Donnerstag | 31. Mai 2012 | 07:43 Uhr
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  • Das Haus am See

    Drama, Fantasy, Liebesfilm | USA 2006
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      • | Das Haus am See

      • Zu Kates und Alex’ Gemeinsamkeiten zählt unter anderem ihre Begeisterung für das Haus am See.

        Als Kate nach Chicago zieht, denkt sie an das Haus zurück, in dem sie wie nirgends sonst mit ihrer Seele im Einklang war. Für Alex birgt das Haus ganz andere Erinnerungen. Sein Vater hat es in glücklichen Zeiten gebaut, als noch die ganze Familie zusammen am See wohnte – das war, bevor er berühmt wurde. Jetzt stellt Alex das heruntergekommene Haus in seiner alten Pracht wieder her, um zumindest ansatzweise jenen Seelenfrieden zu finden, den er einst mit dieser Umgebung verbunden hat. Dazu Reeves: „Er möchte das Haus wieder zu seiner Heimat machen.“

        Es ist kein alltägliches Haus, sondern ein ungewöhnlich schönes Refugium aus Licht und Glas über dem Wasser, abgeschieden und ganz und gar organisch mit dem See und seiner Umgebung verbunden.

        „Das Design ist absolut außergewöhnlich, unbestreitbar schön, aber doch nicht der Stil, in den sich jedermann sofort verlieben würde. Nur bestimmte Menschen können sich in diesem Haus wohlfühlen. Dazu braucht man einen ganz bestimmten Geschmack“, sagt Bullock, die überzeugt ist, dass allein schon dadurch deutlich wird, wie sehr sich diese beiden Menschen ähnlich sind. „Wenn man miterlebt, wie wohl sich Kate und Alex in diesen Wänden aus Glas fühlen, ist ganz offensichtlich, dass sie sehr viel gemein haben – im Grunde ist das Haus ein Symbol für ihr gegenseitiges Verständnis.“

        Bullock gibt zu: „Ich stehe total auf Architektur. Die Wirkung des Hauses erinnert mich an die Pariser Metro-Stationen von der Jahrhundertwende: sauber, minimalistisch, viel Glas und Stahl. Man könnte also meinen, das Design wirke kalt, aber wenn man es dann erlebt, wirkt es durchaus gemütlich“, sagt sie und berichtet, wie das Sonnenlicht auf den verschiedenen Ebenen des Hauses eingefangen und reflektiert wird. „Wie das Taj Mahal hat es ein Mann gebaut, der seine Frau und Familie anbetete und seine Liebe durch das Gebäude ausdrückte.“

        Wochenlang durchstreiften die Filmemacher Uferregionen in Wisconsin, Michigan, Illinois und Indiana und inspizierten praktisch jeden Kilometer des gigantischen Lake Michigan, um ein Haus in der gewünschten Bauweise zu finden. Doch dann entschied man sich dafür, dieses einzigartige Haus für den Film selbst zu bauen. Der für die Drehorte verantwortliche James McAllister („Road to Perdition“, „Batman Begins“) kehrte nach Cook County/Illinois zurück, wo er vor zehn Jahren bereits in einem Naturschutzgebiet am stillen, 22 Hektar großen künstlichen Maple Lake den Film „Evil Has a Face“ gedreht hatte. Der See erwies sich als perfekter Drehort: eine von natürlicher Ruhe geprägte romantische Umgebung, die landschaftlich dem entsprach, was Agresti sich vorstellte.

        „Das Haus war unser wichtigster Set, der Schlüssel zur Geschichte. Es war also sinnvoll, dass wir es uns genauso bauten, wie wir es brauchten“, sagt Produktionsdesigner Nathan Crowley, der mit „Batman Begins“ (Batman Begins, 2005) für den British Academy Award und den Preis der Art Directors Guild (Gewerkschaft der Ausstatter) nominiert wurde. Er zählt in seiner Familie bereits zur dritten Architektengeneration.

        „Wir stellten uns eine Mischung aus Klassik und Moderne vor, wie Alex’ Vater sie entwerfen würde. Vieles daran erinnert an den Glaskastenstil der 1960er-Jahre, aber wir ließen uns auch von der Regency-Epoche inspirieren, die Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts in England die Baumeister inspirierte. Dadurch geben wir dem Ganzen einen romantischen, eleganten Look, und wir haben sogar ein paar Ideen von Gewächshäusern übernommen.“

        Wenn Sandra Bullock darüber nachdenkt, dass Kate und Alex sich in ihrer derzeitigen Lebensphase ganz introspektiv in sich selbst zurückziehen, dann findet sie es besonders auffällig, dass das vorwiegend aus Glas bestehende Gebäude ihnen „überhaupt keine Gelegenheit bietet, sich zu verstecken. Die beiden verstecken sich mehr oder weniger vor der Welt, suchen sich aber ein Haus aus, das wie ein Präsentierteller wirkt“ – als ob schon allein ihre Anwesenheit dort ihre wahre Natur zum Vorschein bringt. „Sie fühlen sich sofort dem See, den Bäumen, dem Erdreich, der gesamten Umgebung inniglich verbunden – so als ob sie unter freiem Himmel leben würden.“

        Praktisch gesehen bedeuteten die durchsichtigen Wände, „dass wir keine Chance hatten, Außen- und Innenaufnahmen zu trennen, wie das beim Film üblich ist“, erklärt Crowley. „Wir mussten alle Aufnahmen dort drehen, was auch hieß, dass wir von der Statik her statt eines Sets praktisch ein echtes Haus bauen mussten.“

        In Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Bauleiter Troy Osman aus Chicago hatte Crowleys Team nur knappe sieben Wochen Zeit, um das Haus zu errichten – und das bei einer Grundfläche von 185 Quadratmetern, die auf Stahlträgern drei Meter über dem Wasserspiegel verankert wurden. Für das solide Haus verwendete man 35 Tonnen Stahl – fast 100 Zimmerleute, Schweißer und Maler waren am Bau beteiligt. „Die Größe war nicht das Problem, aber die Logistik angesichts der begrenzten Zeit, die uns zur Verfügung stand“, sagt Crowley. „Wir bauten sogar eine Heizung ein, damit unsere Schauspieler nicht frieren mussten.“

        Die Bodenbeschaffenheit des Grundstücks hätte es erfordert, Fundamentpfosten zehn Meter tief ins Erdreich des Seegrunds zu treiben. Deswegen entschied sich Crowley, das Fundament „lieber auf Betonplatten zu stellen, was aber eine Installation unter Wasser erforderte.“ Also baute man um die Baustelle einen Damm, der das Wasser von der Baustelle zurückhielt, während die Arbeiter in sechs Meter Tiefe das Stahlfundament legten. „Eigentlich haben wir das Haus neben dem See gebaut, wobei uns die Leitung des Naturparks wunderbar unterstützte“, gibt er zu. „Und dann haben wir den See unter das Haus geleitet, indem wir einfach eine neue Bucht ausgehoben haben. Sobald die Baugrube ausgehoben und die Betonfundamente gegossen waren, entfernten wir den Damm und fluteten das Gelände unter dem Haus.“

        Nur über eine Sache war Bullock traurig: Dass das Haus nicht komplett funktional war, so dass sie darauf verzichten musste, wirklich einzuziehen. „Ich war echt begeistert“, gibt sie zu. „Und ich war maßlos enttäuscht, als ich es nicht behalten durfte. Ich konnte es auch nicht mitnehmen und zumindest irgendwo als Gästehaus wieder aufbauen.“

        Tatsächlich hielt sich das Filmteam strikt an die Richtlinien der Umweltschutzbehörde und zahlreicher Institutionen wie der Audubon Society und den Naturpark-Freunden – von den Auflagen der Baubehörde im Cook County ganz zu schweigen. Das schloss natürlich auch den Abriss mit ein: Nach dem Ende der Dreharbeiten blieb kein Stein zurück.

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