Donnerstag | 31. Mai 2012 | 10:46 Uhr
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  • Charlie und die Schokoladenfabrik

    Abenteuer, Komödie, Fantasy | Großbritannien / USA 2005
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      • | Die Besetzung

      • Als Tim Burton seinem Freund, dem bereits zweimal für den Oscar nominierten Johnny Depp, mit dem er schon mehrfach zusammengearbeitet hat, die Rolle des Willy Wonka anbot, bekam er kaum Gelegenheit, diese Frage zu formulieren. Laut Depp „saßen wir beim Abendessen, und er sagte: ,Ich möchte etwas mit dir besprechen. Du kennst doch die Geschichte ,Charlie und die Schokoladenfabrik‘? Also, ich mache einen Film daraus, und ich frage mich, ob du vielleicht den…?‘ Ich konnte einfach nicht abwarten, bis er die Frage ausgesprochen hatte. Ich sagte: ,Ich bin dabei. Jederzeit. Ich mache mit.‘ Da gab es nichts zu überlegen.“

        „Es ist an sich schon eine große Ehre, den Willy Wonka spielen zu dürfen“, sagt Depp, der Dahls Bücher immer schon geschätzt hat. „Aber wenn Tim Burton mich aussucht, ist das eine doppelte, dreifache Ehre. Er bietet uns immer verblüffende Visionen, die jede Erwartung sprengen. Einfach weil er mitmachte, konnte ich auf das Lesen des Drehbuchs verzichten, bevor ich unterschrieb. Sogar wenn Tim auf fünf Millionen Filmmetern festhalten möchte, wie ich in eine Glühbirne starre, und ich dürfte drei Monate lang nicht blinzeln, würde ich das anstandslos machen.“

        Wenig später diskutierten die beiden Burtons Entwurfszeichnungen, Wonkas Look und die Themen der Story – es war die Fortsetzung der gewohnten kreativen Zusammenarbeit, die bereits 1990 begann, als Burton Johnny Depp die Titelrolle des rührenden Filmmärchens „Edward Scissorhands“ (Edward mit den Scherenhänden) anvertraute. Später drehten sie auch den von der Kritik gefeierten „Ed Wood“ (Ed Wood) sowie „Sleepy Hollow“ (Sleepy Hollow – Köpfe werden rollen) zusammen, und derzeit arbeiten sie an dem Puppentrickfilm „Tim Burton’s Corpse Bride“ (Tim Burton’s Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche).

        „In vielerlei Hinsicht ist Johnny ein hervorragender Charakterschauspieler“, sagt Burton. „Ein Charakterschauspieler in Gestalt eines Hauptdarstellers. Das hat mich an ihm von Anfang an fasziniert, und deswegen überzeugt er uns so als Darsteller: Ihm geht es nicht in erster Linie um sein Image, vielmehr verwandelt er sich in die Figur, die er darstellt, er probiert gern Neues aus. Er geht Risiken ein. Immer wenn ich mit ihm zusammenarbeite, erscheint er in ganz neuem Licht.“

        „Er kann sehr intensiv über seine Rolle reflektieren“, fügt Grey hinzu. „Als er zusagte, zollte er dem Buch höchsten Respekt, und er entwickelte sofort ein deutliches Gespür dafür, wie er der Rolle unverwechselbares Leben einhauchen kann. Ich könnte mir keine bessere Besetzung vorstellen. Manchmal wirkt die richtige Kombination wie ein Zauber, und genau das erleben wir bei diesem Film mit Roald, Tim, und Johnny.“

        Bei seiner Vorbereitung spielte Depps „große Zuneigung zu Wonka“ die entscheidende Rolle.

