FILMDETAILS | Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2
Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2
Action,
Abenteuer,
Komödie,
Fantasy
| USA 2006
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| Abenteuer in Dominica
So unbekannt ist die „Insel der Schönheit, Insel der Pracht“, wie die Nationalhymne des Commonwealth of Dominica stolz behauptet, dass einiges Privatgepäck von Crewmitgliedern versehentlich in die wesentlich bekanntere, aber weit entfernte Dominikanische Republik geliefert wurden. Die ehemalige britische Kolonie zwischen Guadeloupe im Norden und Martinique im Süden ist nur 45 Kilometer lang und 25 Kilometer breit und von 71.000 Seelen bevölkert. Für abenteuerlustige Öko-Touristen ist sie mittlerweile ein begehrtes Ziel geworden, doch vom Massentourismus ist Dominica bislang verschont geblieben. Und natürlich von großen Filmproduktionen.
Nach einer Scouting-Tour des Terrains der Insel war Gore Verbinski fest davon überzeugt, dass Dominica die richtige Kulisse für den Großteil der auf Land spielenden Filmszenen bieten würde. Produzent Jerry Bruckheimer unterstützte die Entscheidung des Regisseurs, weil ihm die Aussicht gefiel, dass der Film dadurch einen völlig unverbrauchten Look haben würde. „Wir wählten Dominica als Hauptdrehort aus, weil die Insel wunderschön und beinahe unberührt ist“, erklärt der Produzent. „Weil die Küste sehr zerklüftet ist, kann man mit Kreuzfahrtschiffen nicht anlegen, was der Grund ist, warum die Insel für Tourismus völlig unerschlossen ist. Die Landschaften, Dschungel und Berge sehen ganz anders als in anderen Filmen aus. Dominica ist einer der pittoreskesten Flecken Erde – und doch von Filmemachern noch nicht entdeckt.“ Verbinski und Szenenbildner Heinrichs wählten Dominica als Location für zwei wichtige Schauplätze von PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 aus: die witzige und erschreckende Insel, auf der ein Kannibalenstamm Jagd auf Captain Jack Sparrow macht, und Isla Cruces – beides erfundene Orte, die es vor den Dreharbeiten lediglich in den Köpfen der Filmemacher gab. Ein Großteil der Actionsequenzen waren für diese beide Schauplätze vorgesehen. Und das bedeutete, dass sich Schauspieler und Stuntleute für ihre Kapriolen auf schwierigem Terrain und in großer Hitze in Gefahr begeben müssten. Kann man sich für einen Piratenfilm etwas Besseres vorstellen?
„Dominica ist eine wunderbare Insel, aber die gewohnten Annehmlichkeiten findet man dort nicht vor“, berichtet Jerry Bruckheimer. „Wir stellten viele Menschen auf der Insel an, und sie waren brillant. Es ließ sich ausgezeichnet mit ihnen arbeiten. Aber wenn irgendein Teil der Anlage kaputt geht, muss man wenigstens zwei Tage warten, bis man von einer der größeren Inseln ein Ersatzteil erhält. Die Herausforderungen für die Produktion waren entsprechend gewaltig. Die Hotels waren nicht gerade luxuriös, aber alle hielten zusammen. Es war, als würde man ein Sommerlager besuchen. Viele Mitglieder von Cast und Crew hausten in Hütten, schliefen unter Moskitonetzen und aßen abends gemeinsam am Strand. Da mussten wir halt durch.“
„Wenn Gore einen Schauplatz fand, den man unmöglich erreichen konnte, dann war das meistens der, auf den seine Wahl fiel“, lacht der ausführende Produzent Bruce Hendricks. „Dominica sieht aus, wie die Karibik wohl vor 200 Jahren gewesen sein muss. Wir brauchten diese Wildheit und natürliche Schönheit, die die etwas ungewöhnlicheren und entlegeneren Orte, wozu Dominica zahlt, zu bieten haben. Wie alle großartigen Regisseure treibt Gore seine Leute dazu an, immer noch einen Schritt weiter zu gehen. Die Großen sind immer die, die den Sturm eines Hügels anführen, sie haben die Vision, Grenzen einfach zu ignorieren, künstlerisch wie technisch. Eine rational funktionierende Person würde nicht einen Gedanken daran verschwenden, die Orte, an denen wir gedreht haben, überhaupt aufzusuchen, geschweige denn 500 ihrer engsten Freunde und hunderte Tonnen an Equipment mitzunehmen. Man muss ein Ziel haben und stur sein wie ein Esel, um so etwas auf die Beine stellen zu wollen. Und auf Gore trifft das zu.“
„Dominica hat keine filmischen Präzedenzfälle“, meint Tom Hayslip, der in der Karibik als Production Supervisor fungierte. „Man hat dort bisher nur Dokumentationen und Naturfilme gedreht. Es war eine große Herausforderung für die Insel, die Masse an Leuten, die für den Film anreiste, überhaupt aufzunehmen.“ Und der erste Regieassistent Peter Kohn, der seinen Posten später an den vormaligen zweiten Regieassistenten Dave Venghaus weitergab, als seine Frau in den Wehen lag, gibt zu Protokoll: „Dominica hat ein ganz eigenes Wettersystem. In einem Teil der kleinen Insel regnet es, während am anderen Ende die Sonne scheint. Aus uns nicht weiter bekannten Gründen regnete es immer da, wo wir uns gerade aufhielten.“
Rick Heinrichs und Construction-Coordinator Greg Callas hatten gewaltige Aufgaben zu bewältigen. „Als ich die Drehorte zum ersten Mal sah, war ich mir nicht sicher, ob wir es schaffen würden“, gibt Callas zu. „Die Insel ist klein, aber wegen des schlechten Zustands der Straßen kann es bis zu drei Stunden dauern, bis man von einem zum anderen Ende kommt. Die Logistik war schier unmöglich, aber wir mussten die Wünsche und Bedürfnisse von Gore befriedigen. Das Art Department arbeitete hart, Dinge zu entwerfen, die an gewisse Orte passten. Und dann musste man erst einmal an diese gewissen Orte kommen. Weil Vorräte auf Inseln wie Dominics massiv limitiert sind, mussten wir alles selbst mitbringen. Wir waren unser eigener Handwerkerladen: Jeder Nagel, jedes Brett, jeder Sack Zement und Gips, literweise Farbe – alles stammte von uns. All das Equipment, das man als gegeben voraussetzt, wie Gabelstapler, gibt es nicht in Dominica. Also ließen wir es aus der Karibik und Südamerika anliefern. Wir setzten auf altmodische Bauweisen, weil das 21. Jahrhundert auf dieser Insel noch nicht angekommen ist.“
PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 begann seinen Dreh in Dominica zu einem Zeitpunkt, als der Wahlkampf um den Posten des Ministerpräsidenten so erhitzt geführt wurde, dass die letzten Präsidentschaftswahlen in den USA dagegen wie eine gepflegte Teegesellschaft wirken. „Man glaubt, dass solche eine entlegene karibische Insel nett und ruhig ist“, sagt Schauspieler Kevin R. McNally. „Aber bei meiner ersten Nacht in Dominica ging ich um zehn Uhr ins Bett, nur um kurz wenig später von ohrenbetäubendem Lärm auf den Straßen geweckt zu werden. Um Mitternacht begann die Wahlkampfveranstaltung. Das Pfeifen, Trommeln, die Musik, die aufheulenden Motoren, all das hielt bis sieben Uhr morgens an.“
Aber die Filmemacher hatten andere Dinge im Kopf als die Frage, ob nun Roosevelt Skerrit oder sein Herausforderer Edison James gewinnen würde (Skerrit konnte sich schließlich durchsetzen). Die großen Herausforderungen für Cast und Crew waren vielmehr das unvorhersehbare Wetter mit seiner drückenden Hitze, hohen Luftfeuchtigkeit und plötzlichen Unwettern, das Bewältigen der gefährlichen und engen Bergstraßen, die kaum breit genug für zwei entgegenkommende Personenwägen sind, geschweige denn für achtachsige Transportlastwägen, sowie die Gegenwart von Konstriktorschlangen, die zwar nicht giftig sind, aber doch über mächtige Muskelkraft verfügen, und anderer ungewohnter Flora und Fauna.
Das Produktionsteam war vorab angereist, um eine gesamte Infrastruktur für die PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2-Gemeinde zu errichten, inklusive Türmen für drahtlosen Telefon- und Internetverkehr. Mehr als 600 Mitglieder der PIRATES-Crew fielen über das gastfreundliche Dominica her, das wiederum 400 weitere Arbeiter für den Dreh bereitstellte. Wenn es stimmt, dass eine Armee nur so gut ist wie ihre gefüllten Mägen, dann trifft das auch auf diese Produktion zu: An den aufwändigsten Drehtagen musste Caterer Paul Kuzmich 780 bis 840 hungrige Mäuler stopfen. Alleine beim Frühstück verzehrten die hungrigen Filmemacher 1100 bis 1500 Eier, 50 bis 75 Kilo Speck, 80 Leiber Brot, 25 Kilo Wurst, 400 Stück Gebäck und zehn bis zwölf Körbe Obst. Mit Ausnahme einiger lokaler Leckereien musste alles aus den USA eingeflogen werden. In der Zwischenzeit oblag es Craft-Service-Maestro Ted Yonenaka und seiner nicht minder energetischen Assistentin Lea Anderson, die Cateringwägen an die entlegensten Stellen zu manövrieren, damit sich die Crew mit Wasser und Kuzmichs Speisen stärken konnte.
Der Dreh in Dominica begann am 18. April auf Hampstead Beach, ein ländlicher Streifen Sand mit Blick auf das türkisfarbene Meer im Nordosten der Inselküste, umgeben von üppigem und verworrenem Dschungel und Kokosnusspalmen. Tatsächlich waren einige der Pflanzen eigens für den Film angelegt worden. Art Director William Ladd Skinner hatte 7000 Pflanzen mitgebracht. Eine Reihe von Sequenzen wurden in und um Hampstead gedreht, unter anderem der Dreierschwertkampf zwischen Jack Sparrow, Will Turner und James Noprrington auf einem riesigen, frei rollenden Mühlrad, der sich als eine der komplexesten Actionszenen erwies, die jemals auf Film festgehalten wurde. Zu den Gefahren bei dieser bemerkenswerten Szene gehörten schwere Kokosnüsse, die beim Dreh bisweilen aus den 30 Meter hohen Palmenwipfeln fielen. Einige der Crewmitglieder trugen deshalb stets Bauarbeiterhelme. Und Gore Verbinski konnte man mit einem altmodischen Kokosfaserhelm im Stil von „Gunga Din“ bestaunen.
„Das Rad war für alle Beteiligten ein ausgesprochen kompliziertes Stück Arbeit“, erklärt Stuntkoordinator George Marshall Ruge. „Die körperlichen Anforderungen waren gewaltig – und die Sicherheitsbedenken waren auch nicht zu verachten.“ Die komplette Sequenz ist ein perfektes Beispiel für die Art von Symbiose zwischen den unterschiedlichsten Abteilungen, die die gesamt Produktion auszeichnete. Ruge erinnert sich: „Viele Abteilungen und Leute waren gefragt, damit diese Sequenz in die Realität umgesetzt werden konnte. Ich arbeitete beispielsweise eng mit den Koordinatoren für Spezialeffekte und visuelle Effekte, dem Szenenbilder, dem Art Director, der Requisite, der Bau-Abteilung, dem Kameramann und seinen Leuten zusammen. Vor allem aber war es natürlich Gores großartige Vision, sein Einsatz und seine Begeisterung, die die Sequenz möglich machte. Ich habe ihm immer dabei geholfen, jeden Aspekt nach seinen Wunschvorstellungen realisieren zu können.“
Das Rad wurde aus Stahl gebaut und später vom Art Department kunstvoll beschichtet. Es wog mehr als 850 Kilo und war sechs Meter hoch. Es gab zwei Versionen, eine davon eine Wagenfassung, die von Hilfsrädern gestützt wurde. Das Rad selbst wurde von Drähten an einer Seilwinde gezogen, während die Kameraplattform auf den Radwagen gebaut wurde, der es umgab. „Die andere Version wurde von uns liebevoll „Farbrolle“ genannt. Das Rad wurde an stählernen Zugstangen aus Stahl angebracht und von einem Laster gezogen, auf dessen Ladefläche teilweise die Kamera montiert wurde.“
Um das Rad etwas ruhiger rollen zu lassen, wurden vor dem Dreh ganz Pfade durch den Dschungel gezogen, denn wenn das Terrain zu rau gewesen wäre, „hätten die Darsteller unmöglich auf dem Rad bleiben und die notwendige Hand-Auge-Koordination, die für den Schwertkampf unabdingbar ist, beibehalten können.“
Bevor die Sequenz gedreht werden konnte, gab es im Verlauf einer fünfwöchigen Spanne immer wieder verschiedene Vorproduktionsproben und danach dreiwöchige Proben vor Ort, wann immer es der eng gesteckte Terminplan Ruge erlaubte, alle drei Schauspieler und sein Stuntteam zusammen zu bringen.
