Besetzung und Crew sind allerdings der Meinung, dass das Gelingen eines Films über Vampire und Werwölfe großteils von den Talenten der Spezialeffekt-Make-up-Künstler abhängig ist, die den Kreaturen Leben einhauchen. Auch hier stand Szenenbildner Patrick Tatopoulis im Mittelpunkt des Geschehens. Er hatte sich die Monster des ersten Films ausgedacht. Also war es ausgemachte Sache, dass er seine Arbeit beim zweiten Film fortsetzen würde, um das Original übertrumpfen zu können. Tatopoulos sagt: "Wir waren beim ersten Film nicht vollständig zufrieden mit den Designs der Werwölfe. Ihr Hals war zu steif, weshalb sich die Schauspieler nicht so gut bewegen konnten, wie wir uns das gewünscht hätten. Aber wenn wir den Hals weicher gestalteten, um mehr Bewegung zuzulassen, dann fiel das Design förmlich in sich zusammen. Diesmal wurde der Hals also nicht geformt, sondern fabriziert. Aber wenn man Dinge fabriziert, kann man keine Haut zeigen, also bedeckten wir die Entwürfe mit Haar. Das ist der Grund, warum die Wölfe diesmal deutlich behaarter sind."
Ein anderes Problem mit den Werwölfen des ersten Films war, wie Tatopoulos' rechte Hand, Guy Himber, Leiter der Spezialeffekt-Make-up-Abteilung, verrät, "dass wir einen ziemlich kleinen Pfotenabdruck entworfen hatten, der ziemlich gut aussah, den Werwolf-Darstellern aber keine optimale Plattform zum Laufen gegeben hatte. Bei diesem Film konnten wir Patrick und Len zu einer größeren Pfote überreden, die den Werwölfen etwas mehr Federung und mehr Stabilität erlaubte. Die Beinverlängerungen sind diesmal ebenfalls ziemlich beeindruckend. Die Jungs können prima damit laufen. Sie können auf einem Bein stehen und allerhand verrückte Dinge anstellen, die sie beim ersten Film noch nicht machen konnten."
Durch die Beinverlängerungen werden die Schauspieler automatisch etwa 30 Zentimeter größer. "All die Werwolf-Darsteller sind etwa zwei Meter groß oder sogar noch größer", sagt Himber. "Mit den Verlängerungen messen sie dann etwa zwei Meter dreißig. Manchmal kauern sie. Aber selbst, wenn sie kauern, muss man als normal gebauter Mensch immer noch zu ihnen aufsehen."
Die Wolfköpfe boten eine weitere ausgezeichnete Gelegenheit für Experimente. "Der Wolfkopf", sagt Himber, "ist ein Stück Animatronik mit Motoren, mit denen sich die Brauen, die Augen, der Kiefer, die Lippen bewegen lassen. Der Wolf kann also zwinkern oder die Zähne fletschen. Wir hatten drei Jungs mit Fernbedienungen, die die Animatronik steuerten, sowie den Darsteller im Kostüm. Wir bauten ein Kommunikationssystem ein, sodass der Chef-Puppenspieler ihm die entsprechenden Anweisungen geben konnte - und wir die Arbeit aller Beteiligten koordinieren konnten."
Am stolzesten ist Tatopoulos jedoch auf die Hybrid-Flügel von Marcus, die vom Team liebevoll "chicken wings" getauft wurden. "Wenn man einen Typen hat, dem den kompletten Film über Flügel auf dem Rücken auf und ab wippen, dann sieht das nur zu leicht falsch aus", erzählt Tatopoulos. "Also dachte ich mir: ,Warum falten wir die Flügel nicht einfach in seinen Torso zurück?' Auf diese Weise hätten wir eine Figur, die eindeutig eleganter und interessanter ist. Wenn er sich dann in dieses Fledermauswesen verwandelt, kommen die Flügel einfach aus seinem Rücken heraus."
Wie stellt man es an, etwa zwei Meter fünfzig breite Flügel realistisch in einen Torso zu falten? Tatopoulos orientierte sich an Schmetterlingen, die aus ihrem Kokon schlüpfen. "Er entfaltet seine Flügel, indem er Blut in sie pumpt, indem er sie aufpumpt", sagt er. "Es gibt also durchaus einen realistischen Hintergrund für dieses Design - es war nicht einfach nur eine Fantasie... Das fand ich am coolsten daran."
Cool vielleicht für Tatopoulos, aber nicht für die Schauspieler. Der Werwolf-Anzug wog beispielsweise etwa 15 Kilo, der Kopf weitere fünf bis sieben Kilo, und jede Beinverlängerung jeweils etwa drei bis vier Kilo. Produzent David Coatsworth war sich bewusst, mit welchen Schwierigkeiten die Darsteller konfrontiert waren und ist voll des Lobes für ihre Anstrengungen. "Wir hatten wirklich das große Glück, mit einigen der besten Leute im Geschäft arbeiten zu können", sagt er. "Wenn wir etwas brauchten, dann bekamen wir das auch. Besser hätte es nicht laufen können. Was diese Jungs geleistet haben, war sehr, sehr schwierig. Man muss in ausgezeichneter körperlicher Verfassung sein. Egal, wie bequem sie es sich in ihren Kostümen einzurichten versuchten, mussten sie dennoch Gel anbringen, um überhaupt in sie schlüpfen zu können. Und dann arbeiteten sie entweder bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt oder in überheizten Studios und Tanks voll heißem Wasser und so weiter. Es gibt keinen angenehmen Aspekt an ihrer Arbeit. Obendrein mussten sie noch Performances abliefern, die Wölfe interessant gestalten und zu Leben erwecken. Das ist eine wirkliche Kunst."