        Wonka sieht sich nach 15 Jahren erstmals gezwungen, die Tore zu seiner Fabrik zu öffnen, um einen Erben zu finden, aber er fühlt sich dabei gar nicht wohl, weil er den Umgang mit Menschen verlernt hat. Laut Depp „setzt er vor den Leuten seine Spielmaske auf, aber darunter ist er sehr unsicher, er scheut die Nähe, den Kontakt. Ich glaube, dass er Angst vor Bazillen hat, und deswegen trägt er ständig Handschuhe, auch sie sind ein Grund dafür, dass sein Verhalten wie eine künstliche Fassade wirkt. In bestimmten Momenten des Rundgangs erleben wir, wie Wonka den Kindern buchstäblich etwas vorspielt, und er spielt recht schlecht, er liest seine Dialoge tatsächlich von Karten ab. Wahrscheinlich hat er überhaupt kein Interesse daran, sich mit diesen Leuten abzugeben. Er muss sich von der ersten Sekunde an sehr anstrengen, ihnen etwas vorzumachen und dabei immer zu lächeln.“

        „Andererseits findet er es auch wieder ganz wunderbar, als großer Showmann aufzutreten“, fährt Depp fort. „Er wirkt wie Zirkusdirektor P.T. Barnum, wenn er demonstriert, was er alles geschaffen hat, nach dem Tenor: ,Hey, schaut euch das an. Das habe ich mir ausgedacht, ist das nicht wunderbar?‘ “

        „Willy Wonka ist sehr exzentrisch“, stellt Zanuck fest. „Ein seltsamer Typ, sehr komisch, sehr distanziert, aber auch sehr verletzlich – eine interessante Mischung, kindisch und tiefgründig zugleich. Kein anderer Schauspieler könnte dieser Rolle diese erforderliche Tiefe, dies Bandbreite und diese Haken und Ösen verleihen. Johnny ist ungeheuer begabt.“

        Burton und Depp arbeiteten mit der Oscar-preisgekrönten Kostümbildnerin Gabriella Pescucci („The Age of Innocence“/Zeit der Unschuld; „Van Helsing“) zusammen, um genau den richtigen Look für Wonka zu schaffen – letztendlich trägt er ganze zehn verschiedene edle Jacketts und Mäntel. In Bezug auf die Zeitlosigkeit der Dahlschen Geschichte gestaltete Pescucci die Kostüme „modern, aber mit Stilanleihen an die alte Welt.“

        In Bezug auf Wonkas Frisur und andere kleine, aber wichtige Details ging Depp seinen ganz eigenen Weg. „Die Frisur sah ich schon sehr schnell klar vor mir“, sagt er. „Der Zylinder war eine einfache Entscheidung, weil der schon auf den Quentin-Blake-Bildern vorkommt, aber die Haare stellte ich mir etwa im Stil von Prinz Eisenherz vor, eine Pagenfrisur, recht extrem und nicht gerade vorteilhaft, aber Wonka hält die Frisur wohl für cool, weil er schon so lange nicht mehr unter Menschen gegangen ist und es einfach nicht besser weiß – daher verwendet er auch altmodische Ausdrücke.“

        Im Buch werden Wonkas Augen als funkelnd beschrieben, und deswegen wählte Depp violett gefärbte Kontaktlinsen aus, die eine beeindruckende Farbdimension ins Spiel brachten. Und weil Wonka als Kind beim Kieferorthopäden war, fand Depp, dass er perfekte Zähne zeigen sollte. Hinzu kommt seine auffällig blasse Haut, weil er die Fabrik jahrelang nicht verlassen hat. So entsteht ein Wonka-Bild, das dem außergewöhnlichen Mann mit abgedrehten und kostspieligen Vorlieben und seiner Art zu sprechen gerecht wird – ein Auftritt, der seinem seltsamen Lebensstil wunderbar entspricht.