„Junge, Junge, ich werde nie die Gesichter von Gore und George vergessen, als die Zeit gekommen war, mich auf dem riesigen Rad zu platzieren“, erinnert sich Johnny Depp. „Gore musste einfach lachen, weil es ja doch eine eher absurde und bizarre Bitte für erwachsene Männer war: ,Okay, als nächstes würden wir dich gerne im Inneren eines Rades festbinden, an der Einfassung festklammern und dir ein Schwert in die Hand drücken. Während das Rad rollt, wirst du dich einige Male um deine eigene Achse drehen.’“
„Es war so bizarr, dass es irgendwie sehr reizvoll war“, lacht Depp. „Ich habe in Filmen schon so manche stumpfe und merkwürdige Dinge gemacht, dass es an einem gewissen Punkt einfach keine Überraschungen mehr gibt. Aber weil Gore und George nicht nur brillante Typen sind, die ihr Handwerk beherrschen, habe ich ihnen komplett vertraut. Und darum geht es beim Filmemachen.“
„Es ist wirklich eine herausragende Sequenz, die sich einfach nur Gore, Ted und Terry einfallen lassen konnten – und die George in die Tat umgesetzt hat“, sagt Orlando Bloom. „Wir haben viele Tage in diesem Rad verbracht, an einem Geschirr aufgehängt, mit verrückten Kämpfen, während es für uns ständig auf und ab ging. Es wäre eine lustige Attraktion in einem Themenpark – wenn das Ganze nicht so unbequem wäre.“ In das Rad wurden bisweilen auch die Kameramänner Martin Schaer und Josh Bleibtreu geschnallt, wo sie 360-Grad-Drehungen mitmachen mussten. Für sie war es nur eine von vielen unbequemen und ungewöhnlichen Positionen, in denen sie oder ihre Kollegen sich beim Dreh von PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 vorfanden.
Jack Davenport merkt an, dass zwar CGI-Elemente zum Einsatz kamen, um die Szene noch zusätzlich aufzupeppen, der Schwertkampf aber fast komplett live auf Film festgehalten wurde: „Es ist eine klassische Fechtszene mit Aufnahmen, die man nicht mogeln kann. Wenn man uns da kopfüber sieht, wie uns die Adern in der Stirn fast platzen, dann ist das echt.“
Aber nicht nur die Jungs hatten ihren Spaß bei der Szene. Die Sequenzen auf Dominica gaben Keira Knightley ein ums andere Mal die Gelegenheit unter Beweis zu stellen, was sie bei Actionszenen auf dem Kasten hat. Die furchtlose Schauspielerin meisterte alles, was Stuntkoordinator George Marshall Ruge von ihr verlangte. „Beim ersten Film bettelte ich um eine Fechtszene, aber habe keine bekommen. Diesmal habe ich gleich zwei davon, mit zwei Schwertern noch dazu, also war ich glücklich.“
Eine Sequenz, die zum Teil in Dominica und zum Teil später auf den Exumas gedreht wurde, sah es vor, dass Knightley zu den Schwertern greift und sich die Crewmitglieder der Flying Dutchman vornimmt. „Es war unglaublich heiß und wir befanden uns in einem hinreißenden Feld mit Kokosnusspalmen“, erinnert sie sich. „George und sein Stuntteam waren so fantastisch. Sie sind so geduldig und führen einen Schritt für Schritt durch die Action. Ich glaube fest daran, dass ich all das, was meine Figur macht, auch selbst bewältigen sollte. Wenn man einen Actionfilm dreht, ist es doch ungeheuer fad, wenn man selbst keine Actionszenen hat. Beim Dreh der Kampfsequenzen ziehen wir sie meistens komplett durch. Da kommt man richtig in Fahrt, und das ist fantastisch. Es ist nett, wenn man den Eindruck hat, dass man zum Team gehört. Und George und sein Team laden einen richtig dazu ein, beim Team dabei zu sein. Und mein Stuntdouble, Lisa Hoyle, ist absolut brillant.“
Das lässt sich auch über die anderen Stuntdoubles der Stars, darunter Tony Angelotti, Theo Kypri, Zach Hudson und Thomas Dupont, sagen. Sie sprangen, kämpften und absolvierten todesverachtende Dinge, wenn es der gesunde Menschenverstand (und die Versicherungen) den ansonsten zu allem bereiten Depp, Bloom und Kinghtley verbot, ihre Stunts selbst zu machen.
Südlich der Hauptstadt von Dominica, Roseau, befindet sich eine Anhöhe, die sich passenderweise High Meadow nennt, die zusammen mit einem in der Nähe gelegenen Ort über der Hauptstraße Twin Peaks als Schauplatz für das einfallsreich und witzig designte Eingeborenendorf der „Pelegostos“ gewählt wurde, eine augenzwinkernde Schöpfung (wie auch die Insel, auf der sie leben), die von Piraten- und Seemannsgarn inspiriert wurde.
