Mittwoch | 30. Mai 2012 | 19:59 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Datenbank > Filmdetails > Filminfos
  • FILMDETAILS | Underworld: Evolution
  • Underworld: Evolution

    Action, Science Fiction, Fantasy | USA 2006
    WERBUNG
      • | Die Entwicklung eines Looks

      • Nachdem sich Underworld zum Überraschungserfolg des Jahres 2003/2004 entwickelte und bereits vor seiner Veröffentlichung auf DVD ein Fünffaches seines Budgets einspielte, drängte Lakeshore Entertainment sofort auf eine Fortsetzung. Dass der Erfolg vor allem auf positive Mundpropaganda zurückzuführen war, hatte alle Beteiligten überrascht - auch und vor allem Regisseur Len Wiseman, der sich auf einmal mit einer Heerschar von Fans konfrontiert sah, die wissen wollten, wie die Geschichte von Selene weitergeht. Das war eine "eigenartige Erfahrung", gesteht Wiseman, dieser "Druck, die Fans zufriedenzustellen". Dennoch freundete er sich schnell mit der Idee an, bereits etablierte Figuren und Themen erneut aufzugreifen und mit vielen der Darsteller und Crewmitglieder von Underworld erneut zu arbeiten. "Der Vorgang, zurück zu gehen und wieder in etwas Bekanntes einzusteigen", erklärt der Regisseur, "war ein bisschen, als würde man die Highschool oder das Sommercamp erneut besuchen: Man ist wieder mit Freunden zusammen."

        Produzent David Coatsworth fügt hinzu: "Mit einer Fortsetzung sind immer hohe Erwartungen verbunden. Man hat die Verpflichtung, alles größer und besser zu machen. Das empfanden wir als unser Mandat." Es half natürlich, dass das Budget diesmal höher war, obwohl nicht in der Höhe, wie er sagt, "wie man sie von üblichen Hollywood-Blockbustern kennt. Die größte Herausforderung war eine kreative: Wir mussten den richtigen Look hinkriegen, die richtige Action. Und wir mussten den intelligentesten Weg finden, das im Rahmen unserer Möglichkeiten umzusetzen."

        Die erste Entscheidung war, sich von dem blaustichigen, unterirdischen Monochrom des ersten Films zu verabschieden und eine neue visuelle Richtung einzuschlagen sowie eine neue Textur zu finden. "Der Film ist etwas farbiger, das aber in unterschiedlichen Umgebungen", sagt Wiseman. "Underworld war außerdem sehr urban und irgendwie klaustrophobisch. Im neuen Film öffnen wir diese Welt. Der Film ist immer in Bewegung. Er spielt draußen. Er ist in den Bergen angesiedelt. Ich wollte nicht noch einmal denselben Film drehen."

        Die zweite Entscheidung war, den Film nicht in Budapest zu drehen, wo Underworld entstand, sondern im kanadischen Vancouver. Wiseman und Beckinsale war es nicht nur aus Familiengründen wichtig, nicht so weit von Los Angeles entfernt zu sein, die Drehorte des neuen Films waren auch deutlich ländlicher. Ein Großteil der Geschichte von UNDERWORLD EVOLUTION entfaltet sich in großer Höhe in Bergwäldern und Regionen, die nahe an der Küste liegen. Alles sprach also für Vancouver, eine Hafenstadt, die von dicht bewaldeten Küstenbergen umsäumt und mit dem Flugzeug leicht von Los Angeles zu erreichen ist. Außerdem steht sie im Ruf, über ausgezeichnete Filmcrews zu verfügen.

