Donnerstag | 31. Mai 2012 | 10:46 Uhr
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  • Charlie und die Schokoladenfabrik

    Abenteuer, Komödie, Fantasy | Großbritannien / USA 2005
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      • | Über die Produktion

      • Als die Produzenten Brad Grey und Richard Zanuck beschlossen, „Charlie and the Chocolate Factory“ (Charlie und die Schokoladenfabrik) auf die Leinwand zu bringen, ahnten sie noch nicht, worauf sie sich einließen. „Ich habe in meiner gesamten Karriere noch nie mit einem derart aufwändigen Projekt zu tun gehabt, weder als Produzent noch als Studiochef. Es ist in jeder Hinsicht gewaltig – in Bezug auf die Bandbreite, den Aufwand, die fantastische Dimension“, sagt Zanuck, der mit „Driving Miss Daisy“ (Miss Daisy und ihr Chauffeur) den Oscar gewann und 1991 mit dem Produzentensonderpreis der Filmakademie, dem Thalberg Award, ausgezeichnet wurde.

        „Das Buch birgt schon visuell ein ungeheures Potenzial für einen spektakulären Film, und wir freuten uns riesig, dass wir den Film in einer Größenordnung auf die Leinwand bringen konnten, die auch Roald für angemessen gehalten hätte, wobei wir aber auch bei der rührenden Geschichte im Zentrum des Buchs keine Kompromisse eingehen mussten“, sagt Grey – er ist derzeit Vorsitzender und Chief Executive Officer der Paramount Pictures Motion Picture Group, hat viermal den renommierten George Foster Peabody Award gewonnen, wurde für „The Sopranos“ (Die Sopranos) mit dem Emmy und dem Golden Globe ausgezeichnet und war im Laufe seiner Karriere als unabhängiger Produzent 17-mal für den Emmy nominiert. „Wir haben uns bei der Entwicklung des Drehbuchs genug Zeit gelassen und stellten ein Team zusammen, das mit unseren Auffassungen in Bezug auf das Projekt übereinstimmte.“
        Außerdem bekamen die Filmemacher Unterstützung von Roald Dahls Witwe Felicity, die seit seinem Tod im Jahr 1990 seinen Nachlass verwaltet. Dazu Grey: „Ohne ihren Segen gäbe es keinen Film.“

        Felicity Dahl fungiert als Executive Producer des Films – sie zeigt sich von dem Aufwand des Projekts beeindruckt. „Eine solche Verfilmung bringt eine Menge Verantwortung mit sich, denn wahrscheinlich gibt es auf der ganzen Welt kein Kind, das die Geschichte nicht gelesen oder davon gehört hat. Jedes Kind will Charlie sein.“ Sie äußert sich begeistert über das Filmteam und die Übertragung von Roalds Originalzeichnungen auf die gewaltigen Dimensionen der Leinwand. Sie bezeichnet dies als „die ideale Kombination: Wenn Roald Dahl, Johnny Depp und Tim Burton an einem Strang ziehen, dann sind sie absolut unschlagbar.“

        Das Buch „Charlie und die Schokoladenfabrik“ erschien 1964 und hat inzwischen schon seinen 40. Geburtstag gefeiert. Heute wie damals erfreut es sich bei Kindern und Erwachsenen großer Beliebtheit – weltweit wurden über 13 Millionen Exemplare verkauft, es gibt Übersetzungen in 32 Sprachen. Diese unverminderte Popularität beweist, wie gut der Autor sich auf Kinder einstellen, sie verstehen und mit ihnen umgehen konnte. Dazu Grey: „Er hat seine Leser niemals von oben herab behandelt und ihre Intelligenz nie unterschätzt.“

        Johnny Depp, der die Hauptrolle des Willy Wonka übernimmt, schätzt vor allem „die unerwarteten Wendungen in Dahls Geschichte. Man glaubt sein Vorgehen verstanden zu haben, und schon schlägt er einen Haken und bietet Alternativen, neue Richtungen, die uns zum Nachdenken bringen. Im Grunde ist ,Charlie und die Schokoladenfabrik‘ eine sehr moralische Geschichte. Gleichzeitig ist sie aber wirklich zauberhaft und sehr lustig.“

