Mittwoch | 30. Mai 2012 | 19:59 Uhr
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  • Underworld: Evolution

    Action, Science Fiction, Fantasy | USA 2006
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      • | Die Entwicklung der Stunt-Arbeit

      • Diese Schlacht war auch eine der etwas schwierigeren Szenen für die Stuntabteilung. Mit den Worten von Stuntkoordinator Brad Martin gesprochen, war die Szene mit ihren vielen Pferden, Schauspielern und Stuntleuten, die sich in ein Meter fünfzig tiefem Schnee beharkten, "pures Chaos". Aber die Probleme der Abteilung hätten noch viel größer sein können, hätte Pferdetrainer Danny Virtue nicht die Geistesgegenwart besessen, die Pferde vor dem Dreh mit den Werwolf-Darstellern vertraut zu machen. "Danny musste die Werwölfe mit ihren Köpfen im Vorfeld zu den Pferden bringen", erklärt Martin. "Andernfalls wären die Tiere am Drehtag völlig ausgeflippt."

        Martin gibt aber auch zu, dass es die Pferde im Vergleich zu einigen der Schauspieler relativ leicht hatten. "Kate hing während der meisten Zeit des Drehs an Drähten und befand sich in einer ausgesprochen unbequemen Lage", weiß Martin. "Ich kann mich an eine Nacht erinnern, da waren wir um Mitternacht im Dachsparren, um die Szene zu drehen, in der Marcus Michael auf dem Dock aufspießt. Kate war an ihren Gelenken und ihrer Hüfte aufgehängt und versuchte, in dieser unangenehmen Position eine halbwegs bequeme Stellung zu finden. Das war eine miese Situation. Aber sie zog die Sache durch und sah obendrein noch großartig dabei aus."

        "Da gab es noch so eine fabelhafte Sache, die wir gemacht haben", fährt Martin fort. "Das war mit Scott in der gleichen Dock-Sequenz, wenn Michael von Marcus hochgehoben wird: Er schleudert ihn weg, Michael macht einen Vorwärtssalto, landet auf dem Dock und wird dort von einem abgebrochenen Pfahl aufgespießt. Wir statteten Scotts Brust mit Blutbeuteln aus. In dem Moment, in dem er aufgespießt wird, ließen wir die Beutel platzen. Das sah toll aus. Der Salto sah irre aus. Scott ist sehr talentiert."

        Das Gelingen dieser Szenen schreibt Martin Jim Curchman zu, der das Team mit einem Computer gesteuerten Windensystem vertraut machte. Jeder Stunt wurde in einen Computer gespeist, der die Geschwindigkeit und Bewegungsabfolge ausrechnete, damit der Stunt stets unter perfekter Kontrolle durchgeführt werden konnte. Wenn der Stunt erst einmal programmiert war und die persönlichen Angaben des jeweiligen Schauspielers oder Stuntman eingegeben waren, konnte er endlos oft mit höchster Präzision wiederholt werden. "Es war also sehr sicher und sehr einfach, Kate oder Scott an den Drähten aufzuhängen", berichtet Martin. "Wir mussten nur die Anfangs- und Endmarke sowie die Geschwindigkeit einprogrammieren und konnten dann alle möglichen und unmöglichen Dinge anstellen."

        Eine weitere Innovation der technischen Abteilung sah aus, wie David Coatsworth sagt, "wie eine Mischung aus einem Rollstuhl auf vier Rädern und einem Hotrod. Das benutzten wir, um die Kamera durch sehr enge Räume navigieren zu können. In unserem Fall war das ein ausgesprochen niedriger und schwer erreichbarer Korridor, in dem wir einen Creature-Kampf hatten. Unsere Trapez-Jungs bastelten ein paar brillante Takelagen, mit denen wir die Creatures, Selene und Scott umher bewegen konnten. In dieser Hinsicht haben wir absolutes Neuland beschritten."

        Obwohl die Besetzung ihren Teil der anspruchsvollen Stuntarbeit genoss, waren die Schauspieler doch dankbar, dass die Stuntleute bei den schwierigeren Stunts selbst Hand anlegten. "Die Spezialeffekt-Jungs sind so clever und so gut, dass wir uns immer perfekt beschützt fühlten", lobt Derek Jacobi. "Es waren die Stuntleute, die die Blessuren davon trugen. Ich bin froh mitteilen zu können, dass sie ein nettes Double fanden, das genauso aussieht wie ich. Ich hoffe also, dass alle meine Freunde denken werden, dass sie da mich auf der Leinwand sehen. Ich werde ihnen diese Illusion sicherlich nicht rauben."

