Nachdem er ihn für das Projekt begeistert hatte, wollte Rodriguez, dass Miller bei der Realisierung von SIN CITY eine zentrale Rolle spielte. „Franks Gegenwart am Set war von unschätzbarem Wert, um sicherzustellen, dass die Übersetzung seiner Bücher eine authentische war. Aber ich wollte nicht, dass er einfach nur als Produzent oder Schöpfer der Vorlage dabei war. Ich wollte ihn als Koregisseur mit dabeihaben. Die Schauspieler und die Crew sollten zuhören, wenn er etwas anzumerken hatte, und ihn mit Respekt behandeln.“ Rodriguez beschloss, dass sie gemeinsam als Regisseur arbeiten würden – auch wenn diese Entscheidung ein großes Opfer bedeuten würde. Um nämlich Gewerkschaftsregeln nicht zu verletzen, die besagen, dass es bei einem Film nur einen Regisseur geben kann, blieb Rodriguez keine andere Wahl, als aus der Directors Guild of America auszutreten, um Miller seinen Credit zu sichern. Rodriguez: „Ich wusste nicht, dass es gegen die Regeln der DGA ist, zwei Regisseure an einem Film arbeiten zu lassen. Aber zu diesem Zeitpunkt war mir bereits klar, dass Frank als Regisseur mit an Bord sein musste, um den bestmöglichen Film zu garantieren. Frank ist der einzige Mensch, der jemals wirklich in Sin City war. Er weiß alles über diese Figuren und ihre Welt. Ich hatte auch das Gefühl, dass er all die Jahre ohnehin bereits der Regisseur gewesen war. Er hat das halt mit Papier und Feder gemacht anstatt mit einer Kamera, Schauspielern und Beleuchtung. Frank ist ein geborener visueller Geschichtenerzähler. Und er kam auf dem denkbar höchsten technologischen Niveau an Bord und lernte die Grundbegriffe so schnell, dass es wirklich verblüffend war.“ „Was den Ausstieg aus der DGA anbetrifft: Das musste einfach sein. Sie wollten nicht, dass ich, ein erfahrener Regisseur, mit einem Regiedebütanten arbeite. Das ist nach ihren Statuten, die übrigens so dick sind wie ein Telefonbuch, verboten. Das Projekt nahm aber so wunderbar Gestalt an und jeder, der etwas damit zu tun hatte, spürte, dass dies ein ganz besonderes Projekt ist und ich es einfach nicht zulassen durfte, als die Gewerkschaft eine Woche vor Drehbeginn an unsere Tür klopfte, um die Produktion stillzulegen. Das Projekt fühlte sich einfach viel zu richtig an. Für meine Begriffe war Frank kein Erstlingsregisseur. Wenn man seine Bücher liest, erkennt man, dass sie die am besten geschriebenen, bestfotografierten, -gespielten, -geschnittenen und -inszenierten Filme sind, die man nie auf der großen Leinwand gesehen hat. Für meine Begriffe war er immer schon ein Regisseur, nur eben auf Papier. Wie im Film geht es in Comics um visuelles Geschichtenerzählen. Auf diesem Gebiet hat sich Frank seit vielen Jahren immer wieder bewiesen. Die Gewerkschaft sagte trotzdem nein. Also trat ich aus, damit wir den Film auf die richtige Weise machen konnten. Manchmal muss man eben die Regeln brechen, wenn man etwas auf andere Art und Weise machen will.“ Diese Entscheidung war endgültig – und Miller stellte fest, dass er die Kontrolle über sein kreatives Baby weiterhin besaß. Jetzt ist er überzeugt davon, dass SIN CITY beeinflussen könnte, wie sich Filmemacher in der Zukunft Comic-Adaptionen nähern. Miller: „Die gesamte Produktion war eine Überraschung für mich. SIN CITY wird mit weitem Abstand die vorlagengetreueste Comic-Verfilmung sein, die man jemals gesehen hat. Wir haben herausgefunden, dass all die Dinge von denen Filmemacher immer gesagt haben, sie ließen sich von Comics nicht auf Film übertragen – die ganz spezielle Form von Dialogen, die schnellen Jump-Cuts von Motiv zu Motiv – nun, all diese Dinge haben wir bewältigt, auf eine völlig neuartige Art und Weise. Ich denke, Comic- und Filmfans werden ganz schön überrascht sein, wie sehr sich SIN CITY von alledem unterscheidet, was es davor gegeben hat. Hier gibt es keinen aufgemotzten Realismus – der Film ist eher wie ein Fiebertraum.“