        Die Italienerin Pescucci bringt es auf den Punkt: „Willy Wonka é la persona fantastica!“
        Die Rolle des Charlie übernimmt Freddie Highmore, der nach dem gefeierten „Finding Neverland“ (Wenn Träume fliegen lernen; 2004) erneut neben Depp auftritt. Zu Beginn der Dreharbeiten war Highmore zwölf Jahre alt – er kann bereits Hauptrollen in Familienfilmen wie „Five Children and It“ und „Two Brothers“ (Zwei Brüder) vorweisen, und er verkörperte den jungen König Arthur in der TNT-Miniserie „The Mists of Avalon“ (Die Nebel von Avalon).

        „Er spielt die Rolle sehr emotional“, bestätigt Grey. „Aber man merkt nicht, dass er spielt – er wirkt völlig natürlich. Diese Fähigkeit zeigt, dass er für sein Alter ungewöhnlich reif ist.“

        Burton fasst die Meinung aller Mitwirkenden zusammen, die mit dem jungen Darsteller zu tun hatten: „Er wirkt rundum natürlich und glaubwürdig. Seine große Ernsthaftigkeit erscheint nie unecht, was sogar erwachsenen Schauspielern sehr schwerfällt. Er kann Gefühle auch ohne Worte ausdrücken, und er wirkt nie angestrengt. So etwas kann kein Regisseur per Anweisung verlangen – entweder man kann es, oder man kann es nicht. Deshalb steht und fällt das Projekt mit der Besetzung des Charlie.“

        Dass Charlie so sympathisch wirkt, liegt für Highmore daran, dass er „ein normaler Junge ist. Er hat keine besonderen Begabungen oder ungewöhnliche Fähigkeiten. Praktisch hat er eigentlich gar nichts außer seiner Familie, aber er handelt immer sehr überlegt und behandelt jedermann zuvorkommend. Als dann sein Wunsch in Erfüllung geht und er die Fabrik besuchen darf, freuen sich alle Leute mit ihm, weil er es wirklich verdient hat.“

        So gesehen strahlt Freddie laut Zanuck „Güte und Unschuld aus“ – ohne sie allerdings zu übertreiben. „Güte kann auf der Leinwand sehr langweilig wirken“, scherzt Helena Bonham Carter, die mit Highmore bereits die britische Komödie „Women Talking Dirty“ (1999) gedreht hat. „Im Grunde ist Charlie eine gute Seele, weil er die richtigen Werte vertritt. Er ist nicht verzogen, was ihn von den anderen vier Kindern unterscheidet. Doch Freddie versteht es wunderbar, Charlie vor Kitsch zu bewahren, denn bei einer solchen Rolle ist diese Gefahr sehr groß.“

        Charlies Elternhaus wird von der Wonka-Fabrik gleich nebenan überragt – seine Fantasie richtet sich also vor allem auf das, was darin verborgen ist. Dennoch ist er im Gegensatz zu seinen privilegierten Tourgefährten mit seinem bisherigen Leben durchaus zufrieden. Dazu Highmore: „Obwohl er jeden Abend Gemüsesuppe essen muss und einen verschlissenen Pullover trägt, fühlt sich Charlie im Schoß der Familie geborgen. Scheinbar besitzt er gar nichts, und dabei hat er bereits alles.“

        Als Charlie mit der kostbaren goldenen Eintrittskarte nach Hause kommt, wirkt dies wie ein Jungbrunnen für Großvater Joe, der von David Kelly („Waking Ned Devine“/Lang lebe Ned Devine!) gespielt wird. „Man spürt es daran, wie er geht und spricht“, sagt Zanuck. „Vor vielen Jahren hat Großvater Joe in der Fabrik gearbeitet, das war Joes glorreiche Vergangenheit – bis zu dem Zeitpunkt, als Wonka die Stadt aussperrte. Weil Joe die Chance bekommt, die Fabrik noch einmal zu besuchen, erhebt er sich vom Krankenlager und lebt richtig auf.“

        „Als David hereinkam, war die Sache sofort klar“, erinnert sich Burton. „Er war hundertprozentig Großvater Joe. Ein erstaunlicher Schauspieler mit ungeheuer ausdrucksstarkem Gesicht, wie es die Stummfilmdarsteller hatten.“

