Jeder, der schon einmal einen Tierfilm gesehen hat, weiß, dass sich Löwen und Zebras nicht in der gleichen Gruppe bewegen… es sei denn, einer der beiden rennt um sein Leben. Aber in „Madagascar“ gehören Beute- und Raubtiere zum gleichen Freundeskreis und leben in guter Nachbarschaft. „Jeder weiß, dass Löwen Zebras fressen; das ist das klassische Ying und
Yang“, sagt Darnell. „Aber im Zoo des Central Park können diese beiden Tiere zu den besten Freunden werden, ganz im Gegensatz zu ihrem angeborenen Verhalten.“
McGrath ergänzt: „Die Beziehung zwischen Alex und Marty ist das Herz der Geschichte; bei-de haben keine Ahnung von ihrer wahren Natur, denn sie sind in der Zivilisation aufgewach-sen. Sobald sie aus dieser Umgebung herausgenommen werden und in die Wildnis zurückkeh-ren, beginnen ihre Instinkte zu erwachen. Und ihre Freundschaft wird auf die Probe gestellt.“
Der König des Großstadtdschungels, der Löwe Alex, weiß vielleicht nicht, dass er an der Spitze der Nahrungskette steht, ist jedoch stolz darauf, die Hauptattraktion des Zoos zu sein. „Alex steht gerne im Mittelpunkt“, erzählt Darnell. „Er betritt gerne seine „Bühne“ und mag die Bewunderung der Menschenmassen. Er kann sich gar nicht vorstellen, irgendwo anders zu sein. Für Alex ist New York der Mittelpunkt der Welt.“
Ben Stiller, der die Originalstimme von Alex spricht, kann sich als gebürtiger New Yorker mit Alex identifizieren: „Ich bin selbst in New York aufgewachsen und kenne diesen gewissen angeborenen Stolz. Alex ist in seiner Welt im Zoo des Central Park sehr glücklich. Er wird verwöhnt, lebt ein gemütliches Leben und liebt die Bewunderung der Menschen. Wie Alex es sagen würde: „Da sind die Fans, das Essen, der Luxus… was will man mehr?“ Seine Steaks werden ihm serviert, und für ihn sind Steaks einfach Steaks, sie sind einfach da – portioniert, zubereitet und genau richtig gewürzt. Niemals würde er auf die Idee kommen, dass seine Freunde eigentlich seine Nahrung sein könnten. Als er dann jedoch die wirkliche Welt betritt, beginnen seine Instinkte zu erwachen, und das ist beängstigend – denn er ist eben sein bester Freund, den er gerade im Traum verspeist.“
„Ben Stiller ist ein großartiger Alex“, meint Darnell. „Alex ist der Kerl, der Selbstvertrauen hat, solange alles in Ordnung ist – doch sobald es Probleme gibt, bricht auch Alex zusammen. Ben hat die Fähigkeit, so zu klingen, als sei er zu allem bereit, doch wenn man ihn sich ge-nauer anschaut, stellt man fest, dass er sich viel größere Sorgen macht als die anderen. Seine Brauen sind gerunzelt, und die Art, wie er spielt, ist sehr anrührend, denn er macht uns auch Alex’ Verletzlichkeit bewusst. Es war toll, dass Ben dies in die Figur mit einbringen konnte, und er inspirierte auch die Zeichner sehr.“
Stiller erzählt: „Alex ist ziemlich festgefahren. Er hat Angst, etwas zu riskieren und sich au-ßerhalb seiner Bequemlichkeits-Zone zu wagen. Sein bester Freund Marty ist viel abenteuer-lustiger, will hinaus und die Welt sehen, was Alex wiederum verrückt macht, denn Marty bringt den Status quo durcheinander – er „beißt die Hand“. Obwohl Alex und Marty Freunde sind, regen sie sich auch übereinander auf, wie es bei allen Freunden der Fall ist. Sie machen auch schwere Zeiten durch – aber genau in den harten Zeiten findet man heraus, wer die wah-ren Freunde sind.“
Ko-Produzentin Teresa Chang stellt fest: „Marty und Alex sind beste Freunde, obwohl der eine fast das genaue Gegenteil des anderen ist. Alex fühlt sich wohl im Zoo und will keine Veränderungen, während Marty ständig nach neuen und aufregenden Erlebnissen Ausschau hält.“
McGrath sagt: „Alex und Marty waren ihr ganzes Leben lang Nachbarn, und sie unterstützen sich gegenseitig. Doch Marty hatte gerade seinen zehnten Geburtstag. Er stellt fest, dass sein halbes Leben vorüber ist, und beginnt darüber zu grübeln, was es auf der Welt wohl noch so gibt. Ich glaube, Marty macht so etwas wie eine Midlife-Crisis durch.“
Chris Rock spricht die Originalstimme von Marty, dessen Abenteuerlust ihm und seinen Freunden einen „Walk on the Wild Side“ beschert. „Marty langweilt sich in der Routine des Zooalltags, und will daher ausbrechen und die Wildnis erleben – obwohl er gar nicht weiß, was das bedeutet“, gibt Rock zu. „Als sie nach Madagaskar kommen, erleiden alle einen Kul-turschock. Sie sehen sich Hindernissen gegenüber, die sie nie erwartet hätten – zum Beispiel die Tatsache, dass Jagen nicht so ihr Ding ist. Aber man weiß nie, wer die wahren Freunde sind, bis eben Probleme auftreten. Freundschaft ist einfach, wenn die Dinge glatt gehen – aber wenn alles auseinander bricht, stellt man fest, wer wirklich zu einem hält.“
Rock fügt hinzu, dass seine Freundschaft mit Stiller auch zur Leinwandbeziehung zwischen Alex und Marty beigetragen hat: „Die Tatsache, dass Ben und ich bereits befreundet sind, hat geholfen. Es gibt so einen Rhythmus, wenn sich Freunde unterhalten, und obwohl wir nicht im gleichen Raum zusammen waren, haben die Animations-Spezialisten das genau richtig aufgegriffen. So funktioniert es gut.“
Mireille Soria fügt hinzu: „Chris Rock ist einfach irre witzig in allem, was er sagt und tut. Er brachte diese unglaubliche Energie und Begeisterung in Marty ein, und er ist von Natur aus so lustig, was auch das Drehbuch bereichert hat.“ Darnell meint: „Marty ist ein Charakter, der einfach das Leben liebt. Er ist überschwänglich, clever, witzig und an seiner Umwelt interes-siert. Chris Rock war für diese Rolle einfach perfekt; er ist ja bekannt für seine scharfe, bissi-ge Comedy, die jedoch niemals niederträchtig wird. Auf seinem Gesicht spielt immer ein ver-schmitztes Grinsen, und genau das wollten wir für Marty haben.“
Während Marty neugierig auf die Welt da draußen ist, zieht sein Freund Melman, die Giraffe, die kontrollierte Umgebung des Zoos vor, wo er Zugang zu all den Wundern der modernen Medizin hat. McGrath bestätigt: „Melman ist ein echter Hypochonder; er hat gerne über die Woche hinweg Termine beim Tierarzt und hat sich an die Dinge gewöhnt, die die Zivilisation zu bieten hat – in seinem Fall medizinische Behandlung. Er hat auch keine Ahnung, wie er jemals ohne Nasenspray überleben soll.“
David Schwimmer spricht die Originalstimme von Melman, der in der Wildnis auf Madagas-kar unter Umständen eine ganzheitlichere Herangehensweise an seine medizinischen Proble-me finden werden muss. „Melman hat viele Ängste und Phobien, aber im Zoo hat er zumin-dest seine Routine und wird regelmäßig von den jeweiligen Fachärzten versorgt“, erzählt Schwimmer. „Melman braucht einen geregelten Tagesablauf, um sich geborgen und sicher zu fühlen. Als er also in der Wildnis landet – oder auch nur kurz das Zoogelände verlässt – ist er vollständig entsetzt und verängstigt. Seine Reise besteht darin, zu begreifen, dass er überleben kann… mit ein wenig Hilfe von seinen Freunden.“
McGrath sagt, dass die Filmemacher von Anfang an genau wussten, dass Schwimmer für die Rolle des Melman die perfekte Besetzung sein würde. „Die Stimmen mancher Schauspieler bieten sich einfach für animierte Figuren an, und Davids Stimme ist genau richtig. Man braucht ihn nur zu hören, und weiß, es ist der perfekte Melman. Die Giraffe sollte sowohl der Comic Relief als auch wirklich liebenswert sein, und David verfügt über diesen Charme und diese Aufrichtigkeit, die in jeder Zeile spürbar wird. Außerdem ist er ein sehr pflichtbewusster Schauspieler und ist vollständig in seiner Rolle aufgegangen.“
