Mittwoch | 30. Mai 2012 | 20:40 Uhr
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  • Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2

    Action, Abenteuer, Komödie, Fantasy | USA 2006
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      • | Zurück auf die Bahamas

      • Nach einigen Wochen Dreh der spektakulären Eröffnungssequenz von PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 begab sich die komplette Mannschaft erneut an Bord eines gecharterten Flugzeugs und machte sich am 19. September auf den Weg zur vierten und letzten Location auf Grand Bahama Island, wo die Arbeit im The Bahamas Film Studio am Gold Ranch Creek begann. Das neu gegründete Studio gewährte der Mannschaft den nötigen Platz, um die aufwändigen Meeressequenzen mit den zahlreichen Schiffen zu drehen, die man für PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 versammelt hatte. Dafür hatte die Crew einen unbegrenzten Horizont von einem Binnenmeer-Yachthafen aus zur Verfügung, sowie Schleppkähne, an denen die Schiffe sicher festgemacht wurden und auf denen auch gefilmt werden konnte, wenn man nicht direkt auf dem Meer war. Eine riesengroße Zementhalle, die seit mehreren Jahren leer stand, wurde nun für Monate als Basislager der Produktion auserkoren. Sie beherbergte ein kunterbuntes Sammelsurium von etwa 57 verschiedenen Wohnwägen und Ausstattungslastwägen, die aus Los Angeles eingeschifft worden waren, 72 Frachtcontainer, in denen Materialien aller Art gesammelt und gelagert wurden, 11 Kräne sowie vier Büro-Wohnwägen. Einer der Schiffscontainer wurde humorvoll und erfinderisch auf den Namen „Prop the Pyrate“ getauft. Durch diesen wurden die Statisten geschickt, um entsprechend als Piraten ausgestattet zu werden, mit Schwertern, Pistolen, Munitionsgürteln und anderen lieblichen Ausrüstungsgegenständen dieses Berufsstandes. „Trete ein als Landratte, gehe als Pirat“, kündigte ein am Eingang des Containers angebrachtes, in zeitgemäßer Schrift gemaltes Schild an. „Komm an Bord, greif dir deine Ausrüstung und nimm durch den Ausgang Kurs auf das Meer!“ Und in der Tat: der bläulich-grün schimmernde Atlantik war nicht mehr als zehn Schritte entfernt von diesem Ausgang.

        Nach einer Woche buchstäblich ruhigen Segelns bei schönem Wetter stellte Mutter Natur der Piratencrew von PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 das erste Hindernis in den Weg: Sie durchnässte Grand Bahama Island durch sintflutartige Regenfälle und versetzte das Meer derart in Aufruhr, dass der Atlantik einem Whirlpool auf höchster Stufe ähnelte. „Wenn man auf dem Wasser arbeitet“, erklärt Bruckheimer, „ändert sich das Wetter andauernd. Der Wind dreht, die Wellen bewegen sich in eine andere Richtung. Dadurch wird die Arbeit erschwert. Wir waren sehr auf Sicherheit bedacht. Unsere Marine-Einheit lenkte die Schiffe, schipperte uns vom Land auf das Meer und zurück, brachte den Schauspielern und Crew-Miitgliedern, die auf den Schiffen arbeiteten, Essen und führte sie nachts zurück ans Ufer. Neben unserer Marine-Einheit standen uns auch verschiedene Experten zur Seite.“

        „Das Umladen von Boot zu Boot war das Gefährlichste bei unserem täglichen Tun“, merkt Dan Malone an. „An einem Tag, als wir gerade die Black Pearl gegen den Wind hielten, kam ein vier Fuß hoher Seegang auf uns zu, und obwohl wir diese netten kleinen Rampen gebaut hatten, über die die Leute aus den Gummischlauchbooten an Bord gelangen konnten, hatten wir stets Angst, dass einer daneben treten könnte. Wenn einer versucht, vom Gummischlauchboot auf die Pearl zu steigen, ohne die Wellen zu beachten und ohne auf den Kapitän zu hören, können sie mit dem Kopf an das Boot und die Rampe stoßen. Zum Glück hatten wir niemals einen ernsthaften Unfall.“

        An Tagen mit besonders hohem Seegang fühlte sich die Crew an die vertrauten Fahrten in den Piratenschiffen eines Vergnügungsparks erinnert, bei denen das Schiff immer schneller vor uns zurück schaukelt...nur dieses Mal war es real!

