Es gibt in der Film- und Fernsehgeschichte wenige Kostüme, die uns so vertraut sind wie die Uniformen auf dem Raumschiff Enterprise mit ihren eng geschnittenen schwarzen Hosen, den farblich gestaffelten Hemden und dem bumerangförmigen Emblem der Sternenflotte.
Die Aufgabe des „Star Trek“-Kostümdesigners Michael Kaplan war also ebenso gewaltig wie subtil, denn im Wettlauf mit der Zeit musste er tausende von Kostümen liefern, die sich an die bekannten Uniformen anlehnen, dabei aber auch J.J. Abrams’ Vorgaben in Bezug auf Funktionalität und einen intensiv farbenfrohen Stil erfüllen.
Kaplan hat zuvor bereits den Preis der British Academy of Film and Television (BAFTA) gewonnen, und zwar mit seinen Kostümen für einen weiteren futuristischen Klassiker: Ridley Scotts düstere Zukunftsvision „Blade Runner“ (BLADE RUNNER, 1982). Vor Kurzem lieferte er die Kostüme zu Francis Lawrence’ erfolgreichem Fantasy-Film über den letzten Menschen auf Erden, „I Am Legend“ (I AM LEGEND, 2007), sowie zu vielen stilistisch innovativen Filmen wie „Mr. & Mrs. Smith“ (MR. & MRS. SMITH, 2005), „Fight Club“ (FIGHT CLUB, 1999) und „Miami Vice“ (MIAMI VICE, 2006).
Doch als Abrams ihn ansprach, kannte Kaplan keinen einzigen der „Star Trek“-Filme und hatte nur eine Hand voll Episoden der Original-TV-Serie gesehen. Dennoch erklärte er sich mit einem Treffen einverstanden. Da beide Männer gerade an der amerikanischen Ostküste Urlaub machten, traf sich Kaplan mit Abrams in einem Coffee Shop in Maine, wo sie zwei Stunden lang über galaktische Welten und Weltraumuniformen fachsimpelten.
„Letztlich haben mich J.J.s Enthusiasmus, Dynamik und Charme überzeugt – mehr als das „Star Trek“-Konzept an sich“, sagt er. „Er sah mein mangelndes Vorwissen in Bezug auf die Trek-Saga als Plus, denn er legte Wert darauf, dass das gesamte Designteam ganz neuartige Entwürfe lieferte. Dieser Standpunkt gefiel mir – fortan fühlte ich mich von meiner Aufgabe nicht mehr so überwältigt.“
Sobald Kaplan zugesagt hatte, war keine Minute zu verlieren, denn der Drehstart stand kurz bevor. Er stürzte sich in die Recherchen und verwendete dabei die berühmte „Star Trek Encyclopedia“, um ein Gespür für die Entwicklung der Starflottenuniformen und all der Motive zu bekommen, die in jeder Neuauflage des Trek-Universums wieder auftauchen. Dann ließ er seiner Fantasie freien Lauf und begann, Entwürfe zu zeichnen. „Ich ging ganz intuitiv vor“, erklärt er. „Ich entschied von Fall zu Fall, was wir aus der Vergangenheit übernehmen sollten und wo wir neue Ideen einbringen konnten. J.J.s Begeisterung begleitete und motivierte unsere Arbeit.“
Kaplan teilte den Film in verschiedene Bereiche auf: Zum Beispiel gestaltete er eine frühere Ära der Sternenflotte, die Zeit von Kirks Vater, in einem futuristischen Stil, bei dem ein Hauch der 50er-Jahre mitschwingt. „Ich schaute mir die Science Fiction-Filme der 40er- und 50er-Jahre an und ließ mich von ihnen inspirieren: Lastex-Hosen und andere retrofuturistische Designs, die ganz natürlich dem Enterprise-Look vorausgehen, wie er dann in den 60er-Jahren entwickelt wurde“, sagt er. Weitere deutlich abgesetzte Epochen sind die zivile Erde in Kirks Jugend und wenige Jahre später die Akademie der Sternenflotte mit ihren jungen Kadetten.
Dann nahm er sich die eigentlichen Enterprise Uniformen vor: „Sie vermitteln einen so gesunden und kraftstrotzenden Look, dass wir ihn beibehalten wollten. Auf den unvergesslichen ,Star Trek’- Look wollten wir auf keinen Fall verzichten. Wir modernisierten die Uniformen, indem wir sie vereinfachten und bei der Herstellung einige Techniken verwendeten, die es beim Start der Originalserie noch gar nicht gab“, berichtet er. „Beispielsweise ist jede Uniform mit winzigen Sternenflottenlogos bedruckt, die man aus der Entfernung gar nicht erkennen kann, aber sie geben dem Look eine coole Struktur. Es war ein sehr kompliziertes Verfahren, die Farbschattierungen auf dem roten Stoff im richtigen Verhältnis zu justieren.“
Die Kostüme der Romulaner auf der Narada passte Kaplan der schmutzig-schmierigen Umgebung an, in der sie hausen. „Die Narada ist eigentlich ein Erzfrachter, also verpasste ich der Besatzung grobe Kleidung“, erklärt er. „Auf einem Flohmarkt fand ich genau die richtigen Stoffe mit aufgesetzten Nähten und schäbig-abgenutztem Look – es sah aus, als ob sie eingefettet wären. Ich fragte beim Hersteller nach, der auf Bali beheimatet ist, und er lieferte mir meine Kostüme mit seinen Stoffen.“ Bei den Vulkaniern konzentrierte er sich auf ihre herausragendsten Eigenschaften. „Dort dreht sich alles um Eleganz und asketische Strenge – das ist eine richtige Kopf-Gesellschaft“, kommentiert er. „Für die weiblichen Vulkanier entwickelte ich außerdem ein ganz neues Konzept mit Korsetts, wie es sie bisher nicht gab.“
Sehr viel Spaß hatte Kaplans Team mit den Fallschirmspringer- oder besser Raumsprung Outfits. Die Enterprise-Crew trägt sie beim Sprung auf die Bohrplattform über dem Planeten Vulkan. „Das war sehr schwierig, weil wir Anzüge brauchten, denen man zutrauen würde, dass sie einen so langen Sprung auch aushalten. Die Luftzufuhr im Helm musste wirklich funktionieren, denn sonst wären die Visiere von innen beschlagen. Außerdem mussten wir sie in verschiedenen Farben anfertigen, um die einzelnen Helden während des Flugs unterscheiden zu können. Das war sehr knifflig, aber wir haben das Problem erfolgreich gelöst.“