        Obwohl die Kinder das Buch über alles lieben, sind sich die erwachsenen Fans darüber einig, dass „es mehr ist als ein Kinderbuch“, sagt Zanuck. „Es ist natürlich eine Achterbahnfahrt, ein Geisterbahn-Trip durch ein gezuckertes Fantasy-Reich, aber emotional führt es uns sehr viel tiefer. Wir reagieren sehr ergriffen auf die Wonka-Figur und seine Wandlung durch sein Verhältnis zum kleinen Charlie. Eine solche Fantasy-Geschichte lässt niemanden kalt.“

        Der ideale Kandidat für die Regie musste natürlich Tim Burton sein. „Seine Filmografie weist als roten Faden intelligente Verspieltheit auf – die perfekte Kombination für eine solche Geschichte“, sagt Grey. „Genau wie Dahl unterschätzt er niemals die Klugheit seiner Zuschauer. Schon bei unseren ersten Besprechungen merkten wir, dass Tim die Story sehr schätzt und sie so genau wie möglich umsetzen wollte – darin stimmten wir hundertprozentig überein.“

        „Interessanterweise beschreibt das Buch die Stimmungen und Gefühle sehr lebendig und präzise, aber dennoch bleibt viel Platz für die Vorstellungskraft des Lesers“, glaubt Burton. „Wir können unserer Fantasie freien Lauf lassen, und darin liegt meiner Meinung nach Dahls Stärke als Erzähler. Manche Erwachsene haben vergessen, was es heißt, ein Kind zu sein. Doch Roald erinnerte sich sehr genau daran. Seine Figuren erinnern uns an Begegnungen in unserem eigenen Leben, an Schulkameraden, doch gleichzeitig beziehen sie sich auch auf uralte Archetypen aus der Mythologie, aus den Märchen. Diese Mischung aus Gefühl, Humor und Abenteuer ist absolut zeitlos, und deswegen vergessen wir sie wohl auch nicht. Roald erinnert sich genau, wie man sich als Kind fühlt, aber er webt auch die Sicht der Erwachsenen in seine Erzählungen mit ein. Deshalb kann man das Buch jederzeit wieder lesen und ihm immer neue Aspekte abgewinnen – egal, wie alt man ist.“

        Burton hat schon einmal mit Felicity Dahl zusammengearbeitet: 1996 produzierte er das animierte Fantasy-Abenteuer „James and the Giant Peach“ (James und der Riesenpfirsich) nach einem von Roalds Büchern, und sie freute sich sehr, als Burton bereit war, „Charlie“ zu inszenieren. Sie erlebt in ihm ein Echo der einzigartigen „Kreativität und des Humors“ ihres verstorbenen Mannes. „Es wäre schön, wenn Roald mit Tim zusammenarbeiten könnte, denn sie ergäben ein brillantes Team“, fügt sie hinzu.

        „Wir erleben hier die Verschmelzung zweier genialer Köpfe“, sagt Zanuck. „Tim beruft sich präzise auf die Intentionen des Autors und fügt seine eigene außergewöhnliche Dynamik hinzu.“

        Gleich zu Anfang der Vorbereitungsphase besuchte Burton das Haus der Dahls und schaute sich das karge, ungeheizte Arbeitszimmer an, in dem Roald alle seine Bücher schrieb. Alle Geräusche des Hauses waren dort ausgeklammert, sein privates Reich kannte keinerlei Schnörkel. Burton staunte nicht schlecht, als er merkte, wie sehr Charlie Buckets Bruchbude diesem Zimmer glich, und Felicity Dahl bestätigte, dass sich der Autor bei dem Bucket-Haus höchstwahrscheinlich von seinem eigenen inspirieren ließ. Das fand Burton sehr bewegend: „Ich hatte das Gefühl, dass wir eindeutig dieselbe Wellenlänge haben. Unglaublich, wie ähnlich sich die Häuser sind. Roald hat sogar Pappe zusammengerollt, um sich daraus einen Schreibtisch zu basteln. Ich hatte nie die Gelegenheit, ihn kennen zu lernen, aber allein schon durch seine Werke fühle ich mich eng mit ihm verbunden.“

        Drehbuchautor John August („Big Fish“) berichtet ebenfalls über eine persönliche Verbindung zu Roald Dahl.