        Für die Schauspieler hatte das Drehen auf der neuen, verbesserten Black Pearl einen Hauch von Nostalgie, vermischt mit einer neuen Aufgeregtheit. „Meiner Meinung nach ist die neue Pearl unser Liebling“, sagt Keira Knightley. „Sie ist viel größer und deswegen viel benutzerfreundlicher als die erste. Ich kann mich beim ersten Teil erinnern, dass man immer den Eindruck hatte, einander nicht aus dem Weg gehen zu können, und dass es keine Möglichkeit gab, sich hinzusetzen. Das Schiff ist sehr schön. Das ist immer hilfreich, wenn man gegen einen Kraken kämpfen muss.“

        „Beide Black Pearls, die erste und die zweite, sind regelrechte Kunstwerke“, fügt Lee Arenberg an. „Aber der eigentliche Dreh auf dem neuen Schiff ist viel aufregender. Man kann sich schnell bewegen, das ist besonders toll, wenn wir an der Flying Dutchman vorbeifahren. Wir sind jetzt auf einem seetüchtigen Schiff, im Gegensatz zu einem Schleppkahn, der durchs Wasser schaukelt und eine Ewigkeit benötigt, in Fahrt gebracht zu werden. Wir haben deutlich draufgepackt!“

        Das Wetter und der Seegang stellten Gore Verbinski und seine Mannschaft vor große Herausforderungen während des sehr detaillierten und mit einer Unmenge an Stunts und Actionsequenzen ausgestatteten Drehs der Attacke der monströsen Krake auf die Edinburgh Trader. Eigens dafür errichtete das Art Department von Rick Heinrichs einen exakten Nachbau der Bounty, bei dem nur – und verständlicherweise – das Innenleben fehlte. Stuntkoordinator George Marshall Ruge und seine rechte Hand Dan Berringer verlangten ihrem furchtlosen Team alles ab. Wichtige Beiträge bei der Sequenz leisteten auch die Spezialeffekt- und Visuelle-Effekte-Abteilungen.

        Der Krake ist inspiriert von 1000 Jahren Meeresmythologie, mit einer leichten Verneigung, vielleicht, vor dem berühmten Riesentintenfisch in Walt Disneys Klassiker 20.000 LEAGUES UNDER THE SEA („20.000 Meilen unter dem Meer“) von 1954. Das Wort „Krake“ taucht erstmals im zwölften Jahrhundert in norwegischen Legenden auf. Dabei bezieht man sich auf eine gewaltige Kreatur mit den Ausmaßen eines Eilands, die meistens als riesiger Tintenfisch abgebildet wird. In diesen Legenden reichen die vielen Arme oder Tentakel des Kraken bis zur Spitze des Toppmasten. Mühelos kann das Monster ein ganzes Schiff zum Kentern bringen. Der Ruhm der sagenumwobenen Kreatur war so groß, dass sie sogar von dem britischen Poeten Alfred Lord Tennyson 1830 in dem Gedicht „The Kraken“ verewigt wurde. Im 20. Jahrhundert konnten Briefmarkensammler Bilder des Kraken auf Briefmarken von so unterschiedlichen Ländern wie Kanada und sogar Dominica, einer der Hauptdrehorte von PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2, finden.

        Für die Attacke des Kraken auf die Edinburgh Trader und die Black Pearl mussten Stuntkoordinator George Marshall Ruge und sein Team von Stuntmännern und Taklern eine Vielzahl von Vorrichtungen anbringen, mit denen simuliert werden konnte, dass Menschen nach Belieben umhergeworfen oder von den Tentakeln des Kraken in die Luft gerissen werden. „Die Realität des Anbringens von Seilvorrichtungen auf diesen Schiffen will es, dass da ein Mast steht, zahllose Seile herabhängen oder Erhöhungen in der Mitte zu finden sind. Also bauten wir über die beiden Schiffe jeweils ein System, das sich zwischen der Rah über die ganze Länge hinzog. Dazu kamen Laufkatzen auf den Drähten, die uns erlaubten, uns zwischen den Masten quasi überall hinzubewegen. Wir waren auf dem Wasser, also war alles konstant in Bewegung, aber das vielschichtige System gab uns die Möglichkeit, alles ziemlich frei nach Belieben zu bewegen.“

