Mittwoch | 30. Mai 2012 | 20:43 Uhr
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    Action, Abenteuer, Drama | USA 2005
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      • | Der Stoff, aus dem Geschichte gemacht wird

      • Weil Terrence Malicks Forderung nach historischer Authentizität die Arbeit in allen Abteilungen bestimmte, beschäftigte sich auch Kostümbildnerin Jacqueline West mit der komplizierten Aufgabe, die Kolonisten und die Eingeborenen akkurat einzukleiden. Diese Herausforderung nahm die erfahrene Designerin gern an.

        "Als ich erfuhr, dass Terry sich mit mir treffen wollte, habe ich sofort mit meinen Recherchen und Skizzen angefangen, denn ich bewundere ihn sehr", erinnert sich West. "Als wir uns dann trafen, legte ich eine Reihe anschaulicher Beispiele von Eingeborenen-Kostümen und Skizzen auf den Tisch. Sie wirken düster und geheimnisvoll - genau die Qualitäten, die Terry sich vorstellte."

        Um Ideen zu bekommen, stürzte sich West zunächst in vorbereitende Recherchen, wobei sie vielfach auf ihre eigene umfangreiche Bibliothek mit Büchern über die Indianer zurückgreifen konnte.

        "Bei den Entwürfen für die englischen Kostüme ging es vor allem um Recherche. Außerdem müssen die Kleider auch so aussehen, als ob sie bereits die weite Reise von England nach Virginia überstanden haben", sagt West. "Aber bei den Eingeborenen wollten wir ein Ambiente schaffen, wie es bisher noch nicht zu sehen war."

        Bei ihren Entwürfen legte West besonderen Wert auf Materialien, die in der damaligen Zeit verwendet wurden.

        "Natürlich entnahmen sie alles, was sie brauchten, ihrer natürlichen Umgebung. Deshalb hatten wir das Gefühl, es wäre unrealistisch und spirituell auch eine Beleidigung, künstliche Materialien aus der Massenproduktion zu verwenden", sagt sie. "Entsprechend bestellten wir uns Häute und Pelze - aber nur das, was es bereits gab. Selbstverständlich mussten keine Tiere für unseren Film sterben. Außerdem profitierte ich sehr von der Großzügigkeit Außenstehender wie Häuptling Robert Two Eagles Green von den Patawomeck-Indianern in Virginia. Wir freundeten uns an, er hat uns umfassend unterstützt, schenkte uns jede Menge Hirschgeweihe, Truthahnfedern und andere Materialien. Häuptling Green und auch Häuptling Stephen Adkins von den Chickahominy traten später in den entsprechenden Szenen des Films auf und sagten anschließend, dass sie sich wie auf einer Zeitreise zu ihren Vorfahren fühlten. Sie waren beeindruckt von unseren Bemühungen, den damals sehr respektvollen Umgang mit den Tieren zu zeigen. Auch Abfall gab es nicht. Wenn uns das auch nur teilweise gelungen ist, dann haben wir in meinen Augen unser Ziel erreicht."

        West und ihre Mitarbeiter verwendeten auch andere natürliche Materialien wie zum Beispiel Muscheln und Süßwasserperlen, die die Küstenbewohner damals als Schmuck benutzten. Insgesamt etwa 500 Kostüme entstanden durch die Teamarbeit von nur 15 Mitarbeitern, die seit Beginn der Vorbereitungen im Einsatz waren. Viele wurden vor Ort in Virginia engagiert.

        "Glücklicherweise fand ich hoch begabte, sehr fleißige und kreative Mitarbeiter", sagt West. "15 Leute arbeiteten an den Kostümen, einer war für die Masken zuständig, einer für den Haarputz, zwei konzentrierten sich auf Schmuck, einer stellte wunderbare Lederutensilien her. Und alle stammen aus der Gegend."

