Innerhalb von nur zehn Jahren hat die Computeranimation alle übrigen Animations-Genres in den Schatten gestellt und sich als erfolgreichste Filmkunstform aller Zeiten etabliert; „Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück“ von DreamWorks Animation ist weiterhin einer der Spit-zenreiter. Die „Shrek“-Filme sind bis heute das beste Beispiel dafür, wie ausgefeilt die Arbeit der Animations- und Effekte-Spezialisten bei PDI/DreamWorks geworden ist, besonders wenn es um Gesichtsausdrücke geht sowie darum, lebensechte Personen und realistische Wel-ten am Computer zu erschaffen. Die Kluft zwischen diesen hochmodernen Animationen und den klassischen Zeichentrickfilmen unserer Jugendzeit wird immer größer.
Doch die Traditionen werden immer wieder neu erfunden….
Unter der Leitung der Drehbuchautoren und Regisseure Eric Darnell und Tom McGrath haben die Teams bei DreamWorks Animation und PDI/DreamWorks die allerneueste Computer-Animationstechnik eingesetzt, um diesen altmodischen Zeichentrickfilm-Look zu erschaffen, in einer Hommage an Legenden der Branche wie Chuck Jones und Tex Avery. McGrath er-läutert: „Wir wurden von den besten klassischen Zeichnern der 30er und 40er Jahre inspiriert, als ein Großteil der Komödie durch die Bewegung und Animation der Figuren entstand. Ge-nau diese Art von Komödie musste auch „Madagascar“ haben. Es sollten breit angelegte Gags sein, es musste Slapstick sein.“
Darnell fügt hinzu: „Unsere Charaktere sind sehr stilisiert und basieren nicht auf der Realität, also konnten wir mit ihrem Aussehen und ihren Bewegungen herumspielen. Die Inspirations-quelle sind zweidimensionale Figuren, doch hier werden sie in der dreidimensionalen Welt des Computers erschaffen. Das verlieh uns eine große Portion Freiheit, denn es ist ganz klar ein Zeichentrickfilm.“
Produzentin Mireille Soria stimmt dem zu: „Dieser Film gehört viel eher ins Zeichentrick-Genre als irgendein anderer, den wir jemals realisiert haben. Genau diesen Stil haben wir für die Figuren und das gesamte Design des Films verwendet.“
Der Zeichentrick-Komödienstil von „Madagascar“ verlangte es, dass die Animations-Spezialisten bei PDI/DreamWorks dazu in der Lage waren, bei den Figuren einen visuellen Trick anzuwenden, den man „squash and stretch“ nennt, also „quetschen und strecken“. Die-ses Markenzeichen der klassischen Zeichentrickfilme ist der Vorgang, den die Zeichner be-nutzen, um ein Objekt zu verformen und es dann in seine ursprüngliche Form zurückschnap-pen zu lassen, um Bewegung oder Aufprall zu vermitteln. Mit einem Zeichenstift ist das leicht zu bewerkstelligen – doch am Computer gestaltet sich „squash and stretch“ weitaus schwieri-ger. „In der Vergangenheit war die Menge an squash und stretch, die man am Computer er-zeugen konnte, ziemlich eingeschränkt – also lag eine unserer größten Herausforderungen genau hier, um somit die Art von Komödie zu erschaffen, die wir uns vorgestellt hatten“, meint McGrath. „Die Leute bei PDI/DreamWorks kreierten ein System, das diese Technik auf ein neues Niveau anhob, in dem die Spezialisten die Objekte nach Lust und Laune verzerren und verformen können, ohne sie zu zerstören.“
Jeffrey Katzenberg, CEO von DreamWorks Animation SKG, sagt dazu: „Die Technologie für computeranimierte Filme ist weiterhin hochexplosiv und sie befähigt die Geschichtenerzähler vor allem dazu, noch fantasievoller zu sein. Wir haben hier keine 200 verrückten Wissen-schaftler, die bloß abgefahrene Geräte erfinden, die wir dann einzusetzen versuchen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir beginnen mit einer Geschichte und wissen bereits, dass wir viele besondere Werkzeuge brauchen werden, um sie zum Leben zu erwecken… und dann ziehen die 200 verrückten Wissenschaftler los und besorgen uns genau diese Werkzeuge“, lacht er. „Letztendlich geht es nur darum, eine tolle Geschichte zu erzählen.“
Die Story von „Madagascar“ entwickelte sich ausgehend von einer einzigen Frage: Was wür-de passieren, wenn man vier Tiere aus dem New Yorker Zoo aus der Zivilisation, in der sie ihr ganzes Leben verbracht haben, mitten in der Wildnis des echten Dschungels aussetzen würde?