        Zu den Stunthelden gehörte Orlando Bloom selbst, der so oft wie möglich (und wenn es die Produktion erlaubte) seine eigenen halsbrecherischen Manöver absolvierte, bisweilen in zehn Meter Höhe in der Takelage der Edinburgh Trader. „Es gibt da eine Szene, wo ich mich auf einem Mast befinde, dann mitten in das Segel springe, meinen Dolch hineinsteche und mich daran herabgleiten lasse. Das ist ganz klassisch Errol Flynn – der Traum jedes Jungen. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich bei einem Film wie diesem all meine Jungenträume ausleben kann. Ich habe hart trainiert, körperlich absolut auf der Höhe zu sein, um solche Sachen selbst zu absolvieren, ohne dass ich mir dabei wehtue. Das ist ein großer Teil davon, wer dieser Will Turner ist.“

        Der Krake wurde in PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 meisterlich von einer Phalanx von Effektkünstlern bei Industrial Light & Magic zum Leben erweckt, wo die Live-Action-Momente perfekt mit den Plänen für die visuellen Effekte ausbalanciert wurden. „Die Kraken-Sequenzen wurden ausführlichst prävisualisiert“, merkt John Knoll, Leiter für visuelle Effekte, an. „Wir haben spezifische Szenen buchstäblich exakt nach den Vorgaben der animatischen Blaupausen realisiert. Die Szenen mit dem Kraken sind technisch außerordentlich komplex, weil es viel Interaktion mit Wasser gibt und wir Einstellungen haben, in denen man das ganze Schiff sieht, das von einem Dutzen Tentakeln umgeben ist, die Menschen hochheben und ins Wasser reißen. Die Einzelteile passend abgestimmt zusammen zu stellen, ist sehr schwierig. Da stecken Monate intensiver Arbeit drinnen.

        Die Vorgabe von Jerry Bruckheimer und Gore Verbinski für PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 war eindeutig: Sie wollten, dass ILM sich wie schon bei FLUCH DER KARIBIK noch einmal selbst übertrifft. Bei PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 kamen etwa drei Mal so viele Effektaufnahmen zum Einsatz wie beim Vorgänger, der damals bereits einen Quantensprung in Hinblick auf Visuelle-Effekte-Technologie dargestellt hatte.

        Trotz der unumstößlichen Tatsache, dass es sich bei dem Film um pure Fantasy handelt, war es Verbinski betont wichtig, den unglaublichen Look so glaubwürdig wie möglich zu machen. „CGI ist kein Verb“, stellt der Regisseur gerne fest. Vielmehr sieht er die Technologie als Werkzeug, mit dem man einen Film ausschmücken und erweitern kann.

        „Gore hat den Vorgang bereits mehrfach mitgemacht und versteht jedes Element des Prozesses, der bei ILM abgewickelt wird“, sagt Charlie Gibson, Berater für visuelle Effekte. „Er kann das förmlich beiseite legen und sich um andere Dinge kümmern, weil er weiß, dass ILM ihm zu jeder Zeit den Rücken stärkt und seine Vision verwirklichen wird, auch wenn es erst kurz vor Schluss des Zeitplans ist. Das Einzigartige an den Effekten in diesem Film, zumindest für mich, ist der freie Umgang, den ILM Gore Verbinski bieten kann. Das Resultat des aufgebrachten Vertrauens und Verständnisses sind Diskussionen, in denen es nicht um technische, sondern kreative Fragen geht.“

        „Gore ist visuell kaum zu schlagen“ merkt John Knoll an, der Leiter für visuelle Effekte, der bereits beim ersten Film den gleichen Job hatte und an PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 gemeinsam mit seinem ILM-Kollegen Bill George arbeitete. „Er verfügt über ein umfassendes technisches Knowhow. Gore hat immer eine sehr starke Meinung, wie die Dinge laufen sollen. Dieser Film wärmt den ersten Teil nicht einfach auf. Gore und die Autoren haben sich eine Menge großartiger und wirklich frischer Dinge einfallen lassen.“ Knoll und George hatten es sich zur Aufgabe gemacht, Verbinski bei seiner Arbeit völlig frei sein zu lassen, ohne dass er sich bereits um die späteren Spezialeffekte Gedanken machen musste.

