Mittwoch | 30. Mai 2012 | 20:45 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Datenbank > Filmdetails > Filminfos
  • FILMDETAILS | The New World
  • The New World

    Action, Abenteuer, Drama | USA 2005
    WERBUNG
      • | Innenausstattung und Requisiten

      • Nachdem die wichtigsten Sets für die Kolonisten und die Eingeborenen standen, war es an Innenrequisiteur Jim Erickson und seiner Abteilung, sie entsprechend auszustatten.

        "So ziemlich alles mussten wir per Hand anfertigen", sagt er. "Die Gegenstände der Eingeborenenkultur haben wir buchstäblich einzeln per Hand aus Leder, Federn, Stein und Holz gefertigt. So etwas gibt es im Laden nicht zu kaufen. Was die englische Kolonie angeht, haben wir ein paar Stücke aufgetrieben, andere angemietet, aber auch hier haben wir im Wesentlichen alles selbst angefertigt. Man muss dabei auch bedenken, dass die Engländer ursprünglich nur das Nötigste mitbrachten, um ihr Überleben zu sichern."

        Erickson berichtet, dass er sich mit seiner Abteilung aktiv bemüht hat, die im Kino gängige Darstellungsart der Eingeborenenkultur zu vermeiden.

        "Es war eine wunderbare Erfahrung, die Kultur der Ureinwohner wieder zum Leben zu erwecken", sagt Erickson. "Wir haben uns ganz bewusst nicht an die übliche Hollywood-Version gehalten, mit der die Ureinwohner in Filmen dargestellt werden. Und neben unseren Recherchen in Bezug auf die Powhatan-Kultur haben wir uns auch Stammesartefakte aus aller Welt angeschaut. Das war unser Ausgangspunkt bei dem Versuch, die Identität und Kultur der Stämme nachzuvollziehen."

        Ericksons Innenausstattungsteam arbeitete eng mit Requisiteur Steve George und Waffenmeister Vern Crofoot zusammen.

        "Wir haben unsere Abteilungen einfach zusammengelegt", sagt Erickson und meint damit das große Zelt neben dem Filmhauptquartier auf dem Gelände des Eastern State Hospital in Williamsburg. Der Hauch der Geschichte waberte buchstäblich durch das Zelt - dank des Geruchs von erdigem Leder, frisch geflochtener Körbe und dem polierten Metall der Gewehrschlösser und Schwerter.

        "Manchmal waren bis zu 25 Leute mit dem Weben von Matten, mit dem Anfertigen von Streitäxten, Lederbeuteln und Gurten beschäftigt. Und später, als wir die Schlachtszenen drehten, mussten wir im Requisitentruck eine Reparaturwerkstatt einrichten, um kaputte Teile zu flicken", sagt George. "Aber die größten Probleme bei diesem Film ergaben sich aus der Tatsache, dass wir nur wenige Vorlagen aus der damaligen Zeit haben - wir mussten also praktisch alle Requisiten der Eingeborenen und der Kolonisten selbst anfertigen."

        Erickson fügt hinzu: "Ich hielt es für wichtig, Gegenstände nachzubilden, die man in den letzten fünf Jahren auf dem Gelände des Forts ausgegraben hat: Kochtöpfe aus Ton, Nachttöpfe, Vorratskrüge, Wasserbehälter, Krüge, Becher und viel deutsches Steingut. Ich versuchte also eine Auswahl von Artikeln herzustellen, die den Alltag im Fort repräsentieren."

        Auch andere Kunsthandwerker in ganz Virginia und den USA wurden engagiert, um spezielle Requisiten zu liefern: zum Beispiel John Smiths kostbaren Kompass aus Ebenholz und Mahagoni mit geschnitzten Elfenbein-Intarsien oder das große Amtsinsigne des Gouverneurs von Jamestown - mit dem Siegel der Virginia Company auf der einen und dem Hauswappen von König James auf der anderen Seite.

        Waffenmeister Vern Crofoot stellte ein Arsenal historisch verbürgter Waffen sowohl für die Engländer als auch für die Eingeborenen zusammen, wobei er eng mit Erickson und George zusammenarbeitete. Aber auch der Waffenexperte stand vor dem bekannten Problem: Aus dieser Zeit sind keine Originale erhalten.

        "Für Filme über den Bürgerkrieg stehen jede Menge Waffen zur Verfügung", sagt Crofoot. "Denn viele Vereine stellen die Schlachten nach - diese Gewehre werden heute gern nachgebaut. Doch ,The New World' spielt in einer Übergangszeit, in der es keine großen Kriege gab. Und falls es überhaupt Filme über diese Epoche gibt, dann nur sehr wenige."

        Also stellte Crofoot ein Arsenal archaischer Waffen zusammen: Flinten mit Luntenzündung, Schwerter, Dolche und Lanzen.

        "Ein paar Feuerwaffen verwenden wir im Film, die meines Wissens noch nie auf der Leinwand zu sehen waren: zum Beispiel den Petronel, einen sehr kurzen Karabiner, den man beim Feuern vor die Brust hielt, statt ihn gegen die Schulter zu drücken", sagt Crofoot. "Die Waffen bekamen die Kolonisten in Jamestown von der englischen Krone. Die meisten stammten aus dem vergangenen Krieg gegen die Holländer - wir benutzten also sowohl holländische als auch britische Feuerwaffen. Was die Gewehre angeht, wurde jedes einzelne extra für diesen Film von spezialisierten Büchsenmachern angefertigt. Denn ich kann nicht beim Requisitenfundus anrufen: ,Schickt mir mal eben 50 Musketen mit Luntenzündschloss.' So etwas gibt es einfach nicht. Und keine Muskete im Film gleicht exakt einer anderen. Eine Nachahmung kann man zigfach duplizieren, indem man die Gussform immer wieder verwendet. Aber unsere Gewehre wurden alle von Hand gefertigt, jedes Teil wurde handgeschmiedet, die Kolben mit der Hand geschnitzt. Jedes ist von oben bis unten reine Handarbeit."

        Crofoot baute außerdem vier verschiedene Typen der Falconnet-Kanonen nach - zwei davon funktionierten tatsächlich. Die hölzernen Lafetten dafür entsprechen exakt jenen, die es im James-Fort gab. Hinzu kommen kleine, bewegliche Hinterlader-Drehkanonen.
        Auch Crofoot studierte die Fundstücke auf dem historischen Jamestown-Gelände, um Anhaltspunkte für die damals verwendeten Schwerter zu bekommen.

        "Zunächst gingen wir davon aus, dass wir vor allem Schwerter mit kreuzförmig angebrachtem Heft verwenden würden. Aber gefunden hat man korbförmige Schwertgriffe", sagt er. "Einige unserer Schwerter haben wir extra anfertigen lassen, manche sind Originale aus der damaligen Zeit, zum Beispiel das von Kapitän Newport [Christopher Plummer]."

        Bei der Fertigung der Eingeborenen-Waffen arbeitete Crofoot mit Jim Erickson zusammen: Sie stellten Pfeile aus Schilf und Köcher her, außerdem blattförmige Schwerter namens "Matakas", die wie harmlose Kanupaddel aussehen. Doch die Powhatans härteten sie in Seewasser und Feuer - sie waren scharf genug, um Knochen zu durchtrennen.

      • | Userwertung

      Wertung: 6.8/10 (16 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN