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    Drama, Komödie | USA 2005
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      • | Über die Produktion - 4

      • Nach dem Kräfte raubenden und langatmigen Prozess, sich die Rechte für den Film zu sichern, gaben Sacks einen straffen Zeitplan - sechs Monate bis zum Beginn der Produktion - vor. THANK YOU FOR SMOKING konnte diesen Plan einhalten und begann im Januar 2005 mit den Dreharbeiten.

        Um dem Porträt der bizarren Politikwelt gerecht zu werden, reisten Reitman und Sacks, der selbst einmal als Berater für einen Abgeordneten gearbeitet hatte, zu Recherchezwecken nach Washington D.C. Dort trafen sich die beiden mit Abgeordneten, Lobbyisten und Staatsangestellten, besichtigten den Senat und seine Büros und Gerichtssäle, die später im Film eine wichtige Rolle spielten. Reitman nahm sogar Kontakt mit einigen Mitgliedern des Center for Disease Control auf und traf sich mit Jeffrey Wigand, dem von Russell Crowe gespielten Helden aus dem Film THE INSIDER („Insider“, 1999).

        Der in Washington D.C. und Südkalifornien gedrehte Film hatten einen sehr straffen Drehplan von insgesamt 35 Tagen zu erfüllen, der gerade mal eine Woche Drehzeit in Washington D.C. vorsah. Der in diesem Jahr sehr regnerische Winter in Los Angeles kam den Filmemachern zu gute, denn so konnten die nachgebauten Washington D.C. Sets so echt wie möglich wirken.

        Den Look von THANK YOU FOR SMOKING erschuf Reitman zusammen mit Kameramann James Whitaker, der bereits für THE COOLER („The Cooler - Alles auf Liebe“, 2003), ein Film den Reitman sehr bewundert, verantwortlich zeichnete. „Ich liebe die Art und Weise wie Jim in THE COOLER („The Cooler - Alles auf Liebe“, 2003) die Bilder einfing und bin ein großer Fan seiner Arbeit. Ich fragte William und Maria, was sie von ihm hielten. Beide fanden ihn hervorragend und das war mir sehr wichtig. Ich habe ja bereits viele Werbespots gemacht, aber dies hier war mein erster Spielfilm. Deshalb wollte ich jemanden, der dem Set Wärme einhauchen konnte.“

        „Jason und ich hatten eine sehr offene Zusammenarbeit. Wir hielten nichts voreinander geheim. Ein offener Ideenaustausch eben. Er ist ein wirklich interessanter Regisseur und hat ein gutes Gespür fürs Filmemachen,“ so Whitaker.

        Aaron Eckhart, der bereits mit großen Namen wie Neil LaBute, Steven Soderbergh und Ron Howard zusammengearbeitet hatte, brachte einen großen Erfahrungsschatz mit in die Produktion. Obwohl THANK YOU FOR SMOKING Reitmans erster Spielfilm war, hatte Eckhart großes Vertrauen in dessen Arbeit. „Jason stammt nicht nur aus einer großen Filmemacher-Familie, er hatte auch eine genaue Vorstellung davon, wie der Film auszusehen hatte und, was noch wichtiger ist, er hatte seinen ganz eigenen Zugang zu der Geschichte. Er weiß ganz genau, was er von den Charakteren erwartet, wie sie gespielt werden sollen und wie das Publikum sie aufnehmen soll,“ so Eckhart.

        „Jason weiß nicht nur sehr viel über Filme, er ist auch mit voller Leidenschaft bei der Sache. Vier Jahre lang hat er sich um nichts anderes gekümmert. Er ist ein wahrer Kenner und weiß alles über Linsen, Licht und Kameras. Er führt die Kamera selbst und weiß in jeder Einstellung ganz genau, was er macht. Er schießt dabei nie über das Ziel hinaus, sondern hat alles fest unter Kontrolle. Ich fühlte mich in seinen Händen sehr sicher.“

        Macy stimmt dem zu: „Es ist nicht so, als wäre er ein Neuling im Filmgeschäft. Er wuchs in diesem Geschäft auf und hat ein sehr selbstbewusstes Verhältnis zur Kamera.“

        Reitman hatte in der Tat eine klare Vorstellung davon, wie sein langersehntes Projekt aussehen sollte. Er schaffte es sogar, den Film ohne anscheinend notwendige Requisiten zu machen: „Obwohl das Wort ‚smoking’ im Titel vorkommt, handelt der Film eigentlich nicht von Zigaretten. Im gesamten Film sieht man weder eine angezündete Zigarette, noch irgendwen, der raucht. Es dreht sich viel mehr alles um die Hysterie, die um Zigaretten gemacht wird,“ so Reitman.