        Obwohl Davy Jones und seine Crew digital bearbeitet sind, „war es wichtig, dass sie von guten Schauspielern dargestellt wurden“, merkt Knoll an. „Ein guter Schauspieler bringt Seele mit, und das hilft allen Beteiligten am Set. Gore arbeitet mit dem Schauspieler ganz normal, wie bei allen anderen Teilen des Films. Bill Nighy und all die Schauspieler, die Davys Crew spielen, beherrschen ihre Parts aus dem Effeff. Sie haben sich mit den Figuren beschäftigt, und sie spielen sie mit vollem Einsatz – auch wenn sie später nur noch CG-Figuren sind.“

        Weil Verbinski darauf besteht, dass seine Fantasyszenen so authentisch und real wie nur möglich aussehen, entwickelte ILM neue Technologien für PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2, die gerade bei der Schöpfung von Davy Jones und seiner Crew zum Einsatz kamen. Bill George erklärt: „Wir versuchen etwas Neues bei diesem Film, eine große Herausforderung. Wenn man bisher eine CG-Figur – speziell wenn sie einer menschlichen Figur ähnelt – gefilmt hat, dann hat man zuerst nur die Hintergründe und das Umfeld gedreht, in das man die Figur danach setzt. Später hat man dann etwas hinzugefügt, was man Motion Capture nennt. Dies ist ein Vorgang, bei dem man eine Anzahl von Kameras, vielleicht zwölf oder 15, benutzt, die alle auf eine Figur gerichtet sind, die einen engen schwarzen Anzug mit kleinen Markierungen darauf trägt. Wenn die Figur sich bewegt, lässt sich diese Bewegung im Computer nachempfinden und später auf die für die Aufnahme gewünschte Figur übertragen. Das ist ein langer und arbeitsintensiver Prozess.“

        Er fährt fort: „Die Technologie hat sich mittlerweile zu einem Punkt weiterentwickelt, dass wir die exakt gleiche Datenmasse mit nur zwei Videokameras ansammeln, während die eigentliche Szene gedreht wird. Man muss das Ganze nicht mehr in zwei voneinander getrennte Szenen aufteilen; alles passiert gleichzeitig. Daraus ergeben sich eine Menge Vorteile. Wenn ein Schauspieler im ersten PIRATES-Film gegen einen der verfluchten Skelett-Piraten kämpfte, dann hat er quasi gegen Luft gekämpft und musste so tun, als würde er etwas sehen, was natürlich gar nicht da war. Jetzt können die Schauspieler miteinander interagieren – die Effektarbeit kommt später dazu. Das sieht natürlicher und realistischer aus.“

        „Die Wirkung ist wirklich groß“, sagt Charlie Gibson. „Denn bei der Figurenanimation hängt alles von der Güte der Darstellungen ab, was vor allem im Fall von Bill Nighy zutrifft. Der Film wird auf Basis von höchst subtilen Gesichtsausdrücken, Gebärden und selbst weniger greifbaren Dingen wie seine Stimmung und das Gefühl hinter seinen Augen – all das, was einen großartigen Schauspieler ausmacht – geschnitten. Bill ist ein steter Quell unglaublicher Vielfalt. Er wiederholt sich niemals, man findet immer einen interessanten Aspekt an seiner Darstellung.“

        Nighy selbst zeigte sich höchst amüsiert von dem Prozess, mit dem ILM aus ihm einen glaubwürdigen Davy Jones zauberte: „Als erstes wurde ein Cyber-Scan von mir angefertigt, den sie in einer Art Geheimlastwagen voller Bildschirme und Computer machten. Am Set trug ich dann einen grauen Turnanzug, dessen Referenzpunkte aus weißen Blasen und Streifen aus schwarzem und weißem Material bestanden. Damit kann man dann später meine Bewegungen im Computer in Davy Jones verwandeln. Ich verstehe kein bisschen davon, aber immerhin bin ich gegenwärtig der Weltrekordhalter im Orgelspiel mit einem imaginären Oktopusbart. Das ist wahre Pionierarbeit, alles auf der Höhe unserer Zeit.“

        Knoll und George arbeiteten nach dem Prinzip eines klassischen Tag Teams. Einer von beiden befand sich zu allen Zeiten am Set, der andere blieb im ILM-Hauptquartier in San Francisco, um mit den Künstlern und Technikern die vorhandenen Aufnahmen zu animieren. „Eine unserer Aufgaben am Set war der Umgang mit Improvisationen und Veränderungen“, erklärt Knoll. „Egal, wie weit im Voraus man alles exakt durchgeplant hat, vor der Kamera sieht die Situation dann wieder ganz anders aus. Oder es ergibt sich eine Gelegenheit, etwas kreativ zu verbessern. Dann muss man die Kamera vielleicht an einer anderen Stelle positionieren. Oder es gibt eine andere technische Herausforderung, die man nicht vorhergesehen hat. Es ist wichtig, dass jemand von den visuellen Effekten anwesend ist, damit Entscheidungen schnell getroffen werden können.“

        Für die richtige Atmosphäre waren die Spezialeffekt-Koordinatoren Michael Lantieri und Allen Hall zuständig. Ob es nun um den Rauch aus Davy Jones’ gewaltiger Orgel ging, ein ausgewachsenes Schiff in zwei Teile zu kloppen, ganze Batterien von Kanonen abzufeuern oder die Black Pearl und den Fliegenden Holländern mit Nebelschwaden zu umgeben, diese physischen „In-Camera“-Effekte waren keinen Deut weniger magisch als das, was die Experten von ILM leisteten. Tatsächlich wurde für die Sequenzen auf den Bahamas soviel Nebel benötigt, dass Hall zwei große Boote mit großen Flugzeugmotoren ausstattete. „Wir haben tatsächlich den weltweiten Vorrat an Nebelflüssigkeit für den Film aufgekauft“, gibt Hall zu.

        Der Umgang mit dem launischen Wetter auf den Grand Bahamas wurde für Verbinski und das Team mit der Zeit beinahe zur Routine. Aber was die Produktion im Oktober erwartete, hätte keiner jemals vorhersagen können. Obwohl der karibische Production Supervisor Tom Hayslip im September auf 27 Seiten einen detaillierten Hurricane-Vorbereitungsplan angefertigt hatte, hoffte man natürlich, dass man nicht auf ihn zurückgreifen würde müssen. Aber am Dienstag, den 18. Oktober, wurde nur allzu deutlich, dass der tropische Sturm Wilma – der gerade zum Hurricane Wilma erklärt worden war – eine überraschende Drehung nach rechts weg von der Halbinsel Yucatan machen und Kurs auf Florida und das nur 50 Meilen entfernte Grand Bahama Island nehmen würde. Mit ständig steigender Luftfeuchtigkeit und dem Auftauchen eines gewaltigen Wolkenmassivs begann die Produktion in Windeseile, sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Es war eine schreckliche Ironie, dass nur zwei Wochen zuvor die Vorproduktionscrew von DÉJÀ VU (2006), einer weiteren Produktion von Jerry Bruckheimer, aus New Orleans evakuiert werden musste, als sich der monströse Hurricane Katrina dem Golf näherte. Jetzt begannen Bruckheimer und sein Produktionsteam mit der Organisation der gewaltigen Aufgabe, die Produktionsstätten zu sichern und die Sicherheit der gesamten Crew zu gewährleisten.

        Grand Bahama Island ist flach wie ein Pfannkuchen, hat keine nennenswerten Erhebungen und musste bereits im September 2004 gewaltige Schläge von den Hurricanes Frances und Jeanne einstecken. Als die Mannschaft am 18. Oktober schlafen ging, war Wilma lediglich ein Hurricane der Kategorie 1. Als sie aufwachte, war er nicht nur zu Kategorie 5 hochgestuft worden, sondern wütete mit Windstärken von 250 Stundenkilometer und Windböen von bis zu 350 Stundenkilometer mittlerweile als der mächtigste Hurricane, der jemals aufgezeichnet worden war. „Man warnte uns erstmals etwa eine Woche vor dem Hurricane. Schnell trafen wir die Entscheidung, nach Möglichkeit alle Leute der Crew auszufliegen, für den Fall, dass Grand Bahama Island betroffen sein würde“, erinnert sich Bruckheimer. „Zum unseren Glück konnten wir alle evakuieren, unsere Schiffe sicher im Hafen vertäuen und die Segel einholen. Wir hatten nur minimale Schäden zu beklagen, wenn man bedenkt, was passieren hätte können.“


        Nachdem er durch Florida getobt war, schlug Hurricane Wilma am 24. Oktober als ein Hurricane der Kategorie 2 auf Grand Bahama Island mit Windstärken um die 160 Stundenkilometer ein. Zum Glück war es ein kurzer Besuch, der nur vier Stunden dauerte. Die Studiobauten wurden weitgehend von der Zerstörung verschont, aber das West End der Insel und das Dörfchen Eight Mile Rock wurden von dem Wirbelsturm mit voller Wucht getroffen. Nur dreieinhalb Tage benötigte die Produktion, den Sand, den die Sturmflut herbei getragen hatte, aus dem Camp zu entfernen, die weggespülten Straßen neu zu befestigen und das komplette Basiscamp wieder so herzurichten, als wäre nichts geschehen. Die Inselbewohner hatten einen weiteren Sturm von vielen überstanden, von denen sie während der Storm-Season heimgesucht werden. Und PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 sowie PIRATES OF THE CARIBBEAN 3 konnten plangemäß auf der Black Pearl und der Flying Dutchman weitergedreht werden. Dazu kamen noch Aufnahmen auf dem Set eines versenkten Schiffes, das tragische Bekanntschaft mit dem Kraken gemacht hatte. Im Dezember folgte eine weitere geplante Pause, damit alle Beteiligten die Feiertage zu Hause zubringen konnten.

        In der zweiten Januar-Woche 2006 kehrte die Produktion auf die Bahamas zurück. Mit dem Abschluss der Krakenszenen und ironischerweise dem Dreh jener Szene, mit der sich Captain Jack Sparrow diesmal im Film vorstellt, kam die schier endlose Produktion zu ihrem Ende. Zu diesem Zeitpunkt war es deutlich kälter auf den Bahamas: Abends waren Parkas unerlässlich. „Wir haben so ungefähr jedes nur denkbare Wetter während des Drehs durchlebt“, meint Johnny Depp. „Als wir in St. Vincent und Dominica drehten, waren die Hitze und die Luftfeuchtigkeit beinahe unerträglich. Jetzt nähern sich die Temperaturen nachts dem Gefrierpunkt. Das ist ziemlich merkwürdig. Dazu kommt noch, dass wir jetzt immer noch an Szenen arbeiten, mit denen wir vor einem Jahr begonnen haben. Man muss sich wirklich Mühe geben, wenn man will, dass alle Punkte sorgfältig miteinander verbunden werden.“ Obwohl Verbinski und seine Leute noch bis zum Ende Februar an Szenen für PIRATES OF THE CARIBBEAN 3 arbeiteten, war der Dreh von PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 abgeschlossen – exakt ein Jahr, nachdem sie in Burbank begonnen hatten.

        Am letzten Drehtag in der Karibik kam die Mannschaft im Essenszelt im Basecamp auf Grand Bahama zusammen. Bruckheimer, Verbinski und ihr Produktionsteam hielten kurze Reden und hatten folgende wissenswerte Details parat.

        • Der Reisekoordinator der Produktion hatte mehr als 10.000 One-Way-Tickets gebucht, Charterflüge nicht mitgerechnet.
        • Auf Dominica wurden 475 Handys verteilt.
        • 550 Fässer wurden von den Ausstattern gebaut.
        • 178 Fässer Rauch waren von der Spezialeffektabteilung verbraucht worden.
        • Mehr als 6000 Batterien waren von der Sound-Abteilung aufgebraucht worden.
        • Zu einem Zeitpunkt waren mehr als 200 Walkie-Talkies am Set gleichzeitig in Gebrauch.
        • Insgesamt setzte die Produktion 135.000 Meter Seil ein – 135 Kilometer!!
        • Das erste und zweite Drehteam verschoss mehr als 500 Kilometer Film – ungefähr die Strecke von Los Angeles nach Sacramento.
        • Mehr als 200.000 Mahlzeiten wurden serviert.

        Jetzt war die Zeit für Cast und Crew gekommen, mit unzähligen Erinnerungen im Gepäck wieder nach Hause zurückzukehren. „Es war in jeder Hinsicht unglaublich“, sagt Johnny Depp. „Mit der Zeit wächst man zusammen wie eine merkwürdige Zigeunerfamilie, wie ein Wanderzirkus.“

