Vom aufregenden nächtlichen Eröffnungsrennen über staubige, verblasste Fassaden an der Hauptstraße von Radiator Springs bis hin zum actiongeladenen Tagesrennen in Kalifornien als rasanten Höhepunkt – Pixars Produktionsdesigner und künstlerisches Team gaben richtig Gas, um die verschiedenen Stimmungen und die Szenerie für CARS in einer stilvollen Art und Weise einzufangen.
Lasseter glaubt unbedingt an Recherche und Information aus erster Hand. Also unternahm er 2001 mit seinem Kreativteam eine Fahrt auf der Route 66, die ihnen bei der Arbeitsvorbereitung helfen sollte. Neun Leute, neun Tage, vier weiße Cadillacs. Obendrein wurde die Entdeckungsreise von Michael Wallis, einem Experten der Route 66, geleitet, der via Walkie-Talkie laufend Geschichten über die Strecke erzählte.
Produktionsdesigner Bob Pauley, der aus Detroit stammt und schon immer großer Autofan war, zeichnete bei CARS für das Design der Autofiguren und die Ausstattung der zwei Rennstrecken verantwortlich. Er erinnert sich: „Michael erzählte uns am Anfang der Reise: ‚Ihr wisst nicht, was hier draußen passiert. Alle möglichen neuen Dinge und Erfahrungen können hier gemacht werden. Ihr müsst euch nur darauf einlassen, euch daran erfreuen – und offen dafür sein’. Und das stimmte. Wir hielten üblicherweise in einer Stadt und bekamen dort von den Bewohnern wunderbare Geschichten zu hören. Wir saugten alles auf, während wir uns beim Friseur einen neuen Haarschnitt verpassen ließen, ein Eis genossen oder ein gewaltiges Steak bei ‚Big Texan’ aßen. Wir haben sogar Bodenproben mitgenommen. Es war unglaublich: lila, rot, orange, ocker. So viele wunderschöne Farben!“
„Einer der eindruckvollsten Momente für uns alle war bei einem Zwischenstopp irgendwo in Arizona“, fährt Pauley fort. „Wir waren auf einer Straße unweit des großen Highways. Es war eine schöne Straße, die sich perfekt durch die Landschaft schlängelte. Sie machte eine Kurve und führte geradewegs zu dieser hinreißenden Kuppe. Als wir dort saßen, hielt ein Lastwagen mit einem älteren Indianer und seinem Enkelkind. Er fragte uns: ‚Wie gefällt euch unser Land’? Wir sagten, dass es wunderschön sei. Er berichtete uns, dass er hier draußen gewesen sei, als die Autobahntrasse durch dieses heilige Land seiner Vorfahren gesprengt wurde. Es war ein starker Moment, auf einer Straße zu stehen, die sich so gut in die Gegend einpasst, und gleichzeitig die Autobahn zu sehen, die ohne Rücksicht und Respekt die Landschaft durchschneidet. Es war fantastisch, diese Geschichte aus erster Hand von einer Person zu erfahren, deren Familie hier seit Generationen lebt.“
Der Aufnahmeleiter Tom Porter erinnert sich: „Als John und sein Team von ihrem Trip auf der Route 66 zurückkehrten, gab es viele Diskussionen, wie man die Patina des Südwestens einfangen könnte. Sie wollten alles schattieren, damit die Dinge im Film aussehen, als wären es verblasste und verwitterte Gegenstände aus den 40er, 50er und 60er Jahren. John wünschte sich die ganze Komplexität und Authentizität einer Stadt des Südwestens wie auch ein ähnlich kompliziertes Set in der Welt der Autorennen.
Produktionsdesigner Bill Cone, der für die Erschaffung der Filmlandschaft sowie für die Erbauung eines fünf Meilen langen Straßenabschnitts verantwortlich zeichnete, der in die Stadt Radiator Springs führt und wieder aus ihr hinaus, ergänzt: „Wenn ich an den Stil des Films denke, habe ich eine gezeichnete Wirklichkeit vor Augen. Es gibt sprechende Autos, d. h., man entfernt sich bereits einen Schritt von der Realität. Die Formen sind ein bisschen skurril. Der Zuschauer sieht die Autoformen auf den Klippen, und die Wolken sind stilisiert. Ich bin zu der Schlussfolgerung gekommen, dass Menschen in einem menschlichen Universum ihre eigenen Formen in der Natur wiederentdecken, was oft der Fall ist. Sie benennen dann Dinge mit Namen wie „Indian Head Rock“. Dementsprechend hätten die Autos in einer Autowelt auch auf Autos bezogene Metaphern für diese Formen. Plötzlich sieht man die Felsen haarscharf wie Kühlerhauben oder eine Kühlerfigur. Begnadete amerikanische Künstler wie Maynard Dixon, die Landschaftsgemälde des Südwestens und Wolken malten, hatten ebenfalls großen Einfluss auf unsere Arbeit.“
Sophie Vincelette, Motivchefin am Set, kümmerte sich um die Schöpfung der Gebirgskette für den Film, die eine Hommage an die berühmten senkrecht in einen Acker entlang der Route 66 eingegrabenen Cadillacs sein sollte. Andere Berge wurden wie Radschächte oder Stoßstangen geformt.
In jeder Hinsicht stellt CARS für Pixar eine neue Stufe in Sachen Detailtreue dar. Mit seinem zerbröckelnden Beton, dem angesammelten Staub und den ausgeblichenen Werbetafeln, die auf die Ziegelwände gemalt wurden, fühlt sich Radiator Springs an wie ein realer Ort, den man tatsächlich besuchen kann.
Vincelette meint: „Unsere Herausforderung war es, die Gebäude in der Stadt so aussehen zu lassen, als hätten sie bereits ein paar Jahre auf dem Buckel. Wir arbeiteten eng mit den Teams, die für die Modelle und die Schattierung zuständig waren, zusammen, um ihnen einen verwitterten Look zu verpassen. Zudem stellten wir sicher, dass nicht alle Linien allzu gerade waren. Aus den Rissen im Beton des Bordsteins wächst Unkraut.“
Zu der Authentizität der Wüsten-Location trug auch bei, dass die Modell-Künstler der Set-Abteilung in der Lage waren, die Landschaft mit Tausenden von verschiedenen Pflanzen, vor allem Kakteen, Wüstenbeifuß (in brauner, grüner und gelber Ausführung) und Gräsern, auszuschmücken. Felsen verschiedenster Formen machten die Szenerie zusätzlich interessanter.
Um auch bei den Autodesigns als oberstes Gebot Authentizität herrschen zu lassen, stellte das Produktionsdesign-Team Nachforschungen bei Autoshows an, verbrachte Zeit mit Autodesignern und -herstellern in Detroit, besuchte Autorennen und unternahm ausführliche Studien der unterschiedlichen Materialien, aus denen Autos hergestellt werden.
„Recherche wird bei John immer groß geschrieben“, weiß Pauley. „Aber es ist auch der Teil, der bei unserem Job eigentlich am meisten Spaß macht, weil wir Autoshows und Rennen besuchen und andere nette Dinge machen konnten. Zum Beispiel gingen wir zu Manuel’s Body Shop gleich beim Studio ums Eck. Er half uns bei vielen Detailfragen und machte uns deutlich, wie die verschiedenen Lagen von Farben auf die Autos aufgetragen werden.“
Thomas Jordan, Leiter der Abteilung für Figurenschattierung, erklärt: „Chrom und Autofarben darzustellen waren zwei große Herausforderungen für uns bei diesem Film. Wir fingen an, indem wir so viel wie möglich zu lernen versuchten. Bei der ansässigen Werkstatt sahen wir zu, wie ein Auto bemalt wurde, und wir studierten, wie die Farben angemischt und aufgetragen werden.“
Er fährt fort: „Wir versuchten herauszufinden, was in die richtige Farbe gemischt wird – und wie man das im Computer überzeugend nachstellt. Wir fanden heraus, dass wir eine Grundbemalung benötigten, auf die dann der Lack gezogen wird, von dem der Glanz stammt, in dem man sich spiegeln kann. Danach konnten wir Metallic-Töne hinzufügen, die für etwas Glamour sorgten. Oder eine perlenartige Qualität, bei der sich die Farbe je nach Lichteinfall leicht ändern kann. Und dann hatten wir noch die Möglichkeit, Nadelstreifen einzusetzen, was bei Figuren wie Ramone ziemlich eindrucksvoll aussieht.“
Tia Krater, die künstlerische Leiterin des Schattierungsteams, meint: „Während wir Manuel’s besuchten, fanden wir eines Tages eine alte, ramponierte Stoßstange aus Chrom. Wir fragten, ob wir sie haben könnten – und Manuel fing an, sie sauber zu machen. Wir riefen nur: ,Nein, bloß nicht’! Genau dieser angerostete Look war es, wonach wir suchten. Uns gefielen der Dreck und die Patina. Da war ein bisschen was von all dem, was wir studieren wollten: Flecken, Kratzer, Rost und Blasen. Alles auf einer Stoßstange! Einer unserer Techniker, der schließlich die Schattierung von Hook übernahm, nahm sie mit in die Sonne und starrte stundenlang auf die Stoßstange. Dann machte er Fotos davon, um die Textur und die Oberfläche analysieren zu können.“