Mittwoch | 30. Mai 2012 | 20:13 Uhr
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  • V wie Vendetta

    Thriller, Action, Science Fiction | Deutschland / Großbritannien / USA 2005
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      • | Über die Produktion 2

      • Die Filmemacher legten großen Wert darauf, Vs Geheimnis zu bewahren: In Anlehnung an Moores und Lloyds Roman und ihren detailreich gezeichneten Helden bleibt sein durch Brandnarben schrecklich entstelltes Gesicht auch im Film hinter einer Maske verborgen, die so aussieht wie Guy Fawkes, jener andere legendäre Saboteur, der vor 400 Jahren einen gewaltsamen Tod starb.

        Am 5. November 1605 fasste man Fawkes unter dem House of Lords, wo 36 Fässer Schießpulver unter Eisenstücken und Feuerholz verborgen lagen. Unter der Folter gestand Fawkes den kühnen Plan, am Tag der Parlamentseröffnung durch den König das englische Parlament samt König James I. in die Luft zu sprengen.

        Fawkes gehörte zu jenen desillusionierten Katholiken, die damit James' Verfolgung der englischen Katholiken beenden wollten. Chaos und Aufruhr sollten das Land destabilisieren - man hoffte, dass ein neuer Monarch, ein neues politisches Regime den Katholiken mehr Rechte einräumen würde. Als altgedienter Soldat kannte Fawkes sich bestens mit Schwarzpulver aus - er spielte bei dem Komplott also eine wichtige Rolle.

        Die Verschwörer erwarben einen Keller unter dem House of Lords: Dort lagerten sie den Sprengstoff, um dann die Eröffnung des Parlaments abzuwarten. Doch weil immer mehr Komplizen in das Komplott eingeweiht wurden, war es um die Geheimhaltung schlecht bestellt: Ein anonymer Brief warnte den katholischen Lord Monteagle, der Eröffnung des Parlaments fernzubleiben. Damit war der Plan verraten. In der Nacht des 4. November wurde Fawkes im Keller gestellt, verhaftet und dem König vorgeführt. Die grausige Folter lockerte seine Zunge, und er gestand den ehrgeizigen Plan. Fawkes und die anderen Mitglieder der Gruppe wurden öffentlich gehängt, ausgeweidet und gevierteilt - damals die übliche Bestrafung für Hochverräter.

        Jedes Jahr am 5. November brennen in ganz England Freudenfeuer, und mit einem Feuerwerk wird die Vereitlung der Fawkes-Verschwörung gegen König und Regierung gefeiert. Überall gibt es dann Fawkes-Masken zu kaufen, und "Guy"-Puppen werden verbrannt.

        Als Alan Moore und David Lloyd ihren Helden V für den Comic-Roman "V wie Vendetta" konzipierten, ließen sie sich von Guy Fawkes' politischem Umfeld inspirieren. Wie Fawkes will auch V Chaos stiften, um das heimtückische Regime zu stürzen. "Guy Fawkes war ein früher Anarchist", sagt Lloyd. "Er bildet das perfekte Vorbild für V."

        Vs Verwendung der Guy-Fawkes-Maske hat einen ebenso dramatischen wie irritierenden Effekt. "Die Fawkes-Masken wirken so unheimlich, weil sie grinsen", stellt Lloyd fest. "Die Figur wirkt dadurch sehr bizarr, gleichzeitig aber auch sehr bedrohlich - wenn dich einer umbringen will, erwartet man doch wirklich nicht, dass er lächelt."

        In "V wie Vendetta" ist der Mann hinter der gruselig grinsenden Maske der vielseitige Schauspieler Hugo Weaving, der in seiner beeindruckenden Karriere die unterschiedlichsten Rollen gespielt hat - vom tödlichen Agenten Smith in der "Matrix"-Trilogie über den Elrond in allen drei Teilen der "Lord of the Rings"-Trilogie (Herr der Ringe) bis zu unvergesslichen Auftritten in den unabhängig produzierten Hits "The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert" (Priscilla - Königin der Wüste) und "Proof" (Proof - Der Beweis).

        "V will vollenden, was Guy Fawkes und seinen Verschwörern am 5. November nicht gelungen ist", sagt Weaving. "Er will das Parlamentsgebäude in die Luft jagen, weil er wie die Verschwörer damals überzeugt ist, dass es die Tyrannei symbolisiert."

        V glaubt, er sei vom Schicksal dazu bestimmt, das seiner Meinung nach grausame und ungerechte System zu Fall zu bringen. "Er wünscht sich inbrünstig, der guten Sache zu dienen - aber dieses Motiv lässt sich nicht von seinem persönlichen, wie besessen geplanten Rachefeldzug trennen", sagt Silver.

        Einerseits will V das englische Volk vom faschistischen Joch befreien, aber er selbst will auch Vergeltung für das, was er in der Haft und unter der Folter erleiden musste, denn seine Peiniger haben aus ihm ein Monster gemacht. Er räumt seine Feinde einen nach dem anderen aus dem Weg, und immer lässt er eine einzelne Violet-Carson-Rose als Visitenkarte am Tatort zurück.

        Mit felsenfester Überzeugung und aus rachsüchtiger Verbitterung über sein eigenes Schicksal kämpft V leidenschaftlich für ein würdiges und freies Leben in einem apokalyptischen faschistischen Großbritannien. Dabei muss er gerissen, listig und unerschrocken vorgehen - seine Waghalsigkeit weist nicht nur extremistische Züge auf, sondern auch ein Quäntchen Wahnsinn.

        "Der Mann ist sehr kompliziert und zwiespältig", sagt Weaving. "Er war eingesperrt, wurde gefoltert, körperlich und seelisch missbraucht. Dadurch hat er sich, wenn man so will, in einen Racheengel verwandelt. Er ist ein Killer, dabei aber ein sehr kultivierter und gebildeter Mensch, der unbeirrbar an die Freiheit des Einzelnen glaubt."

        Den gesamten Film über spielt Weaving seine Rolle unter der starren Maske - die für einen Schauspieler so entscheidende Mimik, der Augenkontakt bleiben ihm dabei versagt. Er muss also andere Wege finden, um V Leben einzuhauchen und ihn menschlich zu gestalten. "Vor langer Zeit in der Schauspielschule hat mir die Arbeit mit Masken immer viel Spaß gemacht", sagt Weaving. "V trotz seiner Maske auf der Leinwand überzeugend darzustellen war für mich deshalb eine willkommene Herausforderung. Viel muss ich über die Stimme transportieren, aber ich kann auch kleine, geschmeidige Bewegungen einsetzen, um so die Maske lebendiger zu gestalten. Außerdem war es wichtig, den Ausdruck der Maske durch unterschiedliche Beleuchtungen und Schattierungen zu variieren."

        "Sobald Hugo die Maske anprobierte, merkten wir sofort, dass sie funktioniert", sagt McTeigue. "Er kommt vom Theater, was für diese Rolle äußerst hilfreich ist. Außerdem hat er eine wunderbare physische Präsenz und eine fantastische Stimme. Er gewöhnte sich gut an die klaustrophobische Enge der Maske, und er drückt seine Gefühle durch die Stimme, die Körperbewegungen aus."

        Wie V die Guy-Fawkes-Maske und Fawkes' Identität verwendet, hat in der Story sowohl praktische als auch symbolische Bedeutung. Mit der Maske versteckt er seine Gesichtsnarben, und dadurch, dass er sein eigenes Ich verbirgt, wächst er über den Revolutionär hinaus - er wird zur revolutionären Idee selbst. So drückt sich Vs Überzeugung aus, dass man zwar Menschen unterwerfen, aber eine Idee niemals besiegen kann - ihre Kraft lässt sich einfach nicht unterdrücken. Vs Maske bildet auch den Kontrast zu den metaphorischen "Masken", die seine Landsleute tragen, weil sie ihre Individualität, ihre Überzeugungen aufgeben, um sich anzupassen und damit der Verfolgung durch die Behörden zu entgehen.

        "Im Film ist V eher eine Idee als eine Person", sagt Natalie Portman, die neben Weaving die Evey Hammond spielt, jene junge Frau, die sich von V anstecken lässt und so selbst zur Aktivistin wird. "Er ist unbesiegbar, weil man Menschen töten kann, Ideen aber nicht. V steht also für Wahrheit, Widerstand, Individualität. Doch auf seinen politischen Idealismus fällt der Schatten seiner persönlichen Rache."

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