"Rumor Has It..." (Wo die Liebe hinfällt) spielt in Pasadena, dem behäbigen, gesetzten Vorort von Los Angeles, in dem der "Geldadel" zu Hause ist. "Pasadena ist eine säuberlich abgezirkelte, hochanständige Enklave", weiß Paula Weinstein ("Monster-in-Law"/Das Schwiegermonster; "Analyze That"/Reine Nervensache 2), die den Film zusammen mit Ben Cosgrove ("Good Night, and Good Luck") produziert hat. "Alles wird strikt reglementiert: Man trifft sich im selben Country Club, kauft in denselben Geschäften ein und kennt die gesamte Nachbarschaft. Das kann sehr langweilig werden, und es kann einem reichlich auf den Geist gehen."
Zum Establishment dieses Milieus gehört die Huttinger-Familie: Vater Earl (Richard Jenkins), Tochter Sarah (Jennifer Aniston) und ihre jüngere Schwester Annie (Mena Suvari). Sarahs Mutter hat einst als junge und schöne Frau geheiratet - sie starb, als Sarah neun Jahre alt war.
"Sarah ist verwirrt - sie weiß nicht recht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll", sagt Jennifer Aniston, die im Starensemble der TV-Serie "Friends" (Friends) berühmt wurde und sich inzwischen mit Filmen wie "The Good Girl" (The Good Girl) und "Bruce Almighty" (Bruce allmächtig) profiliert hat. "Wahrscheinlich liegt es daran, dass ihr etwas fehlt: Sie hat sich in ihrer Familie nie heimisch gefühlt, und dieses Gefühl ist nach dem Tod der Mutter eher stärker geworden."
Sarah lebt sein längerem in New York und schlägt sich als Journalistin durch - ihre Karriere scheint allerdings in der Abteilung für Hochzeitsankündigungen und Nachrufe bei der New York Times den Höhepunkt bereits erreicht zu haben. Sarahs widersprüchliche Gefühle in Bezug auf Job und Familie spiegeln sich auch in der Beziehung zu ihrem Verlobten Jeff - wenn sie sich vorstellt, dass sie ihn tatsächlich heiraten soll, wird sie panisch.
"Sarah schreckt davor zurück, den ausgetretenen Pfaden ihrer Familie zu folgen", kommentiert Regisseur Rob Reiner, der einige der erfolgreichsten und einflussreichsten Komödien aller Zeiten inszeniert hat, zum Beispiel "When Harry Met Sally... (Harry und Sally) und "This Is Spinal Tap" (This Is Spinal Tap). "Sie will nicht nur mehr erleben, sondern sie hat auch das Gefühl, dass sie sich auf etwas einlässt, was ihr im Grunde gar nicht entspricht. Sie hat Angst, im Alltag der Mittelklasse sang- und klanglos unterzugehen."
Als Sarah wegen Annies Hochzeit nach Pasadena zurückkehrt, begrüßt ihr Vater Sarahs Freund Jeff wie einen Sohn... aber Sarah mag noch niemandem verraten, dass sie bereits verlobt sind. "Jeff ist ein anständiger Kerl, der sein Leben ziemlich geradlinig plant", sagt Mark Ruffalo, der die Kritiker mit seinen Auftritten in dramatischen und komischen Rollen begeisterte, zum Beispiel in "You Can Count on Me" (You Can Count on Me), "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" (Vergiss mein nicht) und "Just Like Heaven" (Solange Du da bist). "Er liebt Sarah und möchte sie gern heiraten. Doch dann erlebt er, wie sie Ausflüchte macht und niemandem von den gemeinsamen Plänen erzählt. Denn ihr kommen Zweifel, ob sie Jeffs Antrag hätte annehmen sollen. Sie hat panische Angst vor Entscheidungen. Weil sie niemandem von ihrer Verlobung erzählt, muss sie sich auch nicht zu ihrer Wahl bekennen."
Im Gegensatz dazu kreischt und kichert Sarahs Schwester ständig, wenn sie an ihre bevorstehende Hochzeit denkt. Sie ähnelt Sarah überhaupt nicht, ist lebhaft und temperamentvoll, oder, wie Sarah sagt: "Meine Schwester hopst gerne."
