Während sich die Schauspieler noch darum rissen, mit Malick zu arbeiten, stellten er und seine Produzentin ein Produktionsteam zusammen. Die äußerst erfahrene Trish Hofmann, die schon früher mit Sarah Green zusammengearbeitet hat, kam als Executive Producer an Bord. Als Kameramann entschied man sich für Emmanuel (Chivo) Lubezki, der sich sowohl in seiner Heimat Mexiko als auch in den USA profiliert hat. Mit Filmen wie "Como agua para chocolate" (Bittersüße Schokolade), "Y tu mamá también", "Sleepy Hollow" und "Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse" hat er nicht nur bewiesen, dass er die Kunst seines Handwerks beherrscht, sondern auch einen Hang zu unorthodoxen Experimenten hat, die Malicks grenzenloser Fantasie sehr dienlich waren.
Es ist vor allem Lubezki zu verdanken, dass Malick sein Ziel erreichte und fast ausschließlich bei natürlichem Tageslicht drehte - durch dieses Vorgehen vermeidet die Crew einen gewaltigen technischen Apparat, der die Arbeit auf üblichen Filmsets behindert. "Ich finde es wirklich wunderbar, dass Terry auf Scheinwerfer verzichtet", sagt Schauspieler Noah Taylor. "Allein die Tatsache, dass nicht alles von Scheinwerfern und Kabeln verstopft wird, schafft eine völlig realistische Umgebung, von der alle Mitarbeiter profitieren. Dadurch wirkt der Set äußerst echt."
Von Malicks Wahl des Produktionsdesigners war niemand überrascht: Jack Fisk hat bei allen drei bisherigen Filmen des Regisseurs eng mit ihm zusammengearbeitet.
Die Kostümabteilung stand in diesem Fall vor ungewöhnlichen Schwierigkeiten - es galt nicht nur Kleidung für englische Edelleute und Bauern des 17. Jahrhunderts zu beschaffen, sondern auch die Bewohner in Powhatans großem Reich authentisch einzukleiden. Die Bewältigung dieser Aufgabe vertraute Malick Jacqueline West an. Die erfahrene Kostümbildnerin kennt sich mit historischen Filmen aus (Philip Kaufmans "Quills - Macht der Besessenheit"), und sie interessiert sich brennend für jene Kultur der Ureinwohner, die Malick ins Auge fasste. Er musste sie also nicht lange überreden.
Zwar wollte Malick sich bewusst einige Freiheiten in Bezug auf die historischen Fakten erlauben, die den Hintergrund zu "The New World" bilden, aber er legte größten Wert darauf, die in der Filmgeschichte gezeigte Kultur so präzise und authentisch wie nur möglich darzustellen. Die angestrebte Akkuratesse wurde durch eine Gruppe von renommierten Experten gewährleistet. Zu ihnen gehören bekannte Fachleute wie Dr. William Kelso (archäologischer Direktor des Projekts zur Erhaltung von Jamestown); Professor Frederic Gleach (ein Privatgelehrter aus Ithaca/New York, der zum Beispiel das Buch "Powhatan's World and Colonial Virginia" veröffentlicht hat); Danielle Moretti-Langholtz (Mitglied im Indianerbeirat von Virginia und Anthropologin am College of William & Mary); sowie der an fast jedem Drehtag präsente Blair Rudes (außerordentlicher Professor für Linguistik an der University of North Carolina, der die Filmtexte in die Algonquin-Sprache übersetzte und als Sprachlehrer diente - er gehört zum Abenaki-Stamm) und Buck Woodard (bei der Produktion für die Authentizität aller Details verantwortlich), ein Kunstdozent in Henrico County/Virginia, der sich früher im Auftrag des Staates Virginia für die Erhaltung des historischen Erbes eingesetzt und an Projekten der Nationalparks, des Smithsonian's National Museum of the American Indian (Nationales Indianermuseum) und der Stiftung Colonial Williamsburg Foundation mitgewirkt hat. Woodard ist Nachfahre des Stammes Lower Muskogee Creek und staatlicher Leiter des Indianerbeirats von Virginia.