Wenn man einen Hybriden spielt, ist der Vorgang noch intensiver. Zusätzlich zu den anstrengenden Drehtagen verbrachten Scott Speedman und Tony Curran vier oder noch mehr Stunden vor dem Dreh und zwei Stunden nach Drehende im Make-up-Stuhl. Currans Marcus hatte beispielsweise getrennte Teile für die Stirn, den Kopf, die Nase, die Lippen, den Hals, den Rücken und die Oberarme. Allesamt mussten nahtlos auf seinem Körper angebracht werden - jeden Tag aufs Neue. Dazu kamen noch das Kostüm, Kontaktlinsen und 32 Zähneprothesen. Es ist ein Wunder, dass er die Geistesgegenwart besaß, überhaupt noch zu performen. "Sie zogen mir meine Jacke an, setzten meine Zähne und Augen ein, dann kippten sie Blut über mich und sagten: ,Okay, los jetzt, spiel!' ", lacht Curran. "Es war wirklich schwer, fokussiert zu bleiben. Man muss all seine Konzentration zusammennehmen, wenn man dieses Outfit trägt, denn obwohl es umwerfend aussieht, ist es eine einzige Behinderung."
Scott Speedman stimmt all dem zu, obwohl er auch zugibt, dass er die Gelegenheit willkommen hieß, "in der ganzen Make-up-Geschichte zu verschwinden. Ich habe es geliebt, darin herumzuspringen und mich wie verrückt zu gebärden. Man weiß noch nicht einmal, dass das wirklich ich bin." Mag die Arbeit auch anstrengend sein, so zieht Speedman seinen Hut vor den Leuten der Make-up-Abteilung: "Sie sind Künstler. Sie haben die Sache wirklich ernst genommen und unglaublich hart gearbeitet. Es war also nicht so schlimm, wie es klingen mag. Aber verratet ihnen nicht, dass ich das gesagt habe, weil ich unentwegt rumgenörgelt habe."
Guy Himber gibt das Kompliment zurück: "Bei beiden Filmen hatten wir ungemein viel Glück mit den Schauspielern, mit denen wir gearbeitet haben. Es ist ein langer, intensiver und ausgesprochen ungemütlicher Vorgang, und wir verbringen viel Zeit mit den Schauspielern in diesen Stühlen. Aber Scott Speedman war wirklich großartig. Bill Nighy war beim ersten Film einfach wunderbar. Tony war ein Genuss - wenn überhaupt, dann mussten wir seine Energie zurückschrauben, wenn er bei uns war. Man kommt sich in der Zeit, die man miteinander verbringt, ziemlich nahe. Man muss großes Vertrauen entwickeln, weil wir ja wirklich alles von diesen Jungs sahen. Wir haben sie jeden Tag von oben bis unten gewaschen. Da blieb nicht viel Raum, jemandem dumm zu kommen."
UNDERWORLD EVOLUTION wird die Fans des ersten Films weltweit begeistern. Da stellt sich die Frage: Was geschieht jetzt mit den Monstern und den Figuren? Könnte es sein, dass es einen dritten Film geben wird? Regisseur Len Wiseman will sich jetzt noch nicht in die Karten schauen lassen. "Wir haben ein paar Ideen für eine weitere Fortsetzung, aber auch für ein Prequel. Aber es gibt noch keinen festen Plan", sagt er geheimnisvoll. "Selbst bei Figuren, die bereits im ersten Teil gestorben sind, gibt es immer noch viele Dinge, die man an ihnen entdecken kann, die wir von Anfang an in einem Film erzählen wollten. Also gibt es sicherlich manchen Hinweis dafür, dass wir mit UNDERWORLD weitermachen."
"Er hat den Kopf ständig voll mit neuen Ideen", sagt Kate Beckinsale über ihren talentierten Ehemann. "Es ist wirklich eine Frage der Vision des Regisseurs. Len zieht sein Ding durch. Und dann entsteht diese magische Welt, die er die ganze Zeit bereits in seinem Kopf hatte. Ich finde das aufregend und bin immer gespannt, was als nächstes passiert. Dies ist eine interessante Geschichte, eine interessante Beziehung. Die Figuren sind cool, und die Kameraarbeit ist wunderbar. Man hat die Gelegenheit, in eine andere Welt einzutauchen. Und wenn es jemanden gibt, der eine solche Welt auferstehen lassen kann, dann ist das Len. Bisher war es eine aufregende Reise."