Mittwoch | 30. Mai 2012 | 20:14 Uhr
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    Thriller, Action, Science Fiction | Deutschland / Großbritannien / USA 2005
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      • | Dreharbeiten 4

      • Neben den unzähligen Genehmigungen für den Dreh in Whitehall musste das Filmteam auch die Erlaubnis einholen, dort vor Ort während der Proben und des Drehs die Panzer und nachgebildeten Waffen zu verwenden.

        Die ausgemusterten Militärpanzer besorgte man in einem britischen Requisitenfundus. Bevor diese Fahrzeuge jeden Abend zu den Aufnahmen nach Whitehall transportiert wurden, wurden die Panzer zuvor von Sicherheitsbeamten der Regierung inspiziert, damit sichergestellt war, dass die Waffen nicht funktionierten und auch nicht irgendwie umfunktioniert worden waren. Dann brachte man sie per Tieflader an den Drehort - Pausen unterwegs waren untersagt, die Panzer durften während des Transports nicht verändert werden, und sie wurden während der ganzen Zeit von Sicherheitsbeamten begleitet. (Beim Dreh, also am Set selbst, fuhren die Panzer aus eigener Kraft.)

        Jeder Schauspieler und jeder Techniker, der während des Drehs in Whitehall eine Filmwaffe in die Hand nahm, wurde zuvor genau überprüft. Jede Waffe erhielt einen Barcode, um jedes Einzelstück und seinen Benutzer leicht zu registrieren und zu überwachen.

        Während des gesamten Drehs waren die offiziellen Sicherheitsbeamten ständig präsent - einige waren den Darstellern und dem Team als solche bekannt. Andere blieben in der Menge anonym, um die Sicherheit für alle jederzeit zu gewährleisten.

        Für diese aufwändige Szene mussten Kostümbildnerin Sammy Sheldon und ihr Team 500 Statisten in imitierte V-Capes und -Hüten einkleiden. Und für die 400 Statisten, die die Miliz darstellen, fertigten sie Uniformen, Helme und Splitterschutzwesten an.

        Nach Abschluss der Dreharbeiten gingen der für die visuellen Effekte verantwortliche Dan Glass und das "Vendetta"-Modell-Team unter der Leitung von José Granell ans Werk: Zehn Tage brauchten sie, um große Miniaturmodelle des Parlamentsgebäudes, des Big Ben und des Gerichtshofs Old Bailey für Schlüsselszenen in die Luft zu sprengen.

        Später fügte man zwar auch einige Computereffekte in die Explosionsszenen ein, aber wegen ihrer großen symbolischen Aussagekraft legten die Filmemacher Wert darauf, dass die Detonationen so realistisch wie irgend möglich aussehen - deswegen entschieden sie sich für die durch Spezialeffekte real explodierenden Modelle und verzichteten auf CGI.

        "Die Modelle wirken echt, greifbar", erklärt Granell. "Vor allem wenn es um physikalische Elemente wie Wasser und Feuer geht, erhält man gerade bei der Pyrotechnik bessere Resultate, wenn man das real, physisch filmt. Bei Computer-Bildern passiert nie etwas Unerwartetes - es sei denn, man baut es bewusst ein. Den CGI-Bildern fehlt also die entscheidende Qualität, dass nämlich die Natur macht, was sie will."

        Die Filmemacher entschieden sich für Modelle im großen Maßstab, um ein realistisches Verhältnis zwischen der Größe der Gebäude und der damit verbundenen Pyrotechnik zu gewährleisten. Elf Wochen brauchte die Londoner Firma Cinesite, um in den Shepperton Studios Gipsmodelle im Maßstab 1:7 zu bauen: Entsprechend war das Gerichtsgebäude Old Bailey sieben Meter hoch, Big Ben ragte fast zehn Meter in die Höhe, und das Parlamentsgebäude war 13 Meter lang.

        Bei ihren Recherchen studierten Granell und sein Team Dokumentaraufnahmen von der Explosion echter steinerner Gebäude, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Stein sich bei der Detonation verhält. Daraufhin begannen sie ihre Experimente mit verschiedenen Materialien. Weil Gips sehr gut bricht und sich bei der Explosion am ehesten wie Stein verhält, wurden die Modelle vorwiegend aus in Formen gegossenem Gips errichtet. Das Team experimentierte mit verschiedenen Gips-Rezepten für die unterschiedlichen Gebäudeteile - einige Komponenten mussten stabiler sein, andere mit mehr Details erforderten schwächere Gipsversionen.

        Vor diesen abschließenden Aufnahmen drehte das Team Effeke für bestimmte Bildelemente: einzelne pyrotechnische Explosionen, die man später in der Endfertigung einfügen konnte. Man probierte die unterschiedlichsten Kombinationen von Sprengladungen und Gipszusammensetzungen aus, um herauszfinden, wie sich die einzelnen Mischungen vertrugen. "Beispielsweise ergab sich das Problem, dass der bewusst schwache Gips zu viel Staub verursachte", sagt Granell. "Und ich wollte vor allem die Farbe der Sprengelemente gut ins Bild bringen - die pyrotechnische Ladung, die Flammen, all diese Details. Also änderten wir das Gipsrezept, um das Problem in den Griff zu bekommen."

        Das Team lernte die Baupläne von Old Bailey und vom Parlamentsgebäude praktisch auswendig, um akkurat vorherzubestimmen, wie sich die Baustruktur bei einer solchen Detonation verhalten würde, zum Beispiel: Wie schnell breitet sich die Explosion im Gebäude aus, wo sind die Bruchstellen, wo geben sie gleich zu Anfang nach, welcher Gebäudeteil übersteht die Druckwelle, wie groß sind die entstehenden Bruchstücke, wie schnell fliegen sie durch die Luft, und wie weit?

        Neben dieser strukturellen Genauigkeit achteten die Designer auch auf alle äußeren Details, um den legendären Gebäuden genau den richtigen Look zu verpassen. "Da muss man schon sehr detailbesessen sein", sagt Granell. "Man schaut sich die echten Gebäude sehr genau an, nicht nur die Bauelemente, sondern auch den Zustand der Steine, wie verwittert sie bereits sind. Denn all das müssen wir ja imitieren. Wir müssen ständig daran denken, dass viele Zuschauer diese Gebäude sehr gut kennen - sie können also sehr genau beurteilen, ob sie echt aussehen oder nicht."

        Die langwierigen Recherchen und die große Mühe der Experten beim Bau der außergewöhnlichen Modelle zahlten sich hundertprozentig aus: Auf der Leinwand wirken die explodierenden Modelle absolut überzeugend - sie verhielten sich bei den Aufnahmen ganz wie berechnet. "Die Gebäude sehen einfach fantastisch aus", sagt Granell. "Ich habe mich gleich zu Anfang bei den Jungs entschuldigt, die mit uns gearbeitet haben, denn sie haben sehr viel Mühe investiert, und die Miniaturmodelle sahen wunderbar aus - bis wir sie in die Luft jagten. Ich konnte also nichts weiter tun als darauf zu achten, dass wir bei den Explosionen alles richtig machten, damit sich das auch lohnt!"

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