„,Das Haus am See‘ ist eine epische Liebesgeschichte“, sagt Sandra Bullock, die Kate Forster spielt, eine unabhängige und rationale Ärztin, die unaufhaltsam in die geheimnisvolle Romanze hineingezogen wird, obwohl hier doch offensichtlich jede Logik auf dem Kopf steht und in einer Welt für sich existiert. „Es geht um Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, um die Entscheidungen, die wir bei der Wahl des richtigen Partners treffen. Die Story lädt uns ein, an das Unmögliche zu glauben, an bestimmte Mächte, die jedes Hindernis überwinden, weil wir uns doch so sehr wünschen, dass diese beiden zusammenfinden.“
Genau dieses außergewöhnliche Konzept, diese Erzählstruktur gefielen Bullock, die das Projekt als besonders reizvoll beschreibt, „weil man es eben so noch nie gesehen hat“.
Erstmals seit ihrer explosiven Partnerschaft in „Speed“ (Speed) steht Keanu Reeves wieder mit Sandra Bullock vor der Kamera – diesmal übernimmt er die Rolle des Alex. Auch er ließ sich von dem ungewöhnlichen Konzept der Geschichte mitreißen: „Wie sie zusammenfinden, ist sehr originell und mit dem Herzen empfunden.“ Dabei stellt er fest, dass der zeitlose Idealismus, der „Das Haus am See“ prägt, einen krassen Gegensatz zu den im Hier und Jetzt angesiedelten Schauplätzen und Hauptfiguren bildet. „Ich bin diesmal durchaus kein Held, der das bedrängte Mädchen retten muss. Es geht auch nicht um Liebende, die ihr Gegenüber suchen, um einander zu ergänzen. Vielmehr geht es um zwei Menschen, die entdecken, dass sie zusammen etwas Neues schaffen können.“
Dass sie sich überhaupt finden, ist bereits eine Entwicklung, die sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen konnten. Denn wer kann schon erklären, dass Kate 2006 einen Brief in den Briefkasten steckt, den Alex am selben Tag zwei Jahre zuvor herausnimmt?
Diese beiden Menschen leben jeweils ihr eigenes Leben, kommunizieren über die bodenlose Kluft hinweg, die jene zwei Jahre bilden, passen aber in jeder anderen Beziehung perfekt zueinander.
„Am Anfang sprechen sie in den Briefen ganz alltägliche Themen an, aber schon bald fragen sie zwischen den Zeilen: ,Wer bist du?‘, und das ist dann der rote Faden: Wer bist du? Alex lernt einen Menschen kennen, dem er sich anvertrauen, mit dem er seine tiefsten Geheimnisse teilen kann, und sie reagiert genauso“, sagt Reeves.
Ebenso wie Bullock war Reeves überzeugt, dass die Geschichte per E-Mail oder einem anderen Medium nicht so gut funktioniert hätte wie mit Briefen. „Schon das Briefeschreiben allein setzt voraus, dass man sich Zeit nimmt und seine Gedanken ordnet“, sagt Reeves. „So kann man sich von seiner besten Seite präsentieren, intime Gedanken formulieren. Man muss Geduld aufbringen, bis der Briefpartner den Brief erhält und antwortet. Dieses Warten, diese Sehnsucht bündeln unsere Wünsche, unser Vorhaben.“
Mithilfe der Briefe vermeiden Kate und Alex laut Bullock „das oberflächliche Larifari, das nicht ausbleibt, wenn man sich kennen lernt und sich im besten Licht darstellen will. Ohne dieses Drumherum können sie ganz sie selbst sein und vollkommen ehrlich – bis hin zu dummen Witzen und schlechter Laune: albern, wütend, wehmütig und ernsthaft. Aufgrund der ungewöhnlichen Verbindung gibt es keine Peinlichkeiten – ohne Angst vertrauen sie sich einander an, weil sie im Hinterkopf irgendwie immer noch denken: ,Das gibt es doch eigentlich gar nicht‘ oder ,Selbst wenn es das gibt, werde ich den anderen nie im Leben treffen – warum sollte ich mich also in Acht nehmen?‘ Sie verlieben sich unsterblich, weil sie keinerlei Angst haben, ihre Unzulänglichkeiten zu verbergen.“
Außerdem geht es um das Gefühl, einen Gegenstand wie den Brief in der Hand zu halten, den der andere berührt hat, weil den beiden ja sonst keinerlei physische Nähe gestattet ist.