Schwimmer fügt hinzu: „Ich bin ein großer Fan von Animations-Filmen, also war ich total begeistert, als sie mich angerufen haben. Als ich hörte, dass ich eine Giraffe spielen sollte, war ich noch aufgeregter. Giraffen habe ich schon immer geliebt; sie haben wegen ihrer Größe etwas Komisches an sich, und sie sehen so freundlich und lieb aus… das machen vielleicht die langen Wimpern. Von diesen vier Tieren war die Giraffe für mich die beste Rolle: Das größte und coolste unter allen Hauptdarstellern im Film… OK, nicht wirklich… Aber er ist der Größte!“
Das Prädikat „hippstes Tier der Gruppe“ würde natürlich Gloria, die Nilpferddame, bekom-men. „Gloria ist das Fundament der Clique, und bei Weitem auch die Vernünftigste“, berich-tet McGrath. „Während sich die anderen wie die Teenager aufführen, ist Gloria der Katalysa-tor.“
Jada Pinkett Smith, die Originalstimme von Gloria, meint: „Ich mag Gloria wirklich. Sie ist die einzige Frau und verhält sich dadurch sehr mütterlich, nimmt die Dinge in die Hand. Sie hat das Gefühl, die Verantwortung für die Jungs übernehmen zu müssen und sicherzustellen, dass die sich nicht verletzen… Und eine Figur zu spielen, die sich um all die Jungs kümmert, ist ja nicht so verschieden von dem, was ich im wirklichen Leben tue. Gloria setzt sich jeden-falls mit ihrem ganzen Gewicht ein“, lacht die Schauspielerin, „ist jedoch ihren Freunden ge-genüber sehr loyal, was mir besonders gefällt. Das macht sie für mich von Innen und von Au-ßen schön.“
Auf den ersten Blick mag die kleine, schlanke Schauspielerin nicht wie die geeignete Verkör-perung einer Nilpferddame wirken, doch Darnell verrät, dass alles von der Art und Weise ab-hing, wie sie spricht: „Gloria ist eine üppige Nilpferddame, die kräftig und stark ist – also könnte man meinen, wir müssten genau so jemanden in dieser Rolle besetzen. Dabei ist Jada eine der kräftigsten und stärksten Frauen, die mir jemals begegnet ist. Sie lässt sich nichts gefallen und weiß ganz genau, was sie will; genau das ist eben Gloria. Gloria mag zwar dick sein – man könnte sogar sagen, fett -, aber Nilpferde sind von Natur aus dick und fett, also hat sie wegen ihrer ausladenden Figur auch keine Komplexe. Sie ist groß und schön, Jada ist klein und schön, und für diesen Film passte das perfekt zusammen.“
„Ich fand Gloria wunderbar, obwohl es sehr lustig ist, eine mehr als vollschlanke Nilpferdda-me mit meiner Stimme sprechen zu hören“, sagt Jada Pinkett Smith. „Die Filmemacher sagten mir, dass ihnen mein Auftreten und meine Haltung imponierten, und genau diesen Aspekt meiner Persönlichkeit sollte ich mit Gloria vermitteln. Darauf sagte ich, sie sollten damit vor-sichtig sein, was sie sich wünschten“, lacht die Schauspielerin. „Meiner Meinung nach ist aber genau das so interessant an Animationsfilmen: Normalerweise wird von Schauspielern ver-langt, ihre eigene Persönlichkeit abzustreifen, um in bestimmte Rollen zu schlüpfen – hier aber dauert es nur eine Minute, man darf so sein, wie man eben ist, und den Animationscha-rakter genau so verkörpern.“
Die Tiere mögen zwar jeweils verschiedene Formen und Größen haben, doch als sie auf der Insel Madagaskar ankommen, entdecken sie andere Tiere, die keinem der Bewohner des Zoos im Central Park ähneln. Als erstes treffen sie auf den Lemuren-Clan, angeführt vom selbster-nannten König Julien XIII., ein ringelschwänziger Lemur, der als echtes Party-Tier glänzt.
