Bei aller Hilfe der Computertechnik, setzten die Macher von "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen" auf jenen klassischen Stil, für die Aardmans berühmtestes Duo bekannt ist. Während die digitale Animation revolutionäre Entwicklungen machte, blieb in der Stop-Motion-Animation seit ihrer Erfindung nahezu alles unverändert.
In gewisser Weise hat die Knet-Animation mehr mit einer Real-Verfilmung gemeinsam als jede andere Form der Animation: Hier existieren Figuren und Schauplätze tatsächlich und sind nicht gezeichnet oder am Computer entstanden. Deshalb bezeichnet man bei Aardman diesen Stil des Filmemachens gerne auch als "live action in miniature".
Um diese Liliput-Welt entstehen zu lassen, musste Produktionsdesigner Paul Lewis 30 Kulissen in größter Detailgenauigkeit aufbauen. Als art director der Wallace & Gromit-Kurzfilme war Lewis bestens vertraut mit der Wohnung aus der 62 West Wallaby Street. Als Neuerung dort gibt es eine Wand mit den Portraits der Kunden von "Anti-Pesto" - deren Augen flackern leuchtend auf, sobald in ihrem Garten Kaninchen-Alarm ausgelöst wird.
Ganz im Kontrast zum bescheidenen Heim von Wallace & Gromit, fällt die Residenz von Gräfin Tottington elegant und eindrucksvoll aus. Acht Wochen dauerten die Bauarbeiten des pompösen Mini-Palasts, als dessen Vorbild das denkmalgeschützte Montacute House diente.
Um die diversen Gärten detailgenau auszustatten, wurden über 700 kleine Gemüse aus Knet hergestellt und von Hand bemalt, vor allem Melonen, Kürbisse und Karotten waren gefragt. Natürlich wurden auch die entsprechenden Gartengeräte in Kleinausgaben produziert. Nicht nur sämtliche Tapeten in Tottington Hall, sondern in allen Häusern wurden von Künstlerhand gestaltet.
Besonderes Augenmerk galt dem "Anti-Pesto"-Lieferwagen, einer Miniatur des Austin 35. Davon wurden in unterschiedlichen Größen verschiedene Modelle hergestellt - von denen jedes mehr kostete als das Original. Tatsächlich funktionierten an den kleinen Autos alle Details, von den Scheinwerfern über die Blinker bis zu den Scheibenwischern. Fenster, Türen und Kofferraum konnten geöffnet werden, selbst die Türverriegelung funktionierte. Und wenn der Lieferwagen fuhr, hatte er immer den richtigen Reifendruck.
Wegen der langatmigen Dreharbeiten wurde ständig parallel an verschiedenen Kulissen gearbeitet. Die Regisseure Nick Park und Steve Box, die sich ihre Aufgaben aufteilten, legten täglich kilometerlange Wege zwischen den verschiedenen Sets zurück.
Wie bei der Regie wurde auch bei der Kamera die Verantwortung geteilt. Dave Alex Riddett und Tristan Oliver mussten die Kamerafahrten, das Licht und den Schatten für jede Sequenz planen - ein Vorgang, der Tage, aber auch Wochen und Monate dauern konnte. Um die Kameramänner zu entlasten, wurden die Kamerafahrten per Computer gesteuert. Die Animationskünstler konnten damit zu jedem Zeitpunkt die Ergebnisse ihrer Arbeit sehen. Trotz dieser Hilfe blieb es allerdings nahezu unmöglich, einen Fehler nachträglich zu korrigieren. "In einem realen Film hat man den Luxus, eine Szene zu wiederholen", erläutert Oliver, "bei dieser Art von Animationsfilm kann man das nicht. Wenn man einen Fehler macht, muss man die ganze Szene wieder von vorne beginnen - und man hat einen fluchenden Animator, dem man vielleicht sechs Tage Arbeit ruiniert hat."
Wegen der besonderen Technik von stop-motion, setzten Riddett und Oliver statt der üblichen Filmbeleuchtung auf Theaterlicht, das konzentrierter und kontrollierter verwendet werden kann. Zudem sorgten sorgfältig platzierte Spiegel für die richtige Ausleuchtung der kleinen Kulissen.
Das musikalische Wallace & Gromit-Leitmotiv mit seinem enormen Wiedererkennungswert stammt von Julian Nott, der diesmal Unterstützung von Hans Zimmer als Musikproduzent bekam. "Es war einfach, den richtigen Ton zu finden, weil Julian die Basis bereits in den Kurzfilmen gelegt hat", sagt Zimmer, "mir lag viel daran, diese musikalischen Gefühle aus den Kurzfilmen hier wieder aufzugreifen. Wir hatten jetzt zwar eine größere Band als Julian, aber es ist noch immer dieser vertraute Klang einer Yorkshire Blaskapelle."
"Für mich war es ein ziemlich ungewohnter Prozess, mit einem 90köpfigen Orchester zu arbeiten", erläutert Julian Nott, "es gibt sehr viel Musik in diesen 85 Minuten Film, und wenn dabei etwas nicht stimmt, kann es einem schnell auf die Nerven gehen. Aber ich habe von Hans gute Techniken gelernt - und Hans ist zweifellos ein Experte darin, wie man die richtige Musik macht."
Nick Park sagt dazu: "Julian und ich kennen uns von der Universität und er war immer der Komponist von Wallace & Gromit. Er schrieb die fantastische Musik für alle Kurzfilme, deswegen war es völlig klar, dass er auch den Soundtrack des ersten abendfüllenden Wallace & Gromit-Abenteuers komponieren sollte. Hans Zimmer kam als Berater hinzu, für uns war es großartig, jemandem von seinem Kaliber als Unterstützung zu haben. Aber der Soundtrack klingt ganz im Stil von Julian."
"Das wichtigste ist, dem Charme von Wallace & Gromit musikalisch zu entsprechen", erläutert Nott, "die beiden sind sehr optimistisch, es gibt keinen Hauch von Zynismus - was für ein britisches Produkt ziemlich selten ist. Ihr Geheimnis liegt in ihrem Charme: Man muss die beiden einfach lieben."
Nick Park dazu: "Wir wollten die Musik nicht zu aufdringlich haben, es sollte noch immer wie eine Blaskapelle aus Nordengland klingen. Wir wollten nicht das verlieren, wofür Wallace & Gromit steht. Wir bieten zwar den ganzen Aufwand und Schauwert eines Spielfilms, dennoch haben wir unsere handwerkliche Qualität dabei nie vergessen - was uns sehr wichtig ist. Wir hatten eine gigantische Produktion hinter uns, dennoch verstanden wir es als unsere Pflicht, dass alles so wirkt, als würden einfach ein paar Typen in einer Halle in Bristol ihren Film drehen. Dieses Gefühl von ‚smallness' zu bewahren, war entscheidend - denn genau darin liegt der Charme."