        Kelly würdigt, wie Dahl die besondere Beziehung zwischen Charlie und seinem Großvater herausarbeitet, und stellt fest, dass der Autor Wert darauf legt, das gesamte Altersspektrum darzustellen. Der Schauspieler hatte nicht das Glück, seine eigenen Großeltern zu erleben – sie starben bereits vor seiner Geburt. Aber heute freut er sich daran, dass seine Kinder eine gute Beziehung zu seinen Eltern haben, und fragt sich: „Gibt es überhaupt Menschen, die ihren Großeltern kein ganz besonderes Gefühl entgegenbringen?“

        Laut Kelly befindet sich das gesamte Projekt „in Tim Burtons Kopf – ein sehr fruchtbarer Aufenthaltsort. Der Mann setzt neue Maßstäbe, ist echt genial. Wenn ich zu meiner Rolle gefragt werde, antworte ich: ,Na ja, ich werde mit Johnny Depp von 50 Umpa Lumpas in einem rosa Zuckerboot über einen Schokoladenfluss gerudert.‘ Die Sets sind traumhaft – handgemalt, von Hand modelliert – so etwas erlebt man heute kaum noch. Bei der Arbeit klappte uns jeden Tag vor Staunen der Unterkiefer herunter, das war reine Magie.“

        Charlies liebevolle Eltern werden von Helena Bonham Carter und Noah Taylor gespielt, die beide laut Burton „aus relativ kleinen Rollen das absolut Beste machen und Charlies Familie mit Warmherzigkeit und Glaubwürdigkeit erfüllen. Die Wohnsituation und Lebensbedingungen sind äußerst prekär, fast surreal – und ohne die richtigen Darsteller hätte das nicht funktioniert. Mit Noah und Helena haben wir großes Glück: Sie sorgen wirklich dafür, dass ein echtes Familiengefühl aufkommt.“

        1997 wurde Bonham Carter mit ihrer Hauptrolle in der Lovestory „The Wings of the Dove“ (Die Flügel der Taube) für den Oscar und den British Academy Award (BAFTA) nominiert. Über das emotionale Gleichgewicht zwischen ihr und Taylor in den Elternrollen sagt sie: „Wie Großvater Joe haben sich Charlies Eltern mit den Enttäuschungen des Lebens abgefunden. Wir führen ein hartes Leben, haben uns in die Rolle der Underdogs gefügt. Bei der Ankündigung des Gewinnspiels mit den goldenen Eintrittskarten erwarten wir also überhaupt nicht, dass Charlie irgendeine Chance bekommt, denn die Wahrscheinlichkeit ist denkbar gering. Wir lieben unseren Sohn über alles und wollen ihm jede Enttäuschung ersparen, machen ihm also keine Hoffnungen. Er ist die einzige Freude in unserem Leben, und als er die Eintrittskarte findet, verkörpert er plötzlich für die gesamte Familie die Hoffnung auf ein besseres Leben.“

        Laut Taylor („Shine“, „Almost Famous“, „The Life Aquatic“/Die Tiefseetaucher) kann man Mr. Bucket „nicht gerade als erfolgreich bezeichnen. Er stammt wahrscheinlich aus einer Familie, die es nie zu viel gebracht hat, nicht besonders clever ist, keine Beziehungen hat. Aber es gelingt ihm dennoch, seine Familie zusammenzuhalten und einen sehr lieben Sohn aufzuziehen. Und das halte ich für die wichtigsten Leistungen im Leben überhaupt.“
        Taylor beschreibt Dahls Botschaft, die er durch die Bucket-Familie ausdrückt, folgendermaßen: „Um ein guter Mensch zu sein, braucht man kein Geld, kein Ansehen.“ Aber „diese Moral stopft er uns nicht in den Rachen, vielmehr gibt er uns die Gelegenheit, sie selbst zu entdecken“.

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