        „Es kann ziemlich schwierig sein, wenn man für so lange Zeit von Familie und Freunden getrennt ist, aber wir haben unsere eigene Art von Familienumfeld geschaffen. Die Atmosphäre am Set war großartig“, merkt Orlando Bloom an. „Man arbeitet lange und vor allem hart, aber wir alle wissen, woran wir arbeiten. Es ist eine Gelegenheit, wie man sie nur einmal im Leben hat. Es ist ausgezeichnete Unterhaltung, ein Spaß für die Familie mit einer tollen Geschichte, die wirklich jeder genießen kann. Der Film nimmt sich nicht allzu ernst, was ausgesprochen befreiend ist. Ich habe das Gefühl, als würde ich in vielen verschiedenen Träumen gleichzeitig leben, ob ich nun an Seilen schwinge, in einem Knochenkäfig herumrolle, Segel hinab gleite oder ein schönes Mädchen küsse. Die Arbeit, die darin steckt, ist schwierig – nur auf der Leinwand sieht es einfach und mühelos aus. Aber es macht trotzdem unerhört viel Spaß. Ich fühle mich sehr glücklich, weil es eine tolle Gruppe von Leuten ist und viele Gedanken und Sorgfalt auf das Machen dieses Films verwendet wurden.“

        Er schließt ab: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas noch einmal so gemacht werden wird. Zumindest fühlt es sich so an wie das Ende einer Ära. Und ich glaube, wir sind alle sehr froh, ein Teil davon gewesen zu sein.“

        „Es war ein Abenteuer ganz im Sinne eines Piratenfilms“, sagt Regie-Assistent Peter Kohn. „Es ist nicht, als hätte man einen Film gemacht. Es ist, als wäre man in dem Film, als wäre man der Film selbst, als wäre die Themenpark-Attraktion zu Leben erwacht - ,livin’ the ride’, wie eines unserer T-Shirts sagt.“

        „Das Publikum wird all das bekommen, was es sich erwartet, wenn es an der Kasse sein Ticket löst“, sagt Bill Nighy. „Romantik, Abenteuer, Thrills, Gefahr, Magie. Dinge, die man noch nie zuvor gesehen hat. Welten, die man noch nie zuvor besucht hat. Es ist ziemlich schwer, einen Abenteuerfilm auf die Beine zu stellen, der authentisch wirkt und zufrieden stellt – und gleichzeitig einen ganzen Kinosaal in regelmäßigen Abständen in schallendes Gelächter ausbrechen lässt.“

        „Ich habe noch nie bei etwas mitgemacht, was auch nur annähernd so groß war“, staunt Kevin R. McNally. „Bisweilen befällt einen Angst, man könnte sich in all dem verlieren. Aber das Tolle an Jerrys Produktion, Gores Regie und Ted und Terrys Schreibtalent ist, dass sie am meisten an den Figuren interessiert sind. Trotz all der gigantischen Sets, der visuellen Effekte, des Spektakels steht im Zentrum des Films, wenn wir uns zusammensetzen, reden, planen und einfach gemeinsam Piraten sind. Man verliert sich nicht in einem Meer aus Organisation und Logistik.“

        „Ich habe großen Respekt für Gore – immer schon, seit dem ersten Moment, an dem wir gemeinsam an dem ersten Film arbeiteten“, lobt Johnny Depp. „Aber welche Last bei diesem Film jeden Tag wieder aufs Neue auf seinen Schultern ruhte, ist unfassbar. Trotz des unbeschreiblichen Drucks habe ich nie erlebt, dass er ausrastete oder rumtobte, dass er je seine Fassung oder seine Vision verlor. Er geht mit allem der Reihe nach um und kämpft sich durch. Das ist ein kleines Wunder. Gore ist einer dieser Regisseure, bei dem man es sich als Schauspieler erlauben könnte, das Drehbuch nicht gelesen zu haben – man muss einfach nur ihm vertrauen, weil er das Material in- und auswendig kennt.“

        „Gore ist ein phänomenaler Regisseur“, bestätigt auch Orlando Bloom. „Als ich den ersten Film zum ersten Mal sah, blies es mich förmlich weg, wie es ihm gelungen war, die Geschichte und die Figuren so integer zu präsentieren. Gore hat die Fähigkeit, eine beliebig große Crew zu motivieren. Jede einzelne Szene geht er mit ungebrochener Seele und jugendlicher Energie an, und mag sie noch so groß und komplex sein.“

        Keira Knightley stimmt ihren PIRATES-Kollegen unbedingt zu: „Ich weiß nicht, wie sich Gores Gehirn auf so viele verschiedene Dinge auf einmal konzentrieren kann. Aber es ist beeindruckend. Ich halte es in einem solchen Film, der sich in das Reich der Fantasy und Träume bewegt, für wichtig, dass man einen emotionalen Kern hat, der sich echt anfühlt. Und genau das ist es, was Gore gelingt. Er lässt alles immer echt wirken.“

        Alle – ob sie nun schon beim ersten Teil dabei gewesen waren oder nicht – stimmen überein, dass sich das Set eines Films von Jerry Bruckheimer mit nichts anderem vergleichen lässt. „Der erste Film fühlte sich sehr intim an und wurde immer größer, je länger die Produktion andauerte“, erinnert sich Johnny Depp. „Dieser hier ist einfach durch und durch Jerry Bruckheimer. Das heißt, er ist gewaltig groß, aber hat verdammt viel Stil und Geschmack. Jerry arbeitet eben mit den besten Leuten im Geschäft. Und das ist beeindruckend.“

        „Jerry umgibt sich mit einem Team von Leuten, die in der Lage sind, einfach alles zu stemmen, was Gore und die Drehbuchautoren verlangten“, erklärt Orlando Bloom. „Es geht immer nur darum, wie man alles noch besser machen kann. Das ist Jerrys generelle Lebenseinstellung und seine Einstellung zum Filmemachen: Es gibt nichts, was man nicht tun kann. Das ist eine mutige Art, Filme zu machen. Furchtlos und manchmal etwas überwältigend.“

        „Ich habe jetzt drei Filme mit Jerry gedreht“, berichtet Keira Knightley. „Und es ist einfach unglaublich. Sie sind wirklich, wirklich groß! Das Ausmaß dieser Filme ist gewaltig. Jerry hat eine komplette Piratenwelt geschaffen. Und wir alle sind ein Teil davon. Das ist fantastisch.“

        „Jerry Bruckheimer ist ein Original“, sagt Lee Arenberg. „Er ist wahrlich ein Impresario, weil er einem die Werkzeuge reicht, damit man die Dinge machen kann, die man machen will. Sein Fokus ist superstark, er hat einen goldenen Daumen und stellt tolle Leute an, die für ihn arbeiten. Ich glaube, es ist ein Merkmal wahrer Macht, wenn man seinem Team beständig Respekt und Vertrauen zollt.“

        „Durch einen Film von Jerry Bruckheimer kann man sich nicht treiben lassen“, fügt Kevin R. MacNally hinzu. „Mit halben Sachen kommt man nicht durch. Alle um einen herum geben ihr Bestes, und das ist höchst inspirierend. Er ist aktiv beim Dreh beteiligt. Dann weiß man auch, dass alles 110-prozentig wird.“

        „Jerry Stärke ist, dass er keine Schwächen hat“, sagt Bruce Hendricks. „Er versteht den Geschmack des Publikums und stellt sicher, dass seine Filme dem jungen und auch dem älteren Publikum gefallen.“

        Und doch war die Arbeit noch nicht vorbei. Eine Unterbrechung des Drehs von PIRATES OF THE CARIBBEAN 3 wurde anberaumt, damit sich Bruckheimer und Verbinski um die unzähligen Elemente der Postproduktion kümmern konnten, im Schneideraum mit den Cuttern Craig Wood und Stephen Rivkin, sowie um die visuellen Effekte, die Soundeffekte, die Musik und die tausend anderen Details, die von Nöten waren, um PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 rechtzeitig zum US-Kinostart am 7. Juli fertigzustellen. Walt Disney Imagineering sorgte indes für eine Generalüberholung der Themenparkattraktion in Disneyland, die bis zur Filmpremiere abgeschlossen sein wird. Jerry Bruckheimer sagt: „Sie fügen ein paar der ikonischen Figuren des Films zur Attraktion hinzu. Das wird sehr spannend für uns, wenn wir sehen können, wie von uns erdachte Figuren Teil der Welt von Disney werden.“

        Und, na klar, nach der Premiere von PIRATES OF THE CARIBBEAN – FLUCH DER KARIBIK 2 werden Bruckheimer, Verbinski und ihre unerschrockenen Spießgesellen einmal mehr die Piratenflagge hissen, um in der Karibik die bereits begonnene Arbeit an PIRATES OF THE CARIBBEAN 3zu vollenden.

        Die Black Pearl wird erneut Segel setzen... und die Odyssee der Piraten der Karibik wird weitergehen!

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