Eric Darnell erzählt: „Es ist die klassische „Ein-Fisch-auf-dem-Trockenen“-Prämisse, und daraus entwickeln sich so viele witzige Ideen. Man muss nur die Ausgangssituation beschrei-ben, und sofort versteht jeder, worum es geht. Genau das will man erreichen, besonders bei Animationsfilmen – eine Idee, die man in einem Satz zusammenfassen kann, und schon leuchten die Augen des Zuhörers. Wenn man die Augen leuchten sieht, dann weiß man, man ist auf der richtigen Spur.“
Darnell, der bereits bei „Antz“, dem ersten von DreamWorks produzierten Animationsfilm, Regie führte, hatte anfangs an einem ganz anderen Projekt gearbeitet. Er und Produzentin Mi-reille Soria entwickelten den sogenannten „Rockumentary“, ein Ulk, basierend auf den Beat-les-Film „A Hard Day’s Night“, in dem eine Gruppe von vier Pinguinen die Hauptrollen spie-len sollten. Tom McGrath kam auch bereits früh mit an Bord, doch leider erwiesen sich die Musik-Lizenzen als unüberwindbares Hindernis, und der Pinguin-Film wurde auf Eis gelegt.
Kurz darauf entstand die Idee zu „Madagascar“ und Darnell, McGrath und Soria ergriffen die Gelegenheit beim Schopf, erneut gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten – wenn auch mit anderen Tieren, in diesem Fall ein Löwe, ein Zebra, eine Giraffe und ein Nilpferd. Die Auto-ren Mark Burton und Billy Frolick wurden zusammen mit Darnell und McGrath engagiert, um das Drehbuch zu schreiben.
Die Rahmenhandlung war relativ einfach: Vier Tiere aus dem Zoo im Central Park finden sich als Schiffbrüchige auf der Insel Madagaskar wieder – und müssen lernen, im Dschungel zu überleben. Als sich die witzigen Aspekte abzuzeichnen begannen, wurde Tom McGrath damit beauftragt, herauszufinden, wie man Alex, Marty, Melman und Gloria vom Schiff auf die In-sel bringen könnte. Der Regisseur sah hierin die perfekte Chance, um die Pinguin-Charaktere wieder auferstehen zu lassen, und sie mit einer neuen Mission zu betrauen. Indem er die ehe-malige ‚Band auf der Flucht’ in eine missratene Kameraden-Bande verwandelte, erfand Mc-Grath die aberwitzige Sequenz, in der die Pinguine dafür verantwortlich sind, dass aus den Zoo-Insassen nun Schiffbrüchige werden.
McGrath offenbart: „Ursprünglich wurden die Käfige der Tiere von einem schweren Sturm von Bord des Schiffes gespült, aber das fand ich so abgegriffen. Ich wollte einen interessante-ren Übergang schaffen. Wir hatten doch all diese Zootiere, die zurück nach Afrika verfrachtet werden, darunter auch die Pinguine – und es stellte sich die Frage: Was sollen die Pinguine in Afrika? Wir dachten, es wäre doch lustig, wenn sie da gar nicht hinwollen. Es sind doch Pin-guine, sie wollen also in die Antarktis. Sie befreien sich aus ihren Käfigen, übernehmen das Schiff und machen eine scharfe Wende, was dazu führt, dass die anderen Käfige über Bord gehen. Das hat riesigen Spaß gemacht, die Pinguine zu einer Art Kriegsgefangenen zu ma-chen, die aus der Gefangenschaft ausbrechen.“
Das Manöver der Pinguine führt Alex, Marty, Melman und Gloria schließlich unfreiwillig nach Madagaskar. Darnell berichtet, dass diese Insel als Hintergrund – und als Filmtitel – ge-wählt wurde, weil „wir einen Ort finden mussten, der einen völligen Kontrast zu Manhattan bildet. Die Hauptdarsteller sind Tiere, die eigentlich in Afrika heimisch sind – doch den afri-kanischen Kontinent hat jeder schon im Fernsehen gesehen, und er vermittelt nicht ganz die Exotik, die wir erzielen wollten. Madagaskar ist eine Insel vor der afrikanischen Küste, und sie ist absolut einzigartig, mit Pflanzen und Tieren, die es nirgendwo anders auf der Welt gibt. Besonders mochten wir die Lemuren, die ausschließlich dort vorkommen. Es ist ein fantasti-scher Ort, der uns viel Freiheit gab, um herumzuspielen und genau den richtigen Dschungel zu erschaffen, in dem unsere Helden dann landen.“