nase und dem riesigen Hut.“
Jennifer Rae Daykin erzählt, dass alle Kinder sich gerne um Lansbury scharten, doch genauso gerne taten sie, als würden sie Tante Adelaide hassen: „Wir Brown-Kinder haben alle gerne mit ihr zusammengearbeitet. Es hat uns gefallen, sie nicht zu mögen, denn es machte Spaß, ihre Gemeinheiten zu ertragen.“
In weiteren Nebenrollen sehen wir etliche renommierte Schauspieler, darunter Celia Imrie als die schrille Mrs. Quickly, die Mr. Brown heiraten möchte, um Tante Adelaides Bedingung nachzukommen. „Mrs. Quickly findet sich ziemlich attraktiv“, beschreibt Imrie. „Die Kinder und jeder andere in der Stadt finden sie grässlich, doch sie zu verulken, macht natürlich großen Spaß.“
Imelda Staunton spielt die Köchin Mrs. Blatherwick, die sich mit militärischem Eifer ihrer Arbeit widmet. „Seit 15 Jahren wirkt sie in diesem Haushalt“, erzählt die Oscar-nominierte und für „Vera Drake“ auch BAFTA-preisgekrönte Schauspielerin. „Ständig glaubt sie, endlich kündigen zu müssen, aber sie ist schon so lange Teil der Familie und hat in der Küche das Kommando. Diese Rolle ist eine großartige Gelegenheit für mich, in dieser tollen Küche genervt und knurrig zu sein.“
„Imelda war ein Wüterich“, sagt Kelly Macdonald, die die Küchenmagd Evangeline spielt. „Sie ist einfach verrückt. Sie trägt diese verrückte rote Lockenperücke und hat dieses irre, rote Gesicht. In diesem Film gibt es so viele großartige, lustige, talentierte Schauspieler – ich empfinde es als Privileg, hier mitwirken zu können.“
Staunton hat das ihre dazu beigetragen, um vor als auch neben und hinter der Kamera die humorvolle Atmosphäre aufrechtzuerhalten, genau wie Thompson. „Wir alle wussten, dass Imelda für „Vera Drake“ mit Preisen überhäuft werden würde – also dachten wir, holen wir sie ins Boot, solange wir noch können!“
Weitere Darsteller sind Derek Jacobi und Patrick Barlow in den Rollen der boshaften und spaßigen Bestatter Mr. Jowls und Mr. Wheen, mit denen Mr. Brown im Bestattungsunternehmen Midgewaller & Sons zusammenarbeitet. Barlow meint: „Wir sind Kollegen und ziehen Mr. Brown mit Späßen auf, die wir zwar ulkig finden, er jedoch ganz und gar nicht.“ Jacobi ergänzt: „Wir tun nur das: fertigen Särge an und versuchen, Mr. Brown zum Lachen zu bringen.“
„Es war ein besonderes Vergnügen, Derek engagieren zu können“, sagt Jones über einen der renommiertesten britischen Schauspieler. „Als er an Bord kam, bestand seine Rolle lediglich aus sechs Zeilen Text. Während der Hochzeits-Sequenz war er jeden Tag anwesend; ich bin sehr dankbar dafür, dass er an diesem Film mitgewirkt hat.“
Die Tatsache, dass große Schauspieler sogar kleinere Rollen übernommen haben, macht für Jones diesen Film nur noch besser: „Zu den tollen Dingen an Emmas Drehbuch gehört die Tatsache, dass sie auch die kleinen Rollen sehr, sehr attraktiv gestaltet. Sie schreibt Figuren, die große Schauspieler gerne übernehmen möchten, ganz egal wie klein die Rolle ist.“
Lansbury war belustigt und begeistert von Thompsons zweifacher Aufgabe während der Dreharbeiten. „Das ist eine seltene und ungewöhnliche Situation, doch diese gesamte Produktion ist ja selten und ungewöhnlich“, erklärt sie. „Wenn man auf eine solche Gruppe von Menschen trifft, die sich mit ganzem Herzen einer originellen und neuen Arbeitsweise widmen, dann wird man Zeuge von wunderbar kreativer Magie.“ Lansbury bekam von Thompson noch etwas ganz anderes – denn Thompson war es, die dazu auserkoren wurde, neben der Kamera zu stehen und Tante Adelaide auf einem der Höhepunkte des Films eine Torte ins Gesicht zu werfen. Angela Lansbury hatte in ihrer 70jährigen Schauspielkarriere noch nie eine Torte ins Gesicht bekommen; Thompson traf schon beim ersten Versuch – doch beide Frauen gaben zu, erleichtert gewesen zu sein, als alles vorbei war.