"Annie und Sarah sind wahrscheinlich immer gut miteinander ausgekommen, weil man das von Geschwistern in Pasadena eben erwartet", stellt Mena Suvari fest, die mit "American Beauty" (American Beauty) und den beiden ersten Teilen der "American Pie"-Trilogie bekannt wurde. "Aber die beiden waren sich gefühlsmäßig wohl nie sehr nah."
Sarah kann es nicht fassen, wie unbekümmert ihre Schwester diese Ehe eingeht. In Sarahs Augen wird damit jede prickelnde Spannung abgewürgt - was folgt, kann nur noch blamable Langeweile bedeuten. "Annie rennt blindlings durchs Leben und denkt kaum darüber nach", sagt Suvari. "Einmal fragt Sarah sie, ob sie Angst hat, und Annie fragt: ,Angst wovor?' Sie kapiert es einfach nicht und scheint sich über ihre Schwester lustig zu machen, die so blöde Fragen stellt."
In der Huttinger-Familie vermeidet man kontroverse Themen - man redet lieber über Sport, Tennis, Angeln. Entsprechend "hat Sarah nie Gelegenheit bekommen, über die Dinge nachzudenken, die sie als Ursache für ihre Entfremdung innerhalb der Familie empfindet", sagt Aniston. "Man kann sie mit dem Mount St. Helens vergleichen - kurz vor dem Ausbruch. Der Film beschreibt also ihre Entwicklung: Sie muss sich artikulieren, damit sie die richtige Wahl treffen kann."
Als Sarah formuliert Aniston, was viele Menschen durchmachen, wenn sie sich für einen bestimmten Lebensweg entscheiden. "Jennifer nimmt uns an die Hand und begleitet uns auf Sarahs emotionaler Reise", berichtet Reiner. "Sie ist sexy, hinreißend, und sie überzeugt in den komischen Szenen ebenso wie in den emotionalen Momenten. Diese gelungene Mischung erlebt man nur sehr selten."
Richard Jenkins spielt Earl Huttinger, den ruhenden Pol der Familie. "Auf den ersten Blick scheint Earl Sarahs innere Spannung, ihr Unbehagen gar nicht mitzubekommen", sagt der altgediente Schauspieler Richard Jenkins, der eine Hauptrolle in der gefeierten TV-Serie "Six Feet Under" (Six Feet Under - Gestorben wird immer) und aktuell auch in dem Spielfilm "North Country" (Kaltes Land) spielt. "Aber so schätze ich ihn nicht ein. Vielmehr will er sich dem Thema erst dann widmen, wenn er das Gefühl hat, dass sie so weit ist. In dem Moment ergreift er die Initiative und erzählt ihr, was sie wissen muss."
In dieser Familie am besten zuhören kann Sarahs Großmutter Katharine (die die Anrede "Oma" rigoros ablehnt) - diese Rolle übernimmt Shirley MacLaine. Reiner berichtet, dass er ganz aus dem Häuschen war, als sich die Gelegenheit bot, mit dieser Kinolegende zu arbeiten: MacLaine war sechsmal für den Oscar nominiert - sie gewann ihn 1984 für ihre unvergleichliche Leistung in "Terms of Endearment" (Zeit der Zärtlichkeit). "Sie ist einfach unübertrefflich", schwärmt der Regisseur. "Ihre provokante Art passt perfekt zur Rolle der Katharine, die in der schwerfälligen Gemeinde Pasadena wie ein Filmstar wirkt. Shirley weiß genau, wie man sie spielen muss."
"Shirley kann man am besten als Knallfrosch definieren", sagt Aniston. "Ich bete diese Frau an - sie ist mein Idol, und ich fasse es immer noch nicht, dass ich mit ihr arbeiten darf. Sie ist in jeder Hinsicht absolut fantastisch."
"Katharine hat sich im Pasadena-Milieu durchgesetzt, eben weil sie aufmuckt und rücksichtslos gepfefferte Pointen verteilt", sagt MacLaine über Katharine, die ausplaudert, dass Sarahs Mutter in der Woche vor ihrer Hochzeit mit einem jungen Mann nach Cabo San Lucas ausgerissen ist - und dieser Junge war nicht Sarahs Vater. Sie kehrte dann gerade noch rechtzeitig zur Trauung zurück.
"Katharine will auf Sarahs Fragen nicht eingehen", fährt MacLaine fort. "Sie möchte ihrem Schwiegersohn das Leid ersparen, und sie will auch gar nicht alles erzählen, was sich zwischen ihr selbst, ihrer Tochter und ihrem gemeinsamen Liebhaber abgespielt hat."
Die Situation eskaliert zu einem heillosen Durcheinander, als Sarah von ihrer Tante erfährt, dass der junge Mann der Kommilitone und beste Freund jenes Schriftstellers war, der vor langer Zeit den Roman "The Graduate" (Die Reifeprüfung) geschrieben hat. "Sarah ist schockiert", sagt Weinstein. "Von dieser Geschichte ihrer Mutter hat sie noch nie gehört. Sie hat sich ihre Mutter immer als bürgerliche, nette und liebenswürdige Hausfrau vorgestellt. Verblüfft hört Sarah jetzt, dass sie sich damals genauso angekettet gefühlt hat wie Sarah heute. Ist ihre Mutter ausgerissen, um endlich einmal etwas Aufregendes zu erleben, oder war es einfach nur eine Romanze?"
Aufgrund dieser unerwarteten Information versucht Sarah hektisch ihre Gedanken zu ordnen - konsequenterweise muss sie sich fragen, ob sie vielleicht das Ergebnis jener Romanze ist. Um das Puzzle ihrer Herkunft zusammenzusetzen, geht Sarah auf Schatzsuche - sie will jenen Mann finden, der das fehlende Stück ihrer Existenz darstellen könnte. "Während der Hochzeitsfeier ihrer Schwester öffnet sie die Büchse der Pandora, die vielleicht verraten kann, warum sie sich so sehr von ihrem Vater und ihrer Schwester unterscheidet", sagt Aniston. "Sarah sieht ihnen überhaupt nicht ähnlich; sie lehnt Tennis ab; fährt rasanter als die beiden. Plötzlich erscheint ihr all das völlig logisch. Also heißt doch die nächste Frage: Wenn sie keine Huttinger ist, wer dann? Und wer ist ihr Vater?"
Jeff erklärt sich bereit, Sarah bei ihrer Selbstfindung zu unterstützen - aber er ahnt nicht, wie merkwürdig sich die Situation entwickeln wird. "Ihm ist es letztlich völlig egal, wer ihr Vater ist", sagt Ruffalo. "Doch mit seiner großen Geduld schneidet er sich ins eigene Fleisch - er riskiert daduch die letzte Chance auf eine Beziehung mit ihr."
Reiner beschreibt, wie Ruffalo seine Rolle besonders ruhig und ausgeglichen gestaltete, um so mit Jeffs prekärer Lage fertigzuwerden. "Er muss einen schwierigen Part bewältigen, weil die Geschlechterrollen auf den Kopf gestellt werden", sagt der Regisseur. "In einer traditionellen Liebeskomödie wäre seine Rolle die der Frau - gleichzeitig muss er sich aber auch als sehr maskulin bewähren. Mark zählt zu den größten Schauspielern, die wir heute in Amerika haben - er ist unglaublich sexy, attraktiv und sehr einfühlsam, außerdem kann er Humor und dramatische Situationen verbinden, also zugleich verletzlich und stark wirken."
Im Grunde besteht Sarahs Konflikt darin, dass sie Angst hat, nach ihrem Hochzeitstag auf alle eventuell denkbaren Abenteuer verzichten zu müssen. Und als sie schließlich dem Mann begegnet, der vor vielen Jahren mit ihrer Mutter die Affäre in Baja California hatte, erliegt auch sie seinem Charme.
"Von Beau Burroughs schwärmen drei Frauengenerationen", sagt Reiner. "Er verheißt prickelnde Abenteuer - ein ganz anderes Leben, einen Lebenstraum, der sich irgendwo da draußen verwirklichen lässt. Verrückterweise lassen sich drei Generationen von Frauen auf diesen kleinen Umweg durchs Beau-Territorium ein, um zu sich selbst zu finden. Er verkörpert das Leben, von dem wir träumen, das wir angeblich verdient haben. Es scheint zum Greifen nah, und wir wollen unsere Chance nicht verpassen."
Kevin Costner hat sich durch mitreißende Auftritte in Filmen wie "Dances With Wolves" (Der mit dem Wolf tanzt), "The Bodyguard" (Bodyguard), "Robin Hood: Prince of Thieves" (Robin Hood - König der Diebe) und aktuell "The Upside of Anger" (An deiner Schulter) profiliert. Er spielt Beau Burroughs, den geheimnisvollen Mann im Hintergrund der Huttinger-Familie. "Beau ist sehr erfolgreich und ehrgeizig - in der Computer-Welt ist er als Trendsetter bekannt", sagt Costner. "Als Sarah ihn kennen lernt, engagiert er sich gerade für die dritte oder vierte Firma, die er aufgekauft hat und sehr erfolgreich wieder verkauft."
"Ein charmanterer Mann als Kevin ist kaum vorstellbar", kommentiert Weinstein. "Er ist lässig-elegant ganz im Sinne der klassischen Filmstars - welterfahren und gleichzeitig auch sehr direkt und erdverbunden. Wir glauben ihm sofort, dass Sarah sich ebenso in ihn verliebt wie ihre Mutter und Großmutter."
Der enorm erfolgreiche Freigeist Beau bietet Sarah eine Schulter, an der sie sich ausweinen kann, während sie hin und her überlegt, ob er möglicherweise ihr Vater ist. "Letztlich befindet sie sich dadurch plötzlich wieder in ihrer Anfangssituation", sagt Aniston. "Sie glaubt die Anwort gefunden zu haben - aber genau das stimmt eben nicht."
Während sie die Nacht mit langen Gesprächen verbringen, möchte Sarah Beau plötzlich küssen. "Sie stellt ihre Existenz infrage und gerät wegen ihrer bevorstehenden Hochzeit in die Krise", sagt Costner. "Doch im Gespräch mit Beau verliert sie ihre Angst. Sie fühlt sich erleichtert, sie beruhigt sich, ist aber in dieser Situation sehr verletzlich. Dazu kommt dann noch ein bisschen Alkohol, und in dem Moment ist der Hattrick sozusagen komplett."
Nach der gemeinsamen Nacht kann sich Sarah nicht mehr vor der Entscheidung drücken: Will sie sich an Jeff binden oder eine aufregende Affäre mit Beau beginnen, die aber letztlich nicht von Dauer sein kann? "Beau formuliert es im Film so: ,Es sind die Frauen dieser Familie, die hinter mir her sind'", sagt Weinstein. "Mit seiner These ,Du musst dich zu überhaupt nichts verpflichten - mach' einfach, was du willst' spielt er den Rattenfänger. Er bildet den Gegenpol zu ihrer Angst, die Eigenständigkeit zu verlieren und untergebuttert zu werden. Sarah erscheint das sehr verführerisch, denn genau dieses Gefühl des Eingesperrtseins hat ihren Aktionismus ja erst ausgelöst."
Wie man diesen Knoten auflösen kann, ist eine Frage, der sich Reiner besonders gern stellt, denn in seiner Laufbahn hat er sich immer wieder die schwierigen, aber auch äußerst komischen Dimensionen von Zweierbeziehungen vorgeknöpft. "Aus jeder nur denkbaren Situation filtert Rob sowohl Humor als auch Mitgefühl heraus - er schildert das absolut wahrhaftig", sagt Weinstein. "Er versteht ganz genau, dass wir uns einerseits binden wollen und andererseits im selben Moment die Flucht ergreifen. In jeder Situation, in jeder einzelnen Szene geht er der Wahrheit auf den Grund: Worin liegt das Wesen der Sequenz? Was macht sie komisch oder traurig? Immer kristallisiert er echte Gefühle heraus."
"Robs Timing ist einfach makellos", fügt MacLaine hinzu. "Es ist dabei extrem wichtig, zwischen Ernst und Humor die Balance zu halten. Und man muss verflixt aufpassen, damit die Komödie dabei auf den Füßen landet."