„Ganz wunderbar ist, was Gore und die Autoren mit dem Konzept des Pelegosto-Dorfs angestellt haben“, findet Rick Heinrichs. „Sie haben eine wundervolle Flucht-Episode geschaffen, die die Piraten in eine völlig absurde, aber komische Situation bringt, ganz im Stil klassischer Komödien der Irrungen. Ein Teil des Slapstickspaßes ergibt sich daraus, dass das Dorf sich ganz weit oben in den Bergen befindet und die Hütten, die sich auf den Bergspitzen befinden, mit Hängebrücken miteinander verbunden sind. Die Hütten selbst sind witzige Variationen von verschiedenen Totenkopfmotiven, mit Augen- und Mundöffnungen und einem Zopf an der Spitze. Das lässt das ganze Dorf lebendig erscheinen.“
Er erzählt weiter: „Der Gesamtlook der Pelegostos und ihrer Umwelt ist ein Beispiel für eine der frühen Designüberlegungen, die Gore Verbinski mit Penny Rose, Cheryl Carasik, Ve Neill, Martin Samuel und mir anstellte. Wir überlegten uns verschiedene Ansätze, wie man die Eingeborenen zeigen kann und kamen schließlich zu dieser verrückten Mischung, die einfach nur unserer Fantasie entsprungen ist.“
Und einfallsreich. Im Verlauf der Dreharbeiten führten Ve Neill und Martin Samuel – beide waren für ihre Arbeit an FLUCH DER KARIBIK für Oscars nominiert worden – große Teams mit den besten Haar- und Makeup-Künstlern der Industrie an. Sie verwandelten völlig normale, vorzeigbare menschliche Wesen in grimmige, ungewaschene Piraten, tuntige, Perücke tragende Aristokraten und – im Fall der Pelegostos – in wild bemalte, tätowierte und mit Tand ausgestattete Eingeborene. Etwa 130 Mitglieder des Kalinago-Stammes, die Ureinwohner vieler karibischer Inseln (darunter Dominica), machten in diesen Szenen als Statisten mit und hatten jede Menge Spaß dabei. Viele andere Kalinagos arbeiteten in verschiedenen anderen Kapazitäten an dem Film mit.
Man ließ sich sogar eine eigene Sprache für die Pelegostos einfallen, „Umshoko“. Sie wurde von Sprachtrainerin Carla Meyer und UCLA-Linguist Peter Ladefogend entwickelt. „Gore wollte nicht, dass man die Eingeborenen mit irgendwelchen real existierenden Stämmen in Verbindung bringen kann“ sagt Meyer. „Also nahm sich Peter einige internationale Sprachen vor, vermischte sie mit Pidgin-Latein und englischen Worten, die rückwärts gesprochen wurden.“ Beispiele für diese brandneue Sprache gefällig? „Rah rah rah fi fi“ bedeutet „großes Feuer“. „Bugo“ heißt „bitte“. „Kamino“ lässt sich mit „komm zurück“ übersetzen.
Das Dorf der Pelegostos ist eine höchst einfallsreiche Mischung aus verschiedenen primitiven Designs und einem kräftigen Schuss beißenden Humors. Neben den zusammengebundenen Zweigen, aus denen die Hütten der Eingeborenen gebaut wurden, besteht ein Großteil des Dorfes aus Materialien, die von den Feinden der Pelegostos übrig geblieben sind, also Knochen und andere menschliche Materialien. Die Vorhänge an den gerundeten Eingängen bestehen hier entsprechend nicht aus Bast, sondern aus kleinen Knochen. Totenköpfe sind ein starkes Motiv, die auf vielfältige Weise zum Einsatz kommen, wie es sich nicht einmal Martha Stewart träumen ließe (aber womöglich gutheißen würde). Die lange und ausgesprochen klapprig wirkende Hängebrücke, die die beiden Dorfhälften miteinander verbindet, sieht trügerisch aus – und fühlt sich in der Tat trügerisch an, wenn man sie in einer Höhe von 20 Metern überquert – aber das ist nur eine perfekte Illusion. Tatsächlich wird die Brücke von stabilen Stahlstützen abgesichert, was sie so sicher wie die Golden Gate Bridge macht. Baukoordinator Greg Callas holte ein Bauteam aus Las Vegas vor Ort, das bereits in Themenparks und Tiergärten auf der ganzen Welt Hängebrücken errichtet hat.
„Die Pelegosto-Hütten bestehen aus einem Kern, einer Superstruktur, aus leichtem Material, womit wir die Grundfigur vorgeben“, erläutert Callas. „Darüber stülpten wir eine Fiberglas-Hülle, die nach Wurzeln und Ästen aussieht. Und schließlich brachten wir noch echte Wurzeln und Äste an. Die Hütten waren also ungemein schwer und nicht leicht zu bewegen.“ Um die schwerstbeladenen Lastwägen zum Drehort der Pelegosto-Szenen bringen zu können, musste Callas eine Straße mit einer Steigung von 15 Prozent bauen. „In ganz Dominica gibt es keine Straße mit einer 15-Prozent-Steigung“, merkt er an. „Das ist fast senkrecht! Ziemlich irre, aber wir brachten alle unsere Lastwagen und die Crew hoch – und sogar die Dixieklos konnten wir abliefern. Einer der ansässigen Bauunternehmer in Dominica unterstützte uns bei unserem Vorhaben – wir müssen ihm wirklich dankbar sein.“
„Wenn ich an das Pelegosto-Dorf denke, fällt mir nur eines ein: 385 Totenköpfe“, lacht Cheryl Carasik. „Bei einer Location wie dieser gehört das einfach zum Alltag. Es war wunderschön dort, und die Hilfsmittel waren so großartig, dass man einfach Teil dieses Sets wird. Die angestellten Inselbewohner waren fantastisch. Wir hatten da zwei Jungs, die sich nichts entgehen ließen. Sie waren wirklich enthusiastisch. Wenn wir sagten, dass wir einige Pflanzenreben brauchten, die wir zum Befestigen der Gelenke eines Möbelstücks der Pelegosto benötigten, marschierten sie auch schon los. Zwei Stunden später brachten sie mehr davon zurück, als brauchen konnten.“
Ein Teil der ebenso komischen wie actiongeladenen Sequenz, in der Will Turner und andere Piraten der Black Pearl in großen runden Käfigen aus menschlichen Knochen gefangen sind (tatsächlich bestanden sie natürlich aus Latex und Schaumgummi), wurde in der beachtlichen TiTou-Schlucht gedreht, Teil des gewaltigen Morne Trois Pitons National Park im südlichen Inneren von Dominica. Wegen des eisigen Wassers musste die Crew Wetsuits tragen. Ein schweres Unwetter, das den ersten Drehtag beinahe ins Wasser fallen ließ, machte die Sache nicht leichter. Aber wie viele am Set sagten: Hey, es ist ein Regenwald! „Gerade als ich in der Hitze von Dominica dachte, dass ich vergessen hätte, was es bedeutet zu frieren, wusste PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2, wie man meine Wünsche erhört“, sagt Kevin R. McNally. „Für die Szene, in der der Knochenkäfig in die Schlucht stürzt, fanden sie das kälteste Wasser von ganz Dominica und sorgten dafür, dass wir uns geschlagene zwei Tage darin aufhalten mussten. Aber die Schlucht ist ein fantastischer Ort, nur drei Meter breit und ein gerader Abstieg von der Spitze ins kalte, klare, schöne Wasser, in dem wir uns befanden.“
Die Szene mit dem Knochenkäfig war ein weiteres einzigartiges Ereignis, bei dem die Expertise einer ganzen Reihe von Abteilungen, darunter natürlich auch Stuntkoordinator George Marshall Ruge, gefragt war. „Es war extrem problematisch, tatsächlich Menschen in diese Dinge zu stecken, sie Hügel herabrollen zu lassen, über Klippen, sie zwischen den Klippenwänden schwingen zu lassen. Wie baut man einen Käfig, der strukturell stabil ist, aber gleichzeitig auch leicht genug, dass ihn ein paar Leute hochheben und damit weglaufen können? Es gab viel Recherche und Entwicklungsarbeit, bis wir die verschiedenen Versionen des Käfigs ausgearbeitet hatten. Einer zum Laufen wurde aus Schaumstoff gefertigt, der andere aus stabilerem Material, dass man ihn einen Hügel herabrollen lassen konnte.
