Produktionsdesigner Peter Lamont ist kein Neuling in Bezug auf die 007-Franchise-Serie, denn er hat bereits an 18 Bond-Filmen gearbeitet. Für CASINO ROYALE kümmerte er sich um die Ausstattung in vier Ländern: Großbritannien, Tschechien, Italien und den Bahamas und er war zuständig für über 40 Sets. Kein Wunder, dass Lamont die verschiedenen Drehorte als seine größte logistische Herausforderung sah. „Die Barrandov-Studios in Prag waren eine gute Basis für unsere Arbeit, mit hervorragenden Mitarbeitern und exzellenten Studiohallen, aber zur gleichen Zeit mussten wir Martin Campbell über alle anderen Sets rund um die Welt auf dem Laufenden halten.“
Der Drehort, der am schwierigsten zu erschaffen war, war das Innere eines Hauses in Venedig, wohin Bond Vesper und Gettler folgt und „im wahrsten Sinne des Wortes dafür sorgt, dass es um ihn herum einstürzt“, so dass er Vesper retten kann. Während das Innere des Hauses und der Platz davor in der 007-Halle in den Pinewood Studios entstanden, wurden die Außenaufnahmen in Venedig am Canal Grande, gegenüber dem Markt an der Rialto-Brücke inszeniert. Die Stadtväter konnten davon überzeugt werden, der Filmproduktion zu erlauben, Kompressionspumpen in den Kanal zu montieren, um so die Verdrängung des Wassers zu simulieren, die auftritt, wenn das Haus sinkt, und den normalen Verkehr auf dem Wasser für eine kurze Zeit zu unterbrechen. Ihr Entgegenkommen ging jedoch nicht so weit, dass einer ihrer großen Paläste zerstört werden durfte, der dann im Kanal versinkt. Stattdessen wurde ein Modell des sinkenden Hauses im Paddock-Tank in den Pinewood Studios konstruiert.
„Während der Konstruktionsarbeit in Pinewood wurde das Ganze dann jedoch sehr kompliziert, als entschieden wurde, dass das Haus nicht einfach nur vertikal sinkt, sondern eine weitere Achse gebraucht wurde, die dafür sorgen sollte, dass das Gebäude sich auch nach jeder Seite hin neigte, während es sank. Chris Corbould und sein Spezial-Effekte-Team bauten eine fantastische Vorrichtung für diesen Zweck.“
Auch andere Sets waren Kombinationen aus Innenausstattungen, die an einem Ort gebaut wurden, und die dazu gehörigen Außenaufnahmen fanden in einem ganz anderen Land statt. Die erste Szene, die wir drehten – die Verfolgungsjagd in der Botschaft von Nambutu – entstand in den Studios in Modrany außerhalb von Prag. „Es war kompliziert, denn Bond rennt in dieser Szene durch die Botschaft, um Mollaka zu verfolgen und festzunehmen, läuft Flure entlang, in Büros hinein und springt aus einem Fenster in den Innenhof, wo er eine riesige Explosion auslöst. Der Anfang dieser Szene, in der Bond Mollaka von einer Baustelle aus in die Botschaft folgt, wurde später auf den Bahamas gefilmt.¬¬“
Ein weiteres facettenreiches Set war das des Casino Royale selbst. Im Drehbuch steht das Gebäude in Montenegro, also schaute sich das Produktionsteam in Triest und entlang der Küste von Kroatien um. „Wir haben dort zwar die breiten, von Bäumen gesäumten Boulevards gefunden, aber es existieren keine Grandhotels in dieser Gegend und wir benötigten imposante Gebäude für Außenaufnahmen des Hotels Splendide und des Casinos“, sagt Lamont. „Karlsbad war die erste Stadt, die wir uns in Tschechien ansahen. Dort drehten wir dann die Außenaufnahmen des Hotels Splendide sowie die Lobby. Die Außenansicht des Casino Royale, den Spielsalon, den Salon Privé und die Hotelzimmer bauten wir in den Barrandov Studios nach.“
Die Produktion verwandelte ein leer stehendes Heilbad aus der Jahrhundertwende in das Casino Royale. „Lazne wurde schon zuvor von Filmproduktionen genutzt, war aber in einem schlechten Zustand und alle Inneneinrichtungen des Heilbads waren längst herausgerissen worden. Wir arbeiteten mit den örtlichen Denkmal-schutzbehörden zusammen, um die Treppenaufgänge und die Statuen im Gebäude zu restaurieren. Wir sagten ihnen, was wir brauchten, bezahlten für die auszuführenden Arbeiten und schlussendlich hinterließen wir das Gebäude in einem wesentlich besseren Zustand als es seit Jahren gewesen war.“ Das Grandhotel Pupp, eine örtliche Sehenswürdigkeit, wurde zum Hotel Splendide, auch wenn Schilder geändert sowie ein Baldachin und üppige Pflanzen hinzugefügt wurden.
