Indem sie ihrer Fantasie freien Lauf ließen, erschufen Softley und sein Team aus Kreativen und Technikern eine atemberaubende Kulisse, vor der sich die verstörende Geschichte abspielt: Eine faszinierende und leicht fremdländisch anmutende Welt voller sterbender, exotischer Schönheit, wie sie in New Orleans und den umgebenden Sümpfen des Bayou zu finden ist.
„Ich bin davon begeistert, einen Film zu drehen, der ausschließlich hier so hätte geschehen können“, erzählt Softley. „Ich wollte eine Atmosphäre kreieren, die einen schmutzig-schönen, üppigen Look für die Kamera bot, gleichzeitig aber etwas surreal wirken sollte. Meiner Meinung nach ist es die Stimmung eines Ortes, die Spannung erzeugt und die Zuschauer fasziniert. Kates Figur ist eine Hospiz-Mitarbeiterin – ihre Arbeit besteht darin, Menschen beim Sterben zu begleiten. Dies ist eines der zentralen Themen des Films, und ich finde es interessant, eine solche Geschichte an einem Ort wie New Orleans spielen zu lassen. Dieser Ort ist so reich an Geschichte, man könnte sagen, hier ist in der Vergangenheit so viel gestorben. Diese Region der Südstaaten wirkt so trübe, so regnerisch, ständig wechselhaft – und das gibt und Gelegenheit, die Charaktere immer in einem neuen Licht zu zeigen.“
In den Film „Der verbotene Schlüssel“ hat Kruger eine spezielle Art der Magie mit einbezogen, die man als Hoodoo kennt und die in den Sümpfen sowie in machen ländlichen Gebieten noch immer für vielerlei Zwecke praktiziert wird: als Heilkunst, Machtausübung, um Glück oder Unglück heraufzubeschwören. Diese Praktiken werden von den Laien leicht mit der weitaus besser bekannten Religion des Voodoo verwechselt; Voodoo wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Sklaven aus Haiti nach New Orleans gebracht und verbreitete sich derart, dass die Katholische Kirche ein Edikt erließ, mit dem alle nicht-katholischen Rituale aus der Stadt verbannt werden sollten. Die Anhänger des „Voudoun“ feierten ihre Zeremonien von da an auf dem damaligen Congo Square, der heute den Namen Louis Armstrong Park trägt.
Drehbuchautor Kruger erklärt: „Während der Recherchearbeiten zum Thema Übernatürliches stieß ich auf den Begriff Hoodoo, der grundsätzlich ein amerikanisches System von volkstümlichen magischen Aberglauben bezeichnet. Hoodoo ist keine Religion, während Voodoo eine haitianische Religion ist, die ursprünglich aus Westafrika stammt. Hoodoo ist weitaus weltlicher und kann unzählige Glaubensrichtungen beinhalten; es umfasst hauptsächlich Hexerei, Zaubersprüche, magische Tränke und Beschwörungsformeln. Es wurde von Sklaven aus Afrika in Amerika eingeführt und hat sich vermischt mit dem Wissen der amerikanischen Ureinwohner über die Kraft der Pflanzen, außerdem mit christlichen, jüdischen und heidnischen Glaubensvorstellungen aus Europa. All das ist in diesem Schmelztiegel zusammengeflossen und hat eine ganz und gar einzigartige amerikanische Form der volkstümlichen Magie entstehen lassen. Es ist eine Amalgamierung verschiedenster Weltanschauungen.“
Hoodoo, auch „conjure“ oder „Beschwörung“ genannt, setzt hauptsächlich auf persönliche Machtausübung. Die Anhänger formulieren einen Zauberspruch, genannt „conjure“, „trick“, „fix“ oder „hurt“, um andere jeweils zu heilen, zu beschützen, anzulocken oder manchmal auch zu schädigen. Zu diesen Beschwörungsformeln gehören auch etliche weitere Zutaten wie Pflanzen, Öle, Gewürze, Kerzen und Musik. Die Praktiken des Hoodoo und der Voodoo-Religion in New Orleans sind in der regionalen Kultur tief verwurzelt. An einem Ort, an dem viele der Weltreligionen zusammentreffen und sich weiterentwickelt haben, und an dem die Toten nie weit entfernt sind – da wegen des hohen Grundwasserspiegels die Verstorbenen nicht beerdigt, sondern in überirdischen Kryptas bestattet werden -, ist die Aura des Aberglaubens in jedem Winkel spürbar. Allein schon die Tatsache, an einen Hoodoo-Fluch oder an die Macht des Voodoo zu glauben, genügt oft bereits, um den Zweck der Beschwörungen zu erfüllen – denn der Glaube ist mächtiger als der mutmaßliche Zauber selbst.
In die Welt des Hoodoo einzutauchen verlangte nicht nur vom Drehbuchautor, sondern auch vom Regisseur, den Produzenten, vom Produktionsdesigner John Beard sowie von Set-Ausstatterin Beauchamp Fontaine eine ganze Menge Recherchearbeit.
„Wir begannen mit der Suche nach Zaubersprüchen, Wunsch-Amuletten und allen möglichen Arten ziemlich angsteinflößender Kult-Artefakten“, berichtet Produzentin Stacey Sher. „Dann spürten wir schließlich Original-Tonaufnahmen aus Haiti auf, echte Beschwörungsformeln – und plötzlich füllte sich unser Alltag mit Tierknochen und Schädeln. Ehrlich gesagt begann mir das alles einen Schauer über den Rücken zu jagen. Ich hatte das Gefühl, selbst zu einem Schamanen gehen zu müssen, einfach um mich zu beschützen.“
Set-Ausstatterin Beauchamp Fontaine, die den Mastertitel in Kulturanthropologie trägt, tauchte ganz tief in die regionale Kultur und Folklore ein. „Das Ziel unseres Teams bestand darin, eine kraftvolle und akkurate Darstellung dessen zu erzeugen – und das verlangte wiederum viel Vorbereitung und Detailrecherche. Wir haben die aus New Orleans stammende Autorin Catherine Yronwode aufgespürt, die das Buch „Hoodoo in Theorie und Praxis“ geschrieben hat. Gemeinsam mit ihr sind wir das gesamte Drehbuch Szene für Szene durchgegangen, um jedes Detail abzusichern. Wir haben sogar die Unterseite des Dachs im Plantagen-Herrenhaus blau gestrichen – denn so macht man das im Süden, um zu verhindern, dass Vögel dort nisten. Auch wenn das Publikum diese Kleinigkeiten nicht bewusst wahrnimmt, so entsteht doch eine ganz bestimmte Stimmung, für die sich die gesamte Arbeit auszahlt.“