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    Thriller, Action, Science Fiction | USA 2007
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      • | Produktionsnotizen

      • „Bestimmt hat jeder schon einmal so eine Show gesehen – Hellseher, Zauberer, Illusionisten – und sich gefragt, ob es da mit rechten Dingen zugeht. Unsere Skepsis lässt uns meinen, alles sei nur vorgetäuscht. So kann man nachts besser schlafen. Man wäre schockiert, wenn man wüsste, dass manchmal – nicht oft, aber doch manchmal – alles wirklich wahr ist. Die Wahrheit verbirgt sich hinter der Maske einer Inszenierung, hinter 50-Dollar-Tricks, im Scheinwerferlicht auf der Bühne. Denn wenn der Zauberer das nicht tut… kann man mit der Alternative unmöglich leben…“
        (Cris Johnson)


        Die futuristische Vision der Science-Fiction in der Gegenwart inszeniert: Das Making-Of „NEXT“

        In unserer heutigen, manchmal aus guten Gründen paranoiden Welt, in der schon diverse sakrosankte Gebäude von Terroristen zerstört worden sind, braucht es nicht viel, um sich vorzustellen, dass auch andere dort draußen dabei sind, ähnliche unaussprechlich furchtbare Anschläge zu planen. Um diese Bedrohung abzuwenden, wäre es von unschätzbarem Wert, in die Zukunft blicken zu können. Genau das ist die Prämisse, die Drehbuchautor Gary Goldman an Philip K. Dicks Kurzgeschichte The Golden Man faszinierte; er beschloss, diese Science-Fiction-Erzählung zu modernisieren und in der Gegenwart spielen zu lassen: „Am besten gefiel mir an dieser Geschichte, dass der Protagonist Cris Johnson ein sogenannter „Pre-Cog“ ist. Ja, er kann zwei Minuten in seine eigene Zukunft blicken, und das verleiht ihm große Macht, aber seiner Fähigkeit sind auch Grenzen gesetzt“, sagt Goldman.

        Das Vorhaben, „NEXT“ zu einem Spielfilm zu machen, entstand 2002 mit dem Kinostart des erfolgreichen Steven Spielberg-Hits „Minority Report“, der ebenfalls auf einem Werk von Philip K. Dick basierte und für den Goldman als Drehbuchautor und ausführender Produzent tätig war.

        „Jason Koornick, der für die offizielle Philip K. Dick-Website verantwortlich ist, hat mich angesprochen und wollte mich interviewen“, erklärt Goldman. Im Laufe dieses Gesprächs erzählte Koornick, dass er als Vergütung für das Betreiben der offiziellen Website einen Vertrag mit der Treuhandstiftung von Philip K. Dick ausgehandelt habe. Bestandteil dieses Vertrages war auch eine Option auf die Rechte für eine der Kurzgeschichten des Autors, die Koornick selbst auswählen konnte. So beschlossen beide, eine Partnerschaft zu gründen, denn Goldman wusste bereits aus Erfahrung, wie teuer und kompliziert es ist, sich die Rechte an einer Dick-Geschichte zu sichern – und Koonick wiederum war sich dessen bewusst, welche Herausforderung darin lag, eine solche Story für das Kino zu adaptieren und zu produzieren. Gemeinsam entschieden sie sich für The Golden Man.

        Obwohl die Originalgeschichte in der Zukunft spielt, beschloss Goldman, den Film in der Gegenwart anzusiedeln. Koornick nennt dieses Genre „spekulative Fiktion“ und erklärt: „Science-Fiction spielt in der Zukunft, es gibt Zukunfts-Technologie und Aliens. „NEXT“ hingegen spielt in der realen Welt, die wir alle erkennen. Darin müssen alle physikalischen Gesetze eingehalten werden – außer im Fall des Protagonisten.“

        Am besten gefiel Goldman an der präkognitiven Fähigkeit des Protagonisten die Tatsache, dass er damit umgeht wie wir, wenn wir ein neues Videospiel ausprobieren: „Wenn man ein Videospiel spielt, dann probiert man Dinge aus. Man versucht, ob etwas so klappt, und dann wird man irgendwann umgebracht. Danach probiert man es erneut und kann es schon besser. Man kann so aus seinen vorangegangenen Fehlern lernen und das Gelernte dann beim nächsten Versuch einsetzen. Die Vorstellung, das Leben so zu leben, als würde man ein Videospiel spielen, ist meines Erachtens sehr attraktiv – und grundsätzlich ist es genau das, was Cris tun kann. Mit seiner Gabe kann er sein Leben so weit treiben, bis er verletzt oder getötet wird. Und dann kann er zurückspringen und noch einmal und noch einmal spielen, und dabei jedes Mal etwas weiter gehen, bis er es hinkriegt.“

        Doch es war die besondere Art und Weise, in der sich diese Gabe manifestiert, die Goldman wirklich faszinierte: „ In The Golden Man haben wir einen Charakter, der über eine übernatürliche Fähigkeit verfügt, nämlich die Präkognition, also die Gabe, in die Zukunft blicken zu können – doch das wird auf eine Weise dargestellt, die wir so noch nie zuvor gesehen haben“, fügt Goldman hinzu. „Anstatt wie ein Hellseher vorzugehen, der einen Blick auf ein Ereignis in der fernen Zukunft erhaschen kann, verfügt Chris über eine Art Radar für die unmittelbare Zukunft. Er kann seine eigene – und ausschließlich seine eigene Zukunft - absolut präzise, dafür aber nur über eine kurze Distanz vorwegnehmen. Ich war wirklich begeistert von der Möglichkeit, diese Geschichte auf die Leinwand zu bringen.“

        Goldman und Koornick unterbreiteten diese Idee dem Produzenten Norm Golightly, Vorsitzender der Produktionsabteilung von Nicolas Cages Firma Saturn Films. „Wir waren augenblicklich von diesem Projekt überzeugt“, sagt Golighty. „Wir haben Gary gebeten, das Script zu verfassen und es uns dann wieder zu zeigen, was er auch tat. Und Nic reagierte auf diesen ersten Entwurf ebenso begeistert.“

        Cage interessierte sich aus verschiedenen Gründen für diesen Stoff: „Ich bewundere Philip K. Dick; er hat Ecken und Kanten und macht keine Kompromisse, und sein einzigartiges literarisches Werk kann erfolgreich auf die Leinwand übertragen werden.“

        Außerdem wird der Schauspieler gerne von seiner jeweils nächsten Rolle herausgefordert, und „NEXT“ stellte ihn vor ganz besondere Aufgaben: „Ich habe mich für diesen Mann interessiert, der ein normaler Durchschnittstyp zu sein scheint, aber mit einer Gabe geboren wurde, durch die er zwei Minuten in die eigene Zukunft blicken kann. So eine Rolle hatte ich noch nie zuvor gespielt. Außerdem war dies auch ein neues Genre, denn es ist nicht Science-Fiction, sondern es geht um paranormale Wahrnehmung. Deswegen gibt es auch keine exotischen Elektrogeräte oder futuristische Kulissen. Und die „Präkognitionen“ von Cris sowie seine einzigartige Denkweise sind für einen Schauspieler eine wunderbare Spielwiese.“

        Als er Goldmans Drehbuch erhielt, war Cage nach eigener Aussage sofort gefesselt: „Ich las es und erkannte darin einen sehr originellen und gefühlsbetonten Abenteuerfilm. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen. Also dachte ich, lasst uns diesen Film machen!“

        Cage und Golightly legten das Drehbuch dem Produzenten Todd Garner bei Revolution Studios vor, der sich aus unterschiedlichen Gründen für dieses Projekt entschied: „Mir gefiel, dass „NEXT“ im Kern eine wunderschöne Liebesgeschichte ist.“ Auch die Tatsache, dass Garner ein großer Fan von Nicolas Cage ist und bereits an Filmen wie „Con Air“ und „Nur noch 60 Sekunden“ mit ihm zusammengearbeitet hatte, verfehlte ihre Wirkung nicht: „Nic ist nicht nur ein toller Action-Held, sondern auch ein unglaublich einfühlsamer Darsteller. Seine Schauspielkunst braucht kaum Dialoge, und das macht ihn so außergewöhnlich. Man kann die Gefühle an seinem Gesicht ablesen; er vermittelt so viel, auch ohne ein einziges Wort zu sagen.“

        Produzent Koornick stimmt zu und meint: „Nic ist für diese Rolle die Idealbesetzung, weil er – ganz abgesehen davon, dass er ein großartiger Schauspieler ist – über eine so intensive Mimik verfügt; das macht es für den Zuschauer so interessant, sich vorzustellen, was er wohl denkt und fühlt. Nic kann eine breite Palette von Emotionen vermitteln, sogar wenn er gar nicht spricht. Er befindet sich in seiner eigenen Welt und sieht vor seinem geistigen Auge, wie sich die Ereignisse abspielen. In der Lage zu sein, das in Echtzeit zu vermitteln, während wir ihn dabei beobachten, wie er in die Zukunft „denkt“, trägt sehr zum Fortgang der Geschichte bei.“

        Die nächste Aufgabe bestand darin, Regisseur Lee Tamahori an Bord zu bringen. Cage erzählt: „Schon seit einiger Zeit bin ich ein Fan von Lee Tamahori. Jedes Jahr schaue ich mir den Film „Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ mit Anthony Hopkins und Alec Baldwin an. Ich fühle mich diesem Film sehr verbunden; außerdem mag ich „Die letzte Kriegerin“. Ich kann erkennen, wie nahe Lee seinen Schauspielern steht; er hat wirklich die Begabung, das Beste aus seinen Darstellern herauszuholen.“

        Produzent Garner stimmt zu: „Obwohl wir wussten, dass Lee das Action-Genre mit all den spannenden visuellen Effekten und Stunts beherrscht, wie er ja im James-Bond-Film „James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag“ und in „xXx 2 – The next Level“ bewiesen hat, haben uns auch seine früheren Arbeiten angesprochen, in denen er Geschichten erzählte, die sich stärker auf die menschlichen Emotionen konzentrieren.“

        Cage sagt: „Mein Wunsch war es, dass sich Lee ganz und gar der Entwicklung der Charaktere widmet und versucht, jeden Aspekt dessen auszuloten, was Cris’ Gabe für ihn bedeutet. Und Lee war voll bei der Sache. In vielen Szenen hat er mir dabei geholfen, die richtige Dosierung von Wut und Frustration zu treffen.“
        Die Besetzung von Julianne Moore in der Rolle als Agentin Callie Ferris war für die Filmemacher eine leichte Entscheidung: „Julianne ist jemand, den ich schon immer bewundert habe, denn sie tut ständig etwas neues“, berichtet Cage.

        Obwohl Moore bereits in „Hannibal“ die FBI-Agentin Clarice Starling gespielt hatte, sah die Schauspielerin für ihre Rolle als Ferris in „NEXT“ einen anderen Ansatz: „Hier spiele ich endlich einmal die Antagonistin. Das macht Spaß, denn ich muss mir keine Sorgen mehr darum machen, ob ich mitfühlend genug wirke“, lacht sie. „Ferris will bei Cris ihre eigene Agenda durchsetzen. Sie versucht, ihm klarzumachen, dass er mit der Regierung kooperieren sollte, um die terroristische Bedrohung abzuwehren, denn irgendwo in Los Angeles soll eine Atombombe hochgehen. Er soll verstehen, dass die Bedürfnisse einer Mehrheit wichtiger sind als die Bedürfnisse eines Einzelnen, also seine.“

        Was die Bedürfnisse eines Einzelnen angeht, widersetzt sich Cris anfangs, denn er will nicht in irgendeinem unterirdischen Hochsicherheitstrakt der Regierung festsitzen und für den Rest seines Lebens nur fernsehen oder Graphiken auswerten. Er sehnt sich nach einer Zukunft an der Seite einer schönen, unkomplizierten Frau. Doch nachdem er Agentin Ferris kennen lernt, wird das Leben der beiden viel komplizierter.

        Die Romanze beinhaltet noch eine Nebenwirkung: Als sich Cris in diese Frau zu verlieben beginnt, verfügt er plötzlich über die Fähigkeit, viel weiter in die Zukunft blicken zu können als bisher – und das wiederum macht seine Zusammenarbeit mit dem FBI noch wertvoller.

        Die Filmemacher entschieden sich für Jessica Biel in der Rolle von Cris’ großer Liebe Liz Cooper; sie spielt eine Lehrerin, die ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten will, indem sie unterprivilegierte Kinder unterrichtet. Die Schauspielerin ergriff die Gelegenheit beim Schopf, sich an „NEXT“ beteiligen zu können: „Für Lee Tamahori, einen Regisseur mit so viel Talent und Erfahrung, und an der Seite von Darstellern wie Nic Cage und Julianne Moore vor der Kamera stehen zu können, das war eine großartige Erfahrung“, berichtet Biel. „Lee schuf am Set immer eine sehr entspannte Atmosphäre. Und er war absolut offen für Improvisation, also fühlte ich mich frei, um mit meiner Rolle zu experimentieren. Julianne wiederum hat in ihrer Karriere so intelligente Entscheidungen getroffen. Ich war so gespannt darauf, sie bei der Arbeit zu beobachten und herauszufinden, wie sie so mühelos und brillant schauspielert. Und Nic widmet sich seinen Rollen mit solcher Intensität, will genau wissen, wer die Figur ist und warum sie so handelt, dass mich das auch bei meiner eigenen Darstellung sehr angespornt hat. Er brachte mich dazu, tiefer in die Figur einzutauchen und zu versuchen, vielschichtigere Ebenen meiner Rolle auszuloten. Nic hat einen hohen Maßstab angesetzt, und dem wollte ich entsprechen.“

        Cage seinerseits konzentrierte sich bereits während der Drehbuchentwicklung auf Biels besondere Stärken: „Wir wollten sowohl meine als auch Jessicas Rolle mit besonderer Romantik ausstatten. Jessica spielt Liz, ist sehr schön und gibt einem das Gefühl, dass man gerne mit ihr befreundet wäre; Cris wiederum ist eher ungewöhnlich, manieriert und hebt sich von den anderen ab. Es ist also eine interessante Situation, dass sich gerade diese beiden ineinander verlieben.“

        Biel beschreibt ihre Rolle so: „Liz ist praktisch den gesamten Film über die holde Maid, die gerettet werden soll… und das war eine echte Veränderung für mich.“ Die Schauspielerin ist ja besonders durch ihre Action-Rollen in Filmen wie „Blade: Trinity“ und „Stealth – Unter dem Radar“ bekannt. „Es war schön, einmal ein normales Mädchen zu spielen“, meint Biel. „Ich musste für diese Rolle weder hart trainieren noch besondere Fähigkeiten erlernen: Ich bin einfach eine engagierte Lehrerin, die ein normales Leben führt – und schlagartig muss ich vor der Bundespolizei flüchten und verliebe mich in diesen Kerl, der sagt, er könne in die Zukunft sehen, und gerate dann ständig in beängstigende Situationen.“

        Jessica Biel musste für diese Rolle tatsächlich eher „unsportlich“ werden: „Ich musste genau das Gegenteil einer Action-Heldin sein. Ich habe versucht, nicht cool auszusehen, wenn ich rannte. Und ich durfte niemanden verhauen. Liz sollte etwas femininer und verletzlicher sein, und daran bin ich gar nicht gewöhnt“, erzählt die Schauspielerin.

        Auch Cage hat in vielen Filmen einen Action-Helden verkörpert. Doch obwohl er als Cris in „NEXT“ viele Auseinandersetzungen durchstehen muss, findet er mittels seiner besonderen Gabe doch immer einen anderen Ausweg: „Für Cris geht es immer um die Kunst, zu kämpfen, ohne zu kämpfen“, berichtet Cage. „Da er die Ereignisse sehen kann, bevor sie passieren, kann er auf vielerlei Arten dem Kampf aus dem Weg gehen. Das macht Spaß, und ich war davon überzeugt, dass es für das Publikum interessant sein würde.“

        Für diese Sequenzen trainierte Cage verschiedene Choreographien und Stunts ein, zu denen auch etwas moderner Tanz gehörte – jawohl, moderner Tanz! Mit Profitänzer Scott Grossman probte Cage am Set verschiedene Möglichkeiten, sich in einem Kampf zu bewegen. „Meiner Meinung nach sollte Cris eine intuitive Herangehensweise an die Bewegungen haben, denn er wusste ja, was passieren würde“, meint Cage. „Deshalb konnte er sich z.B. einfach wegducken. Er ist so etwas wie ein „New-Age“-Actionheld. Außerdem fühlte ich mich sehr wohl dabei, Tanzbewegungen mit einfließen zu lassen, denn meine Mutter widmete sich auch dem modernen Tanz.“

        Die Rolle als Liebhaber und Kämpfer ist nicht die einzige Doppelrolle, die Cage in „NEXT“ spielt. Auch in der Doppelrolle als Schauspieler und Produzent war er für diesen Film aktiv, genau wie zuvor bereits bei „Lord of War – Händler des Todes“ und „The Wicker Man“. „Der Job als Schauspieler und Produzent scheint mich in letzter Zeit immer öfter in Beschlag zu nehmen“, meint Cage. „Es ist tatsächlich viel effektiver, bestimmte Ideen über die Kanäle, die mir unsere Produktionsfirma Saturn Films bietet, in die Praxis umzusetzen.“

        Cage trug auch etliche ausschlaggebende Elemente zu der Story von „NEXT“ bei. Es war seine Idee, dass Cris beruflich als Magier arbeitet. „Meiner Meinung nach macht ihn das glaubwürdi-ger“, berichtet Cage. „Denn wenn jemand mit der Gabe der Präkognition geboren wurde, muss er damit rechnen, ausgeschlossen und als Freak oder Alien gebrandmarkt zu werden. Und die Menschen hätten wahrscheinlich Angst vor ihm. Deshalb würde er seine Fähigkeit wohl gerne verborgen halten, und die beste Art, das zu tun, ist es, sie offen zur Schau zu stellen und dadurch als Scharlatan zu gelten. Der echte Hellseher verbirgt sich hinter der Maske des Zauberkünstlers.“

        Doch die Entscheidung, Cris zu einem Magier zu machen, fiel erst, als die Dreharbeiten bereits begonnen hatten. „Alle Schauspieler und Lee beobachteten mich dabei, wie ich einen Test in der Bühnenrolle als Frank Cadillac machte, und dachten dabei bestimmt: Was macht er da bloß?“, lacht Cage. „Doch Lee, der ein so kooperativer Regisseur ist, hat mitgehalten.“

        Cage war nicht nur davon überzeugt, dass Cris durch seinen Beruf als Magier die Story bereichern würde, sondern hatte auch selbst großen Spaß daran: „Ich habe mich schon immer für die Zauberei interessiert. Also habe ich ein tolles Zauberkünstler-Team mit ans Set gebracht. Der Magier Sir James Brown hat mir einige Tricks beigebracht und sichergestellt, dass alles reibungslos verläuft“, erzählt Cage. „So ist ein Traum aus Kindertagen wahr geworden.“

        Eine weitere Überraschung für die Produktion war der Vorschlag von Cage, seine Frau Alice zu besetzen – und zwar wenige Tage, bevor ihre Szene gedreht werden sollte. Alice Cage spielt die Frau, die von Zauberer Frank Cadillac während seiner Show in Las Vegas auf die Bühne geholt wird. „Alice stand das erste Mal vor der Kamera“, erzählt Cage. „Sie will nicht Schauspielerin werden; ich dachte aber, es würde uns Spaß machen, das zusammen zu erleben. Und so war es auch.“

        Canyons und Cliffhanger: Die Action am Drehort

        Die Dreharbeiten zu „NEXT“ begannen im Morongo Casino in Cabazon, Kalifornien; dieses Casino steht für dasjenige, in dem Cris im Film in Las Vegas am Spieltisch sitzt. „Das Morongo war großartig zu uns“, berichtet Produzent Garner. „Dort hatten wir weitaus mehr Freiheit und Möglichkeiten, als wenn wir tatsächlich in Las Vegas gedreht hätten.“

        Nach zweiwöchigen Dreharbeiten im Morongo zogen die Filmemacher nach Big Bear und zum Lake Arrowhead, um die Außenaufnahmen für das Cliffhanger Motel sowie die Bergsequenzen zu drehen.

        Der erfahrene Produzent Arne L. Schmidt (der gerade „xXx „ – The next Level“ unter der Regie von Lee Tamahori produziert hat) berichtet, dieser Drehort sei ausgewählt worden, weil „wir ein Motel am Rande der Klippe brauchten, hinter dem es steil bergab geht – denn dort sollte eine gewaltige Lawine abgehen. Wir haben diesen tollen Platz gefunden, das Cliffhanger Restaurant, das unser Produktionsdesigner Bill Sandell in ein Motel verwandelt hat“, sagt Schmidt.

        Obwohl das Cliffhanger genau das bot, wonach das Drehbuch verlangte, hatte das unvor-hersehbare Wetter ganz eigene Pläne: „Der Drehort liegt am Ende einer Schlucht, auf über 2.000 Metern Höhe – und hat deswegen ein ganz eigenes Mikroklima“, erklärt Schmidt. „Jeden Tag war es morgens sonnig, am Nachmittag aber gab es undurchdringlichen Nebel. Nirgendwo sonst in der Umgebung war es neblig; es war ein echter Alptraum. Für die Produktion war das ein großes Problem, denn wir mussten die Ergebnisse von verschiedenen Drehtagen aneinanderreihen und wurden schier verrückt dabei.“

        Doch als Meister der Anpassung fand Regisseur Tamahori einen Weg, um diese Drehtage zu retten: „Lee reagierte blitzschnell“, berichtet Schmidt. „An einem Tag haben Lee und Kameramann David Tattersall die Nahaufnahmen gedreht. Dabei war nicht so viel Nebel sehen. Dann verzog sich der Nebel für knapp zwei Stunden - und Lee hat es geschafft, fast 12 Drehstunden in diesem kleinen Zeitfenster unterzubringen. Ich weiß nicht, wie viele Regisseure auf der Welt so etwas geschafft hätten.“

        Die Lawinen-Sequenz, in der Cris einen steilen Hang hinunter rennt, verfolgt von Polizisten und hinabstürzenden Felsen, einem Wasserspeicher, einer Dampflok, Baumstämmen und Schutt, nahm über eine Woche Drehzeit in Anspruch.

        „Es war wichtig, dass Nic so fit und gut in Form war“, meint Schmidt, „denn wir begannen mit den Dreharbeiten an dem einen Berg und haben dann an verschiedenen Orten weitergefilmt, um daraus eine einzige, fortlaufenden Sequenz zu machen. Nic musste diese Abhänge nicht nur hinunterlaufen, sondern auch immer und immer wieder hinaufklettern – und das auf knapp unter 3.000 Metern über dem Meeresspiegel. Eine ganze Woche lang musste er springen, sich ducken und strecken. Das tat er auch – und geriet noch nicht einmal besonders außer Atem.“

        Nach dreiwöchigen Dreharbeiten in den kalifornischen Bergen begaben sich die Filmemacher nach Long Beach an den Hafen von Los Angeles, um die größte Sequenz zu verwirklichen: mit Terroristen, SWAT-Teams, FBI-Agenten, Hubschraubern, Schusswechseln und Explosionen an Bord eines riesigen Frachters.

        Schmidt stellte für diese herkulische Aufgabe ein hochkarätiges Spezialisten-Team zusammen. „Um Filme wie diesen zu machen, muss man mit Leuten zusammenarbeiten, die ihr Handwerk wirklich beherrschen und viel Erfahrung mitbringen“, sagt Schmidt. „Dass ist es eine Frage der Organisation, man muss die Szenen zergliedern in einzelne Elemente, die man in einem Tag bewältigen kann, um das Ganze dann so realistisch wie möglich wirken zu lassen.“

        Der renommierte Stunt-Koordinator R.A. Rondell, in seiner Familie bereits die dritte Generation im Stunt-Beruf, choreographierte die Szenen mit Regisseur Lee Tamahori; dabei wurden über 35 Stuntmänner, Kämpfer im Hintergrund, Verantwortliche für die Spezialeffekte und Hubschrauber für den Angriff auf dem mit Bomben beladenen Frachter eingesetzt.

        „Ich habe einige Wochen an der Vorbereitung gearbeitet, um Lee dann die Vorschläge vorzulegen. Für diesen Drehort habe ich ihm alles angeboten, was er sich wohl vorgestellt hatte, und dazu noch einiges mehr, woran er selbst noch nicht gedacht hatte; so konnte er aus diesem Angebot wählen. Schließlich ist das ein Spielplatz, und er hat meistens tolle Ideen, denn er hat einen großartigen Blick für die Kamera, die Action und die Bewegungen“, meint Rondell.

        Tamahori und Rondell beschlossen, den Angriff auf das Schiff im Stil eines Dokumentarfilms zu drehen. In Zusammenarbeit mit dem Leiter der Spezialeffekte, Clay Pinney (der mit Rondell bereits an „The Matrix“ zusammengearbeitet hat), entwarfen sie folgendes Szenario: „Die Terroristen kommen an Bord. Sie werfen Rauchbomben und machen keine Gefangenen“, berichtet Rondell. „Es geht klaustrophobisch und laut zu, es gibt Nahaufnahmen von schreienden Menschen, jemand stirbt direkt neben dir, du kümmerst dich um diese Person, musst dann aber weiter. Die Zuschauer sollten von diesen Szenen direkt betroffen sein, wir wollten nicht die typischen Hollywood-Szenen. Uns interessierte vielmehr das Chaos während der Schlacht, weniger der sich daraus ergebende Todesfall. Genau das macht diese Szenen so Furcht erregend.“

        Um alles noch realistischer wirken zu lassen, wurde Jared Chandler als militärtechnischen Berater engagiert. „Jared war früher mit Sondereinsatzkommandos aktiv und er versteht auch das Filmgeschäft“, berichtet Schmidt. „In jeder Szene, bei der taktische Manöver oder Waffeneinsatz eine Rolle spielen, haben wir ihn um Rat gefragt. Er hat den Schauspielern und Statisten gezeigt, wie sie sich richtig bewegen und anziehen sollten und wie sie sicherstellen, dass ihre Ausrüstung korrekt sitzt. Außerdem trug er dazu bei, die angemessene Sprache der Streitkräfte anzuwenden.“

        Chandler erleichterte die Arbeit der Produktion sehr, denn er hatte die Antworten auf militärtech-nische Fragen immer auf der Stelle parat. Diese Kenntnisse und sein Verständnis für die Logistik des Filmemachens waren von unschätzbarem Wert: „Es war toll, mit Jared zusammenzuarbeiten, denn er erklärt sehr sanft, wie sich eine Szene abspielen wird, wie ich sie aufbauen soll, welche Formationen eingesetzt werden und wie man ein Scharfschützengewehr weiterreicht“, sagt Julianne Moore.

        Um den Szenen noch zusätzlichen Realismus zu verleihen, engagierten die Filmemacher die Dienste von Jody Harts Combat Casting Company, in der ehemalige Soldaten, SWAT-Einsatzkräfte und Polizisten tätig sind, die sich mit der Verwendung von Schnellfeuerwaffen wie den M4 und AK47 bestens auskennen.

        In „NEXT“ gibt es auch etliche Action-Sequenzen mit dem Hubschrauber; dafür engagierten die Filmemacher Cliff Fleming in der Funktion des Flugkoordinators. „Cliff ist einer der besten Piloten im Filmgeschäft und weltweit“, sagt Schmidt, der zuvor bereits für „Rules – Sekunden der Entscheidung“ und „Wir waren Helden“ mit dem Profi-Flieger zusammengearbeitet hatte. „Wenn Cliff nicht gerade einen Film dreht, steht er im Dienst der NASA, um deren Satelliten zu bergen.“

        Moore schätzte ebenfalls die Anwesenheit und Führungskraft von Fleming: „Wir hatten für die Szene, in der wir am Hafen von Los Angeles landen, einen Helikopter ohne Türen – und in so einem hatte ich noch nie zuvor gesessen. Man kann sich darin schnell unsicher fühlen. Aber Cliff und sein Team zeigten mir, wie ich Nic schnell in den Hubschrauber kriege, seinen Sicherheitsgurt überprüfe, bevor ich meinen eigenen anlege, und wiesen mich darauf hin, dass wir sofort abheben würden. Sie waren mit ihren Anweisungen sehr hilfreich und stets um die Sicherheit aller Beteiligten besorgt, und gleichzeitig waren sie der Garant dafür, dass wir in unserer Rolle so aussahen, als wüssten wir genau, was wir tun.“

        Nachdem die gesamte Sequenz so akkurat geplant und auf technischer Seite bis ins kleinste Detail perfekt vorbereitet war, war es an Tamahori und den Schauspielern, alles zur Geltung zu bringen und es krachen zu lassen. Produzent Golighty meint: „Genau deswegen waren wir so davon angetan, dass Lee die Regie an diesem Film übernommen hat. Er verfügt über die seltene Gabe, an beiden Extremen des Genre-Spektrums arbeiten zu können, also sowohl in groß angelegten Action-Filmen als auch in kleinen, intimen Charakterstudien. „Die letzte Kriegerin“ ist einer meiner – und Nics – Lieblingsfilme. Lee erschuf darin großartige Charaktere, dazu kamen z.B. im Bond-Film auch großartige Action-Szenen. Also dachten wir uns, wenn es diese beiden Tamahoris gibt, würden wir sie natürlich gerne beide einspannen und in einem Film zusammen einsetzen, der dann gleichzeitig spannende Action, faszinierende Figuren und einen einmaligen Plot bietet.“

