Mit hunderten von Statisten, Crewmitgliedern, Lastwagen und technischer Ausrüstung bereitete sich das Produktionsteam auf eine der größten Sequenzen des Films vor – den Moment, in dem Ray zum ersten Mal einem der Tripods gegenübersteht.
Bevor die erste Klappe fiel, hatte sich Spielberg mit der Kreuzung in Newark und mehreren anderen Schlüsseldrehorten vertraut gemacht. Dank eines Prozesses namens Pre-Visualisation (oder ‚Pre-Viz’), bei dem traditionelle Storyboards in digitale 3D-Sequenzen umgewandelt werden, die nicht nur zeigen, wie die Szene aussehen wird, sondern auch jeden Aspekt des Drehorts wiedergeben, so wie Bauten, Schauspieler, Kameras und Crew, hatte er schon seit Beginn der Vorproduktion mit ihnen gearbeitet.
Obwohl er schon zuvor Computer benutzt hatte, um Sequenzen in der Vorproduktion zu visualisieren, sagt Spielberg: „Dies ist der erste Film, bei dem ich Computer wirklich dazu genutzt habe, alle Storyboards zu animieren.“ Er hatte zuvor seinen guten Freund George Lucas besucht, der ihm zeigte, wie der ihm Prozess bei der Planung geholfen hatte. „Ich habe mir all die Experten geholt, die mit ILM bei [Star Wars] Episode I, II und III für George gearbeitet haben. Nachdem er abgedreht hatte, habe ich die meisten von ihnen einfach mitgenommen“, sagt Spielberg.
„Es ist wirklich ein fantastisches Kommunikationsmittel“, sagt Produzentin Kathleen Kennedy. „Wir gingen im August los und suchten all die Drehorte. Dann scannten wir alles in den Computer ein und bauten unsere Szenen um die existierenden Drehorte herum. Steven lebte buchstäblich im selben Büro mit den Leuten, die dies alles auf dem Computer erschaffen haben. Es ist eine sehr präzise Darstellung von dem, was er nachher gedreht hat.“
Previsualization Supervisor Dan Gregoire war einer der Leiter des Animatics-Teams der letzten zwei „Star Wars“-Filme. „Es beginnt als ein einfacher Textabsatz“, erklärt Gregoire. „’Ein Tripod steigt aus dem Boden von Newark, New Jersey, auf.’ Steven hatte alles schon in seinem Kopf ausgearbeitet, aber es ist nicht leicht, dies jedem zu erklären – dem Kameramann, dem Beleuchter, den Technikern. Wir kamen hinzu und bauten die Kreuzung in 3D. Wir haben den Tripod gebaut; wir haben den Boden aufgebrochen; wir haben alles in die Luft gejagt. Wir haben die Sequenz von Grund auf entwickelt, so dass wir dem Film am Drehort in Newark abspielen konnten um jedem zu zeigen, wovon Steven redete.“
Durch den Pre-Viz-Prozeß konnten die Schauspieler das sehen, was noch nicht da war. „Während des Drehs habe ich die Schauspieler an den Computer geholt, um ihnen die ganze Sequenz vorzuführen“, erzählt Spielberg. „Sie kannten daher die Größe dieser gigantischen Tripods, mit denen sie es zu tun hatten und wussten genau, wo sie in Relation zu ihnen stehen würden.“
„Wenn wir irgendetwas mit einem Außerirdischen machen, der nicht wirklich da ist, zeigt uns Steven das immer“, sagt Dakota Fanning. „Er zeigte uns, wie es aussehen würde und ganz genau, wo es später sein würde. Den Pre-Viz zum Anschauen zu haben, war echt toll.”
