Mr. Brown offenbart seinen Kindern seine Sorgen zwar nicht – doch die Kinder teilen sich ihm auf ihre eigene Weise mit. „Das sind die ungezogensten Gören in der Geschichte der Menschheit, aber dafür gibt es einen Grund“, meint Doran. „Sie sind eigentlich wundervolle Kinder, befinden sich jedoch in einer schrecklichen Lage; deshalb benehmen sie sich so furchtbar. Sobald die Nanny das erfasst hat und dementsprechend mit ihnen umgeht, erkennt man, was für süße Kinder das in Wahrheit sind.“
Um diese entscheidende Mischung aus Liebreiz und Frechheit zu erschaffen, ließ Casting-Leiterin Pippa Hall viele Kinder vorsprechen, um diejenigen ausfindig zu machen, die sowohl ihre eigene Persönlichkeit als auch die gesamte Filmfamilie zur Geltung bringen konnten.
Die Suche wurde auf den Südosten von England beschränkt, um zu gewährleisten, dass alle mit dem selben Akzent sprachen; gecastet wurden sowohl professionelle Kinderdarsteller als auch Laien aus dem Kindertheater und absolute Schauspielneulinge, die auf einen Aufruf hin zum Vorsprechtermin kamen.
„Kirk hat auch selbst Videos ausgewertet, ich habe sie mir angeschaut und Lindsay ihrerseits auch; danach sprachen wir darüber, wen wir zu einem weiteren Vorsprechen einladen würden“, erzählt Glynis Murray. „Meistens waren wir der gleichen Meinung. Wenn zwei oder mehr von uns dachten, ein Kind wäre geeignet, dann haben wir es noch mal vorsprechen lassen.“
Aus dieser ersten Auswahl erstellten die Filmemacher eine Kandidatenliste; die Kinder wurden für ein paar Wochen in einen Workshop eingeladen, wo sie bei der Arbeit als Individuen und als Gruppe beobachtet wurden. Im Ergebnis wurde eine gemischte Besetzung aus erfahrenen und unerfahrenen Darstellern zusammengestellt.
Das älteste der Kinder wird von dem Schauspieler mit der meisten Erfahrung gespielt. Thomas Sangster war in „Tatsächlich…Liebe“ Liam Neesons Sohn und verkörpert nun Simon. „Simon ist der Anführer und erfindet all diese fiesen Provokationen“, erklärt der 14jährige Darsteller. „Außerdem sondert er sich von den anderen, viel jüngeren Geschwistern ab; er kümmert sich zwar um sie, doch eigentlich ist er immer ziemlich traurig.“
Die übrige Gruppe etablierte sich auch, wobei jeder Einzelne die eigenen Merkmale einbrachte, von denen die Filmemacher hofften, sie würden sich auch auf die jeweiligen Rollen übertragen. Zur geistreichen und fantasievollen Rasselbande der Brown-Kinder gehören auch Eliza Bennett als Tora, das älteste und verantwortungsbewussteste Mädchen; Raphael Coleman als Eric, der altkluge Frechdachs; Jennifer Rae Daykin, die romantische Lily; Sam Honywood als Sebastian, der nur ans Essen denkt; Holly Gibbs als Christianna, die den Verlust der Mutter am deutlichsten verkörpert; die Zwillinge Hebe und Zinnia Thomas als Baby Agatha.
Regisseur Jones engagierte die Schauspieltrainerin Celia Bannerman, um während des Castings und der Dreharbeiten mit den Kindern zu üben. Bannermans Aufgabe war es, die Kinder dazu zu bringen, ihre Rollen und die Geschichte zu verstehen; Jones oblag es dann, ihre Darstellungskünste vor der Kamera anzuregen. Der Regisseur hat selbst zwei Söhne und daher auch viel Geduld; so konnten die Kinder professionell schauspielern und gleichzeitig ihrer Lebensfreude freien Lauf lassen. „Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, mit den Kindern nicht übermäßig freundschaftlich umzugehen“, sagt Jones. „Sie müssen wissen, dass sie hier sind, um einen Job zu erledigen. Ich habe immer zu ihnen gesagt: ‚Ihr kommt als professionelle Schauspieler vor die Kamera’, und sie wachsen an dieser Herausforderung. Sie genießen diese Verantwortung.“
Von Beginn an stellte er außerdem fest, dass diese Rollen bis ins kleinste Detail ausgefeilt sind, was das Verhalten der Kinder angeht. Als Mr. Brown die Kinder ohne Abendessen ins Bett schickt, ist der verfressene Sebastian entsetzt: „Ich spiele hauptsächlich einen ständig hungrigen Jungen“, erklärt der siebenjährige Darsteller. „Er schleicht sich mit den anderen immer in die Küche; dort tut er manchmal echt total fiese Sachen.“
Als die Küchenmagd Evangeline das Kinderzimmer betritt, fragt Sebastian: „Könntest du mir etwas verbotene Toasts und Marmelade bringen?“ Als sie ihn ignoriert, ändert er seine Taktik: „Okay, vergiss die Marmelade; bring mir nur verbotene Toasts!“. „Kirk fand dieses Detail toll“, sagt Doran. „Diese wunderbaren Beobachtungen des menschlichen Verhaltens sind es, die Emmas Texte so gut machen.“
Emma Thompson beschreibt die zwölf Wochen andauernden Dreharbeiten zusammen mit so vielen Kindern als „blinder Horror“. „Ein Film-Set ist keine kinderfreundliche Umgebung“, erklärt sie. „Es ist dunkel, staubig, heiß, sie müssen sich konzentrieren, still sein und vor allem schauspielern.“
Für jeden Drehtag mit den Kindern machte sich Regisseur Jones vorher bewusst, was alles schief gehen könnte. „Es gibt große Einschränkungen in Bezug auf ihren Schulbesuch und die erlaubten Arbeitszeiten. Ich habe mich kurz mit ihnen unterhalten und gesagt: ‚Denkt einfach daran, warum wir hier sind.’ Das sind tolle Kids. Sie haben gerne Spaß und machen auch Quatsch, aber sobald sie den Drehort betreten, betragen sie sich im Allgemeinen sehr gut. Ich bin von ihren Darstellungen begeistert. Thompson fügt hinzu: „Sie sind fabelhaft mit allem zurechtgekommen. Im Lauf der Monate fand ich es interessanter, sie zu beobachten als irgendjemanden sonst, denn sie sind einfach umwerfend und mitreißend.“ Lansbury fügt hinzu: „Die Kinder sind die Stars der Geschichte; sie sind so überzeugend und charmant, dass es wirklich hart ist, fies und gemein zu ihnen zu sein.“
Der Wunsch nach einem märchenhaften Happy-End gilt auch für die Kinder. Thompson meint: „Die Kleinen fühlen sich so glücklich, wenn die Erwachsenen sich lieben. Kinder wollen, dass die liebenden Erwachsenen sich auch gegenseitig lieben – beides ist meiner Meinung nach für sie fast gleich wichtig. Ihre Mütter oder Väter zu sehen, wie sie lieben und geliebt werden, vermittelt Kindern alles, was sie zu diesem Thema später wissen müssen.“