Während der ersten Hälfte der Dreharbeiten spielte sich alles in Louisiana ab. Der Großgrundbesitz Felicite Plantation fungierte als Sitz des fiktiven Herrenhauses auf der Plantage der Devereaux’. Dieser düstere Mittelpunkt des Films wurde für die ersten drei Wochen der Dreharbeiten auserkoren, nachdem es von den Location-Scouts unter unzähligen Plantagen in Louisiana ausfindig gemacht worden war.
Auch wenn es nicht wie ein Herrensitz voller Geheimnisse wirkt, verfügt Felicite Plantation jedoch sehr wohl über eine ganz eigene Hintergrundgeschichte. Diese Plantage liegt tief im Bezirk von St. James, in der Ortschaft Vacherie, auf halbem Weg zwischen Baton Rouge und New Orleans, an den Ufern des mächtigen Mississippi. Errichtet wurde sie 1847 von Valcour Aime, dem reichsten Mann des Bundesstaates, den man oft auch als Louis XIV von Louisiana bezeichnete; das Herrenhaus erbaute er als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter Felicite. Seine andere Tochter, Josephine, war die glückliche Erbin einer anderen Plantage, die einige Meilen weiter unter an der River Road lag. Nach dem Bürgerkrieg wechselten beide Plantagen den Besitzer. Das heruntergekommene Haus im so genannten Greek-Revival-Stil, das anfangs durch das Geäst von riesigen Eichenbäumen auf der Leinwand zu sehen ist, assoziiert man sofort mit den typischen, altmodischen Südstaatenanwesen.
Produzent Michael Shamberg verweist als Entdecker des Anwesens von Felicite Plantation auf Clayton Townsend, den ausführenden Produzenten und Line Producer dieses Films. Er erinnert sich: „Sobald wir das Haus sahen, wussten wir, das ist unsere Villa! Während wir durch das Gebiet fuhren, sagte Iain plötzlich: Halt an! Das ist es! Wir sind da! Clayton wagte sich vor, sprach die Eigentümer an – und überraschenderweise stimmten sie zu. Uns wurde dann berichtet, dass verschiedene Filmemacher seit 25 Jahren immer wieder ohne Erfolg versucht haben, Felicite Plantation als Drehort einzusetzen. Das Timing schient einmal mehr entscheidend zu sein. Wir haben in dieser Gegend etliche schön restaurierte Plantagen-Häuser entdeckt, aber dieses hatte einfach alles, was wir brauchten. Es hat das richtige Alter, die Patina, die Aura. Ganz zu Schweigen von der richtigen Portion Geschichte.“
Produzent Bobker meint: „Wir waren auf der Suche, fanden aber einfach nicht das passende Anwesen. Es war sogar die Rede davon, die Fassade hier in Los Angeles errichten zu lassen und die Innen-Szenen hier zu drehen, um dann nur anderthalb Monate lang in New Orleans zu drehen. Dann haben wir aber glücklicherweise Felicite gefunden – und sogar falls wir so et-was hier hätten bauen können, so hätten wir doch niemals diese Stimmung erzeugen können, die einen umfängt, wenn man einen Ort betritt, der vor über 150 Jahren errichtet wurde. Ich meine die gesamte Atmosphäre – sie ist hier schon inbegriffen, und das bereichert die Darstellung der Schauspieler und hebt den Film auf ein höheres Niveau.“