        Bei den englischen Kostümen stützte sich West auf ihre langjährige Mitarbeiterin Suzi Turnbull. "Ich habe schon drei Filme mit ihr gemacht - ich nenne sie nur noch meine Geheimwaffe", sagt West. "Während ich in den USA recherchierte, hat sie in England geforscht. Die Ära von James I. wird nur selten im Film dargestellt. Ich zeichnete Entwürfe, die ich von Terry schon vorab genehmigen ließ, gab sie Suzi, und sie klapperte alle Kostümhäuser in Europa ab, in England, Spanien, Frankreich und Italien, um die Garderobe für diesen Film zusammenzubekommen. Dann engagierten wir zwei Vollzeitkräfte, die die Kleidung so präparierten, dass sie alt und abgetragen aussieht. Eine Menge englischer Hemden und Kniehosen haben wir selbst geschneidert. Ich bestand darauf, diese Kleider in England anfertigen zu lassen, wo man diese Art einfacher Stoffe noch bekommt. Denn dort wird noch sehr viel per Hand gefertigt - man muss also zu den Ursprüngen zurück."

        Die Kostüme für die Hauptdarsteller gestaltete West sorgfältig in Abstimmung mit Charakter und Persönlichkeit ihrer Träger.

        "Captain John Smith war ein schwieriger Fall, weil Männer in Strumpfhosen leicht lächerlich aussehen", sagt West. "Bei seinen Kostümen habe ich mich von den Piratenabenteuern inspirieren lassen - dabei aber immer die authentische Anmutung der damaligen Zeit im Auge behalten. Die Männer damals besaßen normalerweise nur einen einzigen Anzug, denn jemand aus John Smiths Gesellschaftsschicht musste dafür fast so viel bezahlen wie für ein Porträt, das er bei einem Profi-Maler bestellte. Kleidung war derart teuer, dass man zum Beispiel ein ledernes Wams durchaus vererbte... so wertvoll war es. John Smith besitzt also nur ein Outfit, das wir entsprechend variierten. Außerdem statteten wir ihn mit einer Reihe von Accessoires aus, die er auf seinen Abenteuern und Reisen gesammelt hat: zum Beispiel einen transsilvanischen Drachen-Ohrring und einen maurischen Umhang."

        Aber auch Pocahontas' Garderobe erforderte Wests ganzes Können.

        "Terry verlangte, dass Pocahontas zunächst ein ganz einfaches Kostüm trägt, um sie als Freigeist zu zeigen, der sich um Besitz nicht schert", sagt West. "Nachdem sie John Smith kennen gelernt hat, entwickelt sie sich, achtet mehr auf sich, verzichtet allmählich auf ihren kurzen Rock und ihr Lederkleid. Als man ihr die puritanische Mode aufzwingt, erleben wir sie in einem westlichen Kleid mit stark eingeschnürtem Mieder, Ärmeln, reichlich ausgepolstert, mit Krinolinen und Petticoats. Sie wirkt fast wie die Gefangene ihrer Kleidung. Im Laufe der Handlung verwandeln sich ihre Kostüme dann fast in eine englische Mittelklasse-Garderobe."

        Kilcher erlebte die Kostüme als große Hilfe bei ihrem Bemühen, sich in ihre Rolle einzuleben.

        "Weil meine Kleider so authentisch sind, kann ich mich viel besser in die Rolle einfühlen", sagt Kilcher. Im Lauf des Films, zwischen Werowocomoco und später, verändert sich Pocahontas' Kleidung total: Schließlich trägt sie ein Korsett, lange Kleider und hohe Absätze."

        Aber nicht nur John Smiths und Pocahontas' Kostüme wurden mit großem Aufwand gestaltet. Für den "Großkönig" Powhatan fertigte West einen prachtvollen Umhang aus vier Rehhäuten und 30.000 von Hand aufgenähten Glasperlen, die die 34 Reiche des Königs darstellen. Das Stück wurde jenem Original mathematisch nachempfunden, das derzeit im Ashmolean Museum im englischen Oxford ausgestellt ist. Unterdessen trägt Christian Bale als John Rolfe Tweed-Anzüge der damaligen Zeit, wie sie für einen Engländer der Mittelklasse angemessen waren, eine Spur edler als das, was die Kolonisten der ersten Einwanderungswelle trugen.

