Donnerstag | 31. Mai 2012 | 10:46 Uhr
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  • FILMDETAILS | Charlie und die Schokoladenfabrik
  • Charlie und die Schokoladenfabrik

    Abenteuer, Komödie, Fantasy | Großbritannien / USA 2005
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      • | Die Eichhörnchen

      • Ebenso fantasievoll wie logisch erkennt Wonka, dass Eichhörnchen die weltweit größten Experten für die Qualität von Nüssen sind. Kein anderes Tier – von Menschen und Maschinen ganz zu schweigen – kann mit derartiger Präzision und Geschwindigkeit gute von faulen Nüssen unterscheiden.

        Irgendwann führt Wonkas Tour also auch in den Nuss-Sortiersaal, in dem die Kinder von dem Anblick hingerissen sind: 100 Nager geben auf winzigen Schemeln emsig ihr Bestes: Jede Nuss wird auf Geruch und Klang geprüft, die guten geschickt aufgenagt und der Inhalt auf das Fließband expediert, während sie die schlechten Nüsse über ihre Schulter in einen gigantischen Müllschlucker werfen.

        Wie Wonka wollte Tim Burton nur das Beste: echte, dressierte Eichhörnchen.
        „Ich recherchierte und war von den Anforderungen schier überwältigt“, sagt Tierausbilder Mike Alexander von der Firma Birds & Animals Unlimited. Alexander freute sich auf die erneute Zusammenarbeit mit Burton, nachdem er bereits für die echten Schimpansen in „Planet der Affen“ zuständig gewesen war. Aber er gibt zu: „Eichhörnchen sind eine echt harte Nuss, und es war einfach unvorstellbar, 100 gleichzeitig zu dressieren.“

        Die Tiere auf der Leinwand sind also eine sehr kunstvolle Mischung aus sorgfältig erstellten animatronischen Puppen, einigen Computerbildern und 40 ausgelassenen, sehr realen Eichhörnchen, die den Maßstab vorgeben und in den Tierszenen die Führung übernehmen.

        19 Wochen lang arbeitete Alexanders Team aus vier Trainern – immer unter der Aufsicht eines Vertreters des Tierschutzbundes Humane Society. Grundsätzlich kümmerten sie sich dabei ganz indivuell um ihre quirligen Schützlinge. Einige der Tiere stammten aus britischen Privathaushalten, die meisten wurden aus örtlichen Tierheimen rekrutiert. Nachdem die Eichhörnchen einmal von Menschen gerettet und gepflegt wurden, dürfen sie zu ihrem eigenen Schutz nicht mehr in die freie Wildbahn entlassen werden. Entsprechend wurden alle Eichhörnchen, die nicht zu ihren Besitzern zurückkehrten, nach den Dreharbeiten von Birds & Animals Unlimited adoptiert, wo sie gute Pflege bekommen, bis sie möglicherweise wieder vor der Kamera auftreten.

        Alexander beschreibt die Eichhörnchen als zweifellos intelligent und „unglaublich fotogen“, aber sie lassen sich bekanntermaßen nur schwer dressieren. Weil sie so eigensinnig und unberechenbar sind, „eignen sie sich nicht dafür, spezielle, schwierige Aktionen auszuführen“, sagt er. „Sie mögen einfach nicht still sitzen. Man kann sie nicht in einer Position festhalten. Zwei Wochen haben wir gebraucht, bis wir sie so weit hatten, dass sie aus ihrem Bau kamen und sich zu uns setzten, was nicht heißt, dass sie irgendetwas taten, was wir von ihnen wollten. Wir arbeiteten uns also in winzigen Schritten voran. Als sie sich daran gewöhnt hatten, bei uns zu sitzen, stellten wir ihnen die Requisiten vor. Wir brachten ihnen bei, eine Nuss aufzuheben und in eine Metallschale zu tun, was sie im Film nicht machen. Aber als sie das Aufheben begriffen hatten, konnten wir die Schale durch ein Fließband ersetzen. Als sie das Grundkonzept verstanden hatten, lernten sie immer schneller, und die Sache funktionierte.“

        Jedes Eichhörnchen bekam einen Namen, und schon bald zeigten sich ihre eigenen Persönlichkeiten und Begabungen. „Alle waren lernwillig, aber einige sind natürlich gelehriger als andere“, sagt Alexander. „Wir merkten, dass einige überhaupt keine Nüsse aufheben wollten, andere wiederum packten sie und ließen sie nicht mehr los. Diejenigen, die sich nicht als ,gute Nuss-Eichhörnchen‘ profilierten, kamen in eine zweite Gruppe – sie lernten, über den Boden in Richtung Veruschka zu laufen. Und unsere schlauesten Eichhörnchen führen den Nuss-Gag aus.“

        Es gibt Grenzen für das, was die Eichhörnchen leisten können – entsprechend ihren Fähigkeiten, aber auch in Bezug auf die möglichen Gefahren, die eine Szene mit sich bringt. In solchen Fällen übernahmen die animatronischen oder die virtuellen Truppen.

