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  • Coco, der neugierige Affe

    Abenteuer, Zeichentrick | USA 2006
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      • | Vor der Produktion

      • Hans Augusto Reyersbach wurde am 6. September 1898 in Hamburg geboren. Bereits in jungen Jahren interessierte er sich für Tiere und für das Zeichnen.

        Margarete Elizabeth Waldstein wurde am 16. Mai 1906 ebenfalls in Hamburg geboren. Auch sie war kunstinteressiert und studierte schließlich am berühmten Bauhaus Institut. Die beiden begegneten sich kurz, als Hans das Haus ihres Vaters besuchte und er das junge Mädchen auf dem Treppengeländer herunterrutschen sah.

        Nach seinem Dienst im 1. Weltkrieg verdiente Hans sein Geld zunächst mit Illustrationen für den örtlichen Zirkus, bevor er nach Brasilien auswanderte. Dort reiste er auf dem Amazonas und war fasziniert von den Affen, die an den herabhängenden Ästen des Dschungels umherschwangen. Während er in Rio de Janeiro im Familienbetrieb arbeitete und Badewannen verkaufte, fand er heraus, dass Margarete auf der Flucht vor den Nazis ebenfalls nach Brasilien ausgewandert war, und die beiden heirateten schließlich am 16 August 1935.

        In Südamerika verkürzte das Paar seine Namen zu H.A. und Margret Rey, um ihren Landsleuten die Aussprache ihrer Namen zu erleichtern. Beide liebten Tiere und sie teilten ihr Haus für kurze Zeit sogar mit zwei zahmen Marmosetten-Äffchen.

        Auf ihrer Hochzeitsreise durch Europa verliebten sich die frisch Verheirateten in Paris und beschlossen, für unbestimmte Zeit dort zu bleiben. Sie wohnten in einem Hotel am Montmartre, wo H.A. als Zeichner für eine Zeitung arbeitete. Als ein Verleger H.A.s Zeichnungen sah, bat er ihn, weiter daran zu arbeiten – was in Reys erstem Buch resultierte: „Cecily G. und die 9 Äffchen” erschien 1939. H.A. hatte die ursprünglichen Ideen und fertigte die Illustrationen an, während Margret die Handlung erdachte und das Schreiben übernahm. Einer der interessantesten Charaktere des Buches war ein unersättlich neugieriger Affe namens Fifi, der sich stets in unglückliche Situationen manövrierte. Die Reys gewannen die Figur lieb und beschlossen, Fifi als nächstes ein ganzes Buch zu widmen.

        Die Literaturhistorikerin und Autorin Louise Borden, die sich der Erforschung der Figur des neugierigen Coco verschrieben hat, schrieb in ihrem Buch „The Journey to Curious George”: „Manche Menschen, die den Reys nahe standen, behaupten, dass Margret ein bisschen wie Coco war – in ihrem Verhalten, in ihrer Art, das Leben zu genießen. Der Verwalter des Rey Anwesens hat mir erzählt, dass Margret sogar manchmal für Hans Modell stand, wenn dieser an seinen Illustrationen arbeitete. Sie steckte ihren Finger in den Mund oder hielt ihren Kopf auf bestimmte Art. Sie war ein bisschen stämmig und klein, und so wurde sie gelegentlich zu Coco.”

        Hans holte sich seine Ideen auch von anderen Charakteren, die ihn im wahren Leben umgaben. Der Mann mit dem gelben Hut, so Borden „war leicht angelehnt an einen zerstreuten Professor, mit dem die Reys befreundet waren – ein Mann, mit dem Hans in Deutschland zur Schule gegangen war.”
        Als die Nazis im Blitzkrieg von 1940 auf Paris vorrückten, beschloss das in Deutschland geborene jüdische Paar, nach Amerika auszuwandern, wo Mar-grets Schwester lebte. Hans bastelte aus Einzelteilen zwei Fahrräder für ihre Flucht zusammen, und sie flüchteten nur Stunden vor dem Einmarsch der Nazis in die Stadt. Mit nur etwas Kleidung, einem Brot, Käse und fünf Manuskripten – darunter ihr neustes Buch „Fifis Abenteuer” – im Gepäck, radelten sie vier Tage lang und schliefen hier und da in Ställen auf dem Land. Als sie die spanische Grenze erreichten, verkauften sie ihre Fahrräder gegen Zugtickets nach Lissabon. Im Zug wurden sie festgenommen, nachdem ein Offizier ihre deutschen Akzente herausgehört hatte und sie für Spione hielt. Man durchsuchte Hans’ Tasche, und als man „Fifis Abenteuer” fand, begriffen die Offiziere, dass die beiden Kinderbuchautoren waren und gab ihnen ihre Pässe und Visa zurück und ließen sie weiterreisen.

