Von Newark und Bayonne bis nach Brooklyn, den Hudson River hoch bis Naugatuck, Connecticut und dann nach Athens, New York machte das Produktionsteam eine Kurzreise an der Ostküste entlang, die im östlichen Virginia endete.
Lexington ist eine Kleinstadt, die das Virginia Military Institute, die Washington and Lee University und auch das Filmteam während der letzten Drehtage beherbergte. In einem kleinen Tal zwischen sanft geschwungenen Feldern, wurde der erste Teil der „Tal-Kriegssequenz“ gedreht. „Wir haben überall gesucht, um einen Ort zu finden, an dem man einen Hügel hinauflaufen kann, hinter dessen Kuppe sich etwas abspielen könnte, was man erst nicht sehen kann“, sagt Carter. „Etwas darunter gelegen wäre dann das Bauernhaus. Wie es sich herausstellte, gab es sogar ein solches Bauernhaus in der Nähe des Hügels in Virginia.“
Hunderte von zerlumpten und beschmutzten Statisten mit Schubkarren und Wagen voll mit einem Sammelsurium persönlichen Eigentums arbeiteten Seite an Seite mit der Nationalgarde, während Spielberg eine verheerende Begegnung mit den außerirdischen Angreifern orchestrierte.
Die Nationalgarde kam zusammen mit mehreren Militäreinheiten, die mit der Produktion kooperierten: die 10th Mountain Division des Staates New York; Marines aus Camp Pendleton (Kalifornien) und Armeepersonal aus Fort Irwin und Twentynine Palms (Kalifornien).
Nach dem Umzug an die Westküste, wurden die Dreharbeiten an Orten im Umfeld von Los Angeles wieder aufgenommen, darunter Piru (verkleidet als Athens im Staate New York), wo eine Szene mit hunderten von Statisten fertig gedreht wurde und die klangvoll benannte Stadt Mystery Mesa, die circa 60 Meilen nördlich von Los Angeles liegt.
Ein weiterer imposanter Drehort an der Westküste war eine massive, sorgfältig auseinander genommene Boeing 747, die man über einen kleinen Hügel auf dem Gelände der Universal Studios verstreut hatte. „Du gehst raus und rennst in den größten Alptraum, der dir widerfahren könnte“, sagt Rick Carter. „Ein Flugzeug landet in deiner Nachbarschaft und dezimiert alles und jeden.“
Die Absturzstelle des Flugzeugs war „eine monumentale Filmdekoration, was den Arbeitsaufwand angeht. Wir mussten eine 747 kaufen, die wir dann in einzelne Teile zerschnitten und über das Studiogelände verteilt haben. Dann haben wir Häuser um sie herum gebaut. Das war ein ganz schön großes Unterfangen.“
Auf dem Studiogelände nutzte das Filmteam auch das große Wasserbecken mit 75 Metern Durchmesser in Studiohalle 27, um dort die Unterwasserszenen für die Fährensequenz zu drehen.
In Halle 16 auf dem Fox-Studiogelände bauten Produktionsdesigner Rick Carter und sein Team eine unheimliche Kulisse auf, die sie „die Au“ tauften. Das Bauernhaus, das vom Produktionsteam in den Hügeln Virginias gefilmt und dessen Außenszenen später in Mystery Mesa nördlich von Los Angeles komplettiert wurden, war auf einem sanft geneigten Hügel nachgebaut worden – komplett mit Scheune, Holzzaun, einem Rasenteppich und ein paar Bäumen. Aber diesmal war alles mit rotem Unkraut überwachsen. “Steven hatte die Idee, vom mehr oder weniger schwarzweißen Flur mit einer weiten Einstellung auf die Tür zuzugehen. Als diese sich öffnet, ist es wie in ‚Der Zauberer von Oz’“, erklärt Carter. „Der ganze Film ist plötzlich in Farbe. In diesem Fall ist es aber unsere Welt, die sich rot färbt. Es ist weitreichend und es nimmt langsam unsere gesamte Welt ein.“
„Sie machen genau genommen unsere Welt zu der ihren“, sagt Produzentin Kennedy. „Wir sehen, wie rotes Unkraut unser Landschaftsbild überrennt. Wenn wir dann herausfinden, warum es rot ist, wird es ein bisschen grausig.“
Neben der Au und einem Dutzend anderer praktischer Drehorte, arbeitete das Filmteam noch in sechs Studiohallen, die über drei Studiogelände verteilt waren. [Die Produktion benutzte außerdem Hallen in Bayonne (New Jersey), für das Innere von Rays Haus]. Jede Halle beheimatete ihre eigene Welt. Neben der Auen-Kulisse beherbergten die Fox Studios auch den klaustrophobischen Keller, in dem Ray und Rachel auf Ogilvy treffen.
Schauspieler Tim Robbins bemerkt: “Steven Spielberg macht noch Hollywoodfilme, bei denen man das große Gefühl von ‚Hier sind wir in der Halle, in der zahlreiche epische Dramen gedreht wurden’ genießen kann. Du baust Kulissen und du setzt alles in Bewegung.“
Obwohl Spielberg eine bedeutende Rolle darin gespielt hat, modernste Technik und Film zusammenzubringen, schneidet er immer noch auf einem traditionellen Flachbett-Schneidetisch. Er ist kein Technikfeind, sondern ein Filmemacher mit viel Respekt und Bewunderung für das weite Feld der Filmkunst. „Ich brauche etwas, das mich inspiriert“, sagt Spielberg. „Etwas, das mir hilft, den Look des Films zu bestimmen. Wenn ich alles in der Postproduktion erfinden müsste, wäre das eine sinnlose Übung. Ich denke, ich werde das Hollywood-Handwerk – etwas zu bauen und Dinge zu konstruieren – aufrechterhalten so lange ich lebe. Weil ich die Männer und Frauen, die Welten durch ihr eigenes Handwerk, ihre eigene Kunst erschaffen können, wirklich respektiere. Du gehst in eine Studiohalle und plötzlich ist da eine Welt, wie du sie dir sonst nur nachts erträumen könntest.
72 Drehtage, mehrere Tausend Statisten, zwei Dutzend Drehorte, Kulissen an Ost- und Westküste und fünf Bundesstaaten später, beendete „Krieg der Welten“ seine Dreharbeiten.