        „Tim wollte die echten Eichhörnchen so oft wie irgend möglich einsetzen“, berichtet Nick Davis. „Aber einige Bewegungen können sie rein physisch nicht ausführen, sie können zum Beispiel die Nüsse nicht über ihre Schultern werfen. Das ist ihnen vom Körperbau her gar nicht möglich. Es fiel also uns zu, die Computer-Eichhörnchen so realistisch wie möglich zu gestalten, sie müssen sich anthropomorphisch verhalten, sollen dabei aber ihre tierische Natur nicht verleugnen. Eichhörnchen haben eine einzigartig dynamische Energie, was Tim besonders anzieht. Er lehnte es ab, sie in Zeitlupe zu drehen oder ihnen sonstwie ihren natürlichen Ausdruck, ihre Intensität oder ihr Tempo zu beschneiden, weil sie derart possierlich und auch ein bisschen irritierend wirken.“

        Jon Thum, bei Framestore-CFC für die visuellen Effekte verantwortlich, kam mit an Bord, um die Eichhörnchen-Szenen mit seinem Know-how zu unterstützen. Er steuerte insgesamt 88 Effekteeinstellungen zum Film bei, „vervielfachte die echten Eichhörnchen in etwa 15 Einstellungen und leistete in weiteren 64 Einstellungen die viel schwierigere Aufgabe, völlig neue Eichhörnchen zu kreieren. Einige Einstellungen mit den Eichhörnchen auf den Schemeln, die ihre Köpfe drehen, ließen sich nur per Computer bewerkstelligen. Und sobald sie sich auf dem Boden befinden, handelt es sich überwiegend um Computerbilder.“

        Die Mulitplikation der Tiere bedeutete, dass man sie zunächst einzeln bei der Ausführung ihrer dressierten Aktionen filmte. Diese Bilder wurden dann kombiniert, um ein Gruppenbild zu erzeugen. Thum gibt ein Beispiel: „Als die Eichhörnchen massenhaft von ihren Schemeln springen und auf Veruschka zulaufen sollen, können sie zwar springen, aber nicht alle zur gleichen Zeit. Also mussten wir jedes Eichhörnchen einzeln filmen, wie es vom Schemel springt, um sie dann in einer einzigen Einstellung zu synchronisieren.“

        Bei der Kreation virtueller Eichhörnchen orientierte sich Thums Team „an den Referenzaufnahmen der realen Vorbilder. Wir hatten Bilder, auf denen sie laufen, springen, Nüsse aufnagen, an Stoffstücken zerren. Die Animationszyklen übernehmen diese Referenzbewegungen in allen Einstellungen. Dann gehen die Animatoren ans Werk und animieren die Eichhörnchen-,Hauptdarsteller‘ individuell. In manchen Einstellungen mussten wir die Tiere Bewegungen ausführen lassen, die sie selbst nicht bewerkstelligen können, als sie zum Beispiel Veruschka auf den Kopf klopfen. Aber die Bewegungen, die sie vorher und nachher ausführen, gehen auf die Vorbilder der echten Eichhörnchen zurück.“

        Die Computerbilder wurden dann minutiös Haar für Haar berechnet, um den Tieren individuelle Züge zu verleihen, wie Thum berichtet. „Richtig schwierig wurde es in den vielen Fällen, wo die Computerbilder als Anschlüsse an die Aufnahmen mit den echten Tieren dienen sollten. Wir stellten fest, dass unsere Eichhörnchen-Großaufnahmen fünf Millionen Haare erforderten, um authentisch zu wirken.“ Das Fell wurde so lange überarbeitet, bis jedes Detail in Bezug auf Länge, Farbe und Lage der Härchen stimmte. Diese Effekte wurde dann durch Bewegungsnuancen wie Atmen und Zuckungen vervollständigt.

        Daneben fertigte Scanlan zwölf animatronische Puppen an, außerdem einige Körperteile, die mit handgeführten Stäben animiert wurden. „In den meisten Einstellungen sieht man ein echtes Eichhörnchen, das im Vordergrund auftritt, während etliche animatronisch animierte Kollegen sein Handlungsmuster nachmachen“, sagt er. „Der Vorteil animatronischer Puppen liegt darin, dass sie nichts dagegen haben, ewig die gleichen Bewegungen auszuführen, und sie beschweren sich nie; allerdings wirken sie auch nie so wirklichkeitsgetreu. Der beste Weg liegt also darin, die Bewegungen anzugleichen und dann zu kombinieren.“

        Scanlans Puppen-Eichhörnchen enthielten mehrere Motoren, mit deren Hilfe sie eine ganze Anzahl von Bewegungen ausführen konnten: Sie drehen die Köpfe, halten eine Nuss, schütteln sie, horchen hinein, wedeln mit dem Schweif. „Wir konnten sie so programmieren, dass sie genau das taten, was Tim wollte.“
        Als Veruschka ein Eichhörnchen entführen will, wird sie von der Masse der wütenden Nager überwältigt. In diesem Schlachtgetümmel werden die lebendigen Eichhörnchen von animatronischen Kollegen unterstützt, die Scanlan „mit kleinen Spangen an den Händen und Mäulern ausstattete, die sich im Stoff von Veruschkas Kleid festkrallen.“

        Als Veruschka bzw. ihr Stuntdouble daraufhin zu Boden stürzt, achtete man besonders sorgfältig darauf, dass kein Eichhörnchen zu Schaden kam, falls es bei dieser Aktion vielleicht unter dem Mädchen vorbeiflitzen wollte. Tatsächlich landet Veruschka nämlich auf einer unsichtbaren Plattform mit einem gewissen Abstand über dem Boden, so dass ein genügend großer Zwischenraum blieb. Auf diese Weise erreichten die tierischen Darsteller mit Unterstützung der Animatronik und der Computerbilder den mitreißenden Effekt, dass Veruschka völlig von Eichhörnchen bedeckt ist.

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