        Kate Beckinsale sieht das ähnlich. "Ich hatte ein fantastisches Stuntdouble, das einige erschreckende Dinge tat, die ich niemals auch nur im Entferntesten freiwillig mit mir hätte anstellen lassen", lacht die Schauspielerin. "Und selbst wenn ich es gewollt hätte, man hätte es mir niemals erlaubt. Ich meine, die sprang von Klippen und ich weiß nicht was. Wenn es sicher genug war und die Versicherung mitspielte, dann konnte ich das versuchen, aber Len war diesmal etwas zurückhaltender als beim ersten Film, vermutlich weil wir mittlerweile miteinander verheiratet sind. Wenn man seine Frau dann von einer Klippe stößt, sieht das vielleicht nicht ganz so gut aus."

        Beckinsale ist immer noch beeindruckt davon, den körperlichen Ansprüchen der Rolle gerecht geworden zu sein. "Ich war kein übermäßig athletisches Kind", erinnert sie sich. "Ich war immer eher eine Tänzerin. Ich hatte kein großes Vertrauen darin, jemanden zu schlagen oder von einem Gebäude zu springen. Beim ersten Film war ich sprichwörtlich der Fisch, den man aus dem vertrauten Gewässer in ein neues warf. Dafür durchlief ich drei Monate lang ein sehr intensives Training. Und dann wurde ich immer freundlich daran erinnert, dass ich nicht bei Peter Pan mitspielen würde und härter aussehen sollte. Mittlerweile ist mir das in Fleisch und Blut übergegangen."

        Sie meint weiter: "Diesmal hat es richtig Spaß gemacht. Len und ich wollten etwas von der Ballerei wegkommen und mehr unmittelbare Handkämpfe zeigen, bei denen es zur Sache geht, die dreckig und hässlich sind. Es war sehr gut, das zu trainieren, und festzustellen, dass ich die körperlichen Voraussetzungen dafür mitbrachte. Dass ich tatsächlich richtig zuschlagen kann, überrascht mich. Das habe ich Len und dem Stuntteam zu verdanken."

        Was die Schauspielerin ebenfalls verblüffte, war ihr selbstverständlicher Umgang mit Feuerwaffen. "Diesmal musste ich viel mehr mit automatischen Maschinenpistolen hantieren. Ich war doch ziemlich überrascht, dass mir das sehr leicht fiel, wenn man bedenkt, dass ich bei meinem Leben im britischen Chiswick niemals auch nur zwei Meter in die Nähe von Feuerwaffen gekommen war. Ich bin nervöser, wenn man mir sagt, ich solle in High-Heels eine Treppe hinauflaufen und dabei nicht aussehen wie ein Mädchen. Davor habe ich mehr Angst", lacht sie.

        Produzent Gary Lucchesi stimmt zu, dass die laufende, springende und zuschlagende Kate Beckinsale in UNDERWORLD EVOLUTION als Actionheldin noch beeindruckender auftritt als im ersten Film. "In diesem Film ist sie besser, weil sie bei den Kampfszenen viel entspannter ist", sagt Lucchesi. "Und natürlich ist sie eine überwältigende dramatische Schauspielerin. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie eines Tages einen Oscar(r) als beste Schauspielerin gewinnen würde. Sie ist die perfekte Kombination."

        Der Produzent ist überzeugt, dass sie das Fundament ist, auf der die Underworld-Filme gedeihen. "Man will immer, dass die Fortsetzung besser ist als der erste Film", meint Lucchesi. "Man will selbstsicherer sein, mehr Stil, mehr visuelle Effekte, mehr Atmosphäre haben. Wir hatten das große Glück, eine Schauspielerin in der Hauptrolle verpflichtet zu haben, die auch dramatisch einiges hergibt. Das half ungemein."

        Beckinsale findet indes, dass ihr Ko-Star ebenso viel Lob verdient hat. "Speedman ist dieser seelenvolle, unglaublich zähe Typ - und im wahren Leben auch für jeden Unsinn zu haben", meint sie. "Dann ist da Tony Curran, der völlig durchgedreht ist und einen tollen Sinn für Humor hat. Es war wunderbar, Derek mit an Bord gehabt zu haben, weil wir unbedingt jemand brauchten, der weise ist, bei dem sich unter der Oberfläche viel abspielt - eine sensible, mächtige, interessante Person. Und er ist hinreißend am Set. Steven Mackintosh, der als Tanis zu sehen ist, ist ein brillant talentierter Schauspieler."

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