Die Vorvisualisierung diente nicht nur dazu, dass der Regisseur seine Kameraeinstellungen vor dem Dreh bestimmen konnte – sie spielte auch eine große Rolle in der Entwicklung der Außerirdischen. „Wir haben das Aussehen der Tripods, der Außerirdischen und der Welt in der sie leben nach dem Einfingersystem ermittelt – erst gesucht und dann ausprobiert“, erklärt Spielberg. „Es war mir wirklich wichtig, diese Aspekte zu erforschen – nicht zweidimensional, wie ich es seit 30 Jahren tue, sondern dreidimensional und in Farbe.“
Spielberg arbeitete mit einer Gruppe von unterschiedlichen Künstlern daran, jeden Aspekt der Außerirdischen zu ermitteln: von ihrem Aussehen bis hin zu dem Umfeld, dass sie sich schaffen. Die Gruppe wurde angeführt von Rick Carter, Dennis Muren, dem konzeptuellen Designteam des Iceblink-Gründers Doug Chiang, Ryan Church von ILM und Dan Gregoire und seinem Vorvisualisierungsteam. “Ich hatte für das Design der Tripods eine unglaubliche Gruppe von Künstlern zur Verfügung”, sagt Spielberg. „Alle arbeiteten kollaborativ zusammen und schmissen sich gegenseitig Ideen zu. Wir müssen 20 bis 30 Designs für die Außerirdischen gehabt haben – vom Unaufdringlichen bis hin zum Lächerlichen. Es war ein sehr interessanter Arbeitsprozess – manchmal fast so, als würde man die Aspekte, die ich mochte, vorsichtig miteinander vermischen.“
Dazu Muren: „Mit dem Design für die Tripods zu beginnen, war berauschend. Wir haben so viele Künstler wie möglich dazu gebracht, ihre Ideen einzubringen. Dann haben wir den Prozess so wenig und gleichzeitig so stark beeinflusst, wie möglich. Er sollte frei genug sein, so dass Steven ein möglichst breites Spektrum an Ideen sehen konnte, aber trotzdem mit dem übereinstimmen, was für die Story und den jetzigen Zeitpunkt in der Filmgeschichte notwendig war.“
Muren weist darauf hin, dass Spielberg sehr genau weiß, was er will; man muss ihm nur die richtigen Elemente vorlegen. „Du machst eine Collage aus verschiedenen Dingen und bringst sie zu ihm“, sagt er. „Er wird etwas von A, etwas von B und etwas von C raussuchen – und wenn du sie zusammenbringst, denkst du: ‚Wow. Das sieht aus als hätten sie schon immer zusammengehört’. Mit Steven zu arbeiten ist sehr einfach, weil er so klar weiß, was er will. Der Entscheidungsprozess könnte nicht besser sein.“
Die Tripods, die in H.G. Wells Roman so eindringlich beschrieben sind, sollten laut Spielberg, wie bei Wells vor mehr als einem Jahrhundert, vor allem Angst machen. „Ich wollte, dass die Tripods wirklich furchteinflößend sind, weil sie die Außerirdischen repräsentieren sollen“, sagt er. „Ich wollte, dass das Publikum vor dem Äußeren dieser Dinger Angst hat.“
Konzeptdesigner Doug Chiang war sehr von der Idee der Tripods als „Metaphern des Schreckens“ inspiriert. „Für jeden ist das etwas anderes”, erklärt Chiang. “In gewisser Weise haben wir die Tripods aus dem heraus erschaffen, was mir Angst macht oder Rick [Carter] Angst macht. Es mag nicht jedem Angst machen, aber ich denke, wir haben versucht, eine Essenz zu finden.“
„Ich glaube, dass die Tripods den Leuten Angst machen werden“, fährt Chiang fort. „Nicht nur ihre Form, sondern auch wie sie fotografiert werden – gerade das, was man nicht sieht, ist immer am schrecklichsten.“
Nachdem sie erdacht wurden, war es an Animation Supervisor Randy M. Dutra und seinem Team bei ILM, den Tripods Leben einzuhauchen. Dutra, der mit Spielberg an den ersten zwei „Jurassic Park“-Filmen gearbeitet hat, versuchte ihnen eine Bewegung zu verleihen, die in unserer natürlichen Welt glaubhaft wirkt, uns aber dennoch fremdartig vorkommt. „Steven hat von Anfang an verstanden, wie wichtig es ist, Bezüge zu organischen Aspekten zu haben“, sagt Dutra. „Ich habe einen gesunden Respekt vor der Natur. Und ich weiß, dass es Steven genauso geht. Wenn ich mit den anderen Zeichnern arbeite, wissen sie, dass ich mich sehr für die Natur interessiere und ständig nach Querverbindungen suche. Selbst wenn wir nachher so weit vom Ursprungspunkt abgehen, dass man ihn nicht mehr erkennen kann, hat man so immer noch einen Keim von Wahrheit, egal, was wir damit gemacht haben. Ich glaube es sind gerade diese kleinen Persönlichkeitsdetails und Informations-schnipsel, die einem Charakter Glaubwürdigkeit und Einzigartigkeit verleihen.“
Dutra musste außerdem entdecken, dass das Experimentieren mit den Tripods sein Team in neue und aufregende Richtungen führte. „Das alte Sprichwort ‚Manchmal musst du deine Lieblinge töten’ bedeutet, dass du nichts benutzen kannst, wovon du schon weißt, dass es funktioniert. Du musst in eine andere Richtung gehen und etwas Neues mit einbringen“, sagt er.
Muren bemerkt, dass die sich bewegenden Tripods „Staunen und Gefahr und Demut“ auslösen sollen. „So als gäbe es nichts, was du tun könntest. Sie sind da und sie sitzen am längeren Hebel. Wenn das im Film so rüberkommt, ist das toll. Aber alles andere hängt wirklich davon ab, wie Tom und die anderen Schauspieler auf sie reagieren. Schließlich ist dies die Geschichte eines Mannes und seiner Beziehung zu seinen Kindern. Davon handelt der Film.“