„Der Running Gag war, dass keiner, der sich im Käfig befindet, da ohne Kratzer wieder rauskommt“, erinnert sich Ruge. „Es war nicht wirklich leicht, dieses Ding zu navigieren, mit sechs Leuten und zwölf Beinen, die da rausragen, aber wir haben es hingekriegt.“
Und dann ist da noch Captain Jack Sparrows Hals-über-Kopf-Flucht an den Strand, um einer höchst erregten Gruppe von Inselbewohnern zu entkommen. Sie wurde am Hampstead Beach gedreht. „Das war voll und ganz erschöpfend“, gesteht Johnny Depp. „Wenn einem 200 Menschen, die als Eingeborene verkleidet sind, hinterher rennen, während man in voller Jack-Sparrow-Montur den kompletten Strand entlang rast. Es fühlte sich so an, als hätten wir das mehrere Tage lang gemacht. Aber das Resultat war das wert.“
Der Indian River ist ein prachtvoller Abschnitt flachen Wassers, das sich bei Portsmouth im nordöstlichen Teil von Dominica in den Ozean ergießt. Er „spielt“ in PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 den Pantano River, den unsere (Anti-)Helden entlangfahren müssen, um Tia Dalmas Baumhaus zu erreichen. Der Indian River – der tatsächlich von Christoph Columbus im 15. Jahrhundert erforscht wurde – wird von wunderbar knorrigen Bloodwood-Bäumen (terra carpus officinali) gesäumt, deren Wurzeln sich manchmal bis zu sieben Meter spreizen. Dies war die reale Location, die am Pantano-River-Set in Studio 2 der Walt Disney Studios in Burbank nachgebaut wurde. Das Art Department steuerte noch Holzhütten an den Ufern des Flusses bei, womit der Drehort die gleiche Ausstrahlung wie das Bühnenset und die Sumpfgegend der PIRATES-Attraktion in Disneyland erhielt. „Wir bereiteten die Hütten in unserer Werkstatt vor, nahmen sie wieder auseinander, steckten sie in kleine Boote, nahmen sie darin zu den Locations und bauten sie dort in ein paar Tagen wieder auf“, erklärt Greg Callas.
Wegen der ökologischen Empfindlichkeit des Indian River mussten alle Darsteller und Crewmitglieder und das Equipment entweder an den Drehort gerudert oder in Booten mit Elektromotor gebracht werden, in Fahrten, die zwischen 45 Minuten und einer Stunde dauerten. Wieder einmal unterbrach stürmisches Wetter die Dreharbeiten. Doch dann klärte sich der Himmel genug, damit Gore Verbinski und die Stars Ihre Arbeit verrichten konnten. Wer nach Sonnenuntergang den Fluss zurückfahren musste, wurde von den riesigen Glühwürmchen im nächtlichen Himmel daran erinnert, wo PIRATES seine Ursprünge hat.
Auf einem Bergrücken, der einen unverstellten Blick auf die Karibik zuließ, entdeckten Verbinski und Bruckheimer in Vielle Casse im Norden der Insel eine weitere wunderbare Location, die als Kulisse für den spektakulären Dreierschwertkampf geeignet war. Dort entwarf Rick Heinrichs eine verlassene Kirchenruine und den zugehörigen Friedhof sowie das stillgelegte Mühlrad, das später in den Mittelpunkt des Kampfes rückt. „Als wir im Oktober 2004 nach Drehorten suchten“, erinnert sich Produktionsmanager Doug Merrifield, „fuhren wir mit der Küstenwache Dominicas buchstäblich einmal um die Insel herum. Irgendwann wechselten wir in ein kleines aufblasbares Boot... und auf einmal sahen wir diesen fabelhaften Anblick. Ein paar von uns sprangen aus dem Boot und schwammen an den Strand, und dann gingen wir zu dem Ort.“
„Der Drehort ist wie eine Halbinsel und wird von drei Seiten vom Ozean umgeben“, erklärt Greg Callas. „Ich fragte, wo man die technische Anlage unterbringen wolle. Sie sagten: Mach Dir keine Sorgen, baue einfach nur das Set.“ Vier Monate mussten Callas und sein Team in den Bau der zerfallenen Kirche stecken, die so groß ist wie ein sechsstöckiges Gebäude. 40 Arbeiter aus der USA wurden von weiteren 40 Gehilfen aus Dominica unterstützt. „Die Dominicaner arbeiten hart“, lobt Callas. „Sie haben uns alles gegeben, was sie zu bieten hatten, und waren eine große Hilfe.“
Der heisseste Drehort auf Dominica – und das will einiges heißen bei einer Insel, auf der sich die Temperaturen stets um 35 Grad bewegen – war Vielle Casse auf der trockenen Seite des Eilands, wo es kaum Wolken und keine kühlende Brise gibt, dafür aber eine gnadenlos stechende Sonne. An vielen Drehtagen schob sich das Thermometer dort auf mehr als 40 Grad. Depp, Bloom und Davenport – sowie Bruckheimer, Verbinski und die gesamte Mannschaft – bissen die Zähne zusammen und schwitzten sich durch ihre Schwert-Action.