        In Form der Jalousien in Nicks Büro sind Zigaretten fast unmerklich zu sehen. Diese Nuance ist Setdesigner Steve Saklad zu verdanken, der trotz eines sehr schmalen Budgets unbegrenzte Kreativität in den Film einbrachte. In nur fünf Wochen musste er die 85 verschiedenen Locations des Films ausstatten. So war Rob Lowes Büro in der fiktiven Talentagentur E.G.O. anfänglich nur ein leerer Konferenzraum. „Wir fügten geriffelte Glastüren, eine minimalistische asiatische Einrichtung, eine Samurai Rüstung und Wandgemälde, die ein Freund von mir nach meinen Entwürfen auf mit Seide bespannte Platten malte, hinzu. Am besten gefiel mir das schimmernde Wasser vor den Fenstern, das der Szene ein wenig Los Angeles Fantasie hinzufügte,“ so Saklad. Um das schmale Budget zu schonen, lieh sich Saklad Möbel aus. Die weißen Stühle gehören Jason, die Skulptur im Büro gehört Ivan Reitman.

        Jeder Location schrieb er ein eigenes Farbspektrum zu. „Ich wollte einen Bogen spannen, zwischen den Nikotin abhängigen Figuren und den eher ‚grünen’ Gesundheitsfanatikern. Robert Duvalls Tobacco Club und die Büros der Academy of Tobacco Studies sind in Brauntönen getaucht, und Bill Macys Senator lebt in einer grünen und blauen Umgebung. Bei den Szenen in Los Angeles war das Farbspiel mit weiß und grün dann wirklich sehr intensiv.“

        Jede Location repräsentiert die Persönlichkeit ihrer jeweiligen Bewohner. „Lorne Lutch Bernsteins bernsteinfarbenes Wohnzimmer haben wir dem noblen Kolonialstil nachempfunden, es wirkt wie ein Raum aus den 70er Jahren. Wir räumten es komplett aus, versahen es mit knorrigem Kiefernholz und füllten es mit Zeitschriftencovern und Sauerstoffflaschen. Für Robert Duvalls Tobacco Club in Raleigh-Durham füllten wir die Lobby von Castle Green in Pasadena mit sämtlichen verfügbaren braunen Lounge-Ledersesseln und Couchs, die wir in ganz L.A. auftreiben konnten. Um dem ganzen noch etwas mehr Schärfe zu verleihen, fügten wir Portraits und Marokkanische Lampen wie aus einem Harem hinzu.“

        Meine absolute Lieblingsszene, was das Design betrifft, ist leider nur weniger als 30 Sekunden lang. Es ist die Szene, in der Nick die verschiedenen Arten, wie man unseren Planteten schaden kann, katalogisiert. Da gibt es den Holzfäller, der in einem Wald von Baumstümpfen steht, den Jäger, der in der Arktis Seehunde totschlägt und den mexikanischen Vorarbeiter einer ausbeuterischen Textfabrik mit seinen minderjährigen Näherinnen. Für jedes dieser Szenarios wollte Jason einen Postkarten ähnlichen Hintergrund. Wir bauten fünf Schuhschachteln, malten sie an und dekorierten sie mit schlechten Zuschnitten. Wir warfen sie dann in ein Küchenwaschbecken, filmten sie ab und drehten die Schauspielern vor einem Green Screen, um sie später in die Szenen einbauen zu können.“

        Saklad betont besonders, dass die Zusammenarbeit mit Reitman herausragend funktionierte: „Er ist wahnsinnig intelligent und kommt immer unglaublich gut vorbereitet ans Set. Er weiß ganz genau, was er will. Wenn man ihm aber eine andere, bessere Idee vorschlägt, geht er damit sehr großzügig um und arbeitet diese Idee gleich mit ins Konzept ein. So entstand zum Beispiel die Idee mit Senator Finistirres Ahornsirup-Flaschen Sammlung.“

        Reitman, der mit Saklad bereits bei vielen seiner Werbespots zusammengearbeitet hatte, wusste, dass Saklad das Drehbuch und den Film genauso verstehen würde, wie er selbst. „Er verstand auch sofort diese besondere Art von Humor. Nichts von dem war Slapstick, aber trotzdem ist alles wahnsinnig lustig.“

        Auch Kostümdesigner Danny Glicker hatte einen Hang, den Humor besonders in die Details zu legen. „Als ich ihn das erste Mal traf, zeigte er mir die Skizzen und Kostümentwürfe für die Charaktere. Er sagte: ‚Jeder in diesem Film trägt eine Krawatte und diese Krawatte ist der Spiegel zu seiner Seele.’ Ich fand die Idee grandios. Wenn man den Film sieht und die Krawatten genauer betrachtet, merkt man, dass jede einzelne von ihnen sorgsam ausgewählt wurde. Auf Finistirres Krawatten sind Stockenten und Ahornbäume zu sehen; Bobby Jays Krawatten haben große amerikanische Symbole wie Adler und Waffen aufgedruckt. Was das Kostümdesign betrifft gibt es wirklich unglaubliche Details.“

        Auch auf die Krawatten von Nick und dem Captain wurde großer Wert gelegt. „Mit Nicks Krawatten hatte ich sehr viel Spaß. Nie sollte sich ein Motiv wiederholen und trotzdem drückt Nick durch die Schlipse sein Selbstbild aus. In der Eröffnungsszene, in der Nick zu Gast bei Joan Lundens Talkshow ist, trägt er eine dunkelroten Schlips mit kleinen silbernen antiken Zigarettenschachteln. Das ist nicht nur großartig, sondern weißt auch auf einen anderen, glamouröseren Aspekt der Tabak-Kultur hin. Auch wenn Nick den Captain besucht, trägt er eine sehr spezielle Krawatte mit braunem Muster und kleinen Rauchringen, “ so Glicker.

        Glicker hatte eine ganz spezielle Vorstellung von Nick Naylors Look. „Nick musste aufgrund seiner Arbeit immer perfekt gekleidet sein. Er ist das Gesicht der Tabakindustrie und weiß als guter Lobbyist, wie er sich und seine Klienten ins rechte Licht setzen kann. Am wichtigsten ist es einen passenden Stil zu finden – nicht zu glatt, aber auch nicht zu lässig. Zu Beginn verbrachte ich sehr viel Zeit mit Aaron, um Nicks Garderobe, seine Anzüge und seine Freizeitkleidung, zusammenzustellen. Den Fokus legten wir dabei auf Farben, die die Tabakindustrie darstellen sollten. Das sind besonders warme Farben, Brauntöne und Burgundrot. Nicks Hemden hielt ich klassisch in einem hellen weiß, als eine Art Anspielung auf die ersten Zigarettenwerbungen, in denen meist Ärzte, Krankenschwestern oder andere Fachleute in reinen weißen Kitteln gezeigt wurden, um die angeblich gesundheitsfördernde Wirkung von Zigaretten zu betonen.“

        Auch bei den Entwürfen für Senator Finistirre hatte Glicker viel Spaß: „Es war eine große Freude das zu designen. Wir haben uns ganz dem Vermont Kitsch hingegeben und seine Outfits sind voller kleiner Vermont Witze. Seine Tweedblazern haben wir mit Krawatten kombiniert, die meist in sehr lebhaften Grüntönen gehalten sind und zum Beispiel Enten oder Golden Retriever Muster aufgedruckt haben. Ich glaube, mein Lieblingdetail an seinen Outfits sind seine Schuhe. Zu seinen Businessanzügen trägt er modische, schwedische Gesundheitsschuhe, aber privat wechselt er in Birkenstockschlappen und dicke Socken – der typische Vermont-Stil eben.“

        „Die Zusammenarbeit war hervorragend. Seit unserem ersten Treffen war mir klar, dass wir dieselbe Sprache sprachen und auf einer Wellenlänge lagen. Wir kümmerten uns beide sehr stark um diese Charaktere und wollten die vielen verschiedenen Aspekte und Welten von THANK YOU FOR SMOKING so gut wie möglich realisieren. Nick reist an viele verschiedene Orte. Deshalb arbeiteten Jason und ich sehr eng zusammen, um für jede dieser Welten eine eigene Sprache und eine eigene Farbgebung zu entwickeln, damit das Publikum sich sofort darauf einlässt und merkt, wo die Story gerade spielt. Jasons große Aufmerksamkeit für Details und sein Verständnis für die Wichtigkeit von Kostümen ermöglichten, dass die Geschichte von THANK YOU FOR SMOKING visuell sehr aufregend gestaltet ist.“

        Besonders die Drehs in Washington D.C. waren für Reitman: „ein Nervenkitzel. Wir besichtigen die Stadt und durften sogar in der U-Bahn fahren, die die verschiedenen Kongressgebäude miteinander verbindet. Im Allgemeinen wurden wir mit offenen Armen empfangen. Eine Ausnahme gibt es aber: An einem Tag überredete ich unseren Location Scout vor einem Gebäude zu halten und Fotos zu machen. Innerhalb weniger Minuten war unser Scout von Männern in Schutzwesten umzingelt. Denen hatten wir einiges zu erklären. Später sagte mir mein Location Manager, dass wir damals ganz knapp davor waren, verhaftet zu werden. An einem Nachmittag drehten wir auf dem Dach des Washington D.C. Hiltonhotels und machten von dort aus Aufnahmen vom Capitol Dome. Ich wurde mit einem Gurt abgesichert, als ich eine Aufnahme machte, bei der ich über die Dachkante hinausfilmte. Ich hing also da und sah alles aus der Perspektive eines Selbstmörders. Die Szene hat es letztendlich nicht in den Film geschafft. Dafür fotografierte mich allerdings ein Reporter, als ich gerade an der Dachkante hing. Das Bild war am nächsten Tag auf dem Cover der Roll Call zu sehen. Meiner Frau hat das nicht sonderlich gefallen,“ so Reitman.

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