Als sich die Korrespondenz zwischen Kate und Alex entwickelt, blüht nicht nur ihre Romanze auf, sie lernen auch spontan zu lachen. Vor allem bringen sie die spirituelle Kraft auf, ihre Probleme anzupacken, die sie in ihrem jeweiligen eigenen Leben mit sich herumtragen. Dazu Reeves: „Ich glaube gar nicht mal, dass sie sich bewusst auf die Liebe einlassen, aber sie schlagen in ihrem Leben eine neue Richtung ein – sie stellen sich ganz offen dem, was die Zukunft bringen mag.“
Kate tritt gerade eine neue Stellung an. Sie hat ihr Nest auf dem Lande verlassen und zieht nach Chicago, dessen Schönheit sie erst noch entdecken muss, denn zunächst haust sie in einem kleinen, unpersönlichen Apartment – bald hat sie das Gefühl, dass ihr die Decke auf den Kopf fällt. In Liebesdingen ist sie kompromisslos – deswegen hat sie kürzlich mit einem Mann Schluss gemacht, weil er „nicht der Richtige“ war. Doch manchmal fragt sie sich, ob es diesen „Richtigen“ für sie überhaupt gibt und wie lange sie wohl noch auf ihn warten soll.
Unterdessen vergeudet der begabte Architekt Alex sein Talent mit dem uninspirierten Entwurf für einen Wohnblock, statt weiterhin für das renommierte Designstudio zu arbeiten, das sein berühmter Architektenvater Simon Wyler leitet – diese Rolle übernimmt der international gefeierte Leinwandstar Christopher Plummer.
„Alex versucht sich von den Erwartungen zu lösen, die sein Vater für ihn privat und beruflich formuliert hat“, meint Regisseur Alejandro Agresti. „Die beiden haben sich nichts mehr zu sagen, seit der ältere Wyler berühmt und arrogant geworden ist und dadurch die Trennung von Alex’ geliebter Mutter provozierte. Seit die Familie kaputt ist, halten es Vater und Sohn kaum zusammen in einem Raum aus. Alex geht beruflich eigene Wege und will herausfinden, ob er aus dem riesigen Schatten seines Vater treten kann, selbst wenn er dafür seine eigenen Konstruktionsträume auf Eis legen muss.“
„Beide befinden sich im Umbruch: Kate 2006 und Alex 2004“, sagt Reeves. „Beide haben in ihrem Leben dasselbe Stadium erreicht: Sie erwarten, dass etwas passiert, wissen aber nicht so recht, was das sein könnte.“
„Sie begreifen es nicht, bis sie miteinander zu kommunizieren beginnen“, sagt Bullock. „Erst dann verstehen sie, dass sie aufeinander gewartet haben.“
„Das Haus am Meer“ bezieht sich auf den südkoreanischen Film „Il Mare“ (2000), in dem dieses fesselnde Konzept einer Begegnung über die Grenzen der Zeit hinweg entwickelt wird. Auf dem internationalen Filmfestival im südkoreanischen Pusan war der Film ein Publikumshit – so wurden die Produzentenpartner Doug Davison und Roy Lee auf den Stoff aufmerksam – sie nahmen sich vor, die Geschichte mit ihrer Firma Vertigo Entertainment einem größeren Publikum vorzustellen.
