Die treibende Kraft hinter CARS ist John Lasseter, der erstmals seit TOY STORY 2 („Toy Story 2“, 1999) wieder auf dem Regiestuhl saß. Für ihn ist der Film eine ausgesprochen persönliche Angelegenheit. Als kleiner Junge in Whittier, Kalifornien, liebte er es, das Chevrolet-Autohaus zu besuchen, in dem sein Vater als Geschäftsleiter arbeitete. Im Alter von 16 Jahren nahm er dort auch den ersten Teilzeitjob seines Lebens an.
Lasseter erinnert sich: „Ich habe Autos immer schon geliebt. In einer meiner Schlagadern fließt Disney-Blut, in der anderen Motoröl. Die Idee, die zwei großen Leidenschaften meines Lebens – Autos und Animation – miteinander zu verbinden, war absolut unwiderstehlich. Als Joe (Ranft) und ich uns 1998 erstmals über diesen Film unterhielten, wussten wir eigentlich nur, dass wir etwas mit Autos als Figuren machen wollten. Ungefähr zu dieser Zeit sahen wir eine Dokumentation mit dem Titel „Divided Highways“, in der es um die großen Autobahnen und ihren Einfluss auf die Kleinstädte, die deshalb nicht mehr von den Autofahrern angesteuert werden, ging. Davon waren wir sehr bewegt, und wir begannen uns zu überlegen, wie es in diesen Städten aussehen musste, die auf dem Trockenen saßen. Das war der Startpunkt für uns, uns stärker mit der legendären Route 66 zu beschäftigen. Aber es war uns noch immer nicht so recht klar, welche und wessen Geschichte wir in unserem Film eigentlich erzählen wollten. Ich bin als Junge diesen Highway immer mit meiner Familie entlanggefahren, als wir unsere Angehörigen in St. Louis besuchten.“
Zu dieser Zeit, es war mittlerweile Sommer 2001, überredete Lasseters Frau Nancy ihren gestressten Ehemann, endlich einmal Urlaub zu machen. Lasseter erzählt: „Nancy sagte zu mir, dass ich unbedingt einen Schritt langsamer treten und mich mehr um meine Familie kümmern sollte, wenn ich nicht auf einmal mit ansehen wollte, wie meine Kinder sich ins College verabschieden. Dass ich einen großen und wichtigen Teil unseres Familienlebens verpassen würde. Und sie hatte Recht!“
Er packte seine Familie in ein Wohnmobil und begab sich mit zwei erklärten Zielen auf eine zweimonatige Reise: Zum einen wollte er auf jeden Fall die großen Autobahnen meiden. Zum anderen wollte er im Verlauf der Reise sowohl im Atlantik als auch im Pazifik seine Füße baumeln lassen. „Alle waren fest davon überzeugt, dass wir uns während der gesamten Reise unentwegt streiten würden“, sagt Lasseter. „Aber genau das Gegenteil war der Fall: Als wir von der Reise nach Hause zurückkehrten, war ich meiner Familie näher als je zuvor. Mit einem Schlag war mir wieder klar geworden, was mir wirklich wichtig ist im Leben. Gleichzeitig wurde mir bewusst, welche Geschichte ich in meinem Film erzählen wollte. Ich hatte entdeckt, dass die Reise, die man mit seinem Leben unternimmt, die eigentliche Belohnung ist. Es ist toll, wenn man Dinge leistet, wenn man Erfolg hat, aber sie sind nur dann etwas wert, wenn man seine Familie und Freunde um sich hat, um sie zu feiern. Joe gefiel diese Idee auf Anhieb. Von da an setzte sich unsere Story wie von selbst zusammen. Unser Held, der rote Flitzer Lightning McQueen, hat sein Augenmerk darauf gelegt, der Schnellste zu sein. Ihm ist alles völlig egal, solange er sich die Meisterschaft holt. Er war die perfekte Figur, die lernen muss, mal einen Gang zurückzuschalten. Er sollte all das lernen, was auch ich auf meiner Wohnmobil-Reise erfahren hatte. Zum ersten Mal in meiner professionellen Laufbahn hatte ich einen Gang zurückgeschaltet. Und es fühlte sich toll an. Das Einzigartige an den Geschichten, die wir bei Pixar erzählen, ist Folgendes: Sie kommen von Herzen. Sie entstammen persönlichen Erfahrungen – Erfahrungen, die uns wichtig sind, die uns selbst bewegen. Das verleiht den Filmen eine ganz besondere Emotion und größere Bedeutung.“
2001 flogen Lasseter und Ranft mit Produzentin Darla Anderson, den Ausstattern Bob Pauley und Bill Cone sowie anderen Schlüsselmitgliedern der Produktion, nach Oklahoma City und begaben sich in einer Karawane aus vier weißen Cadillacs auf einen neuntägigen Trip entlang der Route 66. Der Autor und Historiker Michael Wallis führte die Expedition an und machte die Filmemacher mit all den Menschen und Orten bekannt, die diese Straße so besonders machen.
Bei jedem Stopp entlang des Wegs konnte sich das Team aus erster Hand von der „Patina“ der Städte überzeugen und gleich erste Versuche unternehmen, den Reichtum ihrer Textur und Farben einzufangen. Gemalte Werbeplakate an den Seiten der Häuser, verwittert und überlagert, waren für sie von besonders großem Interesse. Am Wegrand wurden sorgfältige Studien über die Fels- und Wolkenformationen und die Vielfalt an Vegetation angestellt.
Wallis merkt an: „Jede Straße hat einen Look, der sich darüber definiert, wohin die Straße führt. Er spiegelt die Landschaft wider, die sich auf beiden Seiten der Seitenstreifen befindet. Der Look der Route 66 kann alles sein, vom lakritzfarbenen Boden in Illinois bis zum Sand der Mojave-Wüste. Das ist der all „american look“.“
„Bei unserem Recherche-Ausflug besuchten wir Cafés, Tante-Emma-Läden und Motels, die wir auf dem Weg entdeckten. Wir unterhielten uns mit Anhaltern, Kellnerinnen und Mechanikern. Wir lernten viele interessante Gestalten kennen. Wer ein echter Reisenarr ist und den alten Highway kennt, wird sehr zufrieden sein. Denn der Film wird einen an Orte und Menschen erinnern, wie man sie kennt, wenn man schon einmal die alte „Mother Road“ entlanggefahren ist.“
Weit draußen in Texas Panhandle, etwas westlich von Amarillo, findet man eine ungewöhnliche Stätte, die Cadillac Ranch. Dort gab ein exzentrischer Texaner drei Künstlern, die man gemeinsam als „Ant Farm“ kennt, den Auftrag, ein ganz spezielles Kunstwerk für seine Ranch zu schaffen. Sie gruben eine Reihe von Cadillacs ein, als eine Art Monument für das Auf und Nieder der Schwanzflosse, und Pixar verbeugt sich in CARS auch vor dieser Sehenswürdigkeit.