Um die Vielle-Casse-Location zu erreichen, musste man eine 30 Grad abschüssige Straße nehmen, die von der Verkehrsstraße abzweigte und für die meisten Vehikel gesperrt ist. Der Spaziergang bergab in der Affenhitze war halb so wild. Aber wieder hochzugehen, nach zwölfstündiger Arbeit in der brennenden Sonne, war eine andere Angelegenheit. „Das ist ein Teil des eigens entwickelten PIRATES-Fitnessprogramms“, sagt Merrifield. „Man braucht keine Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio, man muss einfach nur an PIRATES OF THE CARIBBEAN arbeiten. Gore und Jerry sorgen schon dafür, dass man topfit ist.“
Die körperliche Belastung erwies sich als beinahe unmögliche Herausforderung für Kameramann Dariusz (Darek) Wolski und seine Crew. „Darek ist ein brillanter Künstler“, sagt Jerry Bruckheimer. „Ich habe schon mehrfach mit ihm gearbeitet, nicht nur an FLUCH DER KARIBIK, sondern auch an CRIMSON TIDE („Crimson Tide – In tiefster Gefahr“, 1995) und anderen Filmen. Er ist sehr schnell, erledigt seine Arbeit und schafft auch komplexe Ausleuchtungen in minimaler Zeit.“
Wolski war sich der Herausforderungen von PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 absolut bewusst und stellte sich ihnen gemeinsam mit seiner Crew, die aus Einheiten für die Arbeit unter Wasser (angeführt von Pete Zuccharini) und über Wasser (angeführt von David B. Nowell) bestand, mit endloser Energie. „Man muss sich einfach damit abfinden, dass man niemals die komplette Kontrolle über die Elemente haben wird. Wenn man das akzeptiert, kann man kreativ arbeiten“, gibt der Kameramann zu Protokoll. „Wenn man es mit den Naturgewalten zu tun hat – die Sonne bewegt sich, Wolken ziehen auf, Wind bläst – dann sind die Variablen einfach mannigfaltig. Man muss flexibel sein und vielleicht in der allerletzten Minute die entscheidende Idee aus dem Hut zaubern. Im Zufall liegt eine wunderbare Schönheit. Ich glaube nicht an Regeln. Ich glaube an Intuition. Egal, wie viel man diskutiert, wie viele Storyboards man sorgfältig angefertigt hat, wir hatten es bis zum tatsächlichen Dreh immer mit Dingen zu tun, die wir nicht vorhersehen konnten und mussten uns ständig darauf einstellen.“
Wolski benutzte all das vorhandene Equipment, das modernen Filmemachern zur Verfügung steht. Einiges davon wurde sogar speziell für PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 entwickelt. Richard Jones, ein findiges Mitglied von Rafael Sanchez’ Technikabteilung, entwarf und baute eine komplexe Kameraplattform, die auf einen Kran gebaut wird und in der Lage ist, einen kompletten Super Technocrane zu halten. Im zusammengebauten Zustand maß die Vorrichtung 27 Meter und reichte bis zum höchsten Mast der Edinburgh Trader. Mit ihrer Hilfe konnten Verbinski und Wolski den Angriff des Kraken aus jedem erdenklichen Winkel fotografieren. Aber Wolski hatte auch kein Problem damit, mit minimalsten Mitteln zu drehen, wenn die Szene danach verlangte. „Wir können auf jedes erdenkliche Mittel zurückgreifen, um die gewünschten Aufnahmen zu erzielen. Aber wenn es nur darum geht, die Darstellung eines Schauspielers festzuhalten, reicht auch eine handgehaltene Kamera aus oder eine einfache Bewegung auf einem Dolly. Aber dann gibt es ja auch noch die Aufnahmen, die größer sind als das Leben, wenn Captain Jack beispielsweise 100 Meter durch drei Hängebrücken hindurch stürzt, während er an einen Pfahl gefesselt ist.“
Nach acht harten, aber erfolgreichen Wochen wurde der Dreh auf der Insel Dominica am 26. Mai abgeschlossen. Cast, Crew und ihre Gastgeber feierten den Anlass mit einer „Dominica Survivor Party“.
„Ungeschlagen beim Filmemachen ist die Gelegenheit, die Welt zu bereisen. Das aber nicht als Tourist. Vielmehr ist es so, dass wir fast wie Einheimische sind“, meint Lee Arenberg. „Dominica ist ein unglaublich schöner Ort, aber er befindet sich nicht auf einer der typischen Routen. Wenn man ein paar Monate so lebt, dann verändert das das ganze Leben. Man wird inspiriert davon. Das war nicht immer einfach, weil jeder gern in einem schönen Bett schläft, ein bisschen Kabelfernsehen sieht und Internetzugang hat. Aber manchmal muss man einfach das nehmen, was man haben kann. Als die Reise für uns zu Ende ging, wurde allen klar, dass wir etwas Tolles gemeinsam erlebt hatten.“