FILMDETAILS | Tim Burton´s Corpse Bride: Hochzeit mit einer Leiche
Tim Burton´s Corpse Bride: Hochzeit mit einer Leiche
Horror,
Animation,
Liebesfilm
| USA 2005
WERBUNG
| Eindrücke vom Totenreich
"Tim Burton's Corpse Bride" spielt in zwei sehr unterschiedlichen Welten, dem Land der Lebenden und dem Totenreich. Wie sich zeigt, kann man das Land der Lebenden kaum als lebendig bezeichnen, während das Totenreich ein sehr vitales Leben verspricht.
"Der Dreh- und Angelpunkt der Story besteht optisch darin, dass die Erwartungshaltung auf den Kopf gestellt wird", erklärt Produktionsdesigner Alex McDowell, der zusammen mit Lowry die Verantwortung für das Puppenuniversum übernahm. "Das Land der Lebenden erweist sich als graue, tödlich langweilige Umgebung, in der die Menschen apathisch, hoffnungslos und traurig vor sich hin vegetieren. Das Totenreich wird dagegen von springlebendigen Toten bevölkert, die viel Spaß am Leben haben. Beim ersten Konzept der Sets und des Looks gingen wir also von diesen Vorgaben aus. Wir stellten uns das Land der Lebenden als eintönig und abweisend vor, während das Totenreich anarchisch, chaotisch und sehr farbenfroh erscheinen soll."
"Das Land der Lebenden ist äußerst stumpfsinnig, trostlos und öde - die Menschen werden sozial stark reglementiert und wissen kaum, was Lebensfreude ist", sagt Lowry. "Das macht unsere Sache recht schwierig, weil wir auch diese Welt optisch interessant gestalten wollten. Wir wollten eine Atmosphäre kreieren, in der man sicher nicht selbst leben möchte, die aber dennoch so ansprechend sein soll, dass man gern zuschaut."
Als McDowell und Lowry mit ihrer Arbeit begannen, lagen ihnen nur ein vorläufiges Skript und eine Hand voll Konzeptskizzen von Burton vor. Mit den Regisseuren Burton und Mike Johnson und dem Illustratorenteam entwarfen sie daraufhin die Welt der Leichenbraut. Durch einen Ausleseprozess wurden die Ideen reduziert auf das, was sich optisch und praktisch mit dem Puppentrickverfahren umsetzen ließ: So entstanden die endgültigen Konzeptillustrationen - detailreiche, wunderschöne Bilder, die die Optik des Films genau umreißen.
Die Geschichte spielt in einem Dorf der viktorianischen Epoche. Um dem Ursprung der Geschichte als russisches Volksmärchen gerecht zu werden, erhält das Land der Lebenden außerdem eine osteuropäische Anmutung, wie McDowell erklärt: "Bei den Entwürfen gehe ich so vor, dass ich möglichst gegensätzliche Elemente quasi in einen Topf werfe, um aus dem Zusammenprall etwas Originelles zu kreieren. Es gibt im Film also keine viktorianischen Häuser im eigentlichen Sinn, sondern wir verwenden den Stil osteuropäischer Gebäude querbeet von der Tschechischen Republik bis Polen und kombinieren ihn mit der Architektur des britischen Viktorianismus."
Das Land der Lebenden wird zwar von Grautönen dominiert, enthält im Grunde aber durchaus unterschiedliche satte, verhalten monotone Farbtöne. Die Designer ließen sich von Fotos aus der viktorianischen Zeit inspirieren - von handkolorierten Daguerreotypien und auf Glas belichteten fotografischen Platten.
Aus dieser steifen, förmlichen Welt wird Victor von der Leichenbraut in die Unterwelt verfrachtet, die einen scharfen Kontrast darstellt - Victor merkt, dass jedermann es sich dort gut gehen lässt. "Das Totenreich gestalten wir als knallbunte, völlig ausgeflippte Welt", sagt Lowry. "Damit deuten wir natürlich an, dass die Toten auf niemanden mehr Rücksicht nehmen müssen, sobald sie dem Land der Lebenden entkommen sind. Jetzt können sie trinken, ausflippen, Partys feiern, ihren Spaß haben, Witze reißen und ihr Leben voll auskosten. Sie tragen andere Kleider, wohnen in anderen Häusern - alles ist abgedrehter und verrückter."
Das Totenreich ist ein Geisterbahn-Spiegelbild des Lands der Lebenden - das ehrwürdige Reiterstandbild auf dem Marktplatz über der Erde entspricht unten einem Gerippe, das auf einem Pferdegerippe reitet. Die Häuser sind Abbruchversionen der Gebäude auf der Erde, aber so, wie sie vor sich hinrotten, wirken sie viel vitaler als das Land der Lebenden.
"Fast hat man den Eindruck, dass die Farbe durch die Erde gesickert und auf den Häusern im Totenreich hängen geblieben ist", sagt McDowell. "Im Grunde haben wir uns von Fleisch, das am Knochen verfault, inspirieren lassen. In unserer Vorstellung sind auch die Gebäude tot, sie zeigen also eine Art Skelettrahmen, über den sich altes Fell oder Haut spannt. Die Architektur wird von einer Art Knochenstil geprägt, und was vom Fleisch übrig geblieben ist, ist knallbunt bemalt."
Das lebendige, organische Baukonzept im Totenreich beruft sich deutlich auf die himmelstürmenden, eigenwilligen Entwürfe des spanischen Architekten Gaudí. "Uns lag sehr an einem originellen, unverwechselbaren Look für das Totenreich", sagt Lowry. "Weil es schon so viele Versionen gegeben hat, wollten wir es besonders spannend gestalten. Es wirkt gruselig und seltsam, aber man möchte es auf jeden Fall näher kennen lernen - es ist verspielt, märchenhaft, ein einziger großer Spaß."
Die Ausstattung wurde außerdem intensiv vom Aussehen und der Persönlichkeit der handelnden Figuren beeinflusst. Die Häuser sind steinerne Karikaturen der Menschen, die in ihnen leben. Kleine, dicke, untersetzte Figuren wohnen in kleinen, dicken, untersetzten Gebäuden, und große, hagere Typen wohnen in großen, hageren Häusern. "Beim Konstruieren der Sets ging ich zunächst nur von den Silhouetten aus", erinnert sich Lowry. "Die Figuren werden stark durch ihre Körperformen geprägt, einige sind groß, manche rundlich, andere spindeldürr. Das sollte sich im Design der Sets spiegeln, damit die Figuren nicht allzu seltsam aussahen, wenn sie in einem Set auftauchten. In der Umgebung sahen sie also gar nicht so merkwürdig und unnatürlich aus - sie wurden durch die Sets quasi aufgefangen. Die Proportionen und die Inneneinrichtung der Everglot-Villa zum Beispiel orientiert sich an ihren Körperformen: Finis ist sehr klein und untersetzt, während Maudeline eine große, dünne, beeindruckende Figur abgibt, was sich in allen Möbeln widerspiegelt."