        „In der dritten Klasse sollten wir einen Brief an eine berühmte Person schreiben“, erinnert er sich. „Fast alle schrieben an den damaligen Präsidenten Jimmy Carter, aber ich entschied mich für Roald Dahl, denn mein Lieblingsbuch war ,Charlie und die Schokoladenfabrik‘. Ich konnte es kaum glauben, als er mir darauf eine Postkarte aus England schickte. Ich war zehn Jahre alt, und das war mein erster Kontakt mit einem Schriftsteller. Auch das hat mich dazu angeregt, selbst Autor zu werden. Ich empfinde es also als besondere Ehre und Verantwortung, die Filmfassung dieses Buches zu schreiben.“

        An der Geschichte rührt August besonders, dass „Charlie zwar sehr arm ist und oft hungern muss, aber er lebt in dem kleinen Haus mit allen Menschen zusammen, die er liebt – Mutter, Vater und alle vier Großeltern. Dadurch ist er so reich beschenkt, wie man es allen Kindern wünschen möchte.“

        August beruft sich auf das Buch und das Konzept der Filmemacher, wenn er die Filmstory keiner bestimmten Epoche und keinem bestimmten Schauplatz zuordnet. „Die Geschichte ist zeitlos“, stellt Grey fest. „Es spielt keine Rolle, ob sie sich heute oder vor 40 Jahren zuträgt. Die Botschaft heißt: Bleib dir selbst und anderen treu, behandle andere so, wie du behandelt werden möchtest. Diese goldene Regel kommt nie aus der Mode.“

        Burton und August fügten Willy Wonka eine weitere Nuance zu und erlauben uns einen Blick in seine eigene Kindheit. Während die Kinder in Begleitung jeweils eines Elternteils (und, in Charlies Fall, seines Großvaters) den Rundgang durch die Fabrik machen, denkt Willy in Rückblenden an wichtige Erlebnisse seiner Jugend zurück. Er erinnert sich an Gespräche mit seinem strengen Vater, dem Zahnarzt Dr. Wilbur Wonka. Wir erleben, wie der übertrieben besorgte Wonka senior seinem Sohn jegliche Süßigkeiten verbietet, und so können wir uns vorstellen, wie Willys unterdrückter Appetit auf Schokolade zu einer fixen Idee wurde, aus der Wonkas Schokoladenimperium entstand.

        „Das Buch erlaubt es dem Leser, das Ungesagte selbst zu interpretieren“, erklärt Burton. „An diesen Stellen hatten wir das Gefühl, dem Film einen Rahmen geben zu müssen, um Wonkas exzentrisches Verhalten zu erklären und Gründe für sein Verhalten zu liefern, ohne dies zu sehr auszubauen. Warum führt er sich so auf, was steckt dahinter?“

        Felicity Dahl stimmt ihm zu: „Alle Bücher müssen in der Filmfassung etwas verändert werden. Wichtig dabei ist, dass diese Änderungen die Story ergänzen, ohne von ihr abzulenken, und genau das ist Tim hier meiner Meinung nach gelungen. Wenn man sich für einen Künstler wie Tim als Filmemacher entscheidet, dann möchte man, dass er seine Kreativität spielen lässt – man muss ihm also vertrauen.“

        Bei der Besichtigung bringt Charlies unschuldige Frage, ob Wonka sich an sein erstes Stück Schokolade erinnert, tief verschüttete Erlebnisse des berühmten Schokoladenfabrikanten an die Oberfläche. Als er später Charlie den größten Preis überhaupt übergibt – nämlich die gesamte Fabrik mit all ihren Wundern – weigert sich Charlie, falls er sich dann von seiner Familie trennen muss – was Wonka zum Nachdenken bringt. Vielleicht hat er die Bedeutung der Familie unterschätzt. Charlie hat zwar immer Hunger und haust in einer heruntergekommenen Hütte, aber vielleicht besitzt er doch etwas, was mehr wert ist als Geld und Schokolade.

        „Das ist eine wunderbar einfache Botschaft für die Menschen unserer Welt, die sich nur an materiellen Dingen, am Erfolg orientieren“, sagt Burton. „Die materiellen Dinge stehen dem Gefühl, dem geistigen Gehalt gegenüber. Manchmal liegt die größte Bedeutung in der Einfachheit.“

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