In jeder Phase der Produktion war Glaubwürdigkeit oberstes Gebot für die Filmemacher – dazu gehörte auch der Nachbau des Pokerraums im Bellagio Hotel und Casino, der nach 2003, dem Handlungszeitraum, völlig renoviert worden ist. Zunächst wollte man in den tatsächlichen Pokerräumen drehen, aber wegen der Renovierung war das nicht möglich. Also beschloss man, eine exakte Kopie des Pokerraums im Bellagio, wie er um 2003 aussah, im Studio in Los Angeles nachzubauen. Wie sich herausstellte, hätte die Renovierung des Bellagio zu keinem günstigeren Zeitpunkt stattfinden können. Produktionsdesigner Clay A. Griffith verrät: „Per Auktion verkaufte das Hotel die alten Wandgemälde, Teppiche und Möbel – wir haben dabei einfach alle anderen überboten. Die Kronleuchter, Vorhänge, Wandleuchter – alles haben wir ergattert: Einfach fantastisch, denn der Bau des Sets erwies sich als sehr kompliziert: viele Ziergitter, alle möglichen Details, selbst an der Decke. Auch die Verantwortlichen des Bellagio erwiesen sich als sehr hilfsbereit: Man stellte uns sogar Baupläne der ursprünglichen Räume zur Verfügung.“
Heraus kam ein verblüffend wirklichkeitsnaher Nachbau des ursprünglichen Pokerraums im Bellagio – es gibt genug Zeitgenossen, die das bezeugen können. „Ich war sprachlos“, sagt Poker-Profi Daniel Negreanu. „Das war völlig unwirklich – der Bellagio-Pokerraum sieht genauso aus, wie ich mich an ihn erinnere. Absolut nichts war verändert.“
Sein Profi-Kollege Erick Lindgren stimmt ihm zu: „Mir war richtig unheimlich zumute, als ich hereinkam und den Bellagio-Set betrat. Ich kam mir vor wie auf einer Zeitreise.
Ähnlich reagierten die Profis auf Griffiths Nachbau des berühmten „Benny’s Bullpen“, des Mehrzweckraums in Binion’s Spielhalle, wo das letzte Spiel während des Haupt-Events der WSOP 2003 stattfand. Matt Savage erinnert sich: „Mir lief es kalt über den Rücken, als ich in L.A. diesen Raum betrat – so echt sah er aus. Das ist eine ganz erstaunliche Leistung.“
Griffith und sein Team sind besonders stolz auf den Kommentar jenes Mannes, dessen Meinung sie am meisten interessierte: Jack Binion. „Unglaublich, mit welcher Liebe zum Detail alles gestaltet ist“, sagt er. „Einfach fabelhaft.“
Im Hinblick auf die kleinen Anfänge der WSOP sagt Binion, dass damals niemand davon träumen konnte, dass eines Tages Hollywood an die Tür klopfen würde. „Wir hätten das damals nicht einmal als Poker-Turnier bezeichnet; das war eher ein fröhliches Beisammensein. Angefangen haben wir mit etwa 50 oder 60 Teilnehmern, und am Schluss fand eine Art Abstimmung statt, wer der beste Spieler war. Wir hatten keine Ahnung, wie beliebt das Turnier einst werden würde. Wahrscheinlich waren es zwei Faktoren, die den Wandel herbeigeführt haben: Die Kamera für die verdeckten Karten und die Poker-Websites im Internet. Dadurch ist die Sache gerade in den letzten Jahren explosionsartig angewachsen.“
Hanson bestätigt: „2002 nahmen 631 Spieler an der WSOP teil. 2006 waren es bereits über 8000. Altgediente Spieler sitzen jetzt plötzlich Spielern gegenüber, die sich ihre ersten Sporen als Avatare auf einem Bildschirm verdient haben. Wahrscheinlich liegt darin heute der enorme Reiz des Spiels. Keiner, der seine fünf Sinne beisammen hat, würde sich je vorstellen, auf dem Basketballfeld im Zweikampf gegen Allen Iverson oder auf dem Golfplatz gegen Tiger Woods anzutreten. Doch beim Poker kann man tatsächlich gegen die Besten antreten und – mit ein bisschen Glück – sogar gewinnen.“
Abgesehen von dem Nachbau des Pokerraums im Bellagio und Benny’s Bullpen entstanden fast alle Aufnahmen zu „Glück im Spiel“ vor Ort in Las Vegas. Dazu Denise Di Novi: „Curtis will Las Vegas so zeigen, wie wir es nur selten im Kino zu sehen bekommen – nicht die gleißenden Lichter, sondern die Imbisse, Läden und Viertel, in denen jene Leute verkehren, die in Las Vegas wohnen und arbeiten. In der Stadt existieren zwei Welten nebeneinander: die moderne Touristenattraktion Vegas und das alte historische Vegas, das viel authentischer ist.“
Griffith bestätigt das: „Wir wollen Las Vegas aus einer anderen Perspektive zeigen, klassische und heutige Motive kombinieren – also das, was vom alten Vegas übriggeblieben ist im Kontrast zum neuen Vegas, das sich von Minute zu Minute verwandelt. Die Motivsuche war daher sehr schwierig: Motive, die ich im November ausgesucht hatte – zum Beispiel kleine Restaurants, die dort seit den 50er-Jahren bestanden hatten – waren plötzlich verschwunden, als ich im Januar zurückkehrte.“
„Traurig, aber wahr: Las Vegas ist ein Musterbeispiel dafür, dass unsere Kultur den Wert des Authentischen, Historischen verleugnet und eine neue Imitation dem Original vorzieht“, kommentiert Fenelon. „Im ganzen Land reißt man Gebäude ab, die ihre Entstehungszeit dokumentieren, und Las Vegas liefert dafür die wohl extremsten Beispiele. Der Vegas Strip ist typisch für diese archtektonische Scheinwelt.“
In Las Vegas drehte das Filmteam außerdem im Aladdin Casino, im Polo Lounge, im tatsächlichen Pokerraum des Binion’s sowie auf dem Golfplatz Bear’s Best, den der berühmte Jack Nicholas entworfen hat: Jedes Loch ist die Kopie eines Lochs, das es auf einem anderen legendären Golfplatz gibt. Hinter den Kulissen des Bellagio drehte Hanson Hucks Ankunft auf seinem Motorrad in einer Lieferzone des Casinos, zu der Touristen keinen Zutritt haben. Dann folgt die Kamera Huck durch ein Labyrinth von Korridoren und verborgenen Treppen bis zu einer Tür, durch die er neben der Bühne buchstäblich hineinplatzt in die beliebte Fontana Lounge auf der Casino-Ebene.
Dazu Hanson: „Ich genieße es, wenn ich die Gelegenheit bekomme, eine mir fremde Welt zu erkunden, einzutauchen in diese Welt, so viel wie möglich über sie zu erfahren, um dann bestimmte Elemente auszuwählen, die ich kennen gelernt habe und über die ich jetzt erzählen kann. Das trifft in besonderem Maße auf die Welt der hohen Einsätze zu, auf das Profi-Poker-Milieu, wie wir es in ,Glück im Spiel‘ präsentieren. Unsere Gratwanderung besteht darin, dieses Milieu so darzustellen, dass die Insider sich darin wiedererkennen, und gleichzeitig eine unterhaltsame Story zu erzählen, durch die das restliche Publikum auch noch etwas lernen kann.“