Thriller,
Horror,
Mystery
| Frankreich / Kanada / USA 2006
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| Die Welten von Silent Hill
Um das komplexe SILENT HILL Universum verstehen zu können, muss man die vielen verschiedenen Wirklichkeiten und Unwirklichkeiten dieses Ortes begreifen. "SILENT HILL unterscheidet sich von all den anderen Genrefilmen. Es gibt nicht nur eine Realität, sondern die Welt existiert in vier verschiedenen Dimensionen. Da gibt es zum einen die Stadt Silent Hill, wie sie tatsächlich in den 70ern war, dann das Silent Hill von heute, das Silent Hill im Nebel und natürlich das Silent Hill in der Dunkelheit", so Hadida. Carmody fügt hinzu: "Es ist eine enorme Herausforderung, all diese Parallelwelten zu zeigen. Um sie visuell so anspruchsvoll wie möglich zu gestalten, bauten wir riesige Sets, für die wir ganze fünf Studios benötigten. Jedes Set gab es wiederum in zwei oder drei verschiedenen Arten entsprechend der Parallelwelten."
Zwei der vier Dimensionen, in denen der Film spielt, rücken die Zeit als Aspekt in den Vordergrund - das echte Silent Hill aus den 70er Jahren, das, ganz im Stil verkratzter Archivaufnahmen, immer wieder in Flashbacks gezeigt wird, und das Silent Hill von heute, in dem Christopher (Sean Bean) seine Frau sucht. Die anderen beiden Parallelwelten der Stadt spielen mit dem räumlichen Aspekt: Die nebelige Stadt, in der Rose versucht, ihre Tochter zu finden, und das Silent Hill, das in Dunkelheit getaucht ist und wie eine Heraufbeschwörung der Hölle zu verstehen ist. "Die Idee, dass wir mit diesem Film viele verschiedene zeitliche, räumliche und manchmal sogar metaphysische Dimensionen erforschen konnten, gefiel mir besonders gut", so Gans.
Andrew Mason (ausführender Produzent) konnte dank seiner Arbeit an Filmen wie THE CROW ("The Crow - Die Krähe"), DARK CITY ("Dark City") und MATRIX ("Matrix") auf Erfahrungen mit Werken, die mit verschiedenen Dimensionen spielen, zurückgreifen. Bereits als Kind war er leidenschaftlicher Science-Fiction-Fan. Kein Wunder, dass er für diese speziellen Welten eine ganz besondere Vorliebe entwickelt hat: "Es gibt zwei Ansätze für diese Geschichte. Entweder erzählt sie von den Momenten zwischen dem Tod und dem Schicksal, oder es ist eine Story über eine tatsächlich existierende fremde Dimension, in der Menschen gefangen werden, die ihr Schicksal verleugnen", so Mason. "Der Film handelt von Angst. Angst vor dem Alleinsein, vor der Dunkelheit, vor der eigenen dunklen Seite und vor dem Schicksal. Im Videospiel wird der Spieler immer wieder in fremde, bedrohliche Welten gestoßen. Der Film versucht genau diese Stimmung einzufangen und sie einem größeren Publikum zu vermitteln."
Mit vier verschiedenen Parallelwelten als Schauplatz kann es schon mal sein, dass der Zuschauer etwas verwirrt ist. Doch das ist beabsichtigt. Dazu Gans: "Wir haben darauf verzichtet, alles zu erklären, weil es doch viel spannender ist, wenn das Publikum selbst mitdenkt und versucht, eine Erklärung zu finden. Diese Undurchsichtigkeit ist eine Herausforderung, eine Einladung zum Nachdenken, wenn man so will."
Bei der Adaption des Spiels für die Leinwand nahm Gans einige Veränderungen vor. So ist die Hauptfigur im Film, im Gegensatz zum Videospiel, eine Frau. "Wenn man eine so verstörende und furchteinflößende Geschichte erzählt, muss man eine Art friedlichen Rettungsanker, einen ruhenden Pol mit einbauen. Ich habe mich dazu entschieden, dies dadurch zu erzielen, indem ich viele Frauencharaktere in die Handlung einbaue. Auf diese Weise wird die Geschichte komplexer und zur gleichen Zeit auch zweideutiger."
