Nach ihrer ersten erfolgreichen Zusammenarbeit bei "Minority Report" hatten Spielberg und Cruise nach einem weiteren Film gesucht, den sie gemeinsam machen konnten. "Mit Steven Spielberg arbeiten zu können, ist für mich ein Traum, der Wirklichkeit wurde“, sagt der Schauspieler. "Ich bin mit seinen Filmen aufgewachsen, habe sie studiert. Ich ziehe ihn manchmal damit auf, dass ich seine Filme besser kenne, als er! Sie sind wie Unterricht im Geschichtenerzählen – jedes Mal, wenn ich einen seiner Filme sehe, lerne ich etwas."
Die Gelegenheit ergab sich kurz vor dem Start von "Minority Report", als Cruise den Regisseur am Drehort seines Films "Catch Me If You Can" besuchte. "Er nannte mir drei mögliche Filmprojekte; 'Krieg der Welten' war das dritte", erinnert sich Cruise. "Wir sahen einander an, und uns ging gemeinsam ein Licht auf. Als ich den Titel hörte, sagte ich 'Oh mein Gott! "Krieg der Welten" – das ist es.' Und das war das."
Der internationale Superstar und dreifach oscarnominierte Tom Cruise bringt eine außergewöhnliche Energie und Komplexität in die Rolle des Ray Ferrier ein. "Tom haucht dem Film Leben ein", kommentiert Spielberg. "Er hat eine so unwahrscheinliche Lebenskraft und eine so außergewöhnliche Präsenz. Er hat diese Energie, die ganze Szenen beleuchtet und den Charakter strahlen lässt."
Cruises Enthusiasmus und Energie am Drehort waren ansteckend, wie auch Schauspieler Tim Robbins bemerkt. "Er verliert nie seine Haltung", sagt Robbins. "Er ist ein absoluter Profi und großzügiger Schauspieler. Wenn er eine Szene mit dir spielt und die Kamera nicht auf ihn zeigt, spielt er trotzdem seinen Charakter und gibt dir 100 Prozent."
Ray Ferrier ist weit entfernt von den noblen oder diabolischen Charakteren, die Cruise in seinen jüngsten Filmen zum Leben erweckt hat. Spielberg erinnert sich: "Als wir mit dem Projekt angefangen haben, sagte ich zu Tom: ‚Ich möchte gern einen Film mit dir machen, in dem dein Charakter nicht heroisch ist, sondern wegrennt.' Rays wichtigstes Ziel ist: 'Wie halte ich meine Familie zusammen? Wie beschütze ich meine Kinder?' Tom fand das gut. Er mochte es, dass es in dem einzigen Krieg, in dem er kämpft, um die Sicherheit seiner Kinder geht."
Die persönliche Geschichte im Herzen dieser epischen Odyssee hat einen sehr untypischen Helden. "Am Anfang des Films ist Ray ein vollkommen ungeeigneter Vater", erklärt Koepp. "Er hat nicht wirklich Interesse daran, ein Vater zu sein, hauptsächlich weil er denkt, er sei nicht gut darin. Und er ist es auch nicht. Er hat versagt. Seine Kinder mögen ihn nicht und sind auch nicht gern bei ihm."
"Ich bin ein ganz anderer Vater als Ray", sagt Cruise. "Er versteht seine Kinder nicht; er versteht nur sich selbst. Wenn etwas schief geht, verlässt er sich auf sie. Er ist ein größeres Kind als sie es sind."
"Ray hat sich nicht damit abfinden können, Vater zu sein", sagt Kennedy. "Er wollte nicht erwachsen werden. Das ist die Reise, auf die er sich begibt – er muss verstehen lernen, dass am Leben seiner Kinder teilzuhaben, das Wichtigste ist, was ihm passieren kann."
Im Mittelpunkt der Geschichte, umgeben von Tod und Zerstörung, steht die emotionale Reise, auf die sich Ray und seine Kinder begeben. "Das ist genau der Aspekt, in dem sich dieser Film von anderen Filmen des Genres abhebt", sagt Kennedy, "weil er sehr von den Charakteren bestimmt wird. Er konzentriert sich ganz eindeutig auf die Dynamik innerhalb dieser Familie und die Dynamik des Überlebens."
Zu Beginn der Geschichte existiert eine schmerzvolle Distanz zwischen dem Vater und seinen Kindern. Rachel (Dakota Fanning) und Robbie (Justin Chatwin) schleppen sich unwillig und mit wenig Enthusiasmus zum Haus ihres Vaters. Aber die Schwierigkeiten, die Ray mit einem mürrischen Teenager und einer schweigsamen Tochter hat, sind nichts gegen das, was noch kommen soll.
Kurz nachdem seine Ex-Frau und ihr neuer Ehemann weggefahren sind, wird Ray mit dem ultimativen Test der Vaterschaft konfrontiert, den Spielberg so beschreibt: "Seine Liebenden zu beschützen und notfalls zu fliehen, damit sie mit dem Leben davonkommen".