Die derzeitigen Bewohner von Felicite Plantation sind Irma und Stan Waguespack; sie sind beide bereits über 90 und haben fast ihr gesamtes Leben auf der Plantage verbracht. „Meine Großmutter kam oft an diesem Ort vorbei und sagte dann immer, sie wolle gerne in einem solchen Haus leben“, erinnert sich Stan, der seit 62 Jahren mit Irma verheiratet ist. „Schließlich bekam mein Großvater die Gelegenheit, dieses Haus zu kaufen – und seitdem wohne ich hier. Als kleiner Junge bin ich hier eingezogen, auf diesem Land bin ich aufgewachsen.“
Produktionsdesigner John Beard arbeitet in „Der verbotene Schlüssel“ bereits zum vierten Mal mit Regisseur Iain Softley zusammen und fügte alle notwendigen Details zu der Umgebung, die das Drehbuch vorsah: „Iain und ich empfinden ähnlich“, erläutert Beard. „Das Sumpfgebiet, das in der Nähe von Felicite nicht existiert, musste erst erschaffen werden. Es ist ein spezielles Element der Geschichte, für das Iain eine ganz bestimmte Vision hatte. Es kostete uns letztlich ziemlich viel Zeit, um den Sumpf richtig hinzubekommen. Wo vorher nur Rasen und Bäume waren, die zu einem Zuckerrohrfeld führten, gibt es nun einen verwinkelten, überwucherten Garten, der in einen knietiefen Sumpf führt. Wir haben Bäume umgesetzt, Wasser eingefüllt, einen Teich gebaut – der auch als Wassertank dienen musste – und einen Garten erschaffen, in dem Violet ihre Zeit verbringt und wo Ben mit seinem Rollstuhl fahren kann. In diesem Garten kann Caroline, in einer der Schlüsselszenen, mit einem Kanu aus dem Haus fliehen. Es ist relativ einfach, Architektur zu fälschen – aber Natur vorzugaukeln, ist schon eine viel schwierigere Angelegenheit.“
Hudson erinnert sich: „Als wir die Kanu-Szene drehten, saß ich dort und wartete, und um mich herum war dieser Sumpf – voller Moskitos, wie ich sie noch nie erlebt hatte, und voller Krokodile. Und kurz bevor die Klappe für den Dreh fiel, wurde es plötzlich unglaublich still. Ich fühlte mich schrecklich einsam und verängstigt… genau wie Caroline. Es war unglaublich
– so etwas kann man nicht willentlich erzeugen. Trotz der körperlich anspruchsvollen Arbeit und der Herausforderung, mitten im Sumpf zu drehen, fiel es mir dennoch oft sehr leicht, mich in Caroline hinein zu versetzen – denn die ganze Umgebung hat einfach gestimmt… die ganze Last der Geschichte wog schwer auf unseren Schultern.“
Die ersten drei Wochen der Dreharbeiten wurden in den Sümpfen ausgeführt und sollten bei Regenwetter stattfinden – sowohl echtem Regen, als auch von Menschenhand erzeugtem. Da New Orleans und die umliegenden Bayous in einer großen Senke, also eigentlich unter dem Meeresspiegel liegen, finden sich im gesamten Fluss-Delta sumpfartige Landschaften und besonders schlammiger Boden. Auch die stehenden Gewässer führen dazu, dass eine biblisch anmutende Moskito-Plage herrscht – wobei diese Insekten von den Einheimischen scherzhaft als „Wappenvogel“ betitelt werden. Die Filmemacher zogen sich Schutzkleidung aus Netzstoffen in Tarnfarben an, und die Frage nach den wirkungsvollsten Insekten-Abwehrstoffen wurde fast genauso intensiv recherchiert wie die Hoodoo-Rituale des Films.
Der gebürtige Brite Softley meint: „Das war mein erster Aufenthalt in dieser Stadt, und ich war sehr beeindruckt vom Flair von New Orleans. Mir war nicht klar gewesen, wie eng die Sümpfe das Stadtgebiet umschließen, oder wie weitläufig und schön die Sumpflandschaft wirklich ist. Obwohl sich das Meiste in einem Plantagen-Herrenhaus des Bayou in Louisiana abspielt, war ich doch der Meinung, dass der Film an Authentizität gewinnen würde, wenn wir einige der wunderbaren und einzigartigen Merkmale dieser Stadt mit einbeziehen – nicht zuletzt auch die wunderbare Musik.“
Die allgegenwärtige Musik – ob Gospel, Blues, Hiphop oder Zydeco – ist eine Art mündliche Überlieferung der Stadtgeschichte sowie eine Antriebskraft der Einheimischen… man könnte sogar sagen, diese Musik sei eine andere Form des Soul-Food. Softley und sein Team nutzten etliche Gelegenheiten, um aus diesem reichen Klangerbe zu schöpfen, und bauten Szenen in New Orleans selbst ein, in örtlichen Clubs sowie eine mit Chor-Gesang. Die weltberühmte Kneipe Half Moon Club wurde in einen „Bounce Club“ (d.h., New Orleans Hiphop-Club) verwandelt, in dem Caroline und Jill einen Abend lang feiern. Der legendäre Maple Leaf Club dient in einer anderen Szene außerdem der Rebirth Brass Band als Auftrittsort.
Hudson erzählt: „Einer der Gründe, warum Caroline New Orleans zu ihrer Heimat macht, ist wohl die Musik – denn sie liebt Rock und Blues. Durch meinen zweimonatigen Aufenthalt hier kann ich schon verstehen, dass jemand, der sich für Musik interessiert, sich wahnsinnig in diese Stadt verliebt und für immer bleiben möchte… Es ist einfach ein inspirierender und musikalischer Ort.“
Vor den Dreharbeiten in New Orleans jedoch hielt man sich an stimmungsvollen Abschnitten der Straße auf, die von der historischen Altstadt in die Umgebung führen – dort, wo Caroline zum Tanken anhält und zum ersten Mal Augenzeugin des angewandten Hoodoo wird.
„Der Kontrast zwischen der vibrierenden, rund um die Uhr energiegeladenen Stadt und dem offenen, weiten Umland mit den geheimnisvollen Plantagen und Sümpfen ist wirklich faszinierend. So vieles an der Geschichte dieser Plantagen ist wirklich düster – und Caroline in diese Umgebung zu versetzen macht sie noch verletzlicher. Es ist ein weites, einsames Gebiet“, fügt Hudson hinzu.
Während der Drehs zu den Szenen in den Clubs von New Orleans sowie in denjenigen, in denen Caroline in ihrer Wohnung zu sehen ist, haben sich die Filmemacher intensiv mit den Farben, der Aura und der Architektur von New Orleans auseinandergesetzt. In den darauffolgenden drei Wochen zogen die Filmemacher in die Stadt, deren herausragende Viertel von unterschiedlichen Baustilen geprägt sind. Carolines Wohnung liegt in der Magazine Street, einem jungen, hippen Viertel, das nach dem vom spanischen Gouverneur Este-ban Rodriguez Miro im späten 18. Jahrhundert erbauten Warenlager benannt ist, wo einst die für den Export bestimmten Güter untergebracht wurden. Die Kanzlei des Anwalts Luke wurde in einem Büro am Jackson Square angesiedelt, einem offenen Platz im Herzen des French Quarter, das berühmt ist für die St. Louis Cathedral, einer Statue von Andrew Jackson (dem Helden der Schlacht von New Orleans) und der malerischen Architektur im spanischen Stil.
Daraufhin überquerten Schauspieler und Filmemacher die 35 Kilometer lange Huey-Long-Brücke, um zum Southeast Louisiana Hospital in Mandeville zu gelangen, das als Pflegeheim fungierte, in dem Caroline zu Beginn des Films arbeitet.
„Es gibt keinen Ersatz für einen Drehort wie diesen“, sagt Produzent Daniel Bobker. „Es verleiht dem gesamten Projekt einen besonderen Wert und eine Atmosphäre, die man in Hollywood nirgendwo bekommt. Das erleichtert den Schauspielern die Vorbereitung und das Verständnis ihrer Rollen; zum Glück für uns hatte Iain das richtige Gespür für diesen Ort. Zweifellos ist dies alles eine Bereicherung, ein Beitrag zu einem authentischeren Film.“