| Car-isma: Pixars Animatoren erwecken die Figuren z
Noch bei keinem Film von Pixar wurden ähnlich viele Figuren geschaffen: Mehr als 100 unverwechselbare Charaktere bevölkern CARS. Lasseter überlegt: „Wir haben sehr hart daran gearbeitet, diese Welt glaubwürdig zu gestalten. Über Monate hinweg haben wir Ideen erarbeitet und wieder verworfen. Wir übten uns an Testanimationen, um herauszufinden, wie sich jedes einzelne Auto bewegt und wie ihre Welt funktioniert. Unsere Chef-Animatoren Doug Sweetland und Scott Clark sowie die leitenden Animatoren Bobby Podesta und James Ford Murphy leisteten gewaltige Arbeit mit ihren Animationsteams, um die ganz spezifischen Bewegungen jeder einzelnen Figur je nach Alter und Typ zu bestimmen. Manche der Autos sind eher Sportautos und haben eine viel enger stehende Radaufhängung. Andere sind ältere Karossen aus den 50er Jahren, die viel lockerer eingestellt sind und gemütlich schaukeln. Uns war ein hohes Maß an Authentizität sehr wichtig, aber wir wollten auch, dass jedes einzelne Auto über seine ganz eigene Persönlichkeit verfügt. Wir wollten außerdem, dass jeder einzelne Animator seine eigene Persönlichkeit in die jeweilige Figur einbringt und ihr damit einen ganz besonderen Dreh gibt. Wenn wir uns am Ende des Tages die neuen Aufnahmen ansahen, hatten wir unglaublich viel Spaß, weil wir jedes Mal Dinge zu sehen bekamen, die wir zuvor noch nie gesehen hatten. Die Welt der Autos wurde vor unseren Augen auf eine ebenso glaubwürdige wie unerwartete Weise zum Leben erweckt.“
Eine der wichtigsten Entscheidungen im Hinblick auf das Design und die Animation der Autos war die Platzierung der Augen.
Produktionsdesigner Bob Pauley, der für die Entwürfe der Autofiguren verantwortlich zeichnete, erklärt: „Von Beginn des Projekts an hatte sich John in den Kopf gesetzt, dass die Augen in der Windschutzscheibe zu finden sein sollten. Zum einen unterscheidet das unsere Figuren deutlich vom gemeinhin bekannten Ansatz, die Augen dort hinzuzeichnen, wo sich eigentlich die Abblendlichter befinden. Zum anderen fand er, dass man bei den Figuren an Schlangen denken müsse, wenn man die Augen in die Nähe des Mundes platzieren würde. Hat man die Augen aber auf der Windschutzscheibe, dann wirken die Autos menschlicher. Man hat den Eindruck, dass das ganze Auto in die Animation der Figur involviert ist.“
Zu den wichtigsten Inspirationen für das Design gehörte für Lasseter und sein Team der klassische Disney-Kurzfilm „Susie the Little Blue Coupe“ aus dem Jahr 1952. Einer der Hauptzeichner dieses Films ist der legendäre Ollie Johnston, der mittlerweile 92 Jahre alt und das letzte lebende Mitglied von Disneys ursprünglichem Team ist, das man liebevoll als „Die neun alten Männer“ bezeichnet. Lasseter ist durch eine ganz besondere Beziehung (und eine große Liebe zu Zügen) mit Johnston verbunden. Er nutzte zahlreiche Gelegenheiten, um mit seinem Freund und Mentor über CARS zu diskutieren.
Die Animation von Autofiguren stellte das Team vor ganz spezielle Herausforderungen. Der leitende Animator Scott Clark meint: „Es war ein harter Auftrag, diesen Figuren eine komplette Performance voller Emotionen zu entlocken und sie gleichzeitig immer noch wie Autos wirken zu lassen. Aber genau das ist es, was Animation mit Abstand am besten kann. Man setzt seine Fantasie ein und sorgt dafür, dass die Bewegungen und Gesten mit dem Design übereinstimmen. Unsere Autofiguren haben vielleicht keine Arme oder Beine, aber wir können die Reifen so nach außen oder innen lehnen, dass es aussieht, als würden sie die Hände nach oben oder unten drehen. Wir können die Steuerung in einer Weise einsetzen, dass es aussieht, als ob man in eine gewisse Richtung deuten würde. Außerdem ließen wir uns ein spezielles Augenlid und eine Augenbraue für die Windschutzscheibe einfallen, mit denen man Ausdrucksmöglichkeiten erzielt, wie sie bei normalen Autos niemals möglich wären.“
Doug Sweetland, der ebenfalls einen Posten als leitender Animator bekleidete, fügt hinzu: „Man musste als Animator ganz anders vorgehen, um die Figuren von CARS wirklich zu interpretieren. Der Unterschied zu den Modellen in THE INCREDIBLES war gewaltig. Bei THE INCREDIBLES konnte der Animator ganz einfach Referenzen für die Figuren schaffen, indem er sich selbst filmte oder fotografierte und dann die Aufnahmen studierte. Bei CARS ist diese Form von Referenz hinfällig. Ja, es handelt sich um Autos, aber kein Auto könnte jemals tun, was unsere Autos tun. Das ist pure Fantasy. Wir mussten viele Dinge ausprobieren und wieder verwerfen, bis wir den Look richtig hinbekamen.“
Mit seiner Erfahrung im Bereich der Animation und seiner grenzenlosen Liebe für diese Kunstform inspirierte Lasseter sein Team dazu, über sich selbst hinauszuwachsen. Murphy merkt an: „John ist der beste Mitstreiter aller Zeiten. Ich glaube, das ist der Grund, warum er so erfolgreich ist. Für ihn ist Zusammenarbeit das Ein und Alles.“
Clark sagt zudem: „John unterstützt seine Animatoren, wo und wie er nur kann. Er versteht das Medium perfekt, und er kennt die Designs. Er weiß, dass man etwas animieren kann, wenn man in der Lage ist, es sich vorzustellen. Und das sollte immer die Grundlage für Animation sein. Es sollte sich um etwas handeln, das sich mit Live-Action nicht umsetzen lässt. Er ist ein Experte, wenn es darum geht, eine Welt zu schaffen, die nur für sich Sinn ergibt. Die kleinsten Beobachtungen machen ihn aufgeregt und dann richtet er seine gesamte Aufmerksamkeit darauf. Er liebt Autos so sehr, dass seine Leidenschaft auf seine Animatoren überspringt. Seine Art der Inszenierung ist immer ermutigend. Er weiß, wie er das Beste aus seinen Künstlern herausholen kann. Er hat eine Vision, er hat Ideen, aber er weiß auch, wie er uns ermutigen muss, damit wir unsere beste Arbeit leisten.“