Sin City ist eine Stadt, die – im wortwörtlichen wie im übertragenen Sinne – nur in schwarz und weiß existiert, eine Welt, die sich draußen genauso karg und kantig anfühlt wie von innen. Nur ganz selten wird diese Stadt von unerwarteten Farbtupfern erleuchtet. Es ist ein Ort extremer Kontraste: Kontraste zwischen den Korrupten, den Machthungrigen und den Unverbesserlichen auf der einen Seite und denen, die sich auf der anderen Seite verzweifelt an Moral, Hoffnung und die oftmals enttäuschten Träume von wahrer Liebe klammern. Eine imaginäre Metropole, die gezeichnet wurde, um nicht einfach nur das Böse einzufangen, sondern um sie durch all die rohen Impulse und Emotionen aus ihren Nähten bersten zu lassen. Die Stadt wurde 1991 aus der Taufe gehoben, errichtet durch die versierten Federstriche aus der schillernden Fantasie von Comicbuch-Meister Frank Miller. SIN CITY wurde schnell zu einer der am meisten gefeierten und geachteten Comicreihen ihrer Zeit. Miller, ein eifriger Innovator, der eine gewichtige Rolle in der Revolution des Geschichtenerzählens in Comicbüchern spielte, hatte sich davor mit dem Marvel Comic „Daredevil“ und dem einflussreichen Batman-Comic „The Dark Knight Returns“ eine große Fangemeinde erarbeitet und viel literarisches Lob eingeheimst. Die Popkultur bereicherte er anschließend noch mit der Erfindung der Ninja-Killerin Elektra und dem futuristischen Samurai Ronin. Er hatte bereits einen Ruf als Ikonoklast, als Bilderstürmer, als Innovator. Doch dann hob er SIN CITY aus der Taufe und brach noch einmal sämtliche Regeln. In SIN CITY finden sich keine Superhelden. Nur harte Typen, hoffnungslose Fälle, Knarren, Mädchen, Liebhaber und Verlierer, die es ans Ende der finsteren, undurchdringlichen Nacht schaffen wollen. All das explodiert förmlich auf den Seiten und in den mit scharfen Konturen und strengen Silhouetten gezeichneten Bildern, die auch Leser begeisterten, die davor gar nichts mit Comics anzufangen wussten.