Mittwoch | 30. Mai 2012 | 20:52 Uhr
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  • L.A. Crash

    Drama | USA 2005
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      • | Dreharbeiten in L.A.

      • Für Produzent Mark Harris entwickelte sich L.A. CRASH rasch zu einer Herzensangelegenheit. „Wir wussten, es würde nicht leicht werden, aber das Drehbuch gefiel uns einfach zu gut,“ erzählt Harris, der aus seiner Zeit als Agent für Produktionen wie „Baywatch“ das Kapital und die Zeit zur Realisierung von Indies wie L.A. CRASH zur Verfügung hat. „Das Projekt ist ungewöhnlich, brillant geschrieben und sollte die Leute schon aufgrund der ungewöhnlichen Thematik interessieren. Wenn mich das Material irgendwie berührt, interessiere ich mich auch dafür.“

        Harris’ Erfahrungen mit Independentproduktionen wie dem preisgekrönten GODS AND MONSTERS („Gods and Monsters“, 1997) gaben Haggis und Moresco zusätzliches Vertrauen in seine Fähigkeiten im Bereich der Finanzierung und Promotion von Indies. Harris schickte Bob Yari von Bull’s Eye Ende 2002 eine umgearbeitete Spielfilmfassung des Drehbuchs. Bull’s Eye, das Produktionsunternehmen von Yari, Cathy Schulman und Tom Nunan, übernahm die Produktion von L.A. CRASH in Zusammenarbeit mit den Produzenten Harris, Haggis, Moresco und Cheadle. Bereits im Januar erregte das Projekt große Aufmerksamkeit und das Casting nahm seinen Lauf.

        „Das, was Cathy Schulman leistete, habe ich seit langem nicht mehr gesehen,“ lobt Moresco. „Sie hat aus allem das Beste herausgeholt. Jeder Teilnehmer ging bei dem Projekt bis an seine Grenzen.“

        Die größte Herausforderung für die Produktion bestand darin, die aufwändigen Filmarbeiten ohne produktionstechnische oder qualitative Nachteile in einen 35-tägigen Drehplan hineinzupacken. „Ich mag ganz bestimmte Augenblicke, keine Allgemeinplätze,“ erklärt Haggis. „Ich will spezifische Momente sehen und hasse es, wenn man ganze Szenen nur streift. Diese Präzision mit Schauspielern, Produktionsdesignern und Kameraleuten zu erreichen, ist eine echte Herausforderung.“

        Auch Moresco empfand es als größte Überraschung, „dass es uns gelang, einen Plan für 35 produktive Drehtage erfolgreich aufzustellen und zu befolgen.“

        Voraussetzung für solch einen Erfolg ist stets die richtige Stimmung am Set. „Wir hatten weniger Geld, also mussten wir härter arbeiten,“ bemerkt Cheadle. „Ausschlaggebend aber war, dass jeder mit Herzblut bei der Sache war. Keiner schaute auf den Gehaltsscheck. Jeder Beteiligte glaubte an das Projekt und deshalb brauchte es auch keine großen Motivationsreden, um die Leute dazu zu kriegen, in die Gänge zu kommen und zu arbeiten. Jeder wollte arbeiten und wollte es gut machen.“

        „Uns ging es wie bei einer Lawine,“ freut sich Schulman, „die immer mehr Energie gewinnt, mehr Kraft, Gewicht, Schönheit, Anhänger, Mitstreiter. An jeder Kreuzung wartet jemand Neues darauf, auf den Zug aufzuspringen und das Projekt zu begleiten. So etwas ist mir noch nie passiert.“

        Autor und Regisseur Paul Haggis wusste, was er von den Schauspielern wollte, was zu kürzeren Drehzeiten am Set führte. „Paul übt alles bis ins kleinste Detail. Er strebt nach Perfektion,“ verrät Bridges. „Er ist genauso detailversessen wie ich, deshalb kann ich ihn verstehen. Trotzdem verschwendet er keine Zeit und achtet darauf, dass alles so straff wie möglich vonstatten geht.“

        „Paul kennt seine Figuren genau,“ erzählt auch Tate. „Er kennt die Menschen. Er durchschaut sie und überträgt sein Wissen anschließend absolut klar und präzise ins Drehbuch.“

        „Paul arbeitet schnell und ist süchtig nach Genauigkeit,“ verdeutlicht Schulman. „Seine Hingabe an Worte, sein Fernsehbackground, Jimmy Muros Kameraarbeit und die durch das kleine Budget verursachte Einschränkung, schnell und präzise zu arbeiten, haben Paul tatsächlich gut getan.“

        Chefkameramann James Muro sah seine Hauptaufgabe darin, die Lichtgegebenheiten im sonnigen Kalifornien zu studieren. „Als ich aus New York in Los Angeles ankam, fielen mir sofort die Unterschiede auf,“ erinnert er sich. „Schnell wurde mir klar, dass L.A. eine der Hauptrollen der Produktion spielt. Also versuchten wir, auch das Licht, die Straßenlaternen, die dunklen Stellen, die Schatten den verschiedenen Vierteln von L.A. anzupassen.“

        Der schattenreiche, realistische Stil, den sich Haggis wünschte und Muro umsetzte, trägt zur Unmittelbarkeit der Handlung bei. „Wir sehen urbane, knallharte Bilder,“ verdeutlicht Muro. „Wie bei einer Achterbahnfahrt ändert sich die Szenerie ständig, das gefällt mir. Natürlich sagt mir auch die Arbeit mit der Handkamera und den schnellen Bildern zu, aber manchmal muss man sich einfach zurücklehnen und das Gezeigte in sich aufnehmen dürfen.“

        Haggis und Muro setzten eine große Bandbreite verschiedener Stile ein, um die wechselnden Erzählperspektiven, aber auch den offenen Umgang mit Rassismus widerzuspiegeln. „Die Leute in L.A. CRASH sprechen wie normale Menschen, man bekommt intime Einblicke und sieht deshalb manche Szenen aus einer Spitzel-Perspektive. Das hat nichts mit der normalen Filmarbeit zu tun,“ erläutert Muro. „Für andere Szenen bedienten wir uns hingegen herkömmlicher Kameratechniken. Hoffentlich ergibt das zusammen auch einen visuellen „Crash“, der die Zuschauer durch ein emotionales Abenteuer führt.“

        Während die Filmemacher diverse Locations in Los Angeles besichtigten, entdeckten sie immer neue Straßenbeleuchtungsvarianten, erinnert sich Muro. „Wir hatten schon vor den Dreharbeiten allein durch unser Location Scouting das Lichtkonzept fertig. So wie verschiedene Menschen unterschiedlicher Rassen in diesem Film kollidieren, so prallen auch die Lichtstimmungen bei L.A. CRASH passend zu den Stadtvierteln aufeinander. Silberfarbiges, verrauchtes, schimmerndes, grünes Licht – alles prallt an verschiedenen Orten aufeinander. Auf der einen Seite verströmt Helligkeit ein Gefühl der Sicherheit, auf der anderen herrscht Finsternis.“

        „Paul und Jimmy besaßen eine genaue Vorstellung von dem, was sie wie, in welcher Eingrenzung, mit was für einem Intro und welchem Outro drehen wollten,“ erinnert sich Produktionsdesigner Bennett. „Wenn wir unseren Job gut machen, merkt es niemand,“ witzelt er. Dennoch bestand die Aufgabe von Bennett, der für Haggis bereits „EZ Streets“ designte, darin, die sehr Location-lastige Produktion durch besondere Elemente der Story anzupassen.

        „Größtenteils musste ich aussagekräftige Szenerien finden und mich durch sie weiter inspirieren lassen,“ verdeutlicht Bennett. „In L.A. stolpert man zum Beispiel an den bizarrsten Orten über Einkaufswägen, gefüllt mit eigenartigen Dingen. Oder es steht ein Typ neben einem 75.000-Dollar-Geländewagen an der Freeway-Ausfahrt und verkauft alles Mögliche von Radkappen über Piñatas bis hin zu gerösteten Erdnüssen. Mir gefallen solche Kontraste.“

        Nach kurzer Vorbereitungszeit auf die intensiven Dreharbeiten machten sich Team- und Ensemblemitglieder die existierenden Locations zu Nutze, darunter auch die bereits in der ganzen Stadt befestigten Dekorationen für das Weihnachtsfest 2003. „Das war zwar eher Zufall, betonte aber die bizarre Situation, in der sich unsere Geschichte über Hoffnung und Verzweiflung abspielt.“

        Auch Schulman hält die Weihnachtsdeko für einen prägnanten Zusatz. „Wenn man genau hinschaut, sieht man überall Kreuze,“ verdeutlicht sie. „Das Fest der Liebe steht vor der Tür, aber nicht ein Mal spricht jemand darüber.“

        Von Chinatown über das San Fernando Valley, von Santa Monica und San Pedro über die Ölfelder der South Fairfax Avenue führten die vielen Erzählstränge das Filmteam quer durch die Stadt. Zu den bekanntesten Drehorten zählen die Los Angeles City Hall sowie die Kreuzung Broadway und Ord. Die Außenaufnahmen in Westwood beherbergten die entscheidende Carjacking-Szene, so wie sie Haggis selbst erlebt hatte. Die weiteren Autodiebstähle filmte man dem Drehbuch gemäß in einer Sackgasse in Sherman Oaks. Zu den weiteren Drehorten im Valley gehören der legendäre Carney’s Hot Dog Stand auf dem Ventura Boulevard in der gehobenen Gegend von Studio City sowie Privathäuser in Sherman Oaks und Lake Balboa. Das Gelände der Loyola High School auf dem Westteil des Venice Boulevards musste für den Eingangsbereich der Notaufnahme herhalten.

        Das Filmteam empfand die Arbeit an L.A. CRASH als etwas ganz Besonderes. Manche finden, die Geschichte enthülle mehr über den Einzelnen und die Gesellschaft als vielen lieb ist. „L.A. CRASH nimmt kein Blatt vor den Mund und erzählt rigoros die Wahrheit,“ bemerkt Schulman.

        Andere wiederum erfahren durch L.A. CRASH mehr über sich selbst als sie es sich eingestehen würden. „Diese Geschichte macht mir selbst klar, dass auch ich ganz nah am Abgrund stehe. Nur einen Katzensprung davon entfernt,“ gesteht Howard. „Wenn man ehrlich ist, geht es doch vielen so. Der Crash wartet gleich um die Ecke...“

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