Eric Bana übernahm die zentrale Rolle des unerschrockenen Pokerspielers Huck Cheever. Curtis Hanson berichtet, wie kompromisslos der Schauspieler sich auf seine Rolle vorbereitete – eine weitere Bestätigung für Hansons Wahl: „Wie Huck ist auch Eric Bana ein Sprenger – er hat sich mit Haut und Haaren in die Rolle eingebracht. Während der Proben arbeitete er nicht nur an seinen Szenen, sondern widmete sich auch ausführlich dem Studium des Pokerspiels. Er ist ein echtes Chamäleon: Im Gegensatz zu vielen anderen Schauspielern, die sich ihre Figuren so hinbiegen, dass sie ihrer Persönlichkeit, ihren Eigenheiten entsprechen, erlebt Eric offenbar jede neue Rolle als Gelegenheit, sich in einen völlig anderen Menschen zu verwandeln.“
Indem Bana zu Huck Cheever wurde, begann er auch zu begreifen, was in Huck vorgeht: „Offenbar wird Huck von sehr widersprüchlichen Emotionen geleitet – das Poker-Milieu kommt seiner Persönlichkeit und seiner Lebensart also sehr entgegen. Ihm macht das Spaß; er hat das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, aber weil er so hundertprozentig in diese Welt eintaucht, existiert die Außenwelt für ihn einfach nicht mehr. Die Menschen seiner Umwelt trauen ihm offenbar zu, einer der großen Pokerspieler zu werden, wenn er einen klaren Kopf behält, aber ich bin mir nicht sicher, ob er selbst sein wahres Potenzial überhaupt erkannt hat. Irgendwie ist er durchaus zum Pokerspieler geboren, aber er muss zunächst die anderen Aspekte seines Lebens in den Griff bekommen, wenn er im Spiel in eine neue Dimension vorstoßen will.“
Hucks angeborenes Talent für das Spiel und sein gleichzeitiges Unvermögen, sein gesamtes Potenzial auszuloten, lässt sich auf seine Vorgeschichte zurückführen: auf die problematische Beziehung zu seinem Vater L.C. Cheever, einem unangepassten Pokerspieler, aus dessen Schatten Huck nie heraustreten konnte. „Ständig wird Huck in der Pokergemeinde mit dem Renommee des Vaters konfrontiert“, kommentiert Bana. „Wir erleben mit, wie anders er sich in Gegenwart von L.C. verhält. Er spielt viel selbstbewusster, wenn sein Vater nicht dabei ist. In L.C.s Gegenwart schlägt er leicht über die Stränge. Der Einfluss ist unübersehbar.“
Den Filmemachern gelang ein echter Besetzungscoup, als sie Oscar-Preisträger Robert Duvall für die Rolle des L.C. Cheever gewinnen konnten. „Wir wollten zeigen, dass L.C. fast eine Spieler-Ikone ist. Dadurch dass Robert Duvall mitmachte, war das ein Selbstgänger“, berichtet Hanson. „Er bringt seine geballte Kreativität in den Part ein und charakterisiert L.C.s Wesen auf wunderbare Weise: unerbittlich im Wettkampf, tough und furchterregend – als Vater und auch als Spielgegner.“
Duvall meint es fast ernst, wenn er erzählt, dass er keine Ahnung vom Unterschied zwischen einem Flush und einem Straight hatte, als ihm die Rolle eines berühmten Poker-Champions angeboten wurde. „Ich war mir wirklich nicht sicher, ob ich die Rolle bewältigen könnte, weil man dafür so viel Vorbildung braucht. Aber das Skript ist sehr ausgefeilt – sehr klug und sehr präzise – und Curtis bringt als Regisseur eine Menge Talent mit… da sagte ich mir: ,Das könnte interessant werden.‘ Schön wäre es gewesen, wenn ich das Drehbuch schon sechs Monate früher bekommen hätte, denn ich musste es erstmal dechiffrieren. Aber ich habe meine Hausaufgaben gemacht, und heute kapiere ich das Spiel… in etwa.“
Doch für die turbulente Beziehung zwischen L.C. und Huck brauchte Duvall keine Anleitung: „Zwischen den beiden hat sich eine Menge Frust angestaut, vor allem in Huck – das liegt an all den Vorfällen in der Vergangenheit. Aber L.C. ist das Verhältnis von Vater und Sohn durchaus noch nicht egal – immer wieder versucht er auf Huck zuzugehen.“
Dazu Denise Di Novi: „Die Beziehung der beiden bildete von vornherein einen Eckpfeiler der Story, aber durch Robert Duvalls Besetzung gewann sie noch zusätzlich an Bedeutung, weil er ein so überragender Darsteller ist und dadurch der Rolle nachhaltig Substanz verleiht. Jeder erwachsene Zuschauer kann sich in die Beziehung der beiden hineinversetzen, denn es geht doch darum, dass kein Mensch sein Leben gestalten und eine erfolgreiche Zweierbeziehung aufbauen kann, bevor er nicht die Altlasten im Verhältnis zu seinen Eltern abgetragen hat – diese Leistung muss jeder von uns bringen.“
Hucks bisherige Liebschaften wirken wie ein Beweis dieser Theorie – über kurze Flirts und beiläufige, flüchtige Affären ist er nie hinausgekommen, Hoffnung auf eine langfristige Bindung gibt es nicht. Doch offenbar ändert sich das, als die ehrgeizige junge Sängerin namens Billie Offer auf der Bildfläche erscheint.