“Ich wünschte mir, ich hätte das schon bei ‘Unheimliche Begegnung’ gehabt, weil die Schauspieler sich damals vollständig auf ihre Fantasie verlassen mussten“, sagt der Regisseur. „Während der Dreharbeiten hatte ich von einigen der UFOs noch keine genaue Vorstellung. Ich musste sagen: ‚Nun ja, es ist diese Kuchenschüssel da oben und sie ist riesengroß.“ Bei diesem Film haben alle Schauspieler eine visuelle Referenz. Sie können ungefähr sehen, wie alles nachher im fertigen Film aussehen wird. Und das finden alle ziemlich aufregend.“
Nachdem er sich wochenlang mit dem 3D-Modell der Kreuzung beschäftigt hatte, an der die Dreharbeiten beginnen würden, flog der Regisseur schließlich nach New Jersey, um am wirklichen Drehort zu stehen. „Er kam zu der echten Kreuzung raus und sah sie sich an, um herauszufinden, wie er die Szene nun wirklich drehen würde“, erinnert sich Rick Carter. „Ich sagte zu ihm: ‚Und – was gefällt dir besser? Die digitale Kreuzung oder die wirkliche Kreuzung’ Und erst sagte er ‚Digital’, hat sich dann aber korrigiert und ‚Die Wirkliche’ gesagt. ‚Nein, ich mag sie beide gleich.’ Er war hin und her gerissen zwischen den beiden.“
Trotz strömenden Regens, hunderten von Schaulustigen und einer Horde von Paparazzi, verlief die erste Drehwoche reibungslos. „Wir haben die Szene an der Kreuzung in sechs Tagen abgedreht, aber es kam mir nie übereilt oder unvorbereitet vor“, sagt Cruise. „Wir haben uns konzentriert – wussten jeden Tag genau, was wir zu tun hatten. Durch die Vorvisualisierung war uns klar, was kommen würde.“
Realismus war die oberste Priorität – von den Drehorten und Bauten bis hin zu den Kostümen und Requisiten. Die wirkliche Welt beginnt im Film als ungeschminkte Version unserer täglichen Realität, als der Film aber die Wende zu einer groß angelegten Invasion der Außerirdischen nimmt, beginnt sich dies zu ändern.
Kostümdesignerin Joanna Johnston fertigte 60 verschiedene Versionen von Rays Lederjacke an, um zu zeigen, wie sehr ihn die Reise von Anfang bis Ende mitnimmt. „Er beginnt mit der Jacke, einem Kapuzenshirt und zwei T-Shirts“, erklärt Johnston. „Dann streift er sie langsam ab, bis er nachher nur noch in Jeans und T-Shirt dasteht. Für mich, ist das so, als wenn sich langsam ein altmodischer Heldentyp herauskristallisiert.“
Rachel, gespielt von Dakota Fanning, muss auch einen Wandel durchmachen, als ihre rosa Jungmädchen-Kleidung schmutziger wird und verwittert. Ein Teil ihres Kostüms, dem eine besondere Bedeutung zuteil wird, ist ihre lila Pferde-Handtasche. „Ich wollte, dass sie etwas hat, was ihr Sicherheit gibt; ein kleiner Gegenstand, mit dem sie einschlafen und den sie sich vors Gesicht halten kann“, sagt Johnston. „Das war die lila Pferde-Handtasche. Wir haben sie mit einem Faden verknüpft, so dass Dakota sie am Körper tragen und immer dabei haben konnte.“
Robbie wurde von Johnston so angezogen, als würde er unbewusst seinen Vater nachahmen. „Sie sind sich ähnlicher, als ihnen wirklich bewusst ist, haben aber oberflächlich einen starken Kontrast“, erklärt sie. „Beide tragen Kapuzenshirts, Jeans und Baseballkappen – aber die Kappen sind von verschiedenen Teams.“
Johnston hatte die Möglichkeit, mit Anne Robinson, die in der Adaption von 1953 die Heldin spielte und in Spielbergs Film einen Gastauftritt hat, Erfahrungen auszutauschen. „Sie sah, wie wir tausende von Kostümen zusammenstellten und erzählte mir, dass sie und ein Assistent damals zwei Anzüge im May Co. Kaufhaus besorgt haben – das waren ihre Kostüme für den gesamten Film“.
Produktionsdesigner Carter bemerkt, dass Spielberg den Angriff der Außerirdischen ähnlich inszenierte, wie die Kampfszenen in seinem Zweiter-Weltkrieg Epos. „Als Steven die Szene an der Kreuzung drehte, war es so, als würde er in der Normandie stehen.“
Spielberg nutzte das Talent seines „Der Soldat James Ryan“-Kameramanns Janusz Kaminski, um diesen Look zu bekommen. Der Oscarpreisträger hat mit Spielberg an dessen letzten neun Filmen zusammengearbeitet. Um das Spektakel sowohl furchterregend als auch realistisch wirken zu lassen, setzte er für diese Szene oft die Handkamera ein.
Spielberg wollte das Publikum mitten in die Ereignisse des Films transportieren. „Janusz wusste, dass ich auf einen realistischen Look aus war – nicht die Vogelperspektive, sondern die eines Mannes oder Kindes“, sagt Spielberg. „Er hat alles sehr natürlich mit naturalistischer Beleuchtung gefilmt.“
„Dies ist mein dritter Film mit Janusz und seiner Crew [nach “Jerry Maguire – Spiel des Lebens” und “Minority Report”]. Steven hat schon neun mit ihm gemacht”, sagt Tom Cruise. „Janusz ist ein echtes Original und ein wahrer Künstler. Steven wollte den Film intuitiv und realistisch aussehen lassen, aber es musste natürlich auch mit den Effekten zusammenpassen. Janusz konnte beides realisieren.”
“Meine Arbeit an diesem Film ist ganz anders als das, was ich sonst für Steven gemacht habe”, sagt Kaminski. “Ich glaube, dass der Film visuell sehr poetisch und sehr raffiniert geworden ist. Er hat eine wirklich wunderschöne Farbpalette, die leicht bläulich beginnt und dann graduell immer farbiger wird. Er ist stilisiert, aber stilisiert innerhalb der Rahmenbedingungen des Realistischen. Die Ausleuchtung des Films ist sehr, sehr interessant.”
Von den Lichtern am Himmel bis hin zu den kriechenden Schatten im Keller und den handgehaltenen Taschenlampen und Laternen der Flüchtlinge, versuchten Regisseur und Kameramann, die Schauspieler, Statisten und Spezialeffekte (wie Rauch und Feuer) möglichst geschickt mit den Hintergründen zu verbinden, um so das Fantastische so realistisch wie möglich aussehen zu lassen.
In einer solchen Szene fahren Ray und seine Familie in ihrem Minivan, als sie plötzlich auf eine zunehmende Zahl von Flüchtlingen treffen, die dann zu einer Menschenmenge anwachsen. “Janusz und Steven wollten viele interaktive Lichter für diese Szene haben, also gaben wir den Statisten verschiedene Lichtquellen – Coleman Laternen, Öllaternen, normale Taschenlampen, große Taschenlampen und Taschenlampen mit fast leeren Batterien“, erinnert sich Property Master Doug Harlocker. “Dies hat viel für die visuelle Struktur der Szene getan und eine fieberhafte, chaotische und angsteinflößende Stimmung im Auto geschaffen.“
Kaminskis Aufgabe war es auch, eine visuelle Übereinstimmung zwischen den Drehorten an der Ostküste, den Studiohallen und, in einem Fall, drei verschiedenen Umgebungen – Ostküste, Westküste und Studiohalle – zu schaffen. „Es gibt diese sehr interessante Szene, die wir in Virginia begonnen haben. Unsere Helden laufen die Strasse entlang und auf einen Hügel zu, während außerdem noch Truppen ankommen“, beschreibt Kaminski. „Wir sehen Abertausende von Statisten in die Richtung dieses großen Hügels gehen. Wir haben mit dieser Szene am Abend in Virginia angefangen und dann in einer Studiohalle weitergemacht. Danach sind wir an einen Drehort in Südkalifornien gegangen und haben dieselbe Szene weitergedreht. Wir hatten hier also drei verschiedene Wetterbedingungen, drei verschiedene Umgebungen und drei verschiedene Lichtverhältnisse.“ Ein glücklicher Zufall sorgte für einen besonders regnerischen Winter in Kalifornien, was den Hügeln des Staates einen grünen Farbton verlieh, der Kaminskis Arbeit weitaus einfacher machte.
Carter unterstreicht Spielbergs Fähigkeit, Realität und Fantasie nahtlos zu kombinieren. „Er gibt dir nie die Möglichkeit, herauszufinden, wie er etwas gemacht hat – zumindest nicht auf den ersten Blick“, sagt er. „Von Anfang an verwischt er alle Grenzen – nicht aus technischer Effekthascherei, sondern weil er in seinem Kopf alles schon so sieht.“