        Perfekt war die Situation allerdings nicht. Weil man nicht auf die unverkennbare europäische Architektur zurückgreifen konnte, mussten die Sets von Grund auf neu errichtet werden. Aber Einschränkungen können die Kreativität auf ungewöhnliche Weise beflügeln, wie Szenenbildner Patrick Tatopoulos anmerkt. Weil das Drehbuch nach einem altertümlichen Kloster verlangte, wie man es in der Umgebung von Vancouver definitiv nicht finden wird, baute Tatopoulos einfach eines in ein Bergmassiv. "Für den Außenanblick entwarf ich ein Kreuz, das ich in den Fels rammte, während der Rest des Klosters sich innerhalb des Berges verbirgt", sagt Tatopoulos. "Manchmal hat man einfach nicht genügend Geld. Dann muss man sich etwas anderes einfallen lassen. Oft erweist sich das als bessere Alternative. Das Kloster sah nämlich verdammt cool aus."

        Tatopoulos, der für Underworld lediglich die Kreaturen entworfen hatte, übernahm diesmal die komplette Ausstattung, eine Aufgabe, die sich völlig organisch aus seiner Zusammenarbeit mit Regisseur Len Wiseman ergab, der ursprünglich vom Produktionsdesign kommt und über einschlägige Erfahrung im Bereich von Kulissen und visuellen Effekten verfügt. "Len und ich arbeiten absolut reibungslos miteinander", sagt Tatopoulos. "Außerdem erkennt man einen guten Szenenbildner immer daran, dass er nicht seine eigene Vision realisiert. Er ist da, die Vision des Regisseurs umzusetzen. Und Len gehört definitiv zu den Jungs, die großen Einfluss auf den Look ihrer Filme nehmen - vermutlich, weil das ursprünglich sein Fach war. Also lieferte Len ein paar grobe Skizzen ab und als er merkte, dass ich seine Ideen verstand, wurde er merklich lockerer. Wir sprachen dieselbe Sprache und das war die Grundlage für sehr entspannte Arbeit."

        Wisemans visuelle Scharfsinnigkeit beeindruckte auch den ausführenden Produzenten David Coatsworth, der mit großer Zufriedenheit anmerkt: "Ziemlich zu Beginn stellten wir ein paar Szenen neu zusammen und der Autor fragte Len, ob er sich die neuen Seiten bereits angesehen hätte und er mit den Änderungen zufrieden wäre. Und Len antwortete: ,Kann ich nicht sagen, ich habe sie noch nicht gezeichnet.' Das war ein vielsagender Einblick in seinen Arbeitsstil. So funktioniert sein Verstand: Natürlich liest er, was im Drehbuch steht, aber er drückt sich in erster Linie durch Zeichnungen aus. Viele der Szenen illustrierte er eigenhändig, dann gab er die groben Storyboards weiter an die Illustratoren. Worte bedeuten ihm nicht allzu viel."

        "Der Junge ist ein Weltenbauer", erläutert Produzent Gary Lucchesi. "Er ist ungewöhnlich talentiert. Und er weiß, was er tut. Es gibt nur wenige Regisseure, die wirklich verstehen, wie man Live-Action mit visuellen Effekten kombiniert, die wirklich beide Medien aus dem Effeff beherrschen. Len kennt sich damit aus, es ist Teil seiner DNS."

        Wisemans Design-Ursprünge waren der Grund, warum er bei kreativen Herausforderungen oftmals auf komplexe CGI-Effekte verzichtete. Er bevorzugt In-Kamera-Techniken wie Stuntarbeit und Modellbau. "Len ist ein großer Fan praktischer Techniken", weiß Tatopoulos. "Die praktische Umsetzung ist zeitaufwändiger. Der Regisseur ist viel stärker gefragt. In vielerlei Hinsicht ist sie die schmerzhaftere Technik. CGI ist oft einfacher, aber es ist wichtig, so viel wie möglich mit praktischen Techniken umzusetzen. Das ist glaubwürdiger. Selbst wenn ein gewisser Aspekt der Szene im Anschluss mit CGI nachbearbeitet werden sollte, stellten wir sicher, dass wir etwas Vorzeigbares aufgenommen hatten. So sind zum Beispiel die Flügel einer Fledermaus im Computer entstanden, aber die Figur selbst stammt aus der Make-up-Abteilung. Da hat man etwas Greifbares, an das man glauben kann. Als Zuschauer schenkt man den CGI-Aspekten dann weniger Aufmerksamkeit. Wenn man perfekt versteht, wie die eine Technik die andere unterstützt, dann hat man großartiges Teamwork, dann kann man etwas auf Film umzusetzen, das besser aussieht, als hätte man nur eine der Techniken benutzt."