In Venedig zu drehen führt nochmals zu ganz anderen Problemen, nicht zuletzt
deshalb, weil die berühmten Kanäle einen zwingen, alles per Boot oder zu Fuß zu
erledigen. Glücklicherweise musste nur ein Drehort in der alten italienischen Stadt erbaut werden. „Am Markusplatz (Piazza San Marco) konnten wir ein leeres Gebäude als Bank nutzen, in der Bond nach Vesper sucht. Dieser Platz ist natürlich eines der am meisten besuchten Touristenziele der Welt und nachdem wir unsere Arbeit abgeschlossen hatten und die Türen öffneten, wurden wir von Besuchern überrannt, die ihr Geld dort wechseln wollten. Dies widerfuhr uns auch am Prager Flughafen, wo wir die Innenaufnahmen des Flughafens Miami drehten. Wir stellten eine Kabine für Wechselgeld auf und hatten eine Menge potenzieller Kunden, von denen so mancher nicht verstehen konnte, warum wir ihnen kein Geld wechseln konnten.“
Eine ganz andere Herausforderung war das Design des Prototypen eines neuen Jets, den Le Chiffre in die Luft sprengen lassen will, damit er an der Börse ein Vermögen machen kann. Lamont und sein Team besuchten verschiedene Luftfahrtunternehmen, aber die Produktion stellte fest, dass sie keines der aktuellen Flugzeuge verwenden konnte. „Ihre neuen Modelle halten sie geheim, und möglicherweise wollten sie nichts mit einer Geschichte wie dieser zu tun haben“, sagt er. „Also mussten wir uns ein eigenes Design einfallen lassen.“
Eine alte 747 stand auf dem Dunsfold Flughafen in der britischen Grafschaft Surrey, wo die Produktion die Szenen der halsbrecherischen Verfolgungsjagd zwischen Bond und Carlos auf dem Rollfeld des Flughafens von Miami drehte. „Das Flugzeug hatte keinen Motor, war aber in einem guten Zustand und wir konnten den Rumpf der Maschine nutzen; dies sparte uns die erheblichen Kosten, etwas Vergleichbares in der Größe zu bauen. Ich sah mir viele Konstruktionspläne an und entschied mich dafür, dass unser Flugzeug wie eine B52 aussehen sollte, also mit zwei Motoren und einem veränderten Cockpitprofil. Ich weiß nicht, ob meine Konstruktion fliegen würde, aber die B52 haben es getan!“
Wenn Peter Lamont einen Lieblingsdrehort von allen seinen Sets und Bauten auszuwählen hätte, dann würde er sich für Bonds und Vespers Doppelsuite im Hotel Splendide entscheiden, die in den Studios in Barrandov entstanden ist. „Die Herausforderung war in diesem Fall, dass die Zimmer mit dem Grandhotel Pupp in Karlsbad übereinstimmen mussten. Es ist ein sehr klassisches Hotel mit einem ganz eigenen Stil. Unsere Suiten mussten zwei Bäder enthalten, denn dort spielen Szenen, in denen Bond sich nach einem Kampf wieder auf Vordermann bringt und Vesper unter der Dusche tröstet.“