Dazu sagt Drew Barrymore, die Billies Rolle übernimmt: „Sie unterscheidet sich total von den Vegas-Typen, die alles auf eine Karte setzen. Billie vertritt eindeutig die traditionellen Werte – sie weiß, dass man hart arbeiten muss, wenn man sein Leben meistern will. Dennoch scheint ihr Las Vegas als Startbahn für ihre Karriere geeignet, weil sie hier endlich die Chance bekommt, ihren Herzenswunsch in die Tat umzusetzen – sie will singen. Als ich das Drehbuch las, gefielen mir sofort ihre Ehrlichkeit, ihre Bescheidenheit und Weltsicht. Sie hat Ideale, bleibt aber mit beiden Beinen auf der Erde, was besonders in einer Stadt auffällt, die nur aus Luftschlössern besteht.“
Gleichzeitig gibt Barrymore zu, dass sie vor einem bestimmten Aspekt der Rolle zurückschreckte: „Im Film muss ich singen… was mir eine Heidenangst einjagt. Doch Curtis forderte mich auf, so intensiv wie nur möglich zu üben, damit ich meine Lieder selber singen kann. Allein schon die Tatsache, dass er mir das zutraute, hat mein Selbstvertrauen so gestärkt, dass ich ihm versprach: ,Ich tue alles Menschenmögliche, um dich nicht zu enttäuschen.“
Was ihr auch tatsächlich gelang, wie Hanson bestätigt: „Sie hat sich unglaublich ins Zeug gelegt – das werde ich ihr nie vergessen. Aber davon ganz abgesehen verkörpert Drew eine unverwechselbare Mischung aus Unschuld und Weisheit – genau das, was ich mir für die Billie vorstelle. Wie Huck kann sich auch Billie sehr gut in andere Menschen hineinversetzen. Aber sie will die Menschen, denen sie emotional nahe kommt, durch dieses Einfühlungsvermögen natürlich nicht als Gegner besiegen, sondern sie begegnet ihnen sehr herzlich und fürsorglich.“
Doch in Bezug auf Huck wagt sie sich vielleicht ein wenig zu weit vor, wie Barrymore zugibt: „In bestimmten Bereichen ist Billie geradezu altmodisch verlässlich, aber mit ihrem eigenen Herzen geht sie eher fahrlässig um. Sie nimmt sich vor, in Zukunft vorsichtiger zu sein und endlich den Richtigen zu finden, der ihr keinen Kummer bereitet. Doch dann lernt sie ausgerechnet Huck kennen, den klassischen Herzensbrecher. Vielleicht spürt sie das sogar, aber weil sie noch von ihrer Herkunft aus einer behüteten Kleinstadtwelt geprägt ist, kann sie Huck nicht objektiv einschätzen. Für ihn stellt sie das Paradebeispiel dar, wie man sich selbst gegenüber ehrlich und aufrichtig ist, egal, ob es um kleine oder große Einsätze geht, ob persönlich oder beruflich.“
„Huck entdeckt in Billie etwas, das ihm bei seinen bisherigen Frauen entgangen ist“, bestätigt Bana. „Aus diesem Grund öffnet er ihr schließlich auch seinen Schutzpanzer – die Voraussetzung für seine wahrscheinlich erste echte Beziehung.“
Billies ältere Schwester Suzanne kennt Huck von früher – sie warnt Billie, sich von seinem Charme nicht einwickeln zu lassen. Doch als sich Billies und Hucks Beziehung intensiver entwickelt, macht sich Suzanne immer weniger Sorgen. Die Rolle der Suzanne übernimmt Debra Messing, die bestätigt: „Suzanne merkt offenbar, dass Billie einen tiefen Eindruck auf Huck macht. Es besteht also noch Hoffnung, dass er sich positiv entwickelt. Ich habe mit Curtis immer wieder über die Unterschiede der beiden Schwestern gesprochen: Billie ist romantisch, sie sieht alles positiv und optimistisch, während die desillusionierte Suzanne die Welt eher realistisch einschätzt.“
Barrymore stimmt ihr zu: „Ich halte Billie eindeutig für eine Optimistin. Sie weiß zwar, dass man im Leben ohne Liebeskummer nicht auskommt – sie hat diese Erfahrung gemacht, und vielleicht wird es ihr auch wieder passieren. Dennoch entdeckt sie in Huck etwas, was sie dazu bringt, ihr Herz erneut in die Waagschale zu werfen.“