Wenige so langlebige Sagas zeigen die blitzartige Entwicklung der visuellen Effekte so gut wie „Star Trek“ in den vergangenen Jahrzehnten. Die Original-TV-Serie entstand in Pappkulissen mit blinkenden Glühbirnen und kleinem Budget. Dann, nach „2001“ (2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM, 1968), „Star Wars“ (KRIEG DER STERNE, 1977), „Alien“ (ALIEN, 1979) und anderen innovativen Effekte-Filmen mit dem Weltall als Schauplatz, trug der erste Trek-Kinofilm wesentliche Neuerungen zur Tricktechnik bei – hier kamen futuristische Technologien zum Einsatz, von denen das Fernsehpublikum damals nicht einmal träumen konnte.
In gewisser Weise findet diese Entwicklung mit „Star Trek“ ihren logischen Abschluss, denn zusammen mit Industrial Light & Magic (ILM) schuf J.J. Abrams das optisch spektakulärste Trek-Abenteuer überhaupt – in allen Bereichen wird das Bisherige überboten: Raumschiffe, Planeten, Explosionen und die Geografie der Galaxien an sich.
Die visuellen Effekte verantwortet Roger Guyett, dessen Zusammenarbeit mit Abrams sich bereits bei „MI:3“ bewährt hatte. Allerdings spielt jener Film auf der Erde und wirkt regelrecht konventionell im Vergleich mit den kosmischen Dimensionen, in die sich Guyett mit „Star Trek“ begab. Bei der optischen Gestaltung der sich pausenlos abwechselnden Raumschlachten, Monsterjagden und Planetenkatastrophen fordert Abrams von Guyett vor allem eines: Realismus. „Ich will die Reisen der Enterprise wirklichkeitsnah zeigen und dabei spektakuläre Bilder verwenden, wobei die Effekte niemals die Helden an Bord in den Hintergrund drängen dürfen. Roger ist der Einzige, dem ich zutraue, die Erzählstrukturen des Films auf geniale Weise mit der Ästhetik zu kombinieren“,sagt der Regisseur.
Um den bisherigen Filmen der Saga gerecht zu werden, bat Abrams ILM, eine Collage aus den „absolut besten Effekten“ aller bisherigen Trek-Filme zusammenzustellen. „Sie sind wirklich toll, aber wir merkten schnell, dass wir ihnen heutzutage technisch weit überlegen sind“, sagt er. „Es ist für uns eine große Ehre, ,Star Trek’ jetzt mit dem hohen Niveau optischer Bravour auszustatten, wie es dem Film angemessen ist. ILM hat mit den fremdartigen Planeten, außerirdischen Monstern und kosmischen Panoramen sogar meine kühnsten Träume weit übertroffen.“
Guyetts Team ging hoch motiviert ans Werk, stand aber vor einer gigantischen Aufgabe. „Klar war von vornherein, dass J.J. weit gehend auf Aufnahmen vor dem Bluescreen verzichten wollte“, erklärt er. „Deshalb entstanden die visuellen Effekte in präziser Abstimmung mit den Entwürfen der einzelnen Sets, die wir mit den Effekten auf spannende Art ergänzen konnten – erst dadurch bekommt der Film seine wahre Dimension. Dazu waren zahlreiche Produktionskonferenzen nötig – jede Szene wurde in ihre Komponenten aufgeschlüsselt. Wir mussten festlegen, was wir real drehen mussten und was man später per Computer hinzufügen konnte – ein gigantisches Puzzle.“ Guyett verwendete jedes zur Verfügung stehende Mittel in seinem Effekte-Arsenal, entwickelte die neuesten Techniken weiter, zum Beispiel auch die Simulationstechnologie, die er bei „Transformers“ eingesetzt hatte, aber auch herkömmliche optischeEffekte wie Miniaturen und Perspektivmanipulationen.
In Bezug auf die Enterprise konzentrierte sich Guyett vor allem darauf, sie emotionaler ins Bild zu bringen. „Ich hatte vor Augen, wie Kubrik das Licht in ,2001‘ einsetzt, um Emotionen zu erzeugen – die Finsternis, das Unbekannte ist ständig präsent“, sagt er. „Dabei ist das Lichtkonzept in ,2001‘ recht naturalistisch – es diente uns als Vorbild bei der Lichtgestaltung unter der Anleitung von Kameramann Dan Mindel. Viele der Trek-Filme verwenden stilisiertes Licht, aber wir entschieden uns schon sehr früh, realistischer vorzugehen – das Licht erinnert beispielsweise eher an die Fotografien von den Apollo-Missionen. Das war die Richtung, die J.J. vorschwebte. Wenn wir die Enterprise bei ihrem Flug durch das All sehen, können wir uns gut vorstellen, dass es solche Bilder in naher Zukunft wirklich geben könnte.“
Auch die Erde selbst erscheint in neuem Licht: eine bekannte Welt, die im technischen Sinn nur ein paar riesige Schritte von unserer Gegenwart entfernt ist. Guyett musste sich auf dieser Erde um die Schlüsselszene kümmern, in der der Teenager James T. Kirk mit seiner alten Corvette wegen überhöhter Geschwindigkeit von einem Cop angehalten wird, der ihm mit einem fliegenden „Hover Cruiser“ verfolgt. „Beim ,Hover Cruiser‘ diskutierten wir ausführlich, wie wir ihn mit der heutigen Technik absolut realistisch darstellen könnten“, sagt Guyett. „Hover-Fahrzeuge könnte es wohl bald geben – aber derzeit gibt es sie eben noch nicht! Das für die Spezialeffekte zuständige Team baute das Hover Bike auf den Schwenkarm eines Krans, der auf das sehr niedrige Chassis eines Wagens montiert wurde, mit dem man gefahrlos fahren konnte.“
Guyett machte es ausgesprochen Spaß, die alten und neuen Hightechfunktionen aus neuer Perspektive zu zeigen – vom „Hover Cruiser“ bis zum berühmten Transporter auf der Enterprise. Aber vor allem die von Abrams geforderten Effekte in den unendlichen Dimensionen des Alls forderten Guyetts Kreativität außerordentlich. Während sich J.J. Abrams’ fähiges Team ins Zeug warf, um ein majestätisch gestaltetes Universum als Forschungsterritorium für die Enterprise auszugestalten, betonte der Regisseur immer wieder, dass dieser Aufwand nur getrieben wurde, um den Figuren ein realeres, packenderes Umfeld zu schaffen.
Abschließend sagt Abrams: „Die Schiffe sind zwar echt cool, aber letztlich stehen nicht sie im Mittelpunkt, sondern die Besatzungen an Bord. Die Action und die Abenteuer in diesem Film erhöhen unsere Pulsfrequenz, weil wir mit den Leuten auf der Enterprise mitfiebern. Wir wollen zum Team gehören, mit ihnen an Bord gehen, die Galaxien durchkreuzen, verblüffende und lustige Abenteuer erleben. Und in jeder Phase der Produktion haben wir auf dieses eine Ziel hingearbeitet."