Mittwoch | 30. Mai 2012 | 20:52 Uhr
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  • L.A. Crash

    Drama | USA 2005
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      • | Der rote Faden

      • Cheadles Polizist, Officer Graham Waters, ist die einzige Person des Films, die mit allen Charakteren in Verbindung tritt. Dennoch wird der Film, anders als bei traditionell aufgebauten Produktionen, nicht aus seiner Perspektive erzählt. Stattdessen ist Waters quasi die „Buchstütze der Handlung,“ erklärt Schulman. „Er kommt auf seinem Weg mit allen möglichen Ideen, Geschichten, Konzepten und Lebensentwürfen in Berührung, fällt aber kein Urteil. Er fungiert als stummer Wegweiser.“

        Die unermüdliche Wahrheitssuche seiner Figur führte laut Cheadle zu einer Überdosis Schmerz und Leid für ihn. „Er hat in seinem Job und seiner Familie zu viel gesehen,“ vermutet Cheadle. „Er hat einfach zu viel gelitten und seine Gefühle nicht mehr im Griff. Ich habe bei ihm immer ein Bild vor Augen von einem Mann in einem Dingi, den es beim Rudern von der Küste abtreibt und der neugierig ist, wie weit es noch weitergeht. Eines Tages dreht er sich um und stellt fest, dass er nicht mehr weiß, wo das Festland ist und er nicht mehr zurück kann, selbst wenn er wollte. Graham hat sich also entweder durch die Lebensumstände oder aktiv von sich selbst und all den echten, emotionalen, menschlichen Dingen entfremdet, die uns antreiben.“

        Laut Cheadle kann Graham sich nach so langer Zeit nicht mehr entspannen. „Graham funktioniert sehr kompliziert. Unter seiner totalen Gelassenheit verbergen sich große Konflikte“, erklärt er. „Meines Erachtens fürchtet sich Graham zu sehr und hat das Land so weit aus den Augen verloren, dass er Angst hat, jemanden emotional in seine Nähe zu lassen.“

        Für Esposito, die Grahams Partnerin und Geliebte Ria spielt, geht es in dem gesamten Film und dessen Charakteren hauptsächlich um Verbindungen. „Kommunikation ist das Zauberwort,“ erklärt sie. „Sie versucht wirklich, mit den Leuten zu sprechen und ihre Gefühle zu reflektieren, mit ihnen gemeinsam die Sache durchzustehen, aber interessanterweise antwortet oder spricht kaum einer mit ihr. Mich macht das traurig. Sie gehört zu den mahnenden Stimmen dieses Werks, die sagen ‚Sprecht miteinander, nehmt euch die Zeit.’“

        Cheadle beschreibt ihre gemeinsamen Versuche, Vertrauen aufzubauen, als „Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem...“ Beide Darsteller schieben die Abgestumpftheit von Graham und Ria auf deren Job. „Jeder kennt Beziehungen, die den Beteiligten nicht gut tun und das ist definitiv eine davon,“ erläutert Esposito. „Die beiden führen eine absolut manipulative und missbräuchliche Beziehung, die sehr an ihnen zehrt.“

        Haggis entdeckte bei den Dreharbeiten mit Cheadle die Macht des Schweigens. „Man muss Don gar keinen Dialog geben,“ erklärt er. „Im Gegenteil, ich habe ihm immer mehr Worte entzogen, weil er mit Stille und mit Gesichtsausdrücken so viel aussagt. Bis er mir verbot, noch mehr Dialog zu streichen. Wenn man ihn anschaut – ohne, dass er spricht – entfaltet sich seine gesamte Weltsicht, jeder Widerspruch, jeder Konflikt. Ich finde ihn brillant!“