        Die Dreharbeiten wurden im Indianer-Reservat Havasupai abgeschlossen, der am Fuße des Grand Canyons liegt. Dort spielt die Szene, in der Liz die Kinder der amerikanischen Ureinwohner unterrichtet und Cris die dortigen Wunder der Natur zeigt. Den Einfall, diesen abgelegenen Drehort einzusetzen, hatte der eingefleischte Romantiker Nicolas Cage selbst – denn dort war er beim ersten Date mit seiner jetzigen Ehefrau Alice gewesen. „Wir wurden per Helikopter am Fuße des Grand Canyon abgesetzt und gingen wandern. Dort habe ich diese wunderbaren Ureinwohner kennen gelernt – und es war der schönste Ort, an dem ich jemals gewesen bin“, erzählt Cage. „Ich dachte mir: Niemand kennt dieses Gebiet, die herrlichen Wasserfälle und tollen Felsformationen, und dabei liegt das direkt in unserem Hinterhof! Also wollte ich es durch diesen Film mit dem Publikum teilen.“

        In Punkto Logistik war es jedoch alles andere als ein Dreh „im Hinterhof“, und Schmidt berichtet, dass alles sehr gut geplant werden musste: „Wir haben ein Drittel der üblichen Crew eingesetzt, also rund 54 Personen. Ein Teil war in einem kleinen Hotel, rund eine Autostunde entfernt, untergebracht und wir brachten sie mit dem Hubschrauber an den Drehort. Die übrigen Schauspieler und Mitarbeiter befanden sich in Los Angeles und flogen per Helikopter – mit jeweils sechs oder sieben Passagieren – täglich eine Stunde hin und eine zurück.“

        Flugkoordinator Cliff Fleming kontrollierte nicht nur die Beförderung der Passagiere, sondern auch den Transport der Ausrüstung für die Beleuchtung, der Nahrungsmittel und des Wassers. „In der Schlucht herrschen über 40 Grad Celsius, daher haben wir ziemlich viel Wasser verbraucht“, erzählt Schmidt.

        Ein weiteres Hindernis waren die steil aufragenden Felswände der Schlucht. Das Morgenlicht eignete sich erst ab 10:00 Uhr für die Filmarbeiten, gegen 17:00 Uhr Nachmittags wurde er bereits zu dunkel. „Zu allem Überfluss machte das die Drehtage noch kürzer“, berichtet Schmidt. Die Umgebung sei es jedoch wert gewesen – die Schönheit der Natur und die einzigartige Landschaft machten die Schwierigkeiten wieder wett. „Noch nie zuvor ist hier ein Film gedreht worden“, sagt Schmidt. „Die Havasupai lassen sich normalerweise auch nicht gerne fotografieren. Doch Nic war als Tourist schon mehrfach hier gewesen und hatte sich mit ihnen angefreundet. Ich bin mir sicher, dass der Stammesrat nur deshalb die Zustimmung zu den Dreharbeiten gab.“

        Im Gegenzug wurden alle Havasupai engagiert, die im Film mitspielen wollten (rund 60 Er-wachsene und 11 Kinder, die am Wasserfall als Schüler von Liz zu sehen sind). Der Stammeshäuptling spielte einen weisen, alten Schamanen in der Szene, in der Cris den Kindern Zaubertricks vorführt.

        Insgesamt wurde zwei Tage lang in der Schlucht gedreht, anderthalb Tage lang am herrlichen, nahe gelegenen Wasserfall und einen weiteren halben Tag in der kleinen Stadtgemeinde im Havasupai-Reservat. „Kurz vor dem Ende unseres Aufenthalts haben die Havasupai mit ihrer 11jährigen Prinzessin einen besonderen Tanz in traditioneller Tracht für uns aufgeführt. Wir bildeten alle einen Kreis und tanzten mit ihnen. Es war eine wunderbare, sehr spirituelle Erfahrung“, berichtet Schmidt.

        Nach Abschluss der Produktion war Cage der Überzeugung, er sei mit „NEXT“ seinen An-sprüchen gerecht geworden, sowohl als Schauspieler als auch als kreativer Produzent. „Ich genieße romantische Filme genauso wie Abenteuer- und Action-Movies. Am schönsten ist es, wenn man das alles kombinieren kann, wie wir es mit „NEXT“ getan haben“, sagt Cage. „Es sind einmalige Figuren. Ich hoffe, „NEXT“ wird für die Zuschauer eine ebenso interessante Erfahrung sein wie es die Dreharbeiten für uns waren. Und ich bin überzeugt, dass es so sein wird.“

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