Dazu Davison: „Eine derart ungewöhnliche und komplexe Liebesgeschichte hatte ich noch nie gesehen. Es geht um die Macht der Liebe, die das Leben eines Menschen komplett verändern kann – wir waren sofort völlig hingerissen. Es hat zwar dreieinhalb Jahre gedauert, bis wir unser Projekt auf die Beine gestellt hatten, aber ich habe mich die ganze Zeit unvermindert leidenschaftlich dafür engagiert.“
Und Lee fügt hinzu: „Wir konnten uns sofort vorstellen, den gesamten Film mit amerikanischen Darstellern und an US-Schauplätzen neu zu verfilmen, denn die Story ist absolut zeitlos – nichts darin ist typisch koreanisch oder sonstwie an eine bestimmte Kultur gebunden.“
Davison und Lee engagierten David Auburn als Drehbuchautor des Remakes. Das hat er vor allem dem emotionalen Eindruck seines Bühnenstücks „Proof“ zu verdanken, mit dem er den Pulitzerpreis gewann. Die Broadway-Inszenierung erhielt außerdem den Tony und den Drama Desk Award – 2005 wurde das Stück verfilmt. Dazu Davison: „David schreibt mitreißend, und er eignet sich vor allem für eine solche verschachtelte, ungewöhnliche Liebesgeschichte. Entsprechend lieferte er dann auch ein überragendes Skript.“
Genauso kamen die Produzenten auch auf den renommierten argentinischen Regisseur Alejandro Agresti: „Er kann genau die Emotionen auf die Leinwand bringen, die man im Kino so häufig vermisst.“ Besonders beeindruckt waren Davison und Lee von Agrestis „Valentin“ (Mutter gesucht), der anrührenden, nostalgischen Geschichte eines kleinen Jungen, der Astronaut werden will. Der von Agresti inszenierte und geschriebene Film wurde international begeistert aufgenommen und gewann den Silbernen Condor der argentinischen Filmkritiker für die Beste Regie und das Beste Originaldrehbuch sowie auf dem niederländischen Filmfestival das Goldene Kalb für die Beste Regie.
In „Das Haus am See“ geht es zwar um den Austausch zweier Liebender, die durch die Zeit getrennt sind, doch Agresti macht daraus eine Geschichte mit eindeutig optischem Schwerpunkt, der laut Bullock den Zuschauern erlaubt, „ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und auf die Story zu übertragen, während sie sich entwickelt. Das funktioniert optisch viel einfacher, als wenn wir dem Publikum ständig mit Worten einhämmern würden, was es empfinden soll.“
„Mir gefällt, wie wir die Entwicklung der Geschichte erleben, wie wir mit der Zeit mehr über die beiden Menschen erfahren“, sagt Agresti. „Außerdem mag ich den spielerischen Umgang mit der Zeit – wie die beiden sich verlieben, während sie doch auf verschiedenen Zeitebenen leben und sich nicht treffen können. Anfangs halten sie das Briefeschreiben nur für ein Spiel, aber das Unlogische daran entwickelt eine ganz eigene Logik.“
„Hier wird das instinktive Gefühl auf den Punkt gebracht, das man empfindet, wenn plötzlich alles zusammenpasst“, sagt Bullock über ein ständig wiederkehrendes Motiv des Films. „Man erlebt etwas oder jemanden, und in dem Moment erinnert man sich blitzartig an ein Ereignis, das vielleicht schon Jahre zurückliegt, und das jetzt plötzlich durch die Umstände einen Sinn ergibt und eine Verbindung herstellt. Vielleicht muss dieses eine Ereignis eintreten, damit ein anderes geschehen kann. Aber nur selten bekommen wir den Überblick über das Ganze. Letztendlich ist das keine Frage des Schicksals, sondern der freien Entscheidung. Die beiden entscheiden sich bewusst und wollen an etwas glauben, auf das zu warten sich lohnt, obwohl alle Umstände dagegen sprechen.“