Ein wesentliches Ergebnis der Beratung durch die zahlreichen historischen Experten war die korrekte Darstellung der drei Schiffe - der Susan Constant, der Godspeed und der Discovery. Glücklicherweise konnte das Team drei bereits vorhandene Schiffe verwenden, die in der Nähe der ursprünglichen Jamestown-Siedlung vor Anker liegen und normalerweise der Öffentlichkeit zugänglich sind.
"Wenn wir die Schiffe selbst hätten bauen müssen, hätten sie zwei Millionen Dollar pro Stück gekostet", stellt Trish Hofmann fest. "Es war unglaublich, ein idealer Zufall: Drei Schiffe warteten nicht einmal zehn Kilometer von unserem Hauptdrehort entfernt auf uns. Wir mussten den Einsatz allerdings sehr genau mit der Jamestown-Yorktown Foundation absprechen, die die Jamestown-Siedlung heute verwaltet - dort kann man die Schiffe heutzutage besichtigen. Das war nicht einfach, denn die Siedlung ist ein Touristenmagnet, und gerade die Schiffe sind besonders beliebt. Aber sie haben uns großzügig unterstützt und erlaubten uns, die Godspeed, ein wunderschönes Schiff, für drei Viertel unserer Drehtage in Virginia direkt vor dem James-Fort zu ankern. Das war traumhaft, weil wir bei unseren Recherchen herausfanden, dass die Engländer immer ein Schiff vor Ort ließen. Wir haben die Schiffe wie Stars behandelt."
Und als Stars mussten sie sich zunächst einer typischen Hollywood-Behandlung unterziehen... allerdings sollten sie keinen Glamour-Schliff bekommen, sondern genau das Gegenteil.
"Die Schiffe bekamen alle einen neuen Anstrich, doch sie sollen dadurch gebraucht, abgenutzt wirken - ich stelle mir vor, dass sie so ausgesehen haben, nachdem sie monatelang bei Wind und Wetter übers Meer gesegelt sind", sagt Fisk. "Ich ging davon aus, dass sie mit unseren heutigen Trucks vergleichbar sind: Sie waren die damaligen Transportfahrzeuge. Sie waren nicht gerade komfortabel eingerichtet, das Aussehen spielte keine Rolle, und auf dem Weg nach Jamestown beförderten sie weit mehr Passagiere, als man für den Bautyp vorgesehen hatte."
Doch das Produktionsteam, Eric Speth (der Kapitän der drei Schiffe in der Jamestown-Siedlung) und der für die Schiffsmanöver im Film zuständige Mark Preisser standen bald vor dem nächsten Problem: In einer Schlüsselszene sollten alle drei Schiffe gleichzeitig den James River flussaufwärts segeln und erstmals anlegen. Laut Nutzungsvertrag sollte aber eines der Schiffe ständig in der Jamestown-Siedlung bleiben.
"Selbst wenn es uns gelungen wäre, alle drei Schiffe für diesen einen Drehtag zu bekommen, hätten wir sie auf dem Chickahominy River nicht einsetzen können, weil die Susan Constant zu viel Tiefgang hat", erinnert sich Trish Hofmann. "Wir mussten also ein anderes Schiff besorgen, das die Susan Constant darstellt!"
Auf ihrer Suche wurden die Produzenten und Jack Fisk in Verplanck/New York fündig: Dort ankert ein prachtvoller, 26 Meter langer Nachbau der Half Moon, mit der der Entdecker Henry Hudson 1609 den Hudson River hinaufsegelte. David Crank reiste mit seinem Team von Virginia in den Staat New York, um auch die Half Moon eigens herzurichten: Der Dreimaster bekam einen neuen Anstrich und eine künstliche Alters-Patina. Dann segelte die Half Moon unter ihrem Kapitän Chip Reynolds von Verplanck an die Ufer des Chickahominy und war bereit für ihre Großaufnahme.
Ein weiteres Schiff war die kleinere, aber immer noch beeindruckende, zehn Meter lange Schaluppe (Preisser bezeichnet sie als "Kombi des 17. Jahrhunderts"), die John Smith benutzt, um die Männer von den größeren Schiffen an den Strand zu bringen, aber auch, um die Flussläufe von Virginia zu erforschen. Dieses Schiff fand man im Freilichtmuseum Plimoth Plantation in Massachusetts.