Mittwoch | 30. Mai 2012 | 20:36 Uhr
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    Drama, Komödie | USA 2005
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      • | Statement des Regisseurs

      • Eigentlich wollte ich hier mit einem richtig tollen Eröffnungsstatement glänzen, das all meine Gefühle über den Film und die Dreharbeiten beschreibt. Vielleicht hat mich das alles ein wenig übermannt, aber mir fiel einfach nichts tiefgründiges ein – besonders nicht, nachdem ich Buckleys Teil über Nick Naylor und die Idee zum Buch gelesen hatte. Ganz ehrlich, wie soll ich da bloß anschließen können! Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, hier fünf Momente während der Dreharbeiten zu präsentieren, die ich wohl nie wieder vergessen werde.

        1. Der Moment, als ich das Buch entdeckte

        Ich stand bei einem Freund im Wohnzimmer. Das Buch war ein Geschenk einer 1,80 m großem Frau mit einem Studienabschluss der Yale University. Ich schlug das Buch auf und las den ersten Satz:

        Seit dem Beginn seiner Karriere als Sprecher der Academy of Tobacco Studies ließ Nick Naylor bereits verschiedene Beschimpfungen und Spitznamen über sich ergehen, aber mit dem Teufel hatte ihn zuvor noch niemand verglichen.“

        Es heißt ja, wenn eine Frau ihren zukünftigen Ehemann zum ersten Mal sieht, kann sie sich sofort ihre gesamte gemeinsame Zukunft mit Kindern usw. vorstellen. Genauso ging es mir auch mit diesem ersten Satz. Ich sah Nick vor mir, wie er wie vor sich hin redet wie ein Wasserfall , wie er mitten in der Nacht einen Home-Run schlägt, wie er, eingewickelt in eine amerikanische Flagge, der gesamten Welt ein Feuerzeug unter die Nase hält. Es war Liebe auf den ersten Blick.

        2. Ein Anruf von ganz oben

        Nachdem ich wie ein Verrückter gebettelt hatte, um diesen Job zu bekommen, begann ich mit dem Schreiben. Ich schrieb den ersten Akt des Drehbuchs einfach einmal aufs gerade Wohl. Mel Gibson’s Icon Productions engagierte mich dann, um mich an THANK YOU FOR SMOKING zu versuchen. Sie bezahlten mich sogar nach Tarif, obwohl sie mir genauso gut auch nichts hätten zahlen können. Ich schickte ihnen also meine vorläufigen Texte und bekam keine Antwort. Nichts, nicht einmal Verbesserungsvorschläge. Das klingt jetzt vielleicht ganz gut, aber letztendlich bedeutet das, dass sie keine Ahnung hatten, was sie mit meinem Text anfangen sollten.

        Eines Tages klingelte dann mein Handy. Es war Mel Gibson. Er rief aus seinem Flugzeug an und erzählte mir, wie sehr er mein Drehbuch mochte. Dann hielt er einen 20 Minuten Vortrag über Digitales Filmemachen und sagte, wie sehr er sich schon darauf freuen würde, meinen Film zu drehen. Nach diesem Telefonat sprach ich nie wieder mit ihm.

        3. Ich treffe meinen weißen Ritter

        Bevor ich ihn traf, wusste ich nur zwei Dinge über David Sacks. Er überwachte den 1,5 Milliarden Dollar Verkauf seiner Firma Paypal an Ebay und ihm gefiel mein Drehbuch. Ich traf ihn in seinem Haus in Beverly Hills. Es war die Villa aus dem Film PULP FICTION („Pulp Fiction“, 1994), aber er hatte sie noch nicht eingerichtet und musste deshalb noch Möbel kaufen. Nur damit man das jetzt richtig versteht: Er hatte zwar noch kein Bett gekauft, aber wollte schon ein Drehbuch erwerben. Wir saßen also auf Klappstühlen an seinem riesigen Swimmingpool. So zur Mitte des Treffens begann er den losen Gummibezug seiner Schuhsole runterzureißen. Ich sagte ihm, er könne ja mit seinem neuerworbenen Vermögen die Straße runter gehen und sich ein paar neue Schuhe zulegen. Daraufhin schaute er mich an und antwortete: „Hey, what you see is what you get“.