        Neben den Kostümen waren bei der Ausstattung der Figuren in "The New World" vor allem ihre Frisuren und ihr Make-up von entscheidender Bedeutung. Es galt nicht nur die Kolonisten in ihren unterschiedlichen Gesundheitszuständen zu zeigen, sondern auch die Eingeborenen, die wandelnde Kunstwerke waren, sich auf komplizierte Weise die Körper bemalten, Tätowierungen und ungewöhnliche Haartrachten trugen. Für diese detailintensive Aufgabe war Maskenbildner Paul Engelen mit seinem Team zuständig, wobei vor allem der Chef der Make-up-Abteilung, John Bayless, und der für das Schminken verantwortliche David Atherton sowie die für die Frisurengestaltung zuständige Joani Yarborough und der Chef der Frisurenabteilung, Phillip "Mr. P." Ivey, zu nennen sind. Atherton und Yarborough bringen umfangreiche Erfahrungen mit Filmen über die amerikanischen Ureinwohner mit, zum Beispiel waren sie an "Der mit dem Wolf tanzt" beteiligt. "The New World" forderte allerdings auch sie bis an die Grenzen ihres Könnens.

        Versuch macht klug - das galt auch und gerade für die komplizierten Masken. "Ganze vier Wochen hatten wir für unsere eingehenden Experimente Zeit", berichtet Engelen. "Wir entwickelten verschiedene Techniken, Materialien und Farbzutaten."

        John Bayless fügt hinzu: "Terry liebt Oberflächenstrukturen, und er schätzt es gar nicht, wenn alles wie gerade geschminkt aussieht. In ,The New World' haben wir einen Look gestaltet, wie es ihn auf der Leinwand wohl noch nie gegeben hat. Wir wollten Hautbemalungen zeigen, die nicht ständig nachgebessert werden und wie aus dem Ei gepellt aussehen. Wenn die Szene im Regen spielte, dann achteten wir darauf, dass die Bemalung auch so aussah, als ob sie vom Regen verwaschen ist, wir besserten also nicht ständig nach, und der Effekt ist dadurch viel natürlicher."

        "Terry legte Wert darauf, dass wir biologische Farben benutzen, wir vermieden also leuchtende Rottöne und sonstige Farben, die in der natürlichen Umgebung der Ureinwohner nicht vorkamen", sagt Bayless. "Vielmehr haben wir Ton, Sand und Schlamm hinzugemischt, um bessere Oberflächenstrukturen zu bekommen - wir wollten zeigen, dass die Farben aus Erde hergestellt wurden, aus Blättern und Blumen, sie ließen sich also auch sehr gut auftragen - per Hand oder Stock, nicht mit Pinseln."

        Im Lauf der Dreharbeiten trugen sich die Ureinwohner, die Krieger des Hauptteams und der Zone eins, jeden Morgen die Körperbemalung selbst auf. "Sie tunkten ihre Finger ein und entwickelten eigene Muster - das war Teil ihrer spirtuellen Vorbereitung", erzählt Bayless.

        Das ging sogar so weit, dass etliche Krieger berichteten, sie hätten ihre speziellen Muster aus ihren Träumen übernommen.

        "Bei diesem Film ist das Make-up ein Hauptbestandteil unserer Kostüme", sagt Schauspieler Michael Greyeyes. "Und in jeder Szene, in der ich im Film auftauche, sehe ich anders aus. Ich empfand das als ganz wichtigen Aspekt, denn dadurch zeigen wir doch, dass dies eine lebendige Gemeinschaft war, die sich entwickelte - da war nichts in Stein gemeißelt."

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