        Von Lissabon aus gelangten die zwei zurück nach Rio de Janeiro, bevor sie 1940 in New York ankamen. Dort musste sich Fifi einer Namensänderung unterziehen, als das große Verlagshaus Houghton Mifflin den Reys – was in dieser Zeit eher selten vorkam – einen Vertrag für vier illustrierte Kinderbücher aus H.A.s Hand anbot. Und bereits 1941 stellte der Herausgeber der ahnungslosen Welt den frechen Affen namens Coco vor.

        H.A. und Margret brachten in den folgenden Jahren sieben Bücher über den neugierigen Coco heraus. An jedem arbeiteten sie ein ganzes Jahr, bis es perfekt war in Optik und Inhalt. Viele eigene Interessen und Erfahrungen der Reys hielten Einzug in die Bücher über Coco.

        Da beide solche Tierliebhaber waren, galt ihr erster Ausflug bei einem Besuch in einer fremden Stadt zunächst dem örtlichen Zoo. Hans rauchte Pfeife, genau wie der Mann mit dem gelben Hut. Genau wie Coco in ihren Büchern lebten sie unter Palmen in Brasilien, fuhren auf Fahrrädern aus Paris fort und verließen Europa auf einem Ozeankreuzer.

        Im Kern einer jeden Geschichte lag stets die gleiche Prämisse, auf die sich der Leser verlassen konnte: Der Mann mit dem gelben Hut würde Coco allein im Haus zurücklassen und ihn vorher warnen, vorsichtig zu sein. Doch weil Coco nun mal nicht anders kann, musste er einfach Ärger verursachen – angestiftet durch die eigene Neugier. Was unweigerlich folgte, waren wilde Abenteuer.

        Vielleicht liegt ein Grund für seine anhaltende Popularität darin, dass Coco in uns allen den Wunsch weckt, ein bisschen die Regeln zu brechen, um unsere Neugier zu befriedigen. Wie Margret Rey einst anmerkte: „Coco kann tun, was Kinder nicht tun können. Er kann ein Zimmer bunt anmalen. Er kann von einem Drachen am Himmel herabhängen. Er kann die Tiere auf einer Farm freilassen. Er kann all diese frechen Sachen machen, die Kinder auch gern tun würden.”

        Zum Beispiel soll das Äffchen in „Coco fährt Rad” Zeitungen austragen, doch stattdessen macht er Boote aus all den Zeitungen, fährt sein Fahrrad zu Schrott und sorgt für ein wildes Durcheinander im Zirkus, als ein Strauß sein Signalhorn verschluckt. Letztendlich endet er jedoch als Held, nachdem er ein entlaufendes Bärenjunges rettet. In „Coco kommt ins Krankenhaus” verursacht er Verwüstung, als der Bürgermeister zu Besuch kommt, aber es gelingt ihm, ein kleines Mädchen aufzumuntern, das große Angst davor hat, im Krankenhaus zu bleiben. Nachdem das Buch herausgekommen war, erhielten die Reys hunderte von Briefen dankbarer Eltern, die ihnen berichteten, wie hilfreich das Buch gewesen war.

        1989 gründete Margret die Curious George Foundation, eine Stiftung, die Programme für Kinder finanziell unterstützt, die Cocos Neugier für Lernen, Erkunden, Scharfsinn und Entschlossenheit teilen. Große Beachtung schenkt die Stiftung dabei vor allem Projekten, die dem Schutz von Tieren dienen, die helfen, Grausamkeit gegen Tiere zu bekämpfen, und die familiäre Werte und Bindungen hochhalten. Obwohl H.A. 1977 starb und Margret ihm 1996 folgte, erlebten sie beide, wie ihr kleiner Affe eine der beliebtesten Figuren in der Kinderliteratur überhaupt wurde.

        Ein Affe ohne Schwanz

        Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der neugierige Coco, obwohl stets als Äffchen bezeichnet, in Wahrheit ein Schimpanse ist. In der Zeit, als die Reys ihre Bücher schrieben, nannte man Schimpansen Affen, obwohl sie eindeutig über keinen Schwanz verfügen. Und obwohl man heute darauf achtet, diese Unterscheidung zu machen, werden wir ihn im Hinblick auf die Nostalgie und die klassische Bedeutung von Coco und seiner Erschaffer hier trotzdem weiterhin als Äffchen bezeichnen.

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