        Auch Esposito genoss die Arbeit mit Cheadle, auf die sie sich sehr gefreut hatte. „Er wirkt immer so präsent, deshalb wollte ich die Rolle umso mehr,“ gesteht sie. „Obwohl er sich seiner selbst gar nicht sicher ist, strahlen die Emotionen in dieser Stille geradezu von ihm ab. Er macht das so gut, dass es mich immer wieder fasziniert. Ich habe eine Menge von ihm gelernt.“

        „Als ich für die Rolle vorsprach, war Don Cheadle bereits da. Als erstes gestand ich ihm, dass ich ihn für einen der unterschätztesten Schauspieler Hollywoods halte,“ erinnert sich Bridges. „Er freute sich darüber und ich empfand es als Privileg, mit ihm zusammen vorsprechen zu dürfen – selbst, wenn ich die Rolle nicht bekommen hätte.“

        Cheadles Produzententätigkeit erwies sich für Howard als große Anziehungskraft. „Es gefällt mir, ihm dabei zuzusehen, wie er jemandem weiterhilft, weil derjenige es nötig hat,“ erläutert er. „Vor Jahren hat Denzel Washington es versucht und sich um junge schwarze Talente gekümmert, später dann Laurence Fishburne. Jetzt liegt die Macht in Don Cheadles Händen. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen viel Erfolg bei seinem ambitionierten Vorhaben, auf seinem Weg zu bleiben und aufstrebende Schauspieler zu fördern. Dafür bewundere ich ihn.“

        Die in London lebende Schauspielerin Thandie Newton erfuhr durch ihren Fan Paul Haggis von dem Projekt namens L.A. CRASH. „Weil ich in England lebe, kenne ich seine TV-Projekte nicht. Doch als ich in Vancouver drehte, rief er mich aus L.A. an und wir telefonierten eine Stunde lang ganz wunderbar miteinander,“ erinnert sie sich. „Mir gefiel seine Leidenschaft und mir gefiel sein Drehbuch.“

        Beim Entwurf seiner Figur Christine hatte Haggis bereits Newton im Hinterkopf. „Geschmeichelt und stolz“, dass ihr jemand eine Rolle auf den Leib schrieb, fühlte sich Newton anschließend zudem durch das gelungene Skript überrascht. „Man muss nicht mal die eigenen Zeilen durchgehen, sondern einfach wahllos eine Seite des Drehbuchs aufblättern und wird sofort von der Inspiration gepackt,“ schwärmt sie. „Ich bereitete mich genau so auf die Rolle vor, indem ich einfach die Geschichte des Drehbuchs auf mich wirken ließ.“

        Howard spielt ihren Ehemann und fasst zusammen: „Eigentlich sollte man diese Frau beschützen, und doch ist ihre große Klappe ihr ärgster Feind. Sie sagt als einzige unverblümt die Wahrheit, auf den Punkt, während er nur seinen Status sichert und Stellungskämpfe ausficht, während seine Frau ihm dabei zusieht. Unzählige Frauen müssen ihre Männer bei so etwas beobachten und wenden sich ab. Ihr Mann enttäuscht Christine, weil er seine Männlichkeit opfert.“

        „Man kriegt bei diesem Film keine Predigt vorgetragen,“ freut sich Newton. „Vielmehr lernt man all diese verschiedenen Charaktere und unerwarteten Ereignisse kennen. So etwas finde ich fantastisch. Mit am besten gefiel mir die Wahrheitsnähe und gleichzeitig die Ironie des Ganzen, denn viele Menschen sind ja wirklich völlig verkorkste Existenzen. Die Grundaussage besteht darin, dass ein völlig Fremder dein eigenes Leben über den Haufen werfen kann. Jeder übt Einfluss auf andere aus, also sollte man am besten vorsichtig sein.“

        Newton empfindet ihre und Howards Figur als „zur falschen Zeit am falschen Ort in der falschen Beziehung“, als sie von der Polizei aufgehalten werden. „Cameron und Christine fragen sich ständig, ob ihr Leben überhaupt echt ist oder sie nur Rollen spielen. Das finde ich tragisch, denn sie fühlen sich als Schwarze in Amerika nicht ihres Reichtums und sozialen Ansehens würdig.“ „Thandie und Terrence brechen mir das Herz,“ gesteht Haggis. „Ich fühle mich, als reiße mir jemand die Lunge heraus.“