Nachdem der Angriff der Tripods begonnen hat, ist Überleben die einzig denkbare Handlungsmöglichkeit. "Wir können noch so intelligent sein, wenn es darum geht, einen Feind zu stoppen", bemerkt Senior Visual Effects Supervisor Dennis Muren. "Wir können noch so überzeugend sein. Und wir können unser ganzes Waffenarsenal gegen sie einsetzen, aber aufhalten können wir sie nicht. Es ist der größte Alptraum, den man haben kann. Man kann sich vorstellen, dass dies jedem in Amerika passieren könnte."
Als die Welt buchstäblich um sie herum zusammenbricht, verstärken sich die Spannungen innerhalb der Familie exponential. Innerhalb von Minuten hat sich die Welt verändert, und Ray Ferrier muss zu dem Vater werden, der er bislang nicht sein konnte – oder seine Kinder werden sterben. "Dieser Film stellt die schlimmstmögliche Situation für Eltern dar", sagt Cruise. " Wenn sie überleben wollen, muss Ray eine ganz andere Art von Vater werden, als er es bislang gewesen ist."
Rays Tochter Rachel wird von dem elfjährigen Schauspielphänomen Dakota Fanning dargestellt. Die junge Darstellerin spielte eine Hauptrolle in Steven Spielbergs preisgekrönter Miniserie "Taken" und dem DreamWorks Film “Ein Kater macht Theater”.
"Dakota Fanning kam mir in der Sekunde in den Sinn, in der ich mich entschloss, 'Krieg der Welten' zu machen", sagt Spielberg. "Ich kenne niemanden in ihrem Alter, der besser ist als sie und intuitiver, wenn es um Menschenkenntnis geht. Sie ist eine sehr weise, alte Seele – so als wäre sie schon sieben oder acht Mal auf der Welt gewesen." Diese angeborene Weisheit kam für eine Schauspielerin, die die Tochter eines bislang unfähigen Vaters spielt, wie gerufen. Der Regisseur erklärt: "In gewissen Situationen ist ihr Charakter ein bisschen klüger als ihr eigener Vater, was eine sehr interessante Dynamik schafft."
Fanning, die bislang neben Größen wie Robert De Niro und Denzel Washington vor der Kamera stand, ist eine beachtliche Schauspielerin. “Bei der ersten Szene, in der ich sie vor der Kamera sah, dachte ich: ‚Mann, dieses Mädchen ist 35 Jahre alt.'“, erinnert sich Tim Robbins. „Sie war so konzentriert und emotional so da – und das ganz plötzlich. Für ein Kind hat sie eine ungewöhnliche Reife."
Für Fanning war die Zusammenarbeit mit Spielberg und Cruise ein Traumjob. "Mit Steven Spielberg und Tom Cruise an demselben Film zu arbeiten, hat mir so viel gebracht“, fügt Dakota Fanning hinzu. "Ich bin so dankbar für die Möglichkeit, mit Steven zu arbeiten, und Tom machte alles zu einem Vergnügen. Er ist so nett und machte alles zu etwas Besonderem."
Für die Rolle von Rachels Bruder Robbie besetzte Spielberg den Newcomer Justin Chatwin. “Ich habe lange nach jemandem für die Rolle von Toms Sohn gesucht", sagt der Regisseur.
“Wir haben Justin in ‘Chumscrubber’ gesehen”, erinnert sich die Produzentin Kathleen Kennedy. “Er hat mit diesem Film ein phänomenales Debüt hingelegt. Außerdem steht er in der zerstrittenen Beziehung, die Robbie mit seinem Vater hat, mit dem glaubhaften Verhalten eines 17-Jährigen durchaus seinen Mann."
Robbie ist in dem unmöglichen Alter, in dem junge Menschen sowohl nach Akzeptanz als auch nach Unabhängigkeit streben, und das hat die Kluft zwischen ihm und seinem Vater noch größer werden lassen. "Mit Justin haben wir sowohl die typische als auch die untypische Wahl für eine Rolle dieser Art getroffen, weil ich der Meinung war, dass er einen guten Rebellen spielen kann", sagt Spielberg. "Er spricht für eine ganze Generation von Kindern, die mit nichts übereinstimmen können, was ihre Eltern sagen oder anziehen." Robbie zeigt seine Missachtung für seinen Vater ganz offen, mit seiner rotweißen Red-Sox-Kappe, die in starkem Kontrast zum Yankee-Blau seines Vaters steht.
Während es auf der Leinwand ausreichend Reibereien zwischen Filmvater und Sohn gab, war Cruise abseits der Kameras ein solider Ruhepol für den jungen Schauspieler. "Tom war immer für mich da", sagt Justin Chatwin. "Es ist großartig mit einem so großen Star zu arbeiten, der für dich als Schauspieler immer da ist."
Die Beziehung zwischen Bruder und Schwester kompensiert das, was in der Beziehung zu ihrem Vater fehlt, ihr zerrüttetes Elternhaus und das neue Leben ihrer Mutter. "Es ist eine moderne Geschichte über eine auseinander gerissene Familie", erklärt Justin Chatwin. “Vater und Sohn können nicht miteinander kommunizieren. Vater und Tochter können nicht miteinander kommunizieren. Und Bruder und Schwester leben in einer Welt, in der sie nur einander haben."