König Julien wird im Original von Sacha Baron Cohen aus der „Da Ali G Show“ gesprochen; McGrath sagt, dass sein bemerkenswertes Talent für Akzente und Dialekte ausschlaggebend war, um die Figur zu gestalten. „Er spielt viele Figuren mit verschiedenen Akzenten, also ha-ben wir ihn engagiert und er entwickelte diese Sprechweise, die zum Teil indisch, zum Teil französisch, und außerdem nach wer weiß was noch klingt. König Julien war eine so witzige Figur, und die Zusammenarbeit mit Sacha war toll. Er kam zur Aufnahme ins Studio und musste eigentlich nur einen Satz sprechen, aber er machte daraus acht Minuten reinste Come-dy. Er hat uns so viel Material gegeben, es war umwerfend.“
Mireille Soria fügt hinzu: „Sacha kann erstaunliche Charaktere erschaffen, und wenn er in eine Rolle schlüpft, dann wird er zu dieser Figur. Als er König Julien gesprochen hat, lagen wir alle am Boden und haben uns vor Lachen gewälzt, denn er war nicht mehr zu stoppen.“
König Juliens rechte Hand ist Maurice, eine andere Lemuren-Art, auch bekannt als „aye aye“, was gut zu seinem Job passt. Die Originalstimme spricht Cedric the Entertainer, und Eric Darnell merkt an, dass es hier ebenfalls eine untypische Rollenbesetzung war, was die Figur des Maurice so bereicherte: „Cedric hat diese große, tiefe und kraftvolle Stimme, und der Kontrast zwischen dem spindeldürren König Julien, der ja ein totaler Trottel ist, und Maurice – der untersetzter, massiger, eindeutig intelligenter, aber doch nur der Gehilfe ist – macht das Duo richtig witzig. Jeder weiß, dass eigentlich Maurice der Chef sein sollte, doch Julien ist nun mal König - und Maurice akzeptiert das, ist sogar glücklich dabei, Julien zu unterstüt-zen.“
Cedric stimmt dem zu: „Maurice hat Achtung vor seinem Job und möchte, dass jedermann versteht, wie wichtig es ist, der zweite Mann an der Spitze zu sein. Maurice muss auf König Julien aufpassen und ihn vor der eigenen Dummheit beschützen; es ist wirklich gut, dass Maurice da ist, denn der König würde ohne ihn in Teufels Küche landen.“
Der kleinste und niedlichste der Lemuren ist Mort, ein Mäuse-Lemur, der seine Ausstrahlung wohl zu nutzen weiß. Mort wird im Original von Andy Richter gesprochen, der meint: „Mort ist ein ziemlich umgänglicher kleiner Kerl, solange er bekommt, was er will – denn wie alle niedlichen Wesen ist er auch recht manipulativ. Es hängt wahrscheinlich mit dem runden Kopf zusammen, der Knopfnase, den großen Kulleraugen und auch mit der Stimme. Denn Mort hat die zurzeit niedlichste Stimme in Hollywood.“
Darnell sagt: „Ich weiß nicht, wie er es geschafft hat, aber Andy hat diese großartige Kind-chen-Stimme eingesetzt, die ganz natürlich klingt – das war umwerfend lustig. Aus Andys Beiträgen für Mort haben wir die Rolle schließlich ausgeweitet und ihn in mehreren Szenen eingesetzt. Wir wollten aus Mort den verdammt süßesten Lemuren weit und breit machen, und wenn es seine Kulleraugen einsetzt und das Publikum entzückt seufzt, dann wissen wir, dass wir einen guten Job gemacht haben.“
Abgesehen von flauschigen kleinen Lemuren sind es jedoch die vier ausgefuchsten Pinguine, die es meisterlich verstehen, durch ihr „niedliches und goldiges“ Wesen zu manipulieren; durch ihren Fluchtplan setzen sie auch die gesamte Story in Bewegung. Und in Animations-filmen ist es praktisch bereits Tradition, dass manche Filmemacher sich während der Vorbe-reitungsarbeit so sehr mit manchen Figuren identifizieren, dass sie schließlich auch die Stim-me der Figuren sprechen.
Ganz vorne dabei ist hier Regisseur Tom McGrath, der im Original die Stimme von Skipper spricht, der pragmatische Pinguin-Anführer, der plant, seine Truppe in die „offenen Weiten der Antarktis zu führen“. McGrath erzählt: „Ich hatte mit dieser Figur schon so viel herumex-perimentiert, dass wir uns einfach an die Stimme gewöhnt haben. Die Inspirationsquelle für meine Stimme war Robert Stack, gemischt mit einer Portion Charlton Heston, aber eigentlich ging es nur darum, jedes einzelne Wort übergenau zu artikulieren.“ Die Original-Stimmen der Pinguine Kowalski und Private sind jeweils Chris Miller, der in den „Shrek“-Filmen bereits den Zauberspiegel sprach und gerade im dritten Teil von „Shrek – Der tollkühne Held“ Regie führt, sowie Schnitt-Assistent Chris Knights. Das vierte Mitglied der Pinguin-Truppe, Rico, spricht zwar nicht, trägt jedoch einen bösartigen Plastiklöffel bei sich.
Auch den Regisseur von „Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück“, Conrad Vernon, der bereits als Stimme des Pfefferkuchenmannes in beiden „Shrek“-Teilen zu unsterblichem Ruhm gelangte, kann man in „Madagascar“ hören als Originalstimme von Mason, dem pseu-do-intellektuellen Schimpansen, der zwar nicht lesen kann, aber die Zeichensprache versteht.