        Diese Idee einer singulären Vision, die man gemeinschaftlich umsetzt, spiegelt sich auch in der Arbeit Wisemans mit seinen Schauspielern wider. "Er ist wunderbar", sagt Sir Derek Jacobi. "Er hat ein fantastisches Auge. Er weiß genau, was er will. Er ist sehr genau, sehr akribisch. Er ist ausgesprochen komplex, aber er geht sehr geradlinig mit seinen Schauspielern um. Er ist keiner dieser diktatorischen Regisseure, die sich an ihren eigenen Neurosen aufhängen. Len gehört zur Gang, er ist der Anführer des Rudels."

        Scott Speedman sieht es genauso: "Es war ziemlich beeindruckend mitzuerleben, wie er bei der Arbeit an diesem Film gewachsen ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass er noch Großes leisten wird. Er ist ausgesprochen talentiert. Er ist mehr als großzügig und man kommt spielend mit ihm aus. Er ist kein Arschkriecher. Er schmiert dir keinen Honig um den Mund und erzählt dir ohne Grund, dass deine Arbeit toll ist."

        Hinter der Kamera fand Wiseman mit Kameramann Simon Duggan, der gerade an I, Robot (I, Robot, 2004) gearbeitet hatte, einen perfekten Mitstreiter. Was Duggan bei der Arbeit an UNDERWORLD EVOLUTION so interessant und befreiend fand, war die Tatsache, dass eigentlich überhaupt nicht bei Tageslicht gefilmt wurde: "Weil es sich um einen Film über Vampire und Werwölfe handelt, ist das komplette Ausleuchtungs- und Drehortszenario auf Filmarbeiten während der Nacht und kurz vor Sonnenaufgang ausgerichtet. Man muss sich also keinen Kopf über den Dreh bei Sonnenlicht machen. Das gibt einem Kameramann eine ziemlich große Bandbreite, was man mit dem Licht anstellen und wie man die Drehorte so schön aussehen lassen kann, wie man will."

        Der Dreh in ländlichen Locations trug zu dem "visuellen Fest" bei, obwohl sich einer der Schlüsseldrehorte als unerwartetes Problem erwies. Für das mittelalterliche Dorf, in dem der Film beginnt, brauchte man große Mengen an Schnee, was in den hohen Bergen von Vancouver eigentlich nie ein Problem darstellt. Aber ausgerechnet dieser Winter war ungewöhnlich trocken: Es lag fast überhaupt kein Schnee. "Wenn man eine Winterszene entwirft, ist falscher Schnee eines der teuersten Elemente", sagt Produzent David Coatsworth. "Während des kompletten Aufbaus des Dorfs gab es so gut wie keinen Schnee. Drei Tage, bevor wir mit dem Dreh begannen, schneite es etwa 72 Stunden lang ohne Unterlass. Wir hatten für unsere Aufnahmen mehr Schnee, als wir es uns je hätten träumen lassen. 24 Stunden nach Abschluss des Drehs kam ein warmer Wind direkt aus Hawaii und schmolz den kompletten Schnee auf den Bergen. Wir hatten ein perfektes Fenster von ungefähr zehn Tagen, in dem wir aus dem Vollen schöpfen konnten. Da liegt so viel Schnee, dass es aussieht, als ob wir ihn auf einem Studiogelände angehäuft hätten. Das lief absolut brillant ab."

        Duggan war ebenso angetan von den Resultaten. "Es war einfach fantastisch, diese mittelalterliche Schlachtszene mit Pferden und Werwölfen und schwarzen Rüstungen. Visuell gab das wahnsinnig viel her, mit Schneefall bei Nacht und viel Blut und lodernden Feuern. Eine wirklich schöne Szene."

      • | Userwertung

      Wertung: 7.5/10 (12 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN