Donnerstag | 31. Mai 2012 | 14:40 Uhr
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  • Star Trek

    Action, Science Fiction | USA 2009
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      • | Produktion: Auf der Brücke

      • Wie aktualisiert und renoviert man eines der berühmtesten Filmsets aller Zeiten? Diese Frage stellte sich das STAR-TREK-Produktionsteam, als es darum ging, die Entwürfe für die U.S.S. Enterprise und vor allem für die Brücke zu gestalten, die Befehlszentrale auf dem Flug zu den Sternen. Die Brücke ist nur über den Turbolift zugänglich und enthält das Kommunikationszentrum, den wissenschaftlichen Bereich, die Steuer- und die Navigationseinheit – sie alle gruppieren sich kreisförmig um eines der bekanntesten Requisiten moderner Mythen, den Sessel des Captains.

        Bei der Renovierung der Enterprise bewegten sich Abrams und sein Designteam auf einem sehr schmalen Grat: Sie wollten ihrer Fantasie freien Lauf lassen, mussten aber dem Vermächtnis und der Logik der zukünftigen Sternenflotte Rechnung tragen, die wir ja bereits aus den Fernsehserien und Filmen kennen. „Wir mussten uns auf die zeitliche Abfolge der Serie beziehen, gleichzeitig aber einen eigenen futuristischen Look schaffen, der auf das heutige Publikum zugeschnitten ist“, erklärt Abrams. „Der Kommunikator beispielsweise wirkte vor vierzig Jahren wirklich futuristisch, aber inzwischen tragen wir alle kleine Telefone in der Tasche, die ganz ähnlich aussehen. Wir übernahmen also die bekannten Versatzstücke aus ,Star Trek‘, vor allem auf der Brücke der Enterprise, entwickelten sie aber weiter, gestalteten das Design formschöner, so wie wie uns das 23. Jahrhundert heute vorstellen.“

        Die Hauptaufgabe fiel dem Produktionsdesigner Scott Chambliss zu, der zunächst einmal ein Reglement entwarf, das jedem Knopf, jedem Hebel und jeder technische Vorrichtung eine Funktion zuwies. „Regel Nr. 1 war: Wir wollen dem ungebrochenen Optimismus der Original-TV-Serie unsere Reverenz erweisen – wir hoffen, dass die Technologie ein Segen für die Menschheit ist. Wir wollten die düsteren, morbiden Zukunftsvisionen vermeiden, die in letzter Zeit im Science-Fiction Bereich Mode geworden sind, denn Gene Roddenberry sah das ganz anders“, beginnt er. „Diesen Optimismus wollen wir durch eine umfassende Funktionalität des gesamten Sets ergänzen: Alles soll so aussehen, als ob es wirklich funktioniert – darauf legt J. J. besonderen Wert“, fährt er fort.

        „Als die Fernsehserie in den 1960er-Jahren begann, war alles von einer glatten, ausgeprägt modernistischen Vision geprägt – und die soll auch unseren Look beeinflussen. Die Enterprise wirkt stromlinienförmig und sexy, wähend die ältere Kelvin eher typisch militaristisch aussieht. Unsere Enterprise bezieht sich auf berühmte Designer jener Zeit wie Pierre Cardin, aber auch auf Kubricks ,2001‘, indem wir uns vor diesen Konzepten verbeugen, ohne sie nachzuahmen.“

        Nachdem Chambliss für Abrams zunächst eine Reihe von Illustrationen zusammengestellt hatte, arbeitete er mit einer größeren Gruppe Illustratoren, Modellbauern und Designern zusammen. „Jeder von ihnen brachte seine eigene ästhetische Begabung und Kreativität in dieses gigantische Abenteuer ein“, sagt er. Chambliss freute sich, die bekannten Versatzstücke der Brücke auszustatten, weil ihm heute eine viel weiter entwickelte Technik zur Verfügung steht.

        „Die Technologie erlaubt uns, der allgemeinen Atmosphäre der Brücke eine neue Tiefendimension hinzuzufügen“, sagt Chambliss. „Wir können auf dieser Brücke Sachen machen, wie sie bisher nicht möglich waren. Wir haben die alte Brücke nicht einfach nachgebaut. Sie wirkt ganz neu, und dennoch hat man sofort das Gefühl: ,Ich befinde mich auf der Brücke der Enterprise.‘“

        Gleichzeitig arbeitete Chambliss eng mit dem für die visuellen Effekte zuständigen Roger Guyett zusammen. „Scott und ich sprachen immer wieder darüber, wie wir am sinnvollsten vorgehen sollten, was er tatsächlich bauen sollte und was wir später im Computer hinzufügen würden“, berichtet Guyett. „Er wusste beim Bau der Enterprise-Brücke zum Beispiel, wie der Blick aus dem großen Fenster aussehen würde. Ich arbeite gern mit Scott – die Arbeitsmethode erwies sich als sehr fruchtbar.“

        Guyett konzentrierte sich vor allem auf das Panoramafenster der Brücke, das von Anfang an im Konzept eine wesentliche Rolle spielte. „Im Original wirkt das Fenster wie ein TV-Monitor, der ein- und ausgeschaltet wird. Wir dagegen wollten ein echtes Fenster verwenden wie die Windschutzscheibe eines Autos oder Flugzeugs, sodass man sich sofort die Umgebung des Raumschiffs vorstellen kann – eine Verbindung zum ganz spezifischen Universum.“

        Das Brückenset wurde kardanisch aufgehängt, sodass man es ruckartig erschüttern und kippen konnte, um Angriffe oder die Beschleunigung auf Warp-Geschwindigkeit realistisch darzustellen. Explosionen an Bord wurden real inszeniert, um die Darsteller und das Kamerateam direkter einzubeziehen. „Die drohende Gefahr muss sich auf den Gesichtern der Helden spiegeln, damit man spürt, was für die Enterprise auf dem Spiel steht“, sagt Guyett. „Wir haben die realen Sequenzen in dem Bewusstsein gedreht, dass wir später viele Computereffekte hinzufügen würden, aber wir ließen J. J. alle Freiheit, das zu drehen, was ihm vorschwebte.“

        Abrams war von der realistischen Atmosphäre begeistert: „Scott entwarf die Brücke völlig im Einklang mit der Originalserie und den Filmen, legte die Messlatte aber noch eine Stufe höher, sodass sie überzeugender und interessanter wirkt. Als ich das Brückenset erstmals betrat, stand ich nicht auf irgendeinem Set – dies war etwas ganz Besonderes. Ich überschritt eine bedeutende Schwelle und dachte in diesem Moment: ,Wow, jetzt können wir diese Welt wirklich völlig real gestalten.“

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