        „In nur vier Szenen muss ich viele provokante und beinahe gefährliche Dinge ausdrücken, die mir allesamt nicht leicht gefallen sind,“ gesteht Newton. „Noch nie in meiner Karriere fühlte ich mich so verletzlich und bloßgestellt wie bei L.A. CRASH.“

        Auch Dillon sah sich bei seiner Darstellung mit einigen Herausforderungen konfrontiert. „Ich fand es schwierig, jemand so Extremen darzustellen, insbesondere in den Szenen, in denen er sehr wütend und ausfallend wird,“ erinnert sich Dillon. „Natürlich erkenne ich viele seiner Emotionen bei mir selbst wieder, doch mit den Handlungen kann ich mich nicht identifizieren. Er kennt in seiner Wut keine Gnade.“

        Doch wie alle anderen Charaktere aus L.A. CRASH besitzt auch Dillons gestörter Officer Ryan eine andere Seite. „Mich faszinierte diese Enthüllung über seine zweite Identität als liebender Sohn, der seinen Vater vergöttert. Ich denke von ihm nicht als schlechter Person,“ erklärt Dillon. „Er kann sehr liebevoll sein, wie wir sehen, und leistet als Polizist in vielerlei Hinsicht hervorragende Arbeit. Dennoch missbraucht er andere und kann mit seinen Emotionen nicht umgehen.“

        Dillon empfindet die Frustration und den Ärger, die seine Szenen so explosiv machen, äußerst menschlich. „Jede Figur in dem Film besitzt universelle Gültigkeit,“ erklärt er. „Egal wie gestört sie auch sein mögen – irgendwie geht es jeden von uns etwas an.“

        Phillippe spielt Dillons Partner, Officer Tom Hansen, und befürchtet, dessen Handlungen kämen weit öfter vor als angenommen. „Ich fand gerade die Tatsache interessant, dass viele Menschen so sind wie Ryan, der seine Unfähigkeit und seinen Frust an anderen auslässt,“ bemerkt er.

        Der junge Darsteller konnte der Gelegenheit, mit Cheadle und Dillon vor der Kamera zu spielen, nicht widerstehen. „Ich bewundere Matt seit langem,“ gesteht er. „Ich kenne seine früheren Filme und bin davon sehr beeinflusst worden, weshalb ich mich sehr auf unsere Zusammenarbeit freute. Er hat mit dieser Rolle eine echte Herausforderung angenommen, denn er spielt jemanden, den die meisten Menschen hassen – und er hat sich da wirklich hineinversetzt! Er machte das absolut Beste aus seinem Part.“

        Ryans Rookie-Partner Hansen versucht wegen des Vorfalls einen neuen Partner zu bekommen, gerät dadurch aber nur in größere Schwierigkeiten. „Das Leben meiner Figur geht ebenso den Bach runter wie das von Terrences Figur Cameron. Camerons Existenz zerbricht daran, was er im entscheidenden Augenblick NICHT tut, weil er sich fügt. Die Szene markiert einen Wendepunkt, schon sehr früh im Film. Von da an lernen wir, wie dieser Vorfall viele andere Leben beeinflusst.“

        Als idealistischer Polizist verkörpert Phillippe den Idealtyp des freundlichen Ordnungshüters, wie man ihn sich wünscht, „den Typen, der alles richtig zu machen versucht,“ beschreibt ihn Phillippe. Dennoch sieht sich Officer Tom Hansen schließlich am Ende seiner Kräfte und seiner Geduld. „Jede Figur steht am Rande des Nervenzusammenbruchs. Das hält die Story dicht und alles in Bewegung.“

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