        4. Mittagessen mit Sam

        Als wir die Hälfte unseres Castingprozess bereist hinter uns hatten, erhielt ich die Nachricht, dass Sam Elliott sich mit mir treffen wollte, um die Figur des Lorne Lutch zu besprechen. Zuvor hatte ich ihm einen Brief geschrieben, in dem ich ihm meine Bewunderung für ihn und seine Arbeit mitgeteilt hatte und zum Ausdruck gebracht hatte, wie gern ich ihn doch in dieser Rolle sehen würde. Kurzgesagt hieß es in dem Brief, dass ich mit dem Film nie zufrieden sein könnte, wenn ein anderer Schauspieler die ihm zugedachte Rolle übernehmen müsste.

        Ich traf ihn in Malibu während der schweren Regenfälle 2004. Mitten in der Nacht war das Dach seines Nachbarn eingestürzt und seitdem war er die ganze Zeit damit beschäftigt, es zu reparieren. Von all den Leuten, die ich je getroffen habe, war er einem noblen Cowboy am ähnlichsten und ich wusste: Er ist Shane.
        Wir diskutierten ganze drei Stunden, ob sein Charakter das Geld annehmen sollte oder nicht. Ich kam mir fast vor wie Nick Naylor, der versucht, ihn davon zu überzeugen, sich bestechen zu lassen. Nach einer Weile konnten wir uns dann darauf einigen, dass seine Figur das Geld annimmt, so wie es im Drehbuch geschrieben war. Allerdings nur unter einer Bedingung: Sam wollte, dass Lorne statt der Schrotflinte (wie es im Buch steht) ein Gewehr bei sich trug. Damit war ich einverstanden.

        Als wir dann mit den Dreharbeiten anfingen, hatte ich diesen Waffen-Tausch schon wieder total vergessen. Ich frühstückte gerade, als mich die Requisitenabteilung anrief. Ich sollte zu ihnen kommen und die passenden Waffe aussuchen. Sie hatten zwei Schrotflinten und ein Gewehr auf Lager. Gott sei Dank war Sam auch da. Er griff nach dem Gewehr:
        Ich fragte ihn: „Passt dir das so?“
        Er antwortete. „Sicher.“
        Ich fragte weiter: „Sollen sie dir zeigen, wie man damit umgeht?“

        Er schaute mich schief an und sagte: „Natürlich nicht. Das ist schließlich mein eigenes Gewehr.“

        5. Guerilla Filmemachen in der Hauptstadt

        Dank meiner Arbeit als Werbespot-Regisseur konnte ich schon überall auf der Welt drehen. Ich filmte in den Vororten von London, in den Hinterhöfen von Kapstadt und in einer stillgelegten Minenstadt im Hinterland von Mexiko mit nur einem Telefon. Aber all das war nichts im Vergleich zu Dreharbeiten in Washington nach dem 11. September.

        Einmal sah ich dieses Gebäude und dachte mir, das wäre genau richtig für die Außenaufnahmen der Academy of Tobacco Studies. Gegen den Willen meines Location Managers hielten wir also mit unserem Van direkt davor an, hüpften aus dem Wagen und begannen Fotos zu machen. Als wir gerade wieder fahren wollten, stürzten sich sechs Männer in Schutzwesten auf uns und begannen uns Fragen zu stellen. Ein Mann in einem khaki-farbenen Mantel nahm unseren Location Manager zur Seite und begann ihn aufs heftigste zu beschimpfen.

        Das Gebäude, vor dem wir standen, war das Energieministerium. Und die Leute dort sind wie mein Onkel Barry. Sie können es nicht leiden ohne Vorwarnung fotografiert zu werden. Letztendlich durften wir dann aber doch dort drehen. Das Energieministerium wurde also, dank CG Technik, die das große Schild am Eingang retuschierte, zur Tobacco Academy. Bei der Szene, in der Nick, nach seiner Rückkehr von Winston-Salem, das Gebäude betritt, sieht man eine junge Frau in einer blauen Jacke durchs Bild gehen. Tja, der Mann mit dem khaki-farbenen Mantel war nämlich der Sicherheitschef des Ministeriums und seine Tochter möchte gerne Schauspielerin werden.

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