Als Leitmotiv dienen in SILENT HILL Mutterschaft, Glaube und Verfolgung. Gans spielt mit diesen Aspekten besonders auf einer symbolischen Ebene. In LE PACTE DES LOUPS ("Pakt der Wölfe") verkörpert Mani, ein indianischer Schamane, der an die Kräfte der Natur glaubt, diese Aspekte. In SILENT HILL ist Rose (Rahda Mitchell) das weibliche Gegenstück zu diesem Part. Sie kämpft mit der Kraft der Mutterliebe gegen Intoleranz. "Obwohl Sharon von Rose adoptiert wurde, liebt sie das Mädchen wie ihre eigene Tochter. Die Mutterschaft im Film ähnelt also auch ein wenig der unbefleckten Empfängnis, der großmütigsten Art, Mutter zu werden. Genau das ist der "Rettungsanker" des Films. Alle weiblichen Charaktere besitzen verschiedene Art und Weisen, mit ihrem Dasein als Mutter umzugehen."
Das Gegenstück zu Rose ist Cybil, eine kinderlose Polizistin, die Rose bei der Suche nach ihrer Tochter hilft. Weitere weibliche Figuren aus dem Film sind Dahlia, eine Mutter, die schwer darunter leidet, ihre Tochter an eine fanatische Sekte verloren zu haben; Cristabella, die als religiöses Oberhaupt der Stadt der Mutterschaft zugunsten des Allgemeinwohls ganz entsagt hat; Anna, eine Unschuldige, die sich an alles, was einer Mutter ähnlich kommt, klammert; und Dark Alessa, die sich mit der Kraft ihrer mütterlichen Instinkte um Sharon kümmert.
Seinen verheerenden Schluss findet SILENT HILL im Heiligtum eines von Hexen besessenen Kults. Bis dahin hat sich der Film bereits zu einer warnenden Geschichte über die Gefahren religiösen Fanatismus´ entwickelt und erinnert an die blutige Geschichte der Inquisition.
"Im Europa des 17. und 18 Jahrhunderts wurden Frauen, die frei von allen Zwängen sein wollten, die als eigenständig gelten wollten, als Hexen verfolgt und hingerichtet. Monotheistische Religionen greifen das weibliche Ideal immer wieder an und stellen sich dagegen. Das war mir auch im Film durchaus bewusst, aber trotzdem wollte ich nicht den Moralapostel spielen. Zu allererst möchte ich eine Geschichte erzählen und wenn die Zuschauer noch tiefer in den Film eintauchen, können sie meine Einstellung zu verschiedenen Themen entdecken. Jemand, der LE PACTE DES LOUPS ("Der Pakt der Wölfe") und SILENT HILL gesehen hat, kennt mich und meine Meinung danach sehr gut", so Gans.
"Jeder, der LE PACTE DES LOUPS ("Der Pakt der Wölfe") kennt, weiß, dass da jemand am Werk war, der wirklich etwas von seiner Arbeit versteht. Jemand, der die vielen Möglichkeiten eines Kinofilms zu schätzen weiß und der ein überwältigendes Abenteuer auf die Leinwand bringen kann. Allerdings trat dabei in den Hintergrund, dass Christophe auch viele verdrehte und surrealistische Ideen besitzt, und genau die kann er nun in SILENT HILL unter Beweis stellen", so Mason.
Nachdem Dan Laustsen (Kamera) bereits bei LE PACTE DES LOUPS ("Der Pakt der Wölfe") mit Gans zusammengearbeitet hat, gehört er erneut zum Team von Gans. "Christophe hat eine ganz klare Vorstellung von dem, was ihm gefällt und wie er den Film haben will. Das ist einfach fantastisch. Ich habe noch nie mit jemandem zusammengearbeitet, der soviel Ahnung von Film hat. Er hat eine riesige Vorstellungskraft und ich bin mir sicher, dass er fast alle Filme dieser Welt schon mal gesehen hat. Bei SILENT HILL dreht sich nicht alles nur um Horror, Horror, Horror. Der Film ist zwar gruselig, aber zur gleichen Zeit auch wunderbar poetisch mit schönen, mitreißenden Aufnahmen. Genau das zeichnet den Film aus", so Laustsen.
Auch wenn die Arbeitsschritte bei der Adaption eines Romans und der eines Videospiels doch sehr ähnlich klingen, gibt es gravierende Unterschiede. Ein Roman wird für die Filmversion oft heruntergekürzt und komprimiert, bei einem Videospiel spielen noch viele andere Faktoren eine wichtige Rolle. Akira Yamaoka, der Erfinder des Silent Hill Videospiels, ließ bei der Entwicklung die Arbeiten französischer Surrealisten wie Hans Beller und moderner Künstler wie Francis Bacon mit einfließen. Auch die Geschichten und Ideen von Franz Kafka spielen eine wichtige Rolle. "Christophe entschied sich dafür, die Geschichte aus dem Blickwinkel eines französischen Surrealisten zu betrachten. SILENT HILL erzählt eine sehr vielschichtige Story. Immer, wenn man denkt, das Rätsel gelöst zu haben, passiert etwas Neues und man muss seine Interpretation überdenken. Bei der Adaption ging es uns darum, die Quintessenz des Spiels zu finden und zu vermitteln, aber zur gleichen Zeit auch so viel bekanntes Material wie möglich einzubauen, um diese intensive und mysteriöse Spannung beizubehalten", so Mason.
"Als ich ´Silent Hill 2´ spielte, musste ich weinen. Es ist viel mehr als ein Videospiel, nämlich ein wunderschönes Kunstwerk, das ewig existieren wird. Um etwas gänzlich Neues zu entwerfen, mussten wir das Spiel allerdings auseinander nehmen", so Drehbuchautor Roger Avary. Gans und Avary verbrachten viele Stunden damit, das Spiel bis ins kleinste Detail zu studieren. Nicht nur die wichtigen Storyelemente spielten dabei eine Rolle, auch die Kameraführung wurde genauestens analysiert. "Eines war uns von Anfang an klar. Wir wollten unbedingt die einzigartige Stimmung des Spiels beibehalten. Wenn diese verloren geht, ist alles verloren", so Avary weiter.
Doch was genau ist diese spezielle Stimmung in SILENT HILL? "Darüber haben Christophe und ich oft gestritten, da wir verschiedene Ansichten vertreten. Ich glaube an Vergebung, Christophe allerdings an gerechtfertige Rache und ich denke, Christophe hat hierbei gewonnen. Er versteht SILENT HILL mindestens genau so gut wie der Erfinder des Spiels, wenn nicht sogar besser. Dadurch dass er auf drei verschiedene Arten an das Spiel herangegangen ist, erst als Spieler, dann als Autor und nun als Regisseur, konnte er alle für den Film notwendigen Elemente und Metaphern herausfinden. Allerdings beruht der Film nicht nur auf seinem Ansatz, auch meine Interpretation und die vieler anderer flossen in das Projekt mit ein. Man hätte viele verschiedene Regisseure ihre eigene Interpretation von SILENT HILL drehen lassen können, aber nur Christophe kann den Stoff so treffend vermitteln. Er kennt sich mit sämtlichen Medienformen, sei es Mangas, Romane, Filme, Fernsehsendungen, Videospiele oder Musik, bestens aus. Deshalb war er als Regisseur auch die perfekte Wahl. Er lebt und atmet das Material förmlich", so Avary. Laut Avary hat SILENT HILL einen ganz speziellen, undefinierbaren Charakter: "Ist es ein Beziehungsdrama? Ist es Science Fiction? Ist es spannungsgeladener Horror? Ist es eine Endzeitsaga? Was Christophe da geschaffen hat, ist eine absolute Neuheit auf der Leinwand. SILENT HILL kann nicht in irgendeine Genre-Schublade gesteckt werden, der Film hat seine eigene Kategorie geschaffen."