CARS ist der Erinnerung an den jüngst verstorbenen Joe Ranft gewidmet. Die Abschluss-Credits beinhalten einen angemessenen Tribut an sein gewaltiges Talent und seine Leistungen.
Ranft war ein Geschichtenerzähler, dessen außergewöhnliches Gespür für Story und Figuren bei einer Reihe der wichtigsten Animationsfilme der letzten 25 Jahre zum Tragen kam. Er war einer der größten Mitstreiter in einem Medium des Filmemachens, in dem Zusammenarbeit alles ist. Während seiner Zeit bei Disney sorgte er dafür, dass die Geschichten von WHO FRAMED ROGER RABBIT („Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, 1988), BEAUTY AND THE BEAST („Die Schöne und das Biest“, 1991), THE NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS („Tim Burton’s Nightmare Before Christmas“, 1993), THE LION KING („Der König der Löwen“, 1994) und JAMES AND THE GIANT PEACH („James und der Riesenpfirsich“, 1996) Gestalt annahmen. Es folgte eine Dekade bei Pixar, wo er die Leitung der Story-Abteilung von TOY STORY („Toy Story“, 1995) - der ihm eine Oscar®-Nominierung für das beste Drehbuch einbrachte - A BUG’S LIFE („Das große Krabbeln“, 1998) und TOY STORY 2 („Toy Story 2“, 1999) innehatte. Damit etablierte er seinen Ruf, der Beste in seinem Metier zu sein. Als Story-Supervisor (und Ko-Regisseur) von CARS verlieh er dem Film Herz, Seele und Humor. Seinen persönlichen Touch hinterließ er bei der Figur des Hook. Im August 2005, nachdem seine Arbeit an CARS abgeschlossen war, kam Joe Ranft auf tragische Weise ums Leben.
„Joe war der beste Story-Mann, dem ich jemals begegnet bin“, sagt Joe Lasseter. „Er hat mit mir an jedem Projekt gearbeitet, das ich gedreht habe. Ich mochte an seinem Humor, dass er nicht nur aus ein paar witzigen Pointen bestand. Es ging ihm immer um die Figur. Er konnte mich im Handumdrehen zum Lachen bringen, indem er einfach in die Rolle einer Figur schlüpfte. Ob er nun Marlon Brando nachmachte oder einen frechen englischen Jungen oder einen aberwitzigen Typen vom Land mit riesigen hervorstehenden Zähnen, er brachte mich immer zum Lachen, bis ich Tränen in den Augen hatte. Während seiner Tage bei Disney besuchte er eine Comedy-Improv-Klasse am Groundlings. Dort lernte er, dass es eine der wichtigsten Regeln der Comedy ist, niemals nein zu sagen. Das hatte einen enormen Einfluss auf die Art und Weise, wie wir miteinander arbeiteten und wie er den Story-Raum leitete. Wenn man etwas beginnt, dann unterbricht man den kreativen Fluss einfach nicht, sondern wartet ab, wohin das führt. Man sagt einfach immer nur ja. Egal, mit welcher Idee man spielt: Man lässt sie fließen und findet heraus, wohin sie einen führt. Das war wunderbar. Für mich ist die Ausarbeitung einer Geschichte so, als müsste ich mich durch das Labyrinth in THE SHINING kämpfen. Joe nahm mich sozusagen am Eingang des Labyrinths bei der Hand und ging einfach los. Man nimmt jeden Irrweg, tappt in jede Sackgasse, aber irgendwann findet man den Ausgang. Wir haben einfach nie nein gesagt und jeden einzelnen Pfad ausprobiert. Auf dem Weg haben wir kostbare Pointen, Ideen und Figuren entdeckt, alle möglichen interessanten Dinge, die uns sonst verborgen geblieben wären.“
Er fährt fort: „Joe war das Herz unserer Filme. Ich kenne keinen Menschen mit einem größeren Herz. Er hatte großes Vertrauen in alle und alles. Er war der größte Cheerleader, den wir besaßen. Jeder, der mit der Story zu tun hatte, wandte sich an ihn, und er nahm sich für jede Frage Zeit. Er war der Mentor von uns allen.“
„Von allen Figuren, die wir jemals bei Pixar erschaffen haben, bin ich auf Hook vermutlich am stolzesten“, erzählt Lasseter weiter. „Das liegt zum Teil daran, dass keine unserer Figuren unverkennbarer mit Joe in Zusammenhang steht. Bei jedem Film, den wir gemacht haben, konzentrierte Joe sich stets auf etwas, das ihm ganz besonders gefiel. Das haben wir immer im jeweiligen Film untergebracht. Bei TOY STORY waren es die grünen Soldatenfiguren, die sich bewegten, als seien sie Green Berets. In A BUG’S LIFE war es die Szene, in der die Zirkuskäfer herausfinden, dass die Ameisenkolonie wegen eines einfachen Schulstücks für Kinder denkt, sie seien echte Krieger. Bei CARS war es das Rückwärtsfahren von Hook. Joe verfolgte zunächst das Konzept, dass Hook deswegen eine wichtige Rolle hat, weil er Lightning McQueen beibringt, dass man ein Buch nicht vom Umschlag her beurteilen sollte. Aber dann fand er heraus, dass es bei Hook um pure, reine Freundschaft geht. Und nichts können Abschlepp-Trucks besser, als rückwärts zu fahren. Hook ist wie ein treuer Hund, der da ist, wenn man abends nach Hause kommt, egal wie mies der Arbeitstag auch gewesen sein mag. Genau so ein Freund war auch Joe. Er wird immer eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen.“
Ranft hatte auch einen großen Einfluss auf das Story-Team von CARS. Steve Purcell, einer der Story-Künstler des Films, erinnert sich: „Joe war bei der Arbeit an CARS ganz begeistert davon, eine Story-Gemeinde zu schaffen, in der die Story-Künstler enger miteinander arbeiten und besser aufeinander abgestimmt sind. Er zeigte uns alte Story-Aufnahmen von Pixar, um uns auf den Vorgang einzustimmen, den wir durchlaufen würden, um am Ende einen fertigen Film zu erhalten. Sein Motto war: Man muss dem Vorgang vertrauen. Wenn man an einem gewissen Punkt der Geschichte stecken bleibt, muss man sich einfach durchbeißen.“
Don Scanlon, ein weiterer Story-Künstler von CARS, fügt hinzu: „Joe erzählte uns, dass wir nicht einfach nur einen bereits fertigen Film wie z. B. TOY STORY als Referenzpunkt heranziehen sollten. Stattdessen sollten wir uns immer jeweils den ersten Filmstreifen ansehen, der für das jeweilige Projekt gezogen wurde. Das war schrecklich. Er ermutigte uns zu analysieren, wie man Probleme bewältigt und wie man den Vorgang für sich nutzen kann, um aus etwas Schrecklichem etwas Wunderbares zu schaffen. Als neuer Künstler bei Pixar kann es ziemlich einschüchternd sein, wenn man nur darüber nachdenkt, welch herausragende Filme dort bereits gemacht wurden. Joe zeigte uns, wie schlimm die frühen Versionen einiger Erfolgsfilme waren, und erklärte uns, wie man die Schwierigkeiten überwunden hatte. Er war ein sehr bescheidener Mann, der uns alle ermutigte, ebenfalls bescheiden zu bleiben. Und er inspirierte uns